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Marc Friedrich und Matthias Weik: „Alle Steuern abschaffen – bis auf eine“

Dies ist ein Auszug aus dem neuen Bestseller von Marc Friedrich und Matthias Weik „Sonst knallt´s – Warum wir Wirtschaft und Politik radikal neu denken müssen“. Warum die Aufgaben der Gesellschaft ausschließlich aus einer Mehrwertsteuer 2.0 finanziert werden sollten…

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Dies ist ein Auszug aus dem neuen Bestseller von Marc Friedrich und Matthias Weik „Sonst knallt´s – Warum wir Wirtschaft und Politik radikal neu denken müssen“.

Warum die Aufgaben der Gesellschaft ausschließlich aus einer Mehrwertsteuer 2.0 finanziert werden sollten.

Steuern sind eine erlaubte Form von Raub. Das hat der angebliche Erfinder dieser bis heute gerne zitierten Formel, der große scholastische Theologe und Philosoph Thomas von Aquin (1225–1274), zwar nie gesagt, aber das hindert weder Steuerberater daran, diese Scheinweisheit auf ihren Webseiten zu zitieren. Noch verhindert es, dass Steuerzahler sie als Rechtfertigung für jegliche Art von »Steueroptimierung« missbrauchen.


Die Autoren Matthias Weik und Marc Friedrich.

Um seine Steuerlast zu senken, wie es so schön heißt, gibt es in den vorherrschenden Systemen der Einkommensbesteuerung drei Arten von Strategien: legale, trickreiche und kriminelle. Das Ausmaß offen krimineller Steuerhinterziehung lässt sich naturgemäß schwer abschätzen. Verschiedenen Studien zufolge werden dem bundesdeutschen Fiskus durch bewusstes Verschweigen von Einkünften zwischen 40 und 60 Milliarden Euro im Jahr vorenthalten. Bei der Einkommen- und Körperschaftsteuer, so wird geschätzt, sind es bis zu 30 Milliarden jährlich. Bei der Mehrwertsteuer könnten es weitere 20 bis 25 Milliarden sein. Wobei Betrügereien (»Brauchen Sie eine Rechnung?«) hier naturgemäß nur Gewerbetreibenden sowie – in gewissen Grenzen – Vermietern möglich sind. Nicht dem Endkunden an der Kasse, wohl aber den Auftraggebern von Schwarzarbeit.

Wie hoch auch immer man den Schaden schätzt: Angesichts von Steuereinnahmen in Höhe von rund 690 Milliarden Euro (im Jahr 2016) handelt es sich jedenfalls nicht um Kleckerbeträge. Eher sind da schon jene sechs Milliarden Euro ein Tropfen auf den heißen Stein, die der Fiskus seit 2010 nach Selbstanzeigen von rund 120 000 Steuerbetrügern einnehmen konnte, die – meist zu Recht – befürchtet hatten, dass ihre Daten auf diversen vom Staat erworbenen CDs mit in- und ausländischen Bankdaten gespeichert seien. Wie fließend die Grenzen zwischen krimineller und kreativer Steuervermeidung sind, belegten zuletzt 2016 die sogenannten »Panama Papers«. Die dort ansässige Finanzfirma Mossack Fonseca betreibt für rund 15 000 Kunden weit über 200 000 Briefkastenfirmen in 21 Steueroasen rund um den Globus. Der Kundenkreis reicht vom Drogenboss bis zum Staatsoberhaupt, vom saudischen Ölkonzern bis zur deutschen Bundesdruckerei. Wer über größere Geldsummen verfügt, so musste die Öffentlichkeit schließen, mogelt mehr oder weniger große Teile davon an den Finanzämtern vorbei. Dabei spielt es, so der zweite Eindruck, auch keine Rolle, ob dieses Geld halbwegs redlich verdient oder ergaunert wurde.

Kleiner Trost für die Deutschen: Während osteuropäische Autokraten, französische Nationalisten, spanische Minister oder US amerikanische Stiftungen reihenweise in den Skandal verwickelt sind, fand sich nur ein ehemaliger Landespolitiker in dem 2,6 Terabyte großen Datensatz. Dafür haben 28 deutsche Banken, darunter sechs der sieben größten Geldhäuser, mehrere Tausend deutsche Privatkunden an Mossack Fonseca vermittelt. Mit Maklerdiensten für insgesamt 1 200 Briefkastenfirmen spielen die deutschen Banker freilich eher in der Kreisklasse. Die britische Großbank Hongkong and Shanghai Banking Corporation Holdings PLC (HSBC) brachte es allein auf 2 300 Offshorekonten bei Mossack Fonseca, die Banque Internationale à Luxembourg auf über 1 600. Das Grundproblem ist leider immer das Gleiche: Menschen sind standorttreue Lebewesen. Sie wechseln zwar häufiger als früher das Finanzamtsrevier, die Biosphäre ihrer nationalen Finanzministerien aber eher selten. Ebenso wenig lassen sich Fabriken über Nacht von Stuttgart nach Shanghai verlagern – und schon gar nicht auf malerische kleine Inseln wie Aruba, Jersey oder Vanuatu.

Ganz anders verhält es sich mit Geld. Während es illegal wenigstens noch händisch in Aktenkoffern verschoben werden muss, lässt es sich legal und halb legal in Sekundenbruchteilen an jeden beliebigen Ort der Welt transferieren. Denn 98 von 100 um denErdball schwirrenden Dollars, Euros, Yen und Yuan bestehen heutzutage nicht aus Metall oder Papier, sondern aus virtuellen Nullen und Einsen.

Weshalb sich denn auch niemand wundern muss, wenn deutsche Firmen – je nach Studie und Berechnungsmethode – bis zu 100 Milliarden Euro Gewinne pro Jahr in Steuerparadiesen parken. Wenn allein ein Konzern wie Apple dort 180 Milliarden Dollar versteckt. Wenn IKEA zwar 2,5 Milliarden Euro Gewinn machen kann, diesen aber in Luxemburg, dank des ehemaligen Premier- und Finanzministers Jean-Claude Juncker, zu einem Satz von nur 0,002 Prozent versteuern darf; oder wenn nach Schätzungen des Tax Justice Network Privatpersonen Finanzvermögen in Höhe von 21 bis 32 Billionen (!) Dollar in Steueroasen anlegen – was in etwa der Wirtschaftsleistung der USA und Japans zusammengenommen entspricht.

Steuern, noch mal überdacht

Solche Zahlen haben wir (MF/MW) in allen unseren bisherigen Büchern ausgebreitet. Und wir haben auch viel Druckerschwärze verbraucht, um harsch zu kritisieren, wie sich Superreiche und Großkonzerne aller Länder vereinigen, um die Staaten, in denen ihre Wohn- und Firmensitze liegen, bei der Steuer nach besten Kräften zu hintergehen. Deswegen werden sich etliche unserer Leser wundern, wenn wir jetzt einräumen: Widerstand zwecklos! Tatsache ist: Seit Jahrzehnten will man den Steueroasen das Quellwasser abgraben und alle Steuerschlupflöcher vernageln. Doch kaum haben sich Banken mit Alpenblick etwas genauer in die Bücher schauen lassen, schon sonnen sich ihre empfindsamen Kundeneinlagen an karibischen Stränden. Dafür schimpfen alle EU-Finanzminister laut auf die dortigen Zwergstaaten. Dass der luxemburgische Kollege das gleiche Geschäftsmodell fährt … Ach ja, bedauerlich. Und was sind schon ein paar Inselchen im Ärmelkanal, wenn sich das Vereinigte Königreich 2019 nach dem Brexit voraussichtlich in die größte Steueroase der Erde verwandelt?

Unser (MF/MW) Zwischenfazit: Die Ausrottung der Schmeißfliege wäre ein unrealistisches und daher sinnloses Projekt. Genauso unsinnig ist die Hoffnung, eines Tages alle digitalisierten Dividenden und Konzerngewinne fair und korrekt zu besteuern. Oder die Hoffnung, das Steuerrecht international zu »harmonisieren«. Beides würde wohl nicht einmal dann gelingen, sollte es eines Tages, wie bei Orwell, nur noch die drei Machtblöcke Ozeanien, Eurasien und Ostasien geben.

Diese Einsicht war für uns freilich nur der erste Schritt. Es folgten Zweifel: Sollten wir nun etwa die Geldschneiderei der »Eliten« zähneknirschend tolerieren? Oder wäre es eher an der Zeit, sich zu fragen, ob die so überaus kreative Opposition »der Reichen« gegen eine Besteuerung vielleicht auch vernünftige Gründe hat? Um dann zu untersuchen, ob nicht die ganze Idee der Besteuerung von Einkommen, Gewinnen und Vermögen von gestern ist … Während wir anfingen über die »Steuerfrage« noch einmal ganz neu nachzudenken, lernten wir am Rande einer Veranstaltung Götz W. Werner kennen. Wir kamen in einen Diskussionsprozess über die von ihm vertretene Idee der Konsumsteuer.




Die beiden Ökonomen, Querdenker, Redner und Honorarberater Matthias Weik und Marc Friedrich schrieben 2012 gemeinsam den Bestseller “Der größte Raubzug der Geschichte – warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden“. Es war das erfolgreichste Wirtschaftsbuch 2013. In ihrem zweiten Buch, „Der Crash ist die Lösung – Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten“, haben sie u.a. die EZB Leitzinssenkung und Minuszinsen für die Banken, die Absenkung des Garantiezinses bei den Lebensversicherungen sowie den Ausgang der EU-Wahl richtig prognostiziert. Der Crash ist die Lösung war das erfolgreichste Wirtschaftsbuch 2014. Im Mai 2016 ist ihr drittes Buch „Kapitalfehler – Wie unser Wohlstand vernichtet wird und warum wir ein neues Wirtschaftsdenken brauchen“ erschienen welches es auf Anhieb auf die Spiegelbestsellerliste geschafft hat. Am 24. April 2017 ist ihr viertes Buch „Sonst knallt´s!: Warum wir Wirtschaft und Politik radikal neu denken müssen“ erschienen das sie gemeinsam mit Götz Werner (Gründer des Unternehmens dm-drogerie markt) schreiben. Matthias Weik und Marc Friedrich sind Initiatoren von Deutschlands erstem offenem Sachwertfonds dem FRIEDRICH&WEIK WERTEFONDS sowie der Petition „EZB Stoppen – wir zahlen nicht für Eure Krise“.
Weitere Informationen über die Autoren finden Sie unter: www.friedrich-weik.de, bei Facebook unter www.facebook.com/friedrichundweik/ und bei Twitter www.twitter.com/FRIEDRICH_WEIK.

8 Kommentare

8 Comments

  1. Avatar

    trader67

    5. Juni 2017 18:20 at 18:20

    Das finde ich mal eine richtige gute Idee!

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    Greg

    5. Juni 2017 21:25 at 21:25

    Das ist eine vollkommen asoziale Idee, welche die Reichen vollständig aus ihrer Verantwortung entlässt und das „Arbeitervolk“ versklavt … Nein, es muss dafür gesort werden, dass nur jemand noch in einem Markt mitmachen darf, der die „Finanzkriterien“ eines Staates einhält. Dann gibt’s vielleicht zuerst etwas weniger Auswahl – doch zum Schluss mehr Cash der „Grossen“.

    Zudem gehört das Geldschöpfungsmonopol dem Staat, weil er ja letztlich auch für all die „Kohle“ haften muss, die Banker Zocker einfach aus dem Nichts erstehen lassen können und zudem noch die Hoheit haben, WEM und für WAS Girageld gegeben wird.

    Vollgeld ist der Erste Schritt zur Rückeroberung des Geldmonopols, das sich die Plutokraten unter den Nagel gerissen haben! Dann kann es auch wieder besser werden.

    In einem zweiten Schritt wäre die direkte Demokratie nötig, um dem Volk die Möglichkeit gegen „Korruption“ vorzugehen – Demokratie heisst ja, 50%+1 sollen bestimmen! Alles andere ist Fake Demokratie …

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    Emm wie Meikel

    5. Juni 2017 22:47 at 22:47

    Jegliche Steuern können abgeschafft werden, wenn sich die Regierung einfach ausschließlich über die Notenbank finanziert. Davon könnte sogar ein Grundeinkommen gezahlt werden, als dauerhafte Lösung für den immer weiter schrumpfenden Bedarf an menschlicher Arbeitskraft in Folge fortschreitender Automatisierung und Effizienzsteigerung.

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    Charlie

    6. Juni 2017 01:21 at 01:21

    Völlig asoziale Steuer, die die ungleichen Vermögen komplett ignoriert. Da diese Jungs genau wissen, was sie tun, ist anzunehmen, dass hier Propaganda im Sinne der Eliten und keine Aufklärung betrieben wird.

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    Ralf W.

    6. Juni 2017 05:48 at 05:48

    Ich bin Steuerberater und würde das zu 100% unterstützen! Unser jetziges Steuersystem ist ungerecht.

    Greg kann ich nur empfehlen das Buch der Autoren zu lesen sowie in Erwägung ziehen, das im momentanen System die Reichen kaum Steuern zahlen müssen. Das ist asozial!

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    Tom

    6. Juni 2017 08:23 at 08:23

    Ralf hat vollkommen recht auch wenn er dann seinen Beruf als Steuerberater an den Haken hängen kann. Das heutige Steuersystem mit tausenden von Regelungen und Ausnahmetatbeständen nutzt nur den Reichen. Wer hier verkauft oder eine Dienstleistung erbringen will kann keine Steuern mehr verschieben und das Geld bleibt dort wo es erwirtschaftet wird.

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    frank.trg

    6. Juni 2017 09:48 at 09:48

    Ein Multimillionär oder gar Milliardär frisst auch nicht mehr als ein Ottonormalbürger. Gut, er wird zwar teurere Lebensmittel kaufen, aber insgesamt sind seine Lebensmittelausgaben vergleichsweise niedrig. Und wenn er kein Großkotz ist werden auch seine Lebenshaltungskosten relativ zu seinem Vermögen gering sein. Die Konsumausgaben von Superreichen dürften jedenfalls nicht exorbitant sein und somit würde diese eine Konsumsteuer nur schwach treffen. Hingegen dürften die Steuerersparnisse durch Wegfall von Einkommensteuer, Kapitalertragsteuer etc. exorbitant sein. Reiche und Superreiche dürften also massiv von einem reinen Konsumsteuersystem profitieren. Was daran gerecht sein soll ershließt sich mir nicht…

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    Olivia

    28. Juni 2017 18:59 at 18:59

    Matthias Weik und Marc Friedrich: Sonst knallt´s! Warum wir Wirtschaft und Politik radikal neu denken müssen

    https://goo.gl/w96AqG

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US-Wahl: Was passieren muß, damit Trump gewinnt!

Markus Fugmann

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Die US-Wahl rückt immer näher, laut Umfragen liegt Donald Trump derzeit recht deutlich hinter Joe Biden. Eines scheint klar: wenn Trump die US-Wahl gewinnen will, muß er zwingend den Bundeststaat Florida gewinnen – gewönne Biden in Florida, wäre ein Wechsel im US-Präsidentenamt praktisch sicher. Die Zwischenstände aus Florida werden also extrem wichtig – es gibt sogar einen kleinen Wahlbezirk in diesem Bundeststaat, der schon früh die Richtung anzeigen dürfte.

US-Wahl – das sind die Szenarien

Die US-Seite https://fivethirtyeight.com/ zählt zu den führenden Prognose-Quellen in den USA. Sie bietet ein interaktives Tool an, mit dem man Szenarien durchspielen kann: gewinnt etwa Biden den swing state Pennsylvania, dann hat das einen positiven Einfluß auch auf seine Sieges-Chancen auch in Nachbar-Bundestsaaten. Sehen Sie hier, was passieren muß, damit Trump gewinnen kann:

 

Und so ist die Lage in den USA unmittelbar vor der US-Wahl – es ist ein gespaltenes, zerrissenes Land, wie folgende ARTE-Dokumentation zeigt:

 

Was muß passieren, damit Trump die US-Wahl gewinnt?

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Aktien

Banken: Es hagelt sensationell gute Quartalsergebnisse!

Claudio Kummerfeld

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Hochhäuser von Banken im Londoner Viertel Canary Wharf

Was ist das los? Gerade in der schlimmsten Rezession seit Jahrzehnten sollten sich die Banken doch in einer dramatischen Schieflage befinden? Denn Kreditausfälle müssten aus Quartalsgewinnen eigentlich Verluste machen und damit folglich das Eigenkapital der Banken angreifen? Dieses Szenario steht womöglich bevor, wenn die anstehende Pleitewelle Löcher in die Bücher der Banken reißt.

Aber noch ist es nicht soweit. Derzeit hagelt es sensationell gute Quartalszahlen von Banken weltweit. Vor allem fällt auf, dass gerade die Banken tolle Zahlen melden, die stark im Kapitalmarktgeschäft tätig sind, und eher weniger im Privat- und Firmenkundengeschäft mit Krediten, wo Probleme mit Kreditausfällen drohen, und wo die Banken sich derzeit mehr denn je mühen neue Kundeneinlagen abzuweisen – weil sie selbst sonst Strafzinsen zum Beispiel bei der EZB entrichten müssten.

Banken mit starkem Kapitalmarktgeschäft im Vorteil

Wie gesagt. Wer stark im Kapitalmarktsegment engagiert ist, der feiert die Krise. Zum Beispiel lässt sich derzeit viel Geld machen mit den globalen Schuldenorgien. Wo die Banken zum Beispiel in Europa in den Erstauktionen der staatlichen Schuldenagenturen Staatsanleihen aufkaufen, können sie mutmaßlich schön und entspannt Gewinn machen mit dem Weiterverkauf der Anleihen an die EZB am Sekundärmarkt. Auch in vielen anderen Bereichen des Kapitalmarkts war die letzten Quartale viel los. Man beachte in diesem Zusammenhang die sensationell guten Quartalszahlen von Goldman Sachs vom 14. Oktober. Der Quartalsgewinn konnte gegenüber dem Vorjahresquartal verdoppelt werden (hier die Details). Bei den anderen großen US-Banken gab es keine Katastrophen-Meldungen. Und dann am Dienstag dieser Woche meldete die Schweizer Großbank UBS ebenfalls eine Gewinn-Verdoppelung (hier die Details).

Barclays

Heute nun hat die britische Großbank Barclays ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Der Gewinn liegt mit 611 Millionen Pfund gut drei Mal so hoch wie erwartet, und auch dramatisch besser als im Vorjahr. Da war es noch ein Verlust von 292 Millionen Pfund – auch wenn man hier berücksichtigen muss, dass der Verlust aufgrund von Schadenersatzzahlungen an geschädigte Kreditnehmer zustande kam. Dennoch ist heute ein Gewinn, der drei Mal so hoch reinkommt wie erwartet, beachtlich. Außerdem hat Barclays wie viele andere Banken auch im dritten Quartal die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle deutlich reduziert, nämlich auf 608 Millionen Pfund nach 3,7 Milliarden Pfund in den ersten sechs Monaten des Jahres.

Nordea

Bei der größten skandinavischen Bank Nordea könnte man glatt meinen, dass die Krise zeitlich auf den Kopf gestellt wurde. Auch hier gab es heute Quartalszahlen. Der operative Gewinn steigt binnen Jahresfrist von 875 Millionen auf 1,09 Milliarden Euro. Die Gründe für die guten Zahlen: Einerseits mehr Kreditvergabe-Volumen in der Krise – andererseits nicht mehr vorhandene Belastungen durch Schrottkredite (331 Millionen Euro Belastung im Vorjahresquartal). Dennoch erwartet Nordea für das Gesamtjahr Kreditausfälle von gut einer Milliarde Euro. Es klingt wie ein Witz, dass jetzt Belastungen durch Kreditausfälle weggefallen sind. Aber aktuell wirkt es noch schlüssig. Es werden weltweit auch mit Staatshilfen viele neue Kredite vergeben, wo die Kreditnehmer natürlich erstmal wieder liquide sind und auch die monatlichen Raten einige Zeit lang zahlen können.

Noch sieht es gut aus

Wenn die große Pleitewelle bei Unternehmen denn kommen sollte, dürfte sich die Lage für die Banken verdunkeln. Banken wie Goldman Sachs mit fast null klassischem Privatkundengeschäft könnten auch in einer Pleitewelle gut da stehen, weil man ja keine Kreditausfälle verkraften müsste. Und die deutschen Banken? Die Commerzbank meldet ihre Quartalszahlen am 5. November, die Deutsche Bank am 28. Oktober. Es ist möglich, dass sie schon vorab als Ad Hoc-Meldung ihre Finanzdaten berichten, wenn sie zu stark von den Erwartungen abweichen. Es könnte sein, dass auch die beiden deutschen Großbanken jetzt halbwegs akzeptable Zahlen melden, und dass die bitteren Verluste der Kreditausfälle erst noch anstehen, wenn die Pleitewelle wie von vielen Experten erwartet demnächst einsetzt. Aber es kann vielleicht noch einige Zeit dauern, bis eine Pleitewelle wirklich auf die Quartalszahlen der Banken durchschlägt. Denn bis die Bank wirklich einen Kredit als Verlust abschreibt, muss erstmal der Schuldner den Bach runtergehen, dann gibt es Verhandlungen über Umschuldungen usw. Also, kurzfristig könnten auch Deutsche Bank und Commerzbank noch akzeptable Quartalszahlen melden.

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Sahra Wagenknecht über die große Krise, und wie man sie lösen kann

Redaktion

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Sahra Wagenknecht hat den Ruf wirklichen wirtschaftlichem Sachverstand zu besitzen. Bei ihr kann man erkennen: Es wird nicht stumpf das sozialistische Lied abgespielt. Bei ihren Aussagen merkt man, dass sie das Gesamtbild im Blick hat und auch versteht. Natürlich kann und darf man über ihren Lösungsansatz für das große Gesamtproblem streiten. Aber auch ihren Lösungsansatz begründet sie inhaltlich nachvollziehbar.

Sahra Wagenknecht mit Bestandsaufnahme der Krise

In ihrem aktuellsten Video (am Ende dieses Artikels) wirft Sahra Wagenknecht die Frage auf, ob eine große Finanzkrise bevorsteht. Dafür arbeitet sie sich an vielen Ungleichgewichten und wirtschaftlichen Schieflagen ab, die in dieser Form in der Tat auch bestehen. So bespricht sie die gigantische Geldschwemme der Notenbanken, in der Europa verursacht durch die EZB. Diese sorge für einen riesigen Push bei den Aktienkursen. Profitieren würden vor allem die Reichen, die in großem Umfang Aktien besitzen. Der Kleinsparer, der sein Geld nur auf dem Sparkonto parkt, würde durch Nullzinsen (neuerdings immer öfters auch Negativzinsen) und Inflation laut Sahra Wagenknecht real jedes Jahr Geld verlieren.

Die Großkonzerne würden in der Coronakrise mit billigem Geld überschwemmt, so dass sie gar keine Probleme hätten durch diese Krise zu kommen (ja, dafür gibt es zahlreiche Beispiele). Gleichzeitig haben es laut Sahra Wagenknecht kleine Unternehmen und Unternehmer derzeit sehr schwer überhaupt an Geld zu kommen, um die Krise überleben zu können. Demnach seien die großen Konzerne die Krisengewinner, die kleinen Betriebe die Verlierer. Sahra Wagenknecht nennt in diesem Zusammenhang auch die Anleihekäufe der EZB, wo auch in großem Stil Unternehmensanleihen gekauft werden. Und hier geht es eben um Anleihen großer Unternehmen, und nicht um Schulden kleiner Betriebe, die eh keine Anleihen ausgeben.

Als weiteres Ungleichgewicht benennt Sahra Wagenknecht auch die Immobilienblase. Bei den niedrigen Zinsen lohne sich die große Spekulation, welche die Preise immer weiter nach oben treibe. Und letztlich beleuchtet sie die (von uns bei FMW oft angesprochene) steigende Bedrohung für das Bankensystem in Europa. Schon vor der Krise habe es laut Sahra Wagenknecht 600 Milliarden Euro Volumen an faulen Krediten bei Banken in Europa gegeben – jetzt drohe diese Summe auf 1,4 Billionen Euro zu steigen.

Problemlösung

Was sei nun die Lösung des Problems? Laut Sahra Wagenknecht seien immer neue Schulden und immer tiefere Zinsen nicht die Lösung des Problems. Die Wirtschaft könne auch nicht so kräftig ansteigen, dass Volkswirtschaft und Staat aus dem gigantischen Schuldenberg „herauswachsen“ könnten, wie sie es formuliert. Inflation sei auch keine Lösung, da hierbei die kleinen Leute mit ihren Sparguthaben enteignet würden. Die reichen Leute würden mit ihren Immobilien und Betriebsvermögen ihren Wohlstand behalten, während die kleinen Leute bei einer spürbaren Inflation den Preis bezahlen müssten.

Für Sahra Wagenknecht gibt es nur eine Lösung des Problems. Und da kommt natürlich die linke Politik wieder zum Vorschein. Man müsse die enorme angehäufte Schuldenlast restrukturieren, und zwar zu Lasten der wirklich Vermögenden. Dazu kann man anmerken: Das ist eine politische Frage, was man will. Diese Lösung kann man befürworten, oder eben auch nicht. Ansichtssache. Aber abgesehen davon: Die anderen Alternativen sind auch nicht berauschend. Man darf vermuten: So wie die aktuelle Merkel-Regierung wird wohl auch ein Nachfolger wie Herr Laschet keinen großen Wurf machen, sondern stillschweigend zusammen mit der EZB auf die Lösung setzen, die auch die Amerikaner seit Jahrzehnten praktizieren, wenn es um Problemlösungen geht. „Kick the can down the road“ – die Dose die Straße weiter runter kicken. Das Problem also in die Zukunft verschieben. Also jetzt immer neue Rettungsprogramme auflegen (letztlich finanziert durch die EZB, das neue EU-Schuldenprogramm uvm), – und diese Probleme darf irgendwer in ferner Zukunft abzahlen.

Sahra Wagenknecht
Sahra Wagenknecht. Foto: Ferran Cornellà CC BY-SA 4.0

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