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Mario Draghi erhält Bundesverdienstkreuz (kein Witz) – der deutsche Sparer gratuliert!

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Nein, wir haben noch nicht den 1. April. Nein, es ist kein bitter böser Scherz. Der ehemalige Chef der EZB Mario Draghi wird am 31. Januar von Bundespräsident Steinmeier das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen. Die Verleihung ist auch schon offiziell terminiert. Ja, da möchte der deutsche Sparer doch gleich mal gratulieren für die Niedrig- und Nullzinsen, und das über Jahre hinweg? Herzlichen Glückwunsch, da hat man sich so ein Bundesverdienstkreuz auch redlich verdient?

Aber Scherz bei Seite. Bekommt Mario Draghi das Bundesverdienstkreuz dafür, dass seine Geldpolitik (2,6 Billionen Euro drucken und Zinsen abschaffen) so gut funktioniert hat, dass er die Wirtschaft stimuliert und die Inflation planmäßig auf 2% gehoben hat? (was ja gar nicht geschehen ist). Nein, es geht natürlich um das „Große Ganze“. Wofür bekommt er denn diese Auszeichnung nun konkret? Man darf spekulieren. Man denke da zum Beispiel an die Worte an Angela Merkel bei der Verabschiedung von Mario Draghi als EZB-Präsident Ende letzten Jahres. Er habe die Eurozone erfolgreich durch die Schuldenkrise geführt. Die Währungsunion sei durch Draghi gestärkt worden etc.

Lesen Sie hier nochmal unseren „Abgesang“ auf Mario Draghi aus November 2019.

Dass Mario Draghi das Gebilde namens Eurosystem letztlich nur durch brutales Gelddrucken künstlich am Leben gehalten hat? Egal, wen interessieren in der hohen Politik schon die „kleinen Details“? Dass dank der von Mario Draghi abgeschafften Zinsen die Südländer nur künstlich überleben können, kein Wort dazu. Egal. Dass Banken, Pensionskassen, Versicherungen etc massivste Probleme haben dank Draghis Politik, egal. Dass die Rentensysteme dank ihm dramatisch in die Krise rutschen, egal. Das oberflächlich betrachtete Ergebnis zählt. Es geht ja schließlich um eine Auszeichnung. Dass das Gebäude dahinter (die Eurozone und das EZB-System) wacklig und morsch ist, dass Banken, Staaten etc sich nun wie bei einer Droge an Gelddrucken und Nullzinsen gewöhnt haben und nicht mehr davon loskommen können – alles egal. Mario Draghi bekommt sein Bundesverdienstkreuz, für seine Verdienste!

Mario Draghi erhält am 31. Januar das Bundesverdienstkreuz
Mario Draghi im Oktober 2019. Foto: EZB CC BY-NC-ND 2.0

18 Kommentare

18 Comments

  1. Avatar

    franko33

    22. Januar 2020 12:04 at 12:04

    Diese Nachricht ist ein Hammer !

    Dennoch,man muß zweimal hinschauen,denn das zeigt einmal mehr,wie „unsere“
    Bundesregierung denkt und handelt.
    Nun gut sie sind gewählt – gerade auch von denen,die fünf-und sechsstellige
    Beträge auf ihren Giro-und Lebensversicherungskonten haben.

    • Avatar

      Claudia

      31. Januar 2020 20:16 at 20:16

      @Franko33, @Koch
      Wie kommen Sie beiden eigentlich auf die Schnapsidee, dass die Regierung etwas mit der Verleihung oder der Nominierung zu tun hat? Vorschläge können auch Sie beide einreichen, über die Nominierung und Verleihung entscheiden hochdekorierte Staatsmarionetten bis hinauf zum Bundespräsidenten.

      Damit, wie unsere Regierung denkt und handelt, hat das nicht das Geringste zu tun. Was nicht heißen soll, dass ich das gut heiße. Aber was Sie beide hier ganz öffentlich von sich geben, ist vergleichbarer Sondermüll auf dem Parallelgleis.

  2. Avatar

    Koch

    22. Januar 2020 12:48 at 12:48

    Mission accomplished,Grokoparteien!Euer,verdienter Sturz unter die 5% Hürde, findet durch solche Aktionen immer mehr Befürworter.Es ist unfassbar enttäuschend,welchen extrem minimalen Stellenwert diese Regierungskomparsen der eigenen Bevölkerung,zugestehen.Ich würde mich noch gerne mehr und einhergehender mit diesem Thema befassen,muss aber an meinen Blutdruck denken und deshalb abbrechen.

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    Reger

    22. Januar 2020 19:14 at 19:14

    Es bekommt ein europäischer Mitbürger das Bundesverdienstkreuz, der früher für ein amerikanisches Finanzunternehmen gearbeitet hat, dort den Griechen geholfen hat in die Eurozone zu kommen mit mords Fälschungen der Zahlen, der die deutschen Sparer ausbeutet mit seiner Niedrigzinspolitik, die nur den „armen“ südeuropäischen Ländern hilft und Finanz- und Immobilienblasen bei uns generiert. Bravo! Welcher Vollhonk hat denn das vorgeschlagen! Ich sag ja immer wieder, wir leben in einer demokratischen Diktatur!

  4. Avatar

    Michael

    22. Januar 2020 21:02 at 21:02

    Wer will denn schon das Bundesverdienstkreuz von dieser Regierung verliehen bekommen? Man sehe es als einen Orden der Schande und Misswirtschaft oder als einfaches Abschiedsgeschenk an. Würden Sie es wollen? Ich würde darauf spucken. Entschuldigung, husten oder niesen, um nicht als Vaterlandsverräter zu gelten. Aber Scherz beiseite, man darf spekulieren.

    • Avatar

      Koch

      23. Januar 2020 10:21 at 10:21

      Da scheint was dran zu sein,Michael.Ich habe die Bundesverdienstkreuz(ver)leihe fälschlicherweise wohl ohnehin viel zu hoch gehängt.Immerhin ignorieren die Hauptnachrichten unserer,massiv unterfinanzierten Pflichtmedien dieses Thema gänzlich(soweit mir bekannt)Wird eben Zeit dass Klausi Kleber das Heute Journal auf Linie trimmt!Hoffentlich dauert das nicht mehr lange,bevor die Bürger falsche Schlussfolgerungen ziehen und verunsichert werden(de Maiziere Weisheit!)

    • Avatar

      Stefan

      31. Januar 2020 06:56 at 06:56

      So eine „Auszeichnung“ für einen wie Herrn Dragi, der der ganzen Euro-Zone nichts als warme Luft ohne Geruch verkauft hat, der Deutschland quasi im Alleingang finanziell in die Insolvenz gezupft hat, Millionen von deutschen Sparer um ihre Vermögen geprellt hat, so erinnert bekommt eine Auszeichnung in dieser Form? Ich packe es nicht mehr, wenn du denkst, es geht nicht tiefer zu fallen, dann kommt die deutsche Politik daher und setzt dem noch eine Krone auf

  5. Avatar

    Lausi

    23. Januar 2020 00:54 at 00:54

    Droghi wird natürlich für seine drei großen Worte (whatever it takes) mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Sollte der Euro einmal nicht mehr existieren, kann es ihm ja wieder aberkannt werden. Bei der Verleihungs-Zeremonie sollte dann am besten dieses Video abgespielt werden: https://youtu.be/gOsM-DYAEhY

    Mal sehen für welchen Spruch dann Lagarde ausgezeichnet wird – vielleicht für „the winner takes all“? ;-)

  6. Avatar

    Anton Baumgartner

    31. Januar 2020 18:48 at 18:48

    Nur weiter so SPD und die übrige Politik, der Bürger vergißt nicht so schnell!!

    • Avatar

      leftutti

      31. Januar 2020 20:41 at 20:41

      @Anton Baumgartner, SPD derzeit bei etwa 13%. Wer, was und wie viele sind die übrige Politik? Übrig von wem oder was? Denn damit etwas übrig bleibt, muss es sich von dem explizit definierten Rest unterscheiden.

      Meinen Sie die ähnlich jämmerlichen 13% sich mehr und mehr zerfleischenden, erodierenden und planlosen Neukonservenbüchsen? Vermutlich nicht, denn die vergessen schneller, als sie konstituieren können. Da auch „volksnahe“ Politiker Bürger sind, fallen diese also weg. Welcher Bürger vergisst nicht so schnell (mit zwei bis drei Ausrufezeichen)?

      • Avatar

        md

        1. Februar 2020 02:44 at 02:44

        @leftutti, könnte er vieleicht die arbeitnehmer meinen welche früher 2,3 oder 4 tausend im monat verdient haben und dank der gesetze der ( ehemaligen ) arbeitnehmerpartei spd und den grünen jetzt nur noch die hälfte in personalleasing firmen verdienen trotz gleichem beruf und firma.
        ich muss dir immer auf die sprünge helfen mein freund. :)

      • Avatar

        Anton Baumgartner

        1. Februar 2020 09:35 at 09:35

        „leftutti“; gemeint sind diejenigen Politiker die sich in der Bundesregierung befinden um diese Entscheidung (durch Politikerversagen) herbeizuführen. Derjenige vergißt nicht so schnell, welcher durch seine private Altersvorsorge (nach Empfehlung unserer damaligen Regierung mit einem Herrn Riester) vehement betrogen wurde und immer noch betrogen wird. Das Thema priv. Altersvorsorge ist wohl an der EZB gescheitert aber noch nicht vorbei und außerdem gibt es noch keinen adequaten Ersatz dafür für den Arbeitnehmer. Wenn etwas nicht funktioniert, sollte man den Schaden eigentlich beheben, aber auf diesem Ohr scheint unsere gewählte Elite Taub zu sein!

  7. Avatar

    Rolf Babon

    1. Februar 2020 09:50 at 09:50

    Das ist ein Schlag ins Gesicht der deutschen Sparers. Herr Steinmeier sollte sofort von seinem Amt zurücktreten. Er ist eine Schande für unser Land.

  8. Avatar

    Kakadus

    1. Februar 2020 10:04 at 10:04

    Der Plagiatschteini😂
    Bundesverdienstkreuz für Supermario von einem Sozi.
    Braucht da jemand einen Job im Finanzsektor nach dem man als Moralapostel, oberster Repräsentant undveine Witzfigur ausgedient hat?
    Der deutsche Sozialismus ist so scheinheilig und lächerlich.

  9. Avatar

    H. Hofmann

    1. Februar 2020 14:51 at 14:51

    Da sieht man wieder wie unsere ach so tollen Berufs-Politiker die selber
    noch nie gearbeitet haben und dem Staat nur auf der Tasche liegen ticken.
    Und das schlimme daran es werden immer mehr und das muss bezahlt werden so kann man Steinmeier ja auch verstehen, sie wollen ja auch weiterhin Ihre Diäten selber erhöhen und das muss bezahlt werden (und auch die fetten Pensionen werden immer mehr) .
    Wie der deutsche Arbeiter der über 45 Jahre hart arbeitet bis er fast ins Grab fällt. den beleibt ein Trinkgeld von dem viele nicht mal mehr richtig leben können.
    Pfui Teufel ihr sogenannten Volksvertretter

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EZB ebnet argumentativen Weg für lang anhaltende Rettungsmaßnahmen

Claudio Kummerfeld

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am

Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Seit der Finanzkrise 2008 veranstaltet die EZB ein Anleihekaufprogramm nach dem nächsten. Die Zinsen sinken im großen Bild gesehen immer weiter. Egal wie gut es der Konjunktur in der Eurozone zwischen 2008 und 2020 wieder ging. Die EZB druckte immer weiter Geld, kaufte immer weiter Anleihen. Länder wie Italien wurden mit EZB-Geld und immer weiter sinkenden Zinsen am Leben erhalten. Nach der Krise war vor der Krise.

Und nun, kommt nach der Coronakrise (die Impfstoffe kommen ja bald) wieder die nächste Krise, nämlich die Rettung der überschuldeten Unternehmen? Deswegen muss die EZB (wie es auch die Fed macht) zusammen mit den Regierungen der Mitgliedsstaaten immer weiter retten, retten und retten. Denn ja, wir wissen es alle. Mit gigantischen Kreditprogrammen, Zuschüssen, Kurzarbeitergeld uvm werden in Europa die Nöte der Coronakrise gemildert, und Probleme optisch versteckt. Am besten erkennt man das beim Thema Kurzarbeitergeld. In Deutschland wurde die ausgeweitete Funktion dieses Instruments erst letzten Freitag im Bundestag bis Ende 2021 verlängert – welch ein Zufall, bis zur Bundestagswahl kann die Kurzarbeit in ihrer jetzigen Form also weiterhin als neuer Dauerzustand für eigentlich arbeitslose Arbeitnehmer genutzt werden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

EZB kommt mit „Nicht zu früh aufhören“-Argumentation

Aber zurück zur EZB. Die einfache wie auch clevere Aussage der EZB lautet am heutigen Montag (frei und sinngemäß zusammengefasst): „Wenn wir die Hilfen zu früh einstellen, gefährden wir den Erfolg“. Tja, und wann das Ende der Hilfen angebracht ist, das ist bei der EZB bekanntermaßen eine sehr dehnbare Ansichtssache (siehe Anleihekäufe seit 2008 bis heute – hier eine wunderschöne historische Übersicht zu dem Thema). Im Rahmen ihres heute veröffentlichten Finanzstabilitätsberichts hat die EZB auch einen einzelnen Artikel veröffentlicht, bei dem es um die „Bewertung von Schwachstellen von Unternehmen“ in der Eurozone geht.

Und die Schwachstelle scheint offenbar darin zu bestehen, dass EZB und Regierungen ihre Hilfsprogramme zu früh auslaufen lassen könnten. Man sieht die Probleme wohl auch vor allem beim Zugang zu Krediten und bei steigenden Finanzierungskosten. Die Unterstützung durch die Geldpolitik der EZB habe dazu beigetragen, die tatsächlichen Insolvenzen bisher unter Kontrolle zu halten. Staatliche Kreditgarantien und Konkursmoratorien hätten eine groß angelegte Welle Unternehmenspleiten verhindert. Aber eine beträchtliche Anzahl von Unternehmen könnte gezwungen sein Konkurs anzumelden, wenn diese Maßnahmen zu früh aufgehoben werden oder die Kreditvergabebedingungen der Banken verschärft werden, so die heutige Aussage der EZB. Tatsächlich deute die historische Ko-Bewegung des Anfälligkeitsindikators mit den Unternehmensinsolvenzen und dem BIP-Wachstum darauf hin, dass sowohl die Regierungspolitik als auch die niedrigen Fremdfinanzierungskosten dazu beigetragen hätten, die Auswirkungen der Verschlechterung des Gesundheitszustands der Unternehmen auf die tatsächliche Zahl der Insolvenzen zu dämpfen – auch wenn die Auswirkungen je nach Land, Sektor und Unternehmensgröße unterschiedlich seien.

Dieser neu entwickelte Indikator mache laut EZB deutlich, dass die Anfälligkeit des Unternehmenssektors auf ein Niveau gestiegen ist, das zuletzt während der Staatsschuldenkrise im Euroraum beobachtet wurde. Finanzierungsrisiken hätten sich dank verschiedener Unterstützungsmaßnahmen bisher nicht materialisiert, aber die Anfälligkeit der Unternehmen könne weiter ansteigen und ein Niveau erreichen, das während der globalen Finanzkrise beobachtet wurde. Insbesondere wenn die zweite Welle der Pandemie die wirtschaftliche Erholung zum Stillstand bringe und das Wachstum schwächer ausfällt als prognostiziert, könnte ein frühzeitiger Ausstieg aus den Stützungsmaßnahmen schließlich zu einem deutlichen Anstieg der Unternehmenskonkurse führen, mit Auswirkungen auf die Finanzstabilität auch für die Banken im Euroraum, so die EZB.

Aus Rettung wird Dauerzustand

Tja, haben sie es auch rausgelesen? Diese Aussagen (wie auch jüngst die Warnung von Christine Lagarde vor der Rezession) bieten die perfekte Vorlage, damit KfW-Kredite, Null- und Negatzvinsen, Kurzarbeitergeld, Anleihekäufe in Billionenhöhe etc immer so weitergehen, Jahr für Jahr. Nicht denkbar? Nochmal, ich möchte erinnern an die letzten zwölf Jahre seit der Finanzkrise! Natürlich sind viele Maßnahmen sicherlich gut und richtig wie die KfW-Kredite, Zuschussprogramme etc. Aber vor allem was die EZB da anrichtet mit ihren Kaufprogrammen und abgeschafften Zinsen. Diese Maßnahmen, wenn sie jahrelang immer weiter beibehalten werden, schaffen ein Gesamtumfeld, das nicht mehr ohne zinslose Kredite leben kann, und Staaten die nicht mehr ohne negative Anleiherenditen leben können. Man gewöhnt sich an diese schöne neue Welt sehr schnell – oder besser gesagt, man hat sich längst daran gewöhnt. Ein Ende dieser Geldpolitik der EZB, ist die überhaupt noch vorstellbar bei der Schuldenexplosion bei Staaten und Unternehmen? Entweder immer so weitermachen, oder man riskiert einen großen Knall.

EZB-Grafik zur Verwundbarkeit der Unternehmen
Grafik: EZB

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Coronavirus: Die Impfung und die praktischen Folgen

Deutschland rüstet sich für die ersten Impfungen gegen das Coronavirus. Aber was passiert nach erfolgreicher Impfung? Wie wird man mit den verschiedenen Gruppen im praktischen Leben umgehen?

Wolfgang Müller

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am

Deutschland rüstet sich für die ersten Impfungen gegen das Coronavirus. Impfzentren werden bereits für Mitte Dezember vorbereitet, obwohl noch gar kein Vakzin zugelassen ist. Die Politik macht Druck.

Mindestens 96 Corona-Impfzentren sollen allein in Bayern bis Mitte Dezember einsatzbereit sein. In jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt im Freistaat ist mindestens ein Impfzentrum geplant, so ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Donnerstag.

Aber was passiert nach erfolgreicher Impfung? Wie wird man mit den verschiedenen Gruppen im praktischen Leben umgehen? Darüber wird man bald diskutieren.

Coronavirus: Immunisiert oder nicht

Im Prinzip müsste es im neuen Jahr vier verschiedene Gruppen innerhalb der Bevölkerung geben: Menschen, die bereits eine Infektion mit dem Coronavirus überstanden haben. Und dann die, die  registriert sind: eine diffuse Gruppe mit Bürgern, die selbst nicht genau wissen, ob sie vielleicht nicht schon infiziert waren, die große Gruppe derer, die sich noch vor der Infektion geschützt haben – und schließlich die Geimpften. Wie verfährt man in Zukunft mit den Menschen, die die Infektionskrankheit überwunden haben und die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit immun sind gegen die Krankheit und auch als Spreader des Coronavirus für die Mitmenschen wegfallen? Gibt es nach erfolgreicher Impfung so etwas wie einen Impfpass?

Der Impfpass, jetzt eine zweifelhafte Angelegenheit?

In Kürze, wenn die Zulassung des Impfstoffes vollzogen ist, wird es rasch zwei Gruppen von Bürgern geben, die annehmen können, die Krankheit bezwungen zu haben – die vormals Infizierten und die Geimpften. Nach dem Stand der Wissenschaft gilt eine rasche Wiederinfektion mit dem Coronavirus als unwahrscheinlich. Bei Abermillionen von Infektionen müsste dies schon aufgefallen sein. Die Zahl der Infizierten in Deutschland nähert sich der Ein-Millionen-Grenze (Ende dieser Woche?), die Dunkelziffer dürfte in Deutschland bei Faktor 3 bis 5, liegen, so die Annahme einiger Wissenschaftler aufgrund der Antikörpertests.

Jedenfalls wird die Zahl der „Immunen“ bald im Millionenbereich liegen. Während man den ehemals Infizierten nach langen Diskussionen keinen Immunitätsausweis zusicherte, so wird nach einer Impfung gegen Covid-19 sicherlich eine Impfbescheiningung ausgestellt werden, wie beim Impfpass nach jeder Standardimpfung.

Was wird passieren, wenn sich geimpfte Menschen sagen, „so jetzt bin ich geschützt, warum weiter eine Maske tragen?“ Nur eine von vielen praktischen Fragen.

Aber da beginnt bereits das Dilemma. Die Neufassung des Infektionsschutzgesetzes sieht eine „Impf- und Immunitätsdokumentation“ vor. Was wird diese für Folgen haben? Eine Wiedergewährung von Mobilitäts- und Freiheitsrechten? Der Ethikrat ist bereits bei der Beratung der Problembereiche.

Wo könnte der Impfpass Anwendung finden?

Trotz aller ethischen Bedenken, werden Impfungen bei Reisen in fremde Länder empfohlen oder sind sogar Verpflichtung (z.B. gegen Gelbfieber in bestimmten afrikanischen Ländern). Wie werden asiatische Länder auf die Impfung reagieren, Staaten wie Taiwan, Vietnam, Thailand, Südkorea, Australien, Neuseeland, die die Infektion bisher erfolgreich eindämmen konnten? Könnte ein Impfausweis nicht Voraussetzung werden, dass man nach der Einreise von Menschen aus Risikogebieten keine 14-tägige Quarantäne absolvieren muss?

Gibt es aktuell vor einer Reise mit einem Kreuzfahrtschiff nicht bereits die Verpflichtung zu einem Corona-Schnelltest, in dieselbe Richtung laufen Bestrebungen im Luftverkehr?

Und was ist eigentlich mit den vielen Unternehmen aus den Corona-geschädigten Branchen, sei es der Kulturbereich, bei Messen, oder jeglichen Veranstaltungen (Fußball) mit größerem Publikumsverkehr? Werden diese sich für das ethisch etwas zweifelhafte Instrument Impfbescheinigung einsetzen, weil es ihnen sofort Luft zum Atmen bringen würde? Oder wird dies der Staat abwiegeln und versuchen, die Branchen mit immer weiteren Notgeldern über Wasser halten? Eines ist doch schon heute absehbar: Bei einer Bevölkerungszahl von 83 Millionen Menschen, abzüglich der bereits Betroffenen und den Impfverweigerern wird es lange dauern, bis all die Freiwilligen oder auch Zwangsläufigen (Pflegepersonal?) im großen Umfang gegen das Coronavirus geimpft sind.

Fazit

Sicher ist es noch etwas früh, sich über die praktischen Folgen einer Impfung Gedanken zu machen. Allerdings werden Regelungen kommen, ja vermutlich sogar gefordert werden. Schließlich steht manchem Unternehmer das Wasser bis zum Hals und man sehnt sich nach Kunden, nach Menschen, die kein Risiko in Sachen Coronavirus darstellen, für sich und für andere. Wann werden die Diskussionen über die neue Sachlage starten?

Was werden die praktischen Auswirkungen der Impfungen gegen das Coronavirus sein?

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Was den schwachen Goldpreis aktuell bewegt

Claudio Kummerfeld

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am

Ein Barren aus Gold

Der Goldpreis ist die letzten Tage ohne Stärke unterwegs. Eigentlich ist das merkwürdig, denn der US-Dollar schwächelt seit Tagen, und müsste Gold (das in Dollar gehandelt wird) daher doch eigentlich Auftrieb geben. Der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen) hat binnen einer Woche von 92,80 auf 92,18 Indexpunkte verloren.

Corona-Impfstoffe dämpfen Aufwärtstrieb im Goldpreis

Mit aktuell 1.865 Dollar sieht man, dass die seit Donnerstag letzter Woche kurz aufgeflackerte Erholung mit Anlauf Richtung 1.900 Dollar wieder verpufft ist. Eindeutig ist zu sehen, dass die Anleger, die über das Vehikel der ETF (Exchange Traded Funds, hier die Begriffserklärung) in Gold investieren, letzte Woche auf der Verkäuferseite waren mit gut 30 Tonnen. Der folgende aktuelle Chart der Commerzbank zeigt seit Jahresanfang in gelb den Goldpreis-Verlauf, und in schwarz die Gold-ETF-Bestände. Die Nachfrage schlafft derzeit ab.

Chart zeigt ETF-Bestände in Gold im Vergleich zum Goldpreis

Die letzte wie auch die vorletzte Woche waren die Kapitalmärkte gefangen im Fieber der Corona-Impfstoff-Hoffnung. Nach Biontech und Pfizer kam letzte Woche Moderna mit einem fertigen Impfstoff, und heute früh dann auch noch AstraZeneca. Daher laufen die Aktienmärkte auch heute zum Wochenstart erfreulich nach oben. Alles was die Märkte positiv stimmt für eine Erholung der Weltwirtschaft, schwächt tendenziell den „Sicheren Hafen“ namens Gold. Im Chart sehen wir den Goldpreis im Verlauf der letzten 30 Tage. Der große Absturz in der Mitte des Charts rührt her von der ersten Impfstoff-Meldung gegen das Coronavirus vom 9. November von Biontech und Pfizer.

Laut heutiger Aussage des Commerzbank-Analysten Carsten Fritsch dürfte der aktuelle Optimismus hinsichtlich der Impfstoffe dagegen sprechen, dass es schon in Kürze zu einem neuerlichen Run auf die Gold-ETFs kommt. Entsprechend gedämpft sei der kurzfristige Ausblick für den Goldpreis. Die spekulativen Finanzanleger seien seiner Meinung nach durch den Preisrutsch Mitte letzter Woche offensichtlich auf dem falschen Fuß erwischt worden. Denn sie weiteten ihre Netto-Long-Positionen in der Woche zum 17. November auf gut 90.000 Kontrakte aus, nachdem sie diese in der Woche zuvor reduziert hatten. Entsprechend dürfte der Preisrückgang auf rund 1.850 Dollar letzten Mittwoch seiner Meinung nach auch durch spekulative Verkäufe begünstigt worden sein.

Mittel- und langfristig bergauf?

Bleibt es bei dem Szenario, welches wir letzte Woche schon erwähnten? Kurzfristig bleibt der Goldpreis trotz schwachem US-Dollar und dank der Corona-Impfstoff-Hoffnungen schwach? Aber mittel- und langfristig sieht man wieder Kurse über 1.900 Dollar und auch Richtung 2.000 Dollar? Das ist die Frage. Denn im großen Bild, da ist die Meinung der Notenbanker ja relativ eindeutig, wie man die letzten Tage und Wochen auch bei der EZB heraushören konnte. Die Geldpolitik (Anleihekäufe und Zinsen) wird noch sehr lange Zeit extrem locker bleiben, um die wirtschaftliche Erholung der Volkswirtschaften zu unterstützen. Also weiterhin Optimismus im größeren Bild für einen steigenden Goldpreis? Dieses Szenario bleibt vorhanden.

Chart zeigt Goldpreis-Verlauf in den letzten 30 Tagen

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