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Anleihen

Mario Draghi: Neue Anleihekäufe könnten wieder aufgenommen werden

Claudio Kummerfeld

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Letzten Donnerstag gab EZB-Chef Mario Draghi seine offizielle PK in Frankfurt. Gestern folgte eine Rede vor einem Ausschuss des EU-Parlaments. Hierzu möchten wir zunächst auszugsweise einen kleinen Teil seines offiziellen Redetextes im Wortlaut zitieren. Hier deutet Draghi bereits an, dass die EZB bereit sei all ihre Instrumente anzupassen, um das Inflationsziel von 2,0% zu erreichen. Zitat:

At the same time, supportive financing conditions, favourable labour market dynamics and rising wage growth continue to underpin the euro area expansion and gradually rising inflation pressures. This supports our confidence in the continued sustained convergence of inflation to levels that are below, but close to, 2% over the medium term. Significant monetary policy stimulus remains essential to support the further build-up of domestic price pressures and headline inflation developments over the medium term. This will be provided by our forward guidance on the key ECB interest rates, reinforced by the reinvestments of the sizeable stock of acquired assets. In any event, the Governing Council stands ready to adjust all of its instruments, as appropriate, to ensure that inflation continues to move towards the Governing Council’s inflation aim in a sustained manner.

Auf die Nachfrage eines Abgeordneten bezüglich einer möglichen Wiederaufnahme neuer (!) Anleihekäufe sagte Mario Draghe Folgendes: Wenn die Dinge ganz schlecht laufen würden (dramatische Verschlechterung der Konjunkturlage und/oder Absacken der Inflation), könne die EZB Instrumente aus ihrem Werkzeugkasten wieder starten. Im Jahr 2019 sei dies aber eher unwahrscheinlich.

Anmerkung unsererseits: Im Dezember 2018 hatte die EZB den Neu-Ankauf von Anleihen beendet. Seitdem investiert sie Gelder aus ausgelaufenen und zurückgezahlten Anleihen lediglich neu. Dies ist also ein Kreislaufgeschäft, aber ohne zusätzlich frische Geldinjektion. Was haben Draghi´s Worte zu bedeuten? Das nun eigentlich beendete gigantische Aufkaufprogramm über 2,6 Billionen Euro wird mehr und mehr zu einer Dauereinrichtung. Nach der Krise ist vor der Krise. Wenn man den Junkie zu kräftig mit neuen Drogen versorgt hat, hilft kein harter Entzug mehr, sondern nur die Lieferung von immer mehr Stoff, dauerhaft.

Jetzt wo die EZB langsam aussteigt aus ihren Ankäufen, ist der Konjunkturzyklus fast zu Ende. Und Notenbank sowie Politik werden alles tun um eine neue deftige Rezession zu verhindern. Wer möchte schon noch stärkere Populisten im EU-Parlament sehen, die die EU noch mehr zerlegen. Also: Bei neuen Anzeichen für eine Rezession könnte das Anleihekaufprogramm wieder aufgenommen werden. Die Aussagen von Mario Draghi lassen keine Zweifel zu, dass die EZB wieder zuschlagen wird.

Mario Draghi
Mario Draghi. Foto: EZB

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Christoph

    29. Januar 2019 10:11 at 10:11

    Endlich versteht auch Gold wie der Hase laufen wird…. Die Druckmaschinen werden nur gewartet und sind bald ready to go again…das wird im Desaster enden

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Anleihen

Goldpreis vs Anleiherenditen: Eindeutiger Langfristvergleich

Claudio Kummerfeld

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Mehrere Gold-Barren

Der Goldpreis wird von vielen Faktoren beeinflusst. Da wäre zum Beispiel der US-Dollar, und natürlich das allgemeine Risk On/Risk Off-Szenario. Sind die Anleger bereit aufgrund diverser Faktoren mehr Risiko einzugehen, verkaufen sie Gold und kaufen Aktien, und umgekehrt. Je mehr die Notenbanken Geld drucken und je mehr die Staaten sich verschulden, desto wichtiger erscheint vielen Anlegern auf lange Sicht auch Gold als sicherer Fluchthafen vor Inflation, und der Goldpreis steigt.

Aber vor allem werden auch die Anleiherenditen als wichtiger Beeinflussungsfaktor für den Goldpreis herangezogen. Je mehr Rendite man für Staatsanleihen erhält, desto weniger attraktiv ist das zinslose Gold bei Anlegern. Schauen wir daher mal auf den folgenden Chart, ob man langfristig eine echte Verbindung zwischen Gold und Anleiherenditen erkennen kann. Hier sehen wir seit Anfang 2016 in blau den steigenden Goldpreis, der seitdem 69 Prozent zulegen konnte. Die in orange verlaufende Anleiherendite (für zehnjährige US-Staatsanleihen) ist seitdem um 46 Prozent gesunken (langfristig gesunkenes Zinsniveau). Man sieht eine klare negative Korrelation. Je tiefer die Anleiherenditen, desto besser für den Goldpreis. Das jüngste Ansteigen in der Rendite hat dem Goldpreis einige Schwierigkeiten bereitet, und seinen weiteren Anstieg erst einmal ausgebremst.

Chart zeigt Goldpreis gegen Anleiherenditen seit dem Jahr 2016

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Anleihen

Andre Stagge: Steigende US-Rendite, US-Wahl, Aktienmarkt – sein aktuelles Trading

Redaktion

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Der Experte Andre Stagge spekuliert aktuell auf die steigende Rendite für US-Staatsanleihen, und hat daher den Future für Staatsanleihen geshortet (Renditen und Kurse bewegen sich logischerweise immer exakt gegenläufig). Im folgenden brandaktuellen Video erklärt er die derzeitigen Zusammenhänge am Kapitalmarkt. Als da wäre die heutige Wichtigkeit der US-Wahl in Georgia und deren Folgewirkungen auf die US-Politik und die Kapitalmärkte. Auch geht es darum, dass steigende Aktienmärkte und steigende Anleiherenditen dauerhaft nicht parallel existieren können. Denn es ist, wie es ist. Deutlich höhere Renditen machen Anleihen attraktiver und sorgen eigentlich für einen Geldfluss raus aus Aktien.

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Anleihen

Hellmeyer, Halver, Leber und Co – optimistisch ins neues Jahr!

Claudio Kummerfeld

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Wie wird das Börsenjahr 2021 laufen, und wie werden einzelne Anlageklassen wie Aktien, Gold oder Anleihen performen? Dazu äußern sich im folgenden Video Folker Hellmeyer von Solvecon Investment, Robert Halver von der Baader Bank, Frank Fischer von Shareholder Management, Thomas Romig von Assenagon, Dr. Hendrik Leber von ACATIS und Johannes Hirsch von antea. Natürlich hat jeder der hier gezeigten Personen im Detail unterschiedliche Standpunkte. Aber wenn man das große Bild betrachtet, dann herrscht für den Aktienmarkt doch ein recht großer Optimismus. Klar, die Coronakrise scheint mit dem Impfungen ein Ende zu finden, und Joe Biden bringt Ruhe in die Kiste, nach vier chaotischen Trump-Jahren. Aber gelten „Experten“ mit ihren Jahresaussichten nicht oft als Kontra-Indikatoren? Aber gut, bilden Sie sich Ihre eigene Meinung. Die Begründungen der Experten sind jedenfalls inhaltlich schlüssig und durchaus nachvollziehbar.

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