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Mario Draghi und die Regeln des „Fight Club“..

Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass die EZB ihre Drogen-Zufuhr bald reduziert bzw. komplett einstellt. Warum die Drogen-süchtigen Märkte das so toll finden, ist und bleibt ein Rätsel..

Markus Fugmann

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Von Markus Fugmann

Wie lautet die erste Regel beim „Fight Club“ der EZB? Spreche nicht über Tapering. Die zweite Regel lautet: spreche auf gar keinen Fall über Tapering. Und die EZB in Gestalt des Maestros Mario Draghi hat gestern nicht über Tapering gesprochen! Und die EZB wird sehr wahrscheinlich bald mit dem Tapering beginnen!

So formuliert es Paul Donovan von der UBS, zitiert in der „Financial Times“.

Und so hat der Fight-Club Präsident Draghi gestern regelkonform gesagt: wir haben nicht über eine Verlängerung des QE diskutiert, wir haben nicht über Tapering diskutiert – aber über was hat man denn dann diskutiert auf der zwei Tage andauernden Sitzung?

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Ist bald Schluß mit QE? EZB-Präsident Draghi
Foto: EZB

Faktisch wollte Draghi wohl sagen: wir warten bis Dezember, bis wir mehr wissen. Bis dahin hat der Mitarbeiter-Stab die neuesten Projektionen erarbeitet, bis dahin ist die US-Wahl (08.November) und das Referendum in Italien gelaufen (04.Dezember), bis dahin wird auch klarer, wohin sich der Euro bewegt. Derzeit sieht es technisch eher so aus, als würde der Euro noch weiter abrutschten, bis etwa auf 1,05 – das legt ein Blick auf die Renditedifferenz (spread) zwischen 10-jähriger Bundesanleihe und der 10-jährigen US-Anleihe nahe:

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Wenn aber der Euro weiter auf 1,05 abrutschen sollte bis zur nächsten EZB-Sitzung im Dezember, dann ist das für sich genommen schon eine Art Stimulus für die Wirtschaft der Eurozone, besonders der Peripherie (also Italien, Spanien, Portugal und Griechenland). Warum sollte Draghi dann noch mehr QE abfeuern? Warum hat er gestern gesagt, man habe nicht über die Verlängerung des QE diskutiert? Und warum hat er den Hinweis gegeben, dass die Unterstützung durch die ultralaxe Geldpolitik nicht ewig bestehen könne?

Dazu noch die Bemerkung Draghis: es werde kein abruptes Ende des QE geben! Und das kann nur zweierlei heißen! Erstens: die EZB wird bald anfangen zu tapern, vielleicht schon im Dezember. Oder zweitens, wenn man das QE über den März 2017 hinaus verlängert, wird es nur mit geringerem Volumen fortgesetzt.

Zwar hat Draghi gestern auch gesagt, dass die Inflation nach wie vor zu niedrig sei, auch wenn sie durch Basis-Effekte weiter steigen werde (so z.B. der noch im Vorjahr deutlich niedrigere Ölpreis). Aber die reale Inflation zieht so stark an wie seit 2014 nicht mehr, hinzu kommen die inflationären Effekte durch eine weitere Abschwächung des Euro sowie der gestiegenen Ölpreise!

Und vor allem – und das ist für die EZB sehr wichtig – es ziehen auch die Inflationserwartungen in der Eurozone deutlich an. Und genau darauf hat die EZB so lange vergeblich gehofft! Aus Sicht der EZB läuft also alles in die richtige Richtung. Und daher ist eben die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass die EZB ihre Drogen-Zufuhr bald reduziert bzw. komplett einstellt. Warum die Drogen-süchtigen Märkte das so toll finden, ist und bleibt ein Rätsel..

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Aktienrückkäufe: Warum ich nicht begeistert bin – Werbung

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Lieber Börsianer,

die langjährige Flutung der Finanzmärkte mit dem billigen Geld der Notenbanken hat mittlerweile zu einigen kuriosen Begleiterscheinungen geführt. Weil Geld nichts mehr kostet, verschulden sich einige Unternehmen bis über beide Ohren. Doch statt in Zukunftstechnologien zu investieren, kaufen sie lieber eigene Aktien zurück – Kurspflege nennt man das. Angeblich geschieht das zum Wohle der Anleger, denn durch die Aktienrückkäufe steigen in der Regel auch die Kurse.

Allerdings ist bei hochverschuldeten Unternehmen Vorsicht geboten. Denn bereits ein geringer Zinsanstieg stellt diese Unternehmen vor arge Probleme. Freilich sind nicht alle Aktienrückkäufe schlecht. Wenn sich das Unternehmen die Kurspflege leisten kann und damit Geld an die Aktionäre zurück gibt, ist das oft besser, als das Geld möglicherweise zu Negativzinsen im Unternehmen zu belassen. Doch vor Übertreibungen müssen Sie sich schützen.

Das Spielcasino ist eröffnet

In den USA sind mittlerweile nicht mehr Privatanleger, Pensionsfonds und Vermögensverwalter die größten Aktienkäufer, sondern die Unternehmen selbst. Das freie Spiel von Angebot und Nachfrage wird damit außer Kraft gesetzt. In den vergangenen zehn Jahren gaben die 500 Unternehmen des S&P 500 die gigantische Summe von fünf Billionen Dollar für eigene Aktien aus. Das entspricht in etwa dem Bruttoinlandsprodukt von Japan, der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt.

90% der Unternehmen haben dafür mehr als die Hälfte ihrer Gewinne investiert. Das Geld fließt also nicht mehr in Fabriken, Maschinen, Produkte und Jobs sondern wird für die eigene Kurspflege eingesetzt. Die Big Player erhalten damit den Status Quo und überlassen die Entwicklung neuer Technologien den Start-Ups und der Konkurrenz aus Fernost.

Nicht unbedenklich ist dabei, dass vor allem in den USA ein Teil der Vorstandsvergütung an die Entwicklung des Aktienkurses geknüpft ist. Die Manager tun sich also vor allem selbst etwas Gutes, statt an die langfristige Konkurrenzfähigkeit Ihres Unternehmens zu denken. Wenn Aktien in solch riesigem Umfang zurückgekauft werden, dann handelt es sich um einen ernsten Eingriff in die Preisbildung der betreffenden Aktien.

Apple schlägt besonders gerne zu

Der größte Käufer eigener Aktien ist ausgerechnet Apple. Jetzt könnte man einwenden, dass Apple auch Milliardengewinne erzielt und sich deshalb die Rückkäufe leisten kann. Das ist prinzipiell richtig. Doch selbst Apple übertreibt mittlerweile. Im vergangenen Jahr wurden Anteile im Wert von 72 Milliarden Dollar zurückgekauft. Der freie Cashflow lag deutlich darunter. Selbst die Gewinnmaschine Apple nimmt also mittlerweile Fremdkapital auf, um Aktienrückkäufe zu finanzieren. Das wurde sogar von offizieller…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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