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Mario Draghi und sein Erbe: ein Abgesang!

Kann man Mario Draghi und der EZB einen Vorwurf machen, dass sie in Reaktion auf die Finanzkrise die Zinsen auf Null gesenkt haben – die Einlagezinsen sogar in den negativen Bereich? Vermutlich nicht. Aber man kann – und muß wohl auch – Mario Draghi und der EZB den Vorwurf machen, dass sie nicht erkennt und erkennen will, dass eine Fortsetzung der ultralaxen Geldpolitik praktisch keinerlei positive Effekte auf die Entwicklung der Konjunktur hat!

Denn: welche Bank vergibt mehr Kredit, nur weil der Einlagezins nun bei -0,5% statt bei -0,4% liegt? Was, wenn es an der fehlenden Kredit-Nachfrage liegt, dass Banken kaum mehr Kredite vergeben als in der Zeit vor der ultralaxen Geldpolitik der EZB?

Und was soll jetzt noch das erneute QE der EZB bewirken – da die länger laufenden Staatsanleihen von Ländern, die etwas solider dastehen, ohnehin schon negativ sind? Und kann es Sinn machen, dass die Rendite für italienische, ja selbst griechische Staatsanleihen mit 10-jähriger Laufzeit weniger rentieren als amerikanische mit gleicher Laufzeit?

Die Nebenwirkungen der Politik von Mario Draghi jedenfalls sind gigantisch – und bislang unerforscht: wer den Zins als Risikobarometer tötet, der vernichtet im Grunde den Grundmechanismus des Kapitalismus, der eine stetige Risikobewertung für Kapital-Flüsse und Kapital-Investitionen darstellt. Was ist sicher, was ist gefährlich? Was ist risikoreich, aber im Erfolgsfall eben auch extrem profitabel?

Daher gibt es in der Eurozone kaum mehr Unterschiede bei Risiko-Aufschlägen zwischen sehr guten Unternehmensanleihen und Ramsch-Anleihen – was zwangsläufig zu riskanten Allokationen von Kapital führt und führen muß. Es fließt also aufgrund des Renditenotstands viel Geld in eigentlich extrem riskante Vehikel, deren Markt-Bepreisung aber das Fehlsignal liefert, dass diese Investition scheinbar nicht riskant sei!

Viele unproduktive Unternehmen, die ohne den Wegfall von Kapitalkosten pleite gehen würden, überleben – und verstopfen damit gewissermaßen den Weg für neue, produktivere Unternehmen. Damit verliert das System Stück für Stück an Dynamik – was dann die Notenbanken animiert, als Reaktion auf die fehlende Dynamik die Geldpolitik noch laxer zu machen und damit im Endeffekt den Kreislauf-Kollaps der Wirtschaft auszulösen. Die Hauptursache unserer Malaise ist das abnehmende Produktivitäts-Wachstum – und Mario Draghi und die EZB haben viel dafür getan, dass die europäische Wirtschaft durch Zombiefirmen noch unproduktiver wird.

Der Wegfall der Zinsen aber bedeutet eben auch, dass die Möglichkeit immer geringer wird, die eigene Altervorsorge zu planen. Wer Angst hat, später mittellos da zu stehen, wird eben eher risikoaverser und spart noch mehr – während die Reichen reicher werden alleine dadurch, dass mit dem Wegfall des Zinses die Vermögenspreise weiter steigen. Schon als Ausgleich für die Benachteiligung der Geringverdiener müsste die Politik für diese Gruppe eigentlich, wie auch Florian Homm bemerkt, die Steuern kürzen oder gar streichen.

So oder so: was Mario Draghi und die EZB zur „Rettung“ der Eurozone getan haben, wird im Endeffekt die Eurozone als politisches Projekt zerstören, weil absehbar eine Art „Gelbwesten-Bewegung“ gegen ihre schleichende Enteignung aufstehen wird! All das wird dann Draghis Nachfolgerin Lagarde zu spüren bekommen..

Aber hören wir dazu auch Florian Homm:

 

Mario Draghi hinterläßt der Eurozone ein problematisches Erbe

Foto: Flickr

https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/



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1 Kommentar

  1. Mann kann hierzu nur sagen.Im Sinne von Angela Merkel und Herrn Draghi läuft alles nach
    Plan.Der Mittelstand wird abgeschafft,die Menschen um Ihre Ersparnisse gebracht.
    Der „Staat“ Deutschland wird zu Europa.Es wird nur noch Reiche geben,die Unternehmensmodelle im Ausland betreiben,das Kapital unantastbar für den Staat.
    Nächster Schritt:Deutschland/Europa wird die Kreditfähigkeit genommen,da es ja nur noch
    „Bedürftige“ gibt.Erst dann,wenn der „Deutsche“nichts mehr hat,wird er gewalttätig
    auf die Straße gehen (Zitat/Meinung Napoleon Bonaparte über Deutsche)
    Eine reale robuste Marktwirtschaft wurde spätestens seit der Ära „Kohl“ (Probleme muß man „aussitzen“) Stück für Stück aufgegeben und damit die Chance auf ein freies selbstbestimmtes Land – zusteuernd auf eine NWO / Monokultur,die bei kurzfristiger Belastung auf Kosten der Menschen in sich zusammenfällt.
    Es tut mir leid nichts Positiveres dazu zu sagen,eine kleine Chance hat Dr.Markus Krall in seinem letzten Vortag am 2.d.M. angedeutet.Dies allerdings,wenn die Menschen nicht von Angst oder Hass geprägt sind und einach ihr Schicksal mutig und selbstbestimmt in die eigene Hand nehmen
    Die „Kompetenz“ unserer Politiker,also das reine Herumdoktoren als letzte Möglichkeit
    wird zur Zeit ohne irgendwelche Verantwortung

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