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Mario Draghi wird euphorisch – und überschreitet dabei sein Mandat!

Eigentlich sollten sich Notenbanker, zumal wenn sie der EZB angehören, nur um das Thema Geldpolitik kümmern, genauer gesagt: um Preisstabilität. Wie weit sich die EZB und vor allem Mario Draghi davon entfernt haben, zeigt eine gestern gehaltene Rede Draghis!

Redaktion

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FMW-Redaktion

Eigentlich sollten sich Notenbanker, zumal wenn sie der EZB angehören, nur um das Thema Geldpolilitk kümmern, genauer gesagt: um Preisstabilität. So heißt es in dem „Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union“ (AEU-Vertrag) im Artikel 127:

„Das vorrangige Ziel des Europäischen Systems der Zentralbanken (im Folgenden „ESZB“) ist es, die Preisstabilität zu gewährleisten“.

Aber danach folgt gleich ein Satz, der faktisch die Basis bildete dafür, dass die EZB inzwischen sehr viel mehr ist als nur die Hüterin der Preisstabilität:

„Soweit dies ohne Beeinträchtigung des Zieles der Preisstabilität möglich ist, unterstützt das ESZB die allgemeine Wirtschaftspolitik in der Union, um zur Verwirklichung der in Artikel 3 des Vertrags über die Europäische Union festgelegten Ziele der Union beizutragen.“

Man soll also „die allgemeine Wirtschaftspolitik der EU unterstützen“ – reichlich schwammig, zumal die dann in Artikel 3 zitierten Ziele dann doch sehr allgemein gehalten sind.

Aus der Sicht der EZB macht die Notenbank genau das. Sie unterstützt die Wirtschaftspolitik. Fragt sich nur: welche Wirtschaftspolitik? Und Kritiker würden sagen: inzwischen macht vor allem die EZB selbst Wirtschaftspolitik, greift etwa durch Käufe von Unternehmensanleihen massiv in den Wirtschafts-Kreislauf ein: so ist es doch unzweifelhaft ein Wettbewerbsvorteil für ein Unternehmen, wenn sich dieses Unternehmen über Anleihen Geld besorgen kann, indem die EZB diese Anleihen kauft (was aus Sicht der Märkte dann noch zusätzlich ein Gütesiegel ist, also kaufen auch andere diese Anleihen und senken damit die Kosten für die Aufnahmen von Liquidität weiter). Die Anleihen anderer Unternehmen jedoch, die die gleiche Bonitätseinschätzung seitens der Ratingagenturen haben, kauft die EZB jedoch nicht. Auf welcher Basis trifft die EZB diese Entscheidungen eigentlich? Seltsam, dass dagegen bisher kein europäisches Unternehmen geklagt hat gegen die EZB wegen Wettbewerbsverzerrung!

Und indirekt mischt sich die zur Super-Behörde mutierte EZB auch in die Politik ein. So gestern etwa Mario Draghi in einer Rede in Tel Aviv anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität in Tel Aviv.

Dort sagte Draghi:

„Today we can sense a rising wave of energy in demanding joint European action. The European Union and the euro always commanded the support of the majority of European citizens, but, often, it was only the vocal opposition that was heard. Now this silent majority has regained its voice, its pride, and its self-confidence. Only by working together can the nations of Europe overcome these challenges“
.

Draghi schließt offenkundig aus den Wahlergebnissen in Holland und Frankreich mit den ausbleibenden Wahlerfolgen von Wilders und Le Pen, dass die Bürger eine „Welle der Energie“ hätten, gemeinsames europäisches Handeln zu fordern. Wirklich? Die Wähler wollten die krasse Alternative Le Pen und Wilders (noch?) nicht – aber ob das ein Bekenntnis zu mehr Europa ist, wie Draghi meint, ist doch sehr fragwürdig! Wollen Europas Bürger, und das impliziert die Aussage Draghis, wirklich mehr Brüssel, mehr europäischen Zentralstaat, gelenkt aus Brüssel, flankiert von der Super-Behörde EZB in Frankfurt? Im Grunde sind das immens politische Aussagen Draghis, die weit weg sind vom Thema Preisstabilität – und insofern schlicht Mandatsüberschreitungen!

Mario Draghi scheint derzeit in geradezu euphorischer Stimmung zu sein, wie folgende Aussagen seiner Rede in Tel Aviv zeigen:

„The crisis is now behind us. The recovery in the euro area is resilient and is increasingly broad-based across countries and sectors. Domestic demand, supported by the ECB’s monetary policy, is the mainstay of that recovery. Five million more people are employed now than were in 2013, and unemployment though still too high is at an eight-year low“.

Die Krise liegt also hinter uns, meint Draghi, und das in vielen Sektoren und Ländern. Aber wenn die Krise hinter uns liegt, müsste man dann doch fragen, warum die EZB vorerst mit der Geldpolitik weiter macht, die sie für und wegen der Krise ausgeführt hat? Logischerweise müsste Draghi und die EZB also ihre Krisenpolitik beenden. Tut sie aber nicht, weil das vor allem für die Länder der Europeripherie ein sehr teures Vergnügen wäre.

Es wird die Zeit kommen, da die Auswirkungen der EZB-Politik selbst eine neue Krise auslösen – wer wie die EZB den Zins vernichtet, vernichtet den zentralen Mechanismus zur Risikosteuerung im Kapitalismus. Das werden die zukünftigen Rentner, die ja immer mehr rund nicht weniger werden, deutlich zu spüren bekommen!


Hat nach den Wahlen in Holland und Frankreich offenkundig blendende Laune: Mario Draghi
Foto: EZB

14 Kommentare

14 Comments

  1. Avatar

    Lossless

    19. Mai 2017 11:14 at 11:14

    Lieber Mario Draghi, Deine EZB ist zu klein für Italien. ;-)

    • Avatar

      columbo

      19. Mai 2017 11:35 at 11:35

      Genauso ist es. Italien hat eine Inflation von 2%, wächst aber kaum(0,2% im ersten Quartal). Für die einen wäre eine Zinserhöhung bitter notwendig, für die andern zu gefährlich. Das große kommende Europroblem wird die Inflation(Ketchupinflation?Hyperinflation?) sein, dagegen muß man sich absichern, die Frage ist, wie?

      • Avatar

        Thomas

        19. Mai 2017 12:56 at 12:56

        Ganz einfach :
        Kauf Dir 10 Euro Silbermünze:
        10 Euro falls Deflation kommt
        ca.8 Euro Wert in Silber falls Inflation kommt

        • Avatar

          Bademeister

          19. Mai 2017 13:45 at 13:45

          Für 10 Euro bekommst du aber keine 10 Euro Silbermünze.

  2. Avatar

    sascha

    19. Mai 2017 11:33 at 11:33

    Ja, nur wenn wir in Rente gehen sind die jetzigen EZB Affen auf Wolke 7 oder liegen schwabbelig in der Südsee und sagen:
    Wir haben damals alles richtig gemacht , schau die Jungs heute, keine Ahnung.
    So wird es sein und immer bleiben.

  3. Avatar

    Bademeister

    19. Mai 2017 11:35 at 11:35

    Holland ist nach den angeblich so erfolgreichen letzten Wahlen immer noch politisch handlungsunfähig….Österreich seit einigen Jahren….Griechenland auch….jetzt folgen bald Frankreich, Italien.
    Und in Deutschland darf es keine Alternative zu Mutti geben!
    Draghi weiss anscheinend, dass sein gedrucktes Geld das grosse Ganze letztendlich zusammenhält. Es geht mittlerweile um viel mehr als den wiederkehrenden Anleihekauf und die Zinsdrückerei der EZB.
    Ohne Marios Massnahmen droht die EU innerhalb kürzester Zeit auseinanderzubrechen! Weitermachen!

    • Avatar

      Walter Schmid

      19. Mai 2017 14:06 at 14:06

      Ja, leider ist es so. Der Zweck heiligt die Mittel. Und die Wähler in Holland und Frankreich haben die Mittel abgenickt.
      Ich warte jetzt nur noch darauf, bis die EZB mit Aktienkäufen anfängt. Das wäre nur logisch, weil man damit ja unter anderem auch noch einen Aktiencrash verhindert. Passt doch alles!

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        leser

        19. Mai 2017 15:50 at 15:50

        @Bademeister, @Walter Schmid
        Das sind ja gewagte Thesen. Im Rechtsstaat hat Machiavelli keinen Platz mehr. Und bei der EZB handelt es sich um eine von der demokratischen Willensbildung völlig losgelöste Institution.

        • Avatar

          Bademeister

          19. Mai 2017 16:40 at 16:40

          Die EU wird nurmehr vom gedruckten Euro zusammengehalten, wenn die Druckmaschinen stillstehen stirbt Europa im von Brüssel gewollten Sinne….Mario weiss das und wird so lange wie möglich versuchen das zu verhindern. Die Sowjetunion und DDR sind letztendlich wegen des fehlenden Geldes zu Grunde gegangen. Und ganz egal ob EU, EZB oder BRD….demokratisch ist da schon lange nix mehr.
          Kein frisches Geld mehr und es kracht….final.

          • Avatar

            columbo

            19. Mai 2017 16:56 at 16:56

            Sind eigentlich Gelddruckmaschinen-Firmen an der Börse notiert? Oder Wartungsfirmen, da diese Maschinen ja unter hoher Belastung stehen?
            Wäre interessiert an entsprechenden Aktien oder besser noch ETF’s.

      • Avatar

        Lars

        19. Mai 2017 18:12 at 18:12

        @Walter Schmid
        Welche Mittel haben die Wähler denn abgenickt, nur weil sie sich gegen Rechtspopulismus und erste zarte Ansätze von Geistesgestörtheit entschieden haben? Nicht jeder will ein Trumpeltier an der Spitze seines Heimatlandes sehen. Da hat man sich dann wohl für das kleinere Übel entschieden.

        @Bademeister
        Draghi meint vielleicht zu glauben, dass sein Helikoptergeld alles zusammenhält. Ich befürchte eher, dass seine Maßnahmen die EU eher spalten als zusammenhalten. Es wird doch langsam offensichtlich, dass er in erster Linie für sein Heimatland streitet, seine Objektivität und sein Mandat vergessen hat und langsam zur, leider äußerst mächtigen und einflussreichen, Witzfigur verkommt.

        Eine Art Amtserhebungsverfahren parallel zum dem der rotblonden Fönwelle wäre doch eine passable Lösung: Die Medien müssten nicht zweimal berichten, für die Märkte ist ohnehin alles nach spätestens zwei Tagen positiv, die Italiener würden lernen, dass man Geld neben Kreditaufnahme auch durch Arbeit erwirtschaften kann.

  4. Avatar

    Tino

    19. Mai 2017 16:41 at 16:41

    Das wäre weltweit ein Problem, wenn die Zinsen steigen kollabiert das System, Zeit für einen restart

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      Michael

      19. Mai 2017 20:14 at 20:14

      Wiese sollte das System kollabieren? Welches System? Es gibt kein weltweites Sytem. Ein System setzt systematische Planung voraus.

      Steigende Zinsen sorgen mancherorts für steigende Sicherheit, Stabilität und Aufschwung, in entwicklungsbedürftigen Chaoswirtschaften und Tradergehirnen jedoch für Panik und Chaos, bevor die Erleuchtung auch hier irgendwann einsetzt.
      Weniger (Aktienblase) ist manchmal mehr, wir Menschen müssen arbeiten, nicht zocken, um unseren Lebensinhalt zu bestreiten. Eine schlimme und bisher immer gültige Tatsache.
      Was bleibt:
      1. Wir arbeiten selbst wieder für unseren Lebensunterhalt und verhandeln kämpferisch mit den global tätigen Superkapitalisten um menschenwürdige Löhne und Gehälter.
      2. Wir lassen die bösen Immigranten weiterhin Sklavenarbeit betreiben und versuchen uns alle als Zocker an der Börse.
      3. Wir machen weiter wie bisher, hassen die Opfer und huldigen den Verursachern, kaufen überteuerte deutsche Autos, die im Ausland trotz EURO-Schwäche (seit 2014 12 bis 13% Verlust) nur die Hälfte kosten, kaufen weiterhin amerikanischen Low-Tech-Schrott und vertrauen unser Geld amerikanischen Firmen an, die keinerlei reale, fassbare Leistung erbringen (Facebook, Google etc.)

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Aktien

Aber CFDs sind Termingeschäfte? Verbände für steuerliche Bevorzugung von Optionsscheinen

Claudio Kummerfeld

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am

Aktives Trading mit CFDs und Optionsscheinen könnte problematisch werden

Was sind CFDs? Die „Contracts for Difference“ erlauben gehebelte Wetten auf steigende und fallende Kurse. Die CFDs können Anleger zeitlich unbefristet lange halten. Und Optionsscheine? Die haben einen fest definierten Ablaufzeitpunkt. Und wie definiert man Termingeschäfte? In Kurzform: Dies sind Börsengeschäfte, bei denen die Erfüllung des Vertrags (Abnahme und Lieferung der Ware) zu einem späteren Termin erfolgt. Also sind Optionsscheine doch Termingeschäfte, und CFDs irgendwie nicht so richtig?

Egal. Wenn der Gesetzgeber eine Feststellung trifft, dann ist das eben so – weil es nun mal der Gesetzgeber ist? So wurde vor Kurzem die seit Anfang Januar gültige Novellierung des Einkommensteuergesetzes beschlossen, wonach Verluste aus „Termingeschäften“ nur noch bis zu 20.000 Euro pro Jahr mit Gewinnen aus Termingeschäften verrechnet werden dürfen. Dadurch wird die bizarre Realität entstehen, dass Anleger Steuern auf Gewinne zahlen müssen, obwohl sie effektiv in einem Börsenjahr im Handel keinen Gewinn erzielt haben (wir berichteten schon mehrmals). Danke Olaf Scholz, darf man da schon mal im Voraus sagen.

Klar zu sein scheint, dass die CFDs in die Kategorie der Termingeschäfte fallen im Sinne dieser Novelle des Einkommenssteuergesetzes – wohl ganz einfach, weil der Gesetzgeber es so will. Aber auch Optionsscheine, die per Definition doch viel eher Termingeschäfte sind? Wie man derzeit munkelt, wird das Bundesfinanzministerium noch eine Klarstellung für die ausführenden Steuerbehörden veröffentlichen, aus welcher hervorgehen könnte, dass auch Optionsscheine als Termingeschäfte zu betrachten wären. Das würde den Kreis der betroffenen Anleger deutlich erweitern.

Lobbyarbeit für Optionsscheine – von CFDs ist keine Rede

Aber halt. CFDs werden fast komplett von angelsächsischen und Offshore-Anbietern angeboten. Optionsscheine sind die Kinder der deutschen Bankenbranche. Und drei Mal darf man raten, wer den besseren Draht zu BaFin, Bundesfinanzministerium, Staatssekretären etc haben könnte? Diese Woche sieht man vom Deutschen Derivate-Verband, der Börse Stuttgart und der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) einen offiziellen Appell an das Bundesfinanzministerium (siehe hier), worin man eindringlich dazu auffordert Optionsscheine bezüglich dieser Neuregelung nicht als Termingeschäfte einzustufen. Man möchte also erreichen, dass Anleger auch weiterhin unbegrenzt Verluste aus Optionsscheinen mit Gewinnen aus Optionsscheinen verrechnen dürfen.

Gibt der Gesetzgeber dem nach, wäre dies ein glasklarer Vorteil für die Anbieter von Optionsscheinen, und ein riesiger Nachteil für die ausländischen CFD-Anbieter. Und wer ist denn Mitglied im Deutschen Derivate-Verband? Eben nicht die CFD-Anbieter, sondern so ziemlich alle deutschen Anbieter von Zertifikaten und Optionsscheinen, wie Deutsche Bank, Deka, Hypo, LBBW, DZ, Baader usw. Für CFDs bitten sie nicht um eine Ausnahme, sondern nur für Optionsscheine. Und die DSW? Hat sie die CFDs schon aufgegeben, und hofft nun noch darauf, wenigstens noch die Optionsscheine vor diesem Steuerirrsinn retten zu können? Aus dem Appell zitieren wir hier auszugsweise im Wortlaut:

Der Deutsche Derivate Verband (DDV), die Börse Stuttgart und die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) appellieren an das Bundesfinanzministerium, die Linie aus dem Juni 2020 beizubehalten und Optionsscheine nicht als Termingeschäfte einzuordnen. Im Entwurf des Anwendungsschreibens des BMF vom Juni 2020 wurden Optionsscheine nicht als Termingeschäfte klassifiziert und damit eine klare, angemessene Abgrenzung erreicht. Damit wird vermieden, dass Anleger in der Depotgestaltung beeinträchtigt werden und zudem aufwendige individuelle Veranlagungen vornehmen müssen. Anderenfalls drohen schwere steuerliche Nachteile, nachträgliche Steuerzahlungen und Unsicherheiten für hunderttausende von Anlegern. Für Termingeschäfte sieht das Jahressteuergesetz, das seit Jahresbeginn gilt, eine begrenzte Verlustverrechnungsmöglichkeit nur mit anderen Termingeschäften und Erträgen aus Stillhaltegeschäften vor.

Marc Tüngler, DSW-Hauptgeschäftsführer: „Die steuerliche Neuregelung der Verlustverrechnung ist ein weiterer herber Schlag für Privatanleger und führt zu massiven Verunsicherungen. Vom Grundsatz her halten wir die Regelung insgesamt für verfassungswidrig. Der Entwurf des BMF-Schreibens war immerhin ein fairer Vorschlag, wie die Anwendung zumindest in Bezug auf Optionsscheine zu regeln ist, und würde betroffenen Anlegern eine Perspektive geben. Wenn das BMF jetzt von diesem ursprünglichen Entwurf abweicht, weckt das Unverständnis und offenbart einmal mehr die feindliche Gesinnung gegenüber Privatanlegern.“

Würden Optionsscheine jetzt durch das Anwendungsschreiben des BMF den Termingeschäften zugerechnet, wird die neugeschaffene Unwucht im Steuerrecht weiter dramatisch verschärft.

Es gibt gute sachliche Argumente dafür, warum Optionsscheine steuerlich als sonstige Finanzinstrumente und nicht als Termingeschäfte zu klassifizieren sind. Die Klassifizierung sollte anhand der Erfüllungsweise von Optionsgeschäften vorgenommen werden. Diese ist bei Optionsscheinen „Zug-um-Zug“, sie sind daher bei der steuerlichen Behandlung den Kassageschäften zuzurechnen, und nicht den Termingeschäften. Diese Einschätzung wird auch von Wissenschaftlern geteilt.

Eine Studie der WHU aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass hunderttausende von Privatanlegern von einer solchen Klassifizierung betroffen wären. Zudem stellt die Studie der WHU fest, dass 68,8 Prozent der Nutzer von Hebelprodukten wie Optionsscheinen diese zur Absicherung einsetzen. Die Beschränkung der Verlustverrechnung erschwert es Anlegern von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen.

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Devisen

Türkische Lira vor weiterer Aufwertung? Aktuelle Zinsentscheidung gibt Hoffnung

Redaktion

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Türkei Flagge

Die türkische Lira könnte noch weiter aufwerten. Warum? Nun, zuerst ein kurzer Rückblick. Seit November ist der Leitzins in der Türkei durch die türkische Zentralbank in zwei Schritten kräftig angehoben worden, von 10,25 Prozent auf zuletzt 17 Prozent. Erst der zweite Zinsschritt von 15 Prozent auf 17 Prozent an Heiligabend brachte Vertrauen in die Lira – denn die Inflationsrate liegt derzeit bei satten 14,6 Prozent. Jetzt liegt der Leitzins deutlich genug über der Inflation, damit es einen positiven Geldfluss vom Ausland in die Türkei geben kann. Dies wäre Balsam für die türkische Lira. Aber so ein hoher Leitzins muss einige Zeit beibehalten werden, damit er wirken kann.

Und nun? Heute hat die türkische Zentralbank erneut eine weitere Zinsentscheidung verkündet. Man belässt den Leitzins bei 17,0 Prozent. Dies kann vom Devisenmarkt als Signal gewertet werden, dass die Zentralbanker gewillt sind die Angelegenheit „durchzuziehen“, als eine nachhaltige Bekämpfung der hohen Inflation.

Türkische Lira reagiert leicht positiv

Auf längere Sicht hohe Zinsen in der Türkei – das könnte die türkische Lira nachhaltig aufwerten lassen. Und die letzten Wochen lief es ja schon ganz gut in diese Richtung. Und jetzt aktuell? Die Zinsentscheidung wurde um 12 Uhr deutscher Zeit veröffentlicht. Da notierte US-Dollar vs türkische Lira noch bei einem Wechselkurs von 7,39. Jetzt notiert USDTRY bei 7,36. Im Chart sehen wir den Kursverlauf von Dollar vs Lira seit Februar 2020. Die türkische Währung konnte seit November einiges gut machen, und könnte womöglich nun weiter aufwerten (sicher ist das aber natürlich nicht).

Zentralbank mit guten Aussagen, Erdogan meldet sich zu Wort

Die Notenbanker in Ankara erklärten heute, dass man seinem harten geldpolitischen Kurs treu bleibe, bis sich ein nachhaltiger Rückgang der Inflation abzeichne. Falls nötig, werde man weitere Schritte zur Straffung der Geldpolitik unternehmen. Super, da freut sich der Devisenmarkt im Sinne einer festeren Lira? Achtung, Präsident Erdogan fordert seit Jahren sinkende Zinsen. Die würden (so Erdogan) die Inflation zum Sinken bringen – was aber eigentlich genau anders rum funktioniert. Seit Monaten hört man von Erdogan kaum Aussagen in dieser Hinsicht. Aber am letzten Freitag, da meldete er sich wieder zu Wort. Die aktuelle Geldpolitik (steigende Zinsen sollen Geld teuerer machen etc) diene nicht der Türkei. Die Lösung des Problems der hohen Inflation sei, die Zinsen zu senken. Bringt dies die nachhaltige Erholung der Lira wieder in Gefahr?

Chart zeigt US-Dollar gegen türkische Lira seit Februar 2020

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Devisen

Goldpreis steigt nach Yellen-Rede – was ist da los?

Claudio Kummerfeld

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Ein Barren Gold

Der Goldpreis reagiert recht merkwürdig auf die gestern Abend gehaltene Online-Rede der neuen US-Finanzministerin Janet Yellen vor dem US-Kongress. Wir sprachen vorgestern vorab darüber, und was ihre möglichen Aussagen für den Goldpreis bedeuten könnten. Ein stärkerer US-Dollar würde den Goldpreis schwächen. Vorab waren Redeinhalte durchgesickert. Aber ob sie auch wirklich genau das sagen würde? Nun, es kam wie erwartet. Janet Yellen (hier alle wichtigen Redeinhalte) sagte ganz eindeutig, dass man nicht wie die Trump-Regierung einen niedrigen US-Dollar sehen möchte.

Nein, man überlässt es dem freien Devisenmarkt den fairen Wert für den US-Dollar zu finden, ohne jede verbale Beeinflussung. Trump hatte auf einen billigeren US-Dollar gedrungen, damit die US-Wirtschaft wettbewerbsfähiger wäre (damit wären US-Produkte im Ausland günstiger). Janet Yellen sprach gestern von einer stabile Währung, deren Preis von den Marktkräften bestimmt werden solle. Man strebe keinen schwächeren US-Dollar an. Es sei inakzeptabel absichtlich schwächere Wechselkurse anzuvisieren um wirtschaftliche Vorteile zu erlangen, so Yellen. Und der Goldpreis, wie reagierte der auf diese Worte?

Warum steigt der Goldpreis nach der Yellen-Rede?

Nun, ihre Worte bringen ganz eindeutig Phantasie für einen höheren US-Dollar. Dann würde der Goldpreis fallen. Aber das Gegenteil passiert seit gestern Abend. Der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere wichtige Währungen) fiel von 90,50 auf aktuell 90,27 Indexpunkte. Der Goldpreis steigt seit gestern Abend von 1.840 auf aktuell 1.855 Dollar. Damit zeigt er Stärke, als klassische negative Korrelation zum US-Dollar.

Nun, offenbar geht der Markt kurzfristig vor nach dem Motto „Sell on good news“? Der US-Dollar war die letzten Tage vor der Yellen-Rede gestiegen (in Erwartung genau dieser Aussagen), und jetzt kam die Yellen-Rede exakt wie erwartet auf den Tisch. Also, erstmal Gewinne im Dollar machen, und der Goldpreis kann steigen? Auch kann man den aktuellen Anstieg im Gold erklären mit anderen gestrigen Aussagen von Janet Yellen. Ebenfalls wie erwartet will sie nun erstmal jede Menge neue Schulden machen um US-Bürger und Wirtschaft zu stützen in dieser Krise. Das ist tendenziell positiv für Gold. Aber, als Frage formuliert: Kommt der Drang hin zu einem stärkeren US-Dollar bald wieder zum Vorschein, und Gold schwächelt doch? Vorsicht ist also geboten im restlichen Verlauf dieser Woche.

Chart zeigt Kursverlauf von Goldpreis gegen US-Dollar
Im Chart sehen wir seit gestern früh den steigenden Goldpreis in rot-grün gegen den fallenden US-Dollar.

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Anmeldestatus

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