Folgen Sie uns

Devisen

Mario Draghi wird euphorisch – und überschreitet dabei sein Mandat!

Eigentlich sollten sich Notenbanker, zumal wenn sie der EZB angehören, nur um das Thema Geldpolitik kümmern, genauer gesagt: um Preisstabilität. Wie weit sich die EZB und vor allem Mario Draghi davon entfernt haben, zeigt eine gestern gehaltene Rede Draghis!

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Eigentlich sollten sich Notenbanker, zumal wenn sie der EZB angehören, nur um das Thema Geldpolilitk kümmern, genauer gesagt: um Preisstabilität. So heißt es in dem „Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union“ (AEU-Vertrag) im Artikel 127:

„Das vorrangige Ziel des Europäischen Systems der Zentralbanken (im Folgenden „ESZB“) ist es, die Preisstabilität zu gewährleisten“.

Aber danach folgt gleich ein Satz, der faktisch die Basis bildete dafür, dass die EZB inzwischen sehr viel mehr ist als nur die Hüterin der Preisstabilität:

„Soweit dies ohne Beeinträchtigung des Zieles der Preisstabilität möglich ist, unterstützt das ESZB die allgemeine Wirtschaftspolitik in der Union, um zur Verwirklichung der in Artikel 3 des Vertrags über die Europäische Union festgelegten Ziele der Union beizutragen.“

Man soll also „die allgemeine Wirtschaftspolitik der EU unterstützen“ – reichlich schwammig, zumal die dann in Artikel 3 zitierten Ziele dann doch sehr allgemein gehalten sind.

Aus der Sicht der EZB macht die Notenbank genau das. Sie unterstützt die Wirtschaftspolitik. Fragt sich nur: welche Wirtschaftspolitik? Und Kritiker würden sagen: inzwischen macht vor allem die EZB selbst Wirtschaftspolitik, greift etwa durch Käufe von Unternehmensanleihen massiv in den Wirtschafts-Kreislauf ein: so ist es doch unzweifelhaft ein Wettbewerbsvorteil für ein Unternehmen, wenn sich dieses Unternehmen über Anleihen Geld besorgen kann, indem die EZB diese Anleihen kauft (was aus Sicht der Märkte dann noch zusätzlich ein Gütesiegel ist, also kaufen auch andere diese Anleihen und senken damit die Kosten für die Aufnahmen von Liquidität weiter). Die Anleihen anderer Unternehmen jedoch, die die gleiche Bonitätseinschätzung seitens der Ratingagenturen haben, kauft die EZB jedoch nicht. Auf welcher Basis trifft die EZB diese Entscheidungen eigentlich? Seltsam, dass dagegen bisher kein europäisches Unternehmen geklagt hat gegen die EZB wegen Wettbewerbsverzerrung!

Und indirekt mischt sich die zur Super-Behörde mutierte EZB auch in die Politik ein. So gestern etwa Mario Draghi in einer Rede in Tel Aviv anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität in Tel Aviv.

Dort sagte Draghi:

„Today we can sense a rising wave of energy in demanding joint European action. The European Union and the euro always commanded the support of the majority of European citizens, but, often, it was only the vocal opposition that was heard. Now this silent majority has regained its voice, its pride, and its self-confidence. Only by working together can the nations of Europe overcome these challenges“
.

Draghi schließt offenkundig aus den Wahlergebnissen in Holland und Frankreich mit den ausbleibenden Wahlerfolgen von Wilders und Le Pen, dass die Bürger eine „Welle der Energie“ hätten, gemeinsames europäisches Handeln zu fordern. Wirklich? Die Wähler wollten die krasse Alternative Le Pen und Wilders (noch?) nicht – aber ob das ein Bekenntnis zu mehr Europa ist, wie Draghi meint, ist doch sehr fragwürdig! Wollen Europas Bürger, und das impliziert die Aussage Draghis, wirklich mehr Brüssel, mehr europäischen Zentralstaat, gelenkt aus Brüssel, flankiert von der Super-Behörde EZB in Frankfurt? Im Grunde sind das immens politische Aussagen Draghis, die weit weg sind vom Thema Preisstabilität – und insofern schlicht Mandatsüberschreitungen!

Mario Draghi scheint derzeit in geradezu euphorischer Stimmung zu sein, wie folgende Aussagen seiner Rede in Tel Aviv zeigen:

„The crisis is now behind us. The recovery in the euro area is resilient and is increasingly broad-based across countries and sectors. Domestic demand, supported by the ECB’s monetary policy, is the mainstay of that recovery. Five million more people are employed now than were in 2013, and unemployment though still too high is at an eight-year low“.

Die Krise liegt also hinter uns, meint Draghi, und das in vielen Sektoren und Ländern. Aber wenn die Krise hinter uns liegt, müsste man dann doch fragen, warum die EZB vorerst mit der Geldpolitik weiter macht, die sie für und wegen der Krise ausgeführt hat? Logischerweise müsste Draghi und die EZB also ihre Krisenpolitik beenden. Tut sie aber nicht, weil das vor allem für die Länder der Europeripherie ein sehr teures Vergnügen wäre.

Es wird die Zeit kommen, da die Auswirkungen der EZB-Politik selbst eine neue Krise auslösen – wer wie die EZB den Zins vernichtet, vernichtet den zentralen Mechanismus zur Risikosteuerung im Kapitalismus. Das werden die zukünftigen Rentner, die ja immer mehr rund nicht weniger werden, deutlich zu spüren bekommen!


Hat nach den Wahlen in Holland und Frankreich offenkundig blendende Laune: Mario Draghi
Foto: EZB

14 Kommentare

14 Comments

  1. Avatar

    Lossless

    19. Mai 2017 11:14 at 11:14

    Lieber Mario Draghi, Deine EZB ist zu klein für Italien. ;-)

    • Avatar

      columbo

      19. Mai 2017 11:35 at 11:35

      Genauso ist es. Italien hat eine Inflation von 2%, wächst aber kaum(0,2% im ersten Quartal). Für die einen wäre eine Zinserhöhung bitter notwendig, für die andern zu gefährlich. Das große kommende Europroblem wird die Inflation(Ketchupinflation?Hyperinflation?) sein, dagegen muß man sich absichern, die Frage ist, wie?

      • Avatar

        Thomas

        19. Mai 2017 12:56 at 12:56

        Ganz einfach :
        Kauf Dir 10 Euro Silbermünze:
        10 Euro falls Deflation kommt
        ca.8 Euro Wert in Silber falls Inflation kommt

        • Avatar

          Bademeister

          19. Mai 2017 13:45 at 13:45

          Für 10 Euro bekommst du aber keine 10 Euro Silbermünze.

  2. Avatar

    sascha

    19. Mai 2017 11:33 at 11:33

    Ja, nur wenn wir in Rente gehen sind die jetzigen EZB Affen auf Wolke 7 oder liegen schwabbelig in der Südsee und sagen:
    Wir haben damals alles richtig gemacht , schau die Jungs heute, keine Ahnung.
    So wird es sein und immer bleiben.

  3. Avatar

    Bademeister

    19. Mai 2017 11:35 at 11:35

    Holland ist nach den angeblich so erfolgreichen letzten Wahlen immer noch politisch handlungsunfähig….Österreich seit einigen Jahren….Griechenland auch….jetzt folgen bald Frankreich, Italien.
    Und in Deutschland darf es keine Alternative zu Mutti geben!
    Draghi weiss anscheinend, dass sein gedrucktes Geld das grosse Ganze letztendlich zusammenhält. Es geht mittlerweile um viel mehr als den wiederkehrenden Anleihekauf und die Zinsdrückerei der EZB.
    Ohne Marios Massnahmen droht die EU innerhalb kürzester Zeit auseinanderzubrechen! Weitermachen!

    • Avatar

      Walter Schmid

      19. Mai 2017 14:06 at 14:06

      Ja, leider ist es so. Der Zweck heiligt die Mittel. Und die Wähler in Holland und Frankreich haben die Mittel abgenickt.
      Ich warte jetzt nur noch darauf, bis die EZB mit Aktienkäufen anfängt. Das wäre nur logisch, weil man damit ja unter anderem auch noch einen Aktiencrash verhindert. Passt doch alles!

      • Avatar

        leser

        19. Mai 2017 15:50 at 15:50

        @Bademeister, @Walter Schmid
        Das sind ja gewagte Thesen. Im Rechtsstaat hat Machiavelli keinen Platz mehr. Und bei der EZB handelt es sich um eine von der demokratischen Willensbildung völlig losgelöste Institution.

        • Avatar

          Bademeister

          19. Mai 2017 16:40 at 16:40

          Die EU wird nurmehr vom gedruckten Euro zusammengehalten, wenn die Druckmaschinen stillstehen stirbt Europa im von Brüssel gewollten Sinne….Mario weiss das und wird so lange wie möglich versuchen das zu verhindern. Die Sowjetunion und DDR sind letztendlich wegen des fehlenden Geldes zu Grunde gegangen. Und ganz egal ob EU, EZB oder BRD….demokratisch ist da schon lange nix mehr.
          Kein frisches Geld mehr und es kracht….final.

          • Avatar

            columbo

            19. Mai 2017 16:56 at 16:56

            Sind eigentlich Gelddruckmaschinen-Firmen an der Börse notiert? Oder Wartungsfirmen, da diese Maschinen ja unter hoher Belastung stehen?
            Wäre interessiert an entsprechenden Aktien oder besser noch ETF’s.

      • Avatar

        Lars

        19. Mai 2017 18:12 at 18:12

        @Walter Schmid
        Welche Mittel haben die Wähler denn abgenickt, nur weil sie sich gegen Rechtspopulismus und erste zarte Ansätze von Geistesgestörtheit entschieden haben? Nicht jeder will ein Trumpeltier an der Spitze seines Heimatlandes sehen. Da hat man sich dann wohl für das kleinere Übel entschieden.

        @Bademeister
        Draghi meint vielleicht zu glauben, dass sein Helikoptergeld alles zusammenhält. Ich befürchte eher, dass seine Maßnahmen die EU eher spalten als zusammenhalten. Es wird doch langsam offensichtlich, dass er in erster Linie für sein Heimatland streitet, seine Objektivität und sein Mandat vergessen hat und langsam zur, leider äußerst mächtigen und einflussreichen, Witzfigur verkommt.

        Eine Art Amtserhebungsverfahren parallel zum dem der rotblonden Fönwelle wäre doch eine passable Lösung: Die Medien müssten nicht zweimal berichten, für die Märkte ist ohnehin alles nach spätestens zwei Tagen positiv, die Italiener würden lernen, dass man Geld neben Kreditaufnahme auch durch Arbeit erwirtschaften kann.

  4. Avatar

    Tino

    19. Mai 2017 16:41 at 16:41

    Das wäre weltweit ein Problem, wenn die Zinsen steigen kollabiert das System, Zeit für einen restart

    • Avatar

      Michael

      19. Mai 2017 20:14 at 20:14

      Wiese sollte das System kollabieren? Welches System? Es gibt kein weltweites Sytem. Ein System setzt systematische Planung voraus.

      Steigende Zinsen sorgen mancherorts für steigende Sicherheit, Stabilität und Aufschwung, in entwicklungsbedürftigen Chaoswirtschaften und Tradergehirnen jedoch für Panik und Chaos, bevor die Erleuchtung auch hier irgendwann einsetzt.
      Weniger (Aktienblase) ist manchmal mehr, wir Menschen müssen arbeiten, nicht zocken, um unseren Lebensinhalt zu bestreiten. Eine schlimme und bisher immer gültige Tatsache.
      Was bleibt:
      1. Wir arbeiten selbst wieder für unseren Lebensunterhalt und verhandeln kämpferisch mit den global tätigen Superkapitalisten um menschenwürdige Löhne und Gehälter.
      2. Wir lassen die bösen Immigranten weiterhin Sklavenarbeit betreiben und versuchen uns alle als Zocker an der Börse.
      3. Wir machen weiter wie bisher, hassen die Opfer und huldigen den Verursachern, kaufen überteuerte deutsche Autos, die im Ausland trotz EURO-Schwäche (seit 2014 12 bis 13% Verlust) nur die Hälfte kosten, kaufen weiterhin amerikanischen Low-Tech-Schrott und vertrauen unser Geld amerikanischen Firmen an, die keinerlei reale, fassbare Leistung erbringen (Facebook, Google etc.)

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Devisen

Euro vs US-Dollar: Der Euro wehrt sich zum Wochenstart

Agata Janik

Veröffentlicht

am

Ein 20 Euro Schein

Wie ich in meiner gestrigen Euro vs US-Dollar Analyse erwähnt habe, hatte der Major zum Wochenstart ein leichtes Erholungspotential gehabt. Die Unterstützung bei 1,1612 ist stark und die Wahrscheinlichkeit war relativ hoch, dass sich der Euro zum Wochenbeginn über dieser Marke halten kann. Die Bären haben zwar schon in der asiatischen Session in der Nacht zum Montag kurzfristig versucht, den Euro zu schwächen, doch der Bereich bei 1,1614 konnte nicht mehr nach unten durchbrochen werden. Die Short-Trader haben schnell gemerkt, dass der Verkaufsdruck auf den Euro nachgelassen hat. Viele Händler, die letzte Woche Short positioniert waren, haben vor dem Wochenende ihre Gewinne realisiert. Auch aus technischer Sicht war eine Gegenreaktion auf der Oberseite absolut realistisch.

Gesponserter Inhalt

Wollen Sie aktiv Devisen oder Rohstoffe handeln? bietet ein besonders hochwertiges Trading-Tool für Sie! Je enger die Spreads sind, also je geringer der Abstand zwischen Kauf- und Verkaufskurs, desto schneller kommen Sie bei einem positiven Trade in die Gewinnzone. Sichern Sie sich für bestimmte Märkte besonders günstige Sonderkonditionen für ihren aktiven Börsenhandel, . Eröffnen Sie hier ein Konto und starten Sie Ihr Trading. Viel Erfolg!

Am Montagvormittag haben die Bullen angefangen, vorsichtig die Long-Seite anzugreifen. Als der Kurs den Widerstand bei 1,1634 überschritten hat, sind auch die Break-Out Trader aktiv geworden und haben frische Kauforders am Markt platziert. Das hat dem Euro vs USD neue Kraft verliehen. Die Aufwärtsbewegung hat sich beschleunigt. Auf dem Niveau von 1,1647 verlief gestern der 120er Moving Average. Diese Hürde wurde ebenfalls ohne Schwierigkeiten genommen und der Euro wurde weiter gesucht. Gegen Mittag notierte das Währungspaar schon über 1,1660. Hier hat EUR/USD eine kleine Pause eingelegt. Die kurzfristigen Long-Trader haben ihre Trades geschlossen und der Euro ist danach leicht gefallen. Unter 1,1660 haben die Bullen aber erneut angegriffen. Der Euro hat wieder an Kraft gewonnen und der Kurs ist erneut angestiegen. Der Widerstand bei 1,1681 war für den Euro jedoch zu stark.

Die Kaufkraft war nicht mehr vorhanden, was zu einer schnellen Kurskorrektur auf der Unterseite führte. Am Anfang der amerikanischen Session notierte EUR/USD wieder bei 1,1642. Auf diesem Level haben sich die Long-Trader wieder gemeldet und angefangen, den Euro gegen den USD zu kaufen. Die Indikatoren im kurzfristigen Zeitfenster haben frische Long-Signale geliefert und der Major hat seine Erholung fortgesetzt. In den Abendstunden ist es dem Euro sogar gelungen, erneut den Widerstand bei 1,1681 zu testen. Mehr war zwar gestern nicht drin, doch der Handelstag verlief für den Euro vs USD insgesamt positiv. Der Kurs konnte über 50 Pips zulegen. Für einen Wochenstart war es eine gute Leistung.

Der Tagesausblick für den Euro vs US-Dollar

Aktuell, am Dienstagmorgen, notiert der Euro zum USD bei. 1,1675. In der asiatischen Session heute Nacht, haben die Bullen versucht, die 1,1700 Marke anzugreifen. Dafür hat die Dynamik jedoch nicht ausgereicht. Der Widerstand bei 1,1681 ist stark, und es wird ein neuer Impuls benötigt, um diese Hürde zu nehmen. Sollte es den Long-Trader gelingen, diese Marke zu überschreiten, wird der Kurs klar die 1,17 „big figure“ suchen. Hier kann es richtig spannend werden. Es ist eine psychologische Grenze, die über den langfristigen Aufwärtstrend entscheiden kann. Wenn EUR/USD es schafft, über 1,1700 nachhaltig zu steigen, kann sich der übergeordnete Long-Trend weiter fortsetzen.

Wenn nicht, werden die Bären die Short-Seite erneut angreifen. Wer also konservativ ist und sein Risiko klein halten will, sollte zuerst abwarten, wie sich der Euro vs USD in den nächsten Stunden verhält. Für den USD können die nächsten Tage ebenfalls von großer Bedeutung sein. Die gesamte Finanzwelt wartet schon ungeduldig auf das erste live TV-Duell zwischen Donald Trump und Joe Biden, welches am Mittwochmorgen um ca. 3.00 Uhr unserer Zeit beginnen wird. Der Daily Pivot Point beim Euro vs USD liegt heute bei 1,1656.

Chart zeigt Verlauf von Euro gegen US-Dollar

Die hier gezeigten Analysen stellen keine Anlageberatung dar und sind daher auch keine Empfehlung zum Kauf bzw. zum Verkauf eines Wertpapiers, eines Terminkontraktes oder eines sonstigen Finanzinstrumentes. Die Wertentwicklung der Vergangenheit bietet keine Gewähr für künftige Ergebnisse. Die bereitgestellten Analysen sind ausschließlich zur Information bestimmt und können ein individuelles Beratungsgespräch nicht ersetzen. Eine Haftung für mittelbare und unmittelbare Folgen aus diesen Vorschlägen ist somit ausgeschlossen.

weiterlesen

Devisen

Türkische Lira mit neuem Rekordtief – warum die Zinsanhebung verpufft ist

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Türkei Flagge

Die türkische Lira stand seit letzter Woche Donnerstag vor einer möglichen Kurswende. Denn seit geraumer Zeit hangelt sie sich von einem Rekordtief zum nächsten – ein Desaster! Hauptverantwortlich dafür war die von Präsident Erdogan befürwortete Politik der türkischen Zentralbank, den Leitzins tief unterhalb der Inflationsrate zu belassen – Hauptsache es gibt günstige Kredite für Unternehmen und Verbraucher in der Türkei. Aber damit war am Donnerstag Schluss. Völlig überraschend wurde der Leitzins von 8,25 Prozent auf 10,25 Prozent angehoben – eine mutige, kräftige Anhebung!

Türkische Lira aktuell mit neuem Absturz auf Rekordtief

Und die türkische Lira reagierte entsprechend positiv mit einer Aufwertung. US-Dollar vs Lira fiel bis Freitag von 7,69 auf 7,51. Endlich mal ein Aufatmen für die Lira, könnte man sagen. Aber vor allem seit Start des Devisenhandels heute Nacht wertet die türkische Lira wieder deutlich ab, auf neue Rekordtiefs gegen US-Dollar und Euro. Der folgende Chart, der bis letzten Mittwoch zurückreicht, zeigt den beschriebenen Verlauf seit Donnerstag. Aktuell muss man 7,78 Lira für 1 US-Dollar zahlen (Hoch heute schon bei 7,86). Und für einen Euro muss man heute schon 9,08 Lira aufbringen.

Chart zeigt Kursverlauf von US-Dollar gegen türkische Lira

Geopolitik durchkreuzt Lira-Erholung

Da könnte man bei der türkischen Zentralbank in Ankara ja fast verrückt werden, möchte man meinen. Da erhöht man den Leitzins um kräftige 200 Basispunkte, und nur zwei Handelstage später notiert die türkische Lira tiefer als jemals zuvor. Aber in diesem Fall muss man die Notenbanker von jeglicher Schuld freisprechen. Die geopolitische Lage hat ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Denn direkt um die Ecke sind zwischen Armenien und Aserbaidschan sind heftige Kämpfe entfacht. Jetzt gilt in beiden Ländern sogar der Kriegszustand. Schweres Artilleriefeuer, zahlreiche Tote und Verletzte – die Kämpfe zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Region Bergkarabach gehen weiter. Die Türkei hat sich umgehend an die Seite Aserbaidschans gestellt, so besagen es aktuelle Berichte. Dies setzt die türkische Lira plötzlich kräftig unter Druck. Heute verkündete Maßnahmen der türkischen Bankenaufsicht (siehe hier) gehen bei diesem kriegerischen Konflikt derzeit völlig unter.

weiterlesen

Devisen

Euro vs US-Dollar: Schafft der Euro zum Wochenstart den Rebound?

Agata Janik

Veröffentlicht

am

Mehrere Euro-Geldscheine

Der Euro zum US-Dollar musste in der vergangenen Handelswoche herbe Verluste hinnehmen. Innerhalb nur weniger Tage hat der Euro gegenüber dem US-Dollar über 200 Punkte verloren. Aus technischer Sicht war diese Reaktion auf der Short-Seite zu erwarten. Die Indikatorenlage war im mittelfristigen Zeitfenster ausgereizt. Zu oft hat der Major vergeblich versucht, die höheren Regionen über 1,19 nachhaltig zu erobern. Nach der letzten Seitwärtsbewegung und einem erneuten misslungenen Angriff, kam es zu einer großen Enttäuschung im Markt. Der Widerstand bei 1,1875 hat endgültig bestätigt, dass es für den Euro an der Zeit war, eine Korrektur zu erfahren. Die Bullen haben ihre Long-Trades sukzessive in Laufe der Woche geschlossen und den Euro vs USD somit unter Druck gesetzt.

Gesponserter Inhalt

Wollen Sie aktiv Devisen oder Rohstoffe handeln? bietet ein besonders hochwertiges Trading-Tool für Sie! Je enger die Spreads sind, also je geringer der Abstand zwischen Kauf- und Verkaufskurs, desto schneller kommen Sie bei einem positiven Trade in die Gewinnzone. Sichern Sie sich für bestimmte Märkte besonders günstige Sonderkonditionen für ihren aktiven Börsenhandel, . Eröffnen Sie hier ein Konto und starten Sie Ihr Trading. Viel Erfolg!

Während der ganzen letzten Woche wurde die Short-Seite von den Händlern klar favorisiert. Der frische Abwärtstrend wurde zusätzlich durch die allgemeine Dollar-Stärke beschleunigt. Der Greenback scheint momentan eine kleine Renaissance zu erleben. Nicht nur gegen den Euro, sondern auch gegen die anderen Majors konnte sich die amerikanische Währung in der letzten Handelswoche gut durchsetzen. Obwohl es in den USA weiterhin brodelt und die Lage sich vor den Präsidentschaftswahlen immer mehr zuspitzt, gewinnt der USD gegen die anderen Hauptwährungen wieder an Wert. In Europa haben die Experten die zweite Welle des Covid-19 fast schon fest einprogrammiert. Die infektionszahlen steigen an und immer mehr Regionen werden zum Risikogebiet erklärt. Die Sorgen und Ängste vor der wirtschaftlichen Krise kommen zurück. Das belastet den Euro. Das Vertrauen in die europäische Leitwährung scheint zu schrumpfen.

Am Freitag wurde der Euro vs USD weiter abverkauft. Nachdem der wichtige Widerstand bei 1,1681 gehalten hatte, schlugen die Bären erneut zu und schicken den Euro weiter in den Keller. Es hat sich frische Dynamik auf der Unterseite entwickelt und der Kurs rutsche im Laufe des Tages immer tiefer. Im Low notierte EUR/USD vor dem Wochenschluss bei 1,1610. Diese Unterstützung war stark und konnte die Short-Bewegung stoppen. Am Nachmittag, während der amerikanischen Session, erholte sich der Euro dann wieder leicht. Es waren aber überwiegend die Gewinnmitnahmen der Daytrader, die diese Gegenreaktion auf der Oberseite ausgelöst haben. Im späten Handel notierte der Euro zum USD bei ca. 1,1637.

Der Tagesausblick für den Euro vs US-Dollar

Aktuell, am Montagmorgen, notiert der Euro vs USD bei 1,1632. In der asiatischen Sitzung heute Nacht, geriet der Euro erneut leicht unter Druck. Der Kurs rutsche bis 1,1615. Hier hat die Dynamik wieder nachgelassen. Der Angriff auf die 1,1600 Marke war somit gescheitert. Danach hat sich der Euro wieder ein wenig erholt. Die 1,1600 „big figure“ wird für die weitere Entwicklung von EUR/USD von großer Bedeutung sein. Es ist eine wichtige psychologische Marke, die nicht zu vernachlässigen ist. Die Bären werden heute wieder versuchen, den Euro unter Druck zu setzen.

Der Weg bis 1,1600 ist nicht lang. Darunter liegen viele Stop-Loss Marken. Wenn diese gezogen werden, wird sich der neue Abwärtstrend weiter fortsetzen. Die nächste signifikante Unterstützung befindet sich erst bei 1,1516 (120er Moving Average). Wenn dagegen die 1,1600 Marke aber hält, kann es zu einem schnellen Rebound kommen. Auf der Oberseite hat EUR/USD den ersten wichtigen Widerstand bei 1,1663 und dann bei 1,1681. Wenn auch diese Marke erobert wird, wird der Kurs die 1,1700 Marke suchen. Der Daily Pivot Point beim Euro vs US-Dollar liegt heute bei 1,1641.

Chart zeigt Euro gegen US-Dollar im Kursverlauf

Die hier gezeigten Analysen stellen keine Anlageberatung dar und sind daher auch keine Empfehlung zum Kauf bzw. zum Verkauf eines Wertpapiers, eines Terminkontraktes oder eines sonstigen Finanzinstrumentes. Die Wertentwicklung der Vergangenheit bietet keine Gewähr für künftige Ergebnisse. Die bereitgestellten Analysen sind ausschließlich zur Information bestimmt und können ein individuelles Beratungsgespräch nicht ersetzen. Eine Haftung für mittelbare und unmittelbare Folgen aus diesen Vorschlägen ist somit ausgeschlossen.

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen