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Mario Draghis Aussagen: was bedeutet das? Kurzeinschätzung..

Was bedeutet das, was Draghi und die EZB uns zu sagen haben? Faktisch ist das sehr weitreichend!

Von Markus Fugmann

Was bedeutet das, was Draghi und die EZB uns zu sagen haben? Faktisch ist das sehr weitreichend! Bislang konnte die Notenbank nur Staatsanleihen mit mind. 2-jähriger Laufzeit kaufen, nun hat sie diese Schwelle auf 1-jährige gesenkt. Und weil diese kürzer laufenden Anleihen meist unter dem Einlagesatz von -0,4% rentieren, hat man faktisch die goldene Regel aufgehoben, nur Anleihen zu kaufen, die mind. mit dem EInlagesatz rentieren. Das ist eine stille Revolution, oder besser: der nächste Tabu-Bruch.

Weniger wichtig ist das, was die Laufzeit betrifft: es ist mit 60 Milliarden pro Monat mit 9 Monaten Laufzeit in der Summe etwas mehr als die erwarteten 80 Milliarden auf sechs Monate, aber das ist kaum relevant.

Wichtiger da schon die Botschaft: wir denken nicht an Tapering, wobei Draghi Tapering als schrittweise Reduzierung Richtung Null definiert (was nicht ganz korrekt ist unserer Ansicht nach). Noch wichtiger die Botschaft: wir werden noch lange am Markt bleiben, sprich die Notenbank wird noch lange die Märkte manipulieren. Was Draghi als Beruhigung meint, ist faktisch eine Bedrohung der Stabilität der Finanzmärkte insgesamt.

Das war also ein sehr großer Schuss der EZB, eine Art Bazooka. Und was auffallend ist: Draghi und die EZB sagen, Deflation ist nicht mehr unser Problem. Aha. Wenn aber die Inflation deutlich anziehen wird, wie Draghi selbst sagt, schon wegen der Ölpreise, dann hätte die EZB doch eigentlich ihr Mandat erfüllt – und müßte, wenn die Inflation knapp unter 2% ist, das QE und die anderen Maßnahmen stoppen. Aber man sieht: es geht gar nicht mehr um Preisstabiliät – es geht faktisch um die Rettung der Eurozone durch Umverteilung und Staatsfinanzierung durch die EZB!



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13 Kommentare

  1. Vielen dank Herr Fugmann für die Info.

  2. also kommt doch die 12000 oder darüberhinaus?

    1. wäre mal cool, bin seit 10600 drin.

      1. Hätt ich mich nicht mehr getraut bei 10600 einzusteigen. Aber ja…richtig…das waren Kaufkurse.

  3. natürlich alles im Rahmen des Mandats! ;-) da kann man nur noch mit dem kopf schütteln…

  4. sind Sie denn jetzt auch bullisch für die Aktienmärkte Herr Fugmann?

  5. Die Mehrheit in Ialien will raus aus dem Euro.Es werden die Parteien gewinnen,die dass auch wollen.
    Ist Italien draussen,ist auch Draghi Geschichte,denn nur ein Mitglied darf den Chef der EZB stellen.

    1. wenn Ihnen klar wird dass dann bald nur Lira aus dem Automaten kommen und was die wohl wert sind wollen sie doch wieder im Euro bleiben.genauso wie die Griechen…sie wollen nur gerne noch mehr Schulden machen Deutschland und Draghi werden das ermöglichen

  6. Nö,

    das liegt daran, dass wir in Europa „nachlaufend“ sind, d.h. wenn die FED die Zinsen jetzt im Dezember erhöht, wird die EZB wohl im Dezember 2017 die Zinsen erhöhen.

    VG

    Marko

  7. „wenn Ihnen klar wird dass dann bald nur Lira aus dem Automaten kommen und was die wohl wert sind wollen sie doch wieder im Euro bleiben.genauso wie die Griechen…sie wollen nur gerne noch mehr Schulden machen Deutschland und Draghi werden das ermöglichen“

    Genau, mitgehangen mitgefangen, ein Austritt aus dem EUR ist nicht mehr möglich,könnte nur ein EUR-Staat vollziehen, aber : dann wäre der Ofen aus… Wäre aber genauso Blödsinn…:D

  8. Der letzte Absatz ist wichtig&sonst nichts.Es geht gar nicht um Preisstabilität,es geht um die Rettung der €urozone durch Umverteilung und Staatsfinanzierung!Das ist der europäische Länderfinanzausgleich.Seltsam nur,dass in Deutschland die wenigen wirtschaftsstarken Länder gegen die „Faulen“klagen,in Europa aber nicht,obwohl die Dimensionen da ganz völlig andere sind.Ich bin bald 60,kann mich aber nicht daran erinnern,dass ich mal dermassen desorientiert war wie die letzten 5 Jahre.Draghi go home!

  9. in Europa nicht anders als in Deutschland: auch hier finanzieren wenige Länder (Bayern, Baden-Würtemberg) viele schwache (Saar, Berlin, Hamburg, Ostländer) und auch hier solche, die sich selbst in eine unauflösbare Pleite gesteuert haben (Bremen in wenigen Jahren durch 68iger-Sozialisten). Gewiss: die Euroländer werden noch lange nicht zusammenwachsen. Aber wir können nicht ewig lamentieren. Die Draghi-Methode wird wohl noch einige Jahre funktionieren. Wie läuft es also bis auf weiteres??? das interessiert!

  10. Die Eurozone wird mit allen Mitteln und aller Gewalt von der EZB zusammengehalten. Weder Negativzinsen (Zerstörung der Altersvorsorge und Kaufkraft) noch eine mehr oder weniger direkte Finanzierung aus der Druckerpresse hoffnungslos überschuldeter Entitäten (Insolvenzverschlepper) schrecken sie davon ab.

    FED, BOJ und BOE machen dasselbe, wobei die FED dafür sorgen, daß US Staatsanleihen etwas höher als die anderen rentieren (mittels zahlreicher Verbalinterventionen und gelegentlichen Mini-Zinsschritten), was auch die Dollarstärke erklärt. Alles, was irgendwie „systemrelevant“ erscheint (vor allem Staaten und Großbanken) wird „gerettet“ bis zum geht nicht mehr und fällt weich.

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