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Warum Market Maker Liquidität nur suggerieren!

Market Maker sollen für Liquidität an den Börsen sorgen

Market Maker stellen an Börsen und außerbörslichen Handelsplätzen Liquidität bereit, indem Sie permanent Kauf-, Verkaufs- oder beide Kurse stellen und sich bereit erklären, Transaktionen auf eigenes Risiko mit anderen Börsenteilnehmern durchzuführen. In normalen Zeiten klappt das wunderbar und suggeriert einen Umfang an Liquidität, der ausgerechnet dann fehlt, wenn er am dringendsten gebraucht wird: in Krisen.

Je illiquider der Markt, umso größer der Vorteil des Market Makings

Von Market Makern profitieren sowohl die Handelsplätze als auch die Kunden, die Käufer und Verkäufer der Wertpapiere oder Rohstoffe. Je illiquider der Markt ist, umso stärker profitieren alle vom Market Making. Vielleicht kennen Sie es von kleineren Aktiengesellschaften, vor allem ausländischen, die an deutschen Börsen gehandelt werden: Sie geben eine Kauf- oder Verkaufsorder auf und tagelang passiert gar nichts. Es fehlt schlicht und ergreifend am Handelspartner, der bereit wäre, zu ihrem Wunschkurs oder überhaupt zu irgendeinem Kurs die Aktie zu handeln.

Um dieses Problem zu vermeiden, engagieren Handelsplätze Market Maker. Das sind Banken und große Brokerhäuser, die während der Handelszeiten Kauf- oder Verkaufskurse für die von ihnen betreuten Handelsobjekte stellen und als Ersatz für „echte“ Käufer und Verkäufer die Papiere auf eigenes Risiko kaufen und verkaufen. Um von den Marktteilnehmern als neutrale Instanz akzeptiert zu werden, bekommt der Market Maker vor der Preisnennung keine Information darüber, ob der Kunde kaufen oder verkaufen will. Der Gewinn der Market Maker ergibt sich aus der Geld-Brief-Spanne, also der Differenz zwischen An- und Verkaufspreis der Wertpapiere. Zudem belohnen Börsen Market Maker für ihre Tätigkeit in der Regel damit, dass die Unternehmen Rabatte auf die Handelsentgelte ihrer eigenen Transaktionen bekommen. Das kann sich vor allem bei Großbanken lohnen, die ihren Kunden den vollen Transaktionspreis berechnen, von der Börse aber einen rabattierten.

Dank Market Maker haben die Handelsplatzteilnehmer nun für die vom Market Maker betreuten Wertpapiere (oder Rohstoffe) stets einen Handelspartner, um schnellstmöglich zu marktgerechten Preisen kaufen und verkaufen zu können. Eine ohnehin oft gehandelte Aktie der Allianz profitiert natürlich weniger stark als das Startup Ichimuko Mining aus Nord-Kasachstan, dessen Aktie normalerweise in Deutschland nur dreimal monatlich gehandelt wird.

Market Maker schaffen teilweise überhaupt erst funktionierende Märkte

Manche Wertpapiere werden durch Market Making überhaupt erst für größere Anleger handelbar. Nehmen Sie den Markt für Kryptowährungen. Der ist zwar gute 200 Milliarden US-Dollar schwer. Doch erstens verteilen sich 70% davon auf die beiden größten Kryptowährungen und zweitens gibt es etliche Handelsplätze, an denen selbst Bitcoin mit 60% Marktanteil kaum gehandelt wird. Für Großanleger ist schon ein Investment von zum Beispiel 50 Millionen Euro klein, für die meisten Kryptobörsen jedoch schon eine massiv kursbeeinflussende Ordergröße, die das Orderbuch für Stunden, wenn nicht Tage leeren und den Preis massiv nach oben katapultieren würde. Ein Market Maker, der auf eigene Rechnung einspricht, auf dem illiquideren Handelsplatz A verkauft und sich auf dem liquideren Handelsplatz B eindeckt, löst das Problem.

Risikomodelle modellieren oft gar kein Risiko

All das funktioniert wunderbar, solange die Märkte so funktionieren, wie es alle erwarten. Sprich, ohne größere Kursbewegungen, ohne größere Engpässe, ohne größere Nachfragesteigerungen oder -einbrüche. Die meisten Modelle, mit denen Handelsteilnehmer ihre Risiken managen, basieren auf der Annahme, dass nichts außergewöhnliches passieren wird. Aus meiner Sicht ist es die falsche Herangehensweise, Risiken zu modellieren in der Annahme, es gäbe keine größeren Risiken. Doch so geschieht es seit Jahren. Wenn sich nun herausstellt, dass diese Modelle falsch waren, geschieht relativ schnell folgendes: Die Market Maker hören auf, Market Making zu betreiben. Von einer Sekunde auf die andere schwindet die jahrelang aufgebaute Illusion von Liquidität und damit die Möglichkeit, jederzeit kaufen und verkaufen zu können. Marktteilnehmer, die im Vertrauen auf diese Liquidität Positionen aufbauten, können ausgerechnet dann nicht mehr auf diese Liquidität zurückgreifen, wenn sie am nötigsten gebraucht wird.

Zwei konkrete Beispiele für versagendes Market Making

Beispiele? Die Aufhebung der EUR/CHF Bindung im Jahr 2015. Binnen weniger Minuten hörten zahlreiche Banken auf, Kurse zu stellen. Und wenn sie noch Kurse stellten, waren sie oft so desaströs, dass die Handelspartner zusammen mit der Order gleich den Insolvenzantrag einreichen konnten.

Oder aktuell Gold in New York. Nachdem diverse Marktteilnehmer feststellten, dass sie nicht genügend Goldbarren haben, um die Lieferansprüche ihrer Kunden zu bedienen, liefen binnen weniger Tage große Verluste auf. Die Folge war, dass genügend von ihnen der Börse den Rücken kehrten. Nun scheint es nicht mehr genügend Händler zu geben, die bereit sind, Gold in London zu kaufen, es nach New York zu bringen und dort zu verkaufen, um die Preisschere zwischen beiden Märkten zu schließen. Eine Preisschere, die heute 54 US-Dollar pro Unze beträgt. Das ist ein solch abnormer Preisunterschied, dass nur jemand einen Airbus A380 der Lufthansa chartern, jeden Sitzplatz mit 75kg Gold belegen und das Flugzeug von London nach New York fliegen lassen müsste, um pro Sitzplatz 130.000 US-Dollar zu verdienen. Doch es gibt niemanden mehr, der diese Transaktion durchführen will, um in New York Liquidität bereitzustellen.

Darum mein Tipp: Wenn sie in an sich illiquide Werte investieren wollen, dann tun Sie das stets im Wissen, schlimmstenfalls gar nicht mehr verkaufen zu können. Und selbst wenn Sie diesen Tipp beherzigen, kann es Ihnen wie beim Gold und Schweizer Franken passieren, dass selbst in ultra-liquiden Werten plötzlich keine Liquidität mehr zum Handeln verfügbar ist. Und zwar dann, wenn Sie sie höchstwahrscheinlich benötigen.



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1 Kommentar

  1. Danke für den Beitrag. Selbst bei grossen Brokerhäusern kommt es vor, dass eine Order entweder sehr lange unter den (konkurrierenden) Marketmakern zirkuliert oder keine bid/ask gestellt werden oder ganz schlimm: Optionspreise jenseits aller Normalität.
    Gestern ein Beispiel in den Optionen auf Crude Oil:
    Ich halte über 30 Spreads und einige Long Puts zum Absichern und wollte einige davon rollen.
    Gestern tanzten die Preise zeitweise von Plus 20 bis minus 30 in einem irrem Tempo herum.
    Zwischenzeitlich bekam ich sogar den brutroten Hinweis auf dem Bildschirm, dass mein Konto mit 45 Tausend Dollar im Minus stände und man drohte mit Zwangsliquidation !
    Es gab keinerlei Möglichkeit mehr, irgend eine Option zu realistischem Preis zu handeln.
    Null !
    Zum Glück normalisierte sich die Situation im Laufe des Nachmittags, aber daran erkennt man, welch absolut krasse Ausmasse es annehmen kann, wenn das System der Marketmaker oder die Technik nicht funktioniert.
    Ich gebe zu, ich bin für einen Moment etwas blass um die Nase geworden ..
    Das letzte Mal habe ich es erlebt, als der Preis für Nat. Gas in die Höhe ging und die sehr bekannte Firma Optionsellers.com innerhalb weniger Stunden ausradiert war.
    Deren Stillhalterpositionen wurden nach einem Margin Call zwangsliquidiert mittels Market Orders.
    An dieser Stelle ein Hinweis zu den oft verwendeten Stop Orders:
    In hektischen Märkten oder niedriger Liquidität kann genau die oben beschriebene Katastrophe eintreten. Denn eine Limit Order, oder eine Stop Limit Order wird zur Market Order, sobald der Triggerpreis erreicht ist. Viele wissen das nicht.

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