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Aktien

Marktbericht: Mario Draghi, der „Arbeitskreis“, ifo, Türkei, Google, Amazon

Claudio Kummerfeld

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am

Bevor wir zu sonstigen heutigen Marktereignissen und Kursentwicklungen kommen, sprechen wir natürlich zunächst über das Top-Ereignis des Tages. Die EZB hat die Zinsen nicht verändert! Aber in ihrem Text hat sie klar gemacht, dass sie unzufrieden mit der Inflation ist (zu niedrig), und dass sie Maßnahmen vorbereite um sie anzukurbeln.

Dann in der anschließenden PK ab 14:30 Uhr zog Mario Draghi sagen wir mal… an beiden Enden eines Seils. Was soll es denn nun sein? Auf der einen Seite betonte Mario Draghi, dass die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in Deutschland sehr gering sei. Es gebe europaweit viele gute Konjunkturfaktoren wie den Arbeitsmarkt etc. Auch habe man im EZB-Rat überhaupt nicht über Details wie mögliche Zinssenkungen, Anleihekäufe etc gesprochen. Die Prüfung solcher Maßnahmen habe man an interne Arbeitskreise übertragen. Die würden nun prüfen, und zu einem späteren Zeitpunkt Vorschläge unterbreiten, was getan werden könne. Sie hätten ein „breites Mandat“ vom EZB-Rat erhalten, so Draghi. Somit schob Draghi jegliche konkreten Aussagen auch für Maßnahmen beim nächsten Termin im September erst einmal von sich weg.

Mario Draghi
Mario Draghi heute in Frankfurt. Foto: EZB

Aber auf der anderen Seite betonte er mehrmals ausdrücklich, wie unzufrieden die EZB mit der aktuellen Inflation und auch mit dem Inflationsausblick sei. Und der Konjunkturausblick werde „schlechter und schlechter“, so Draghi wortwörtlich. Aber keine Rezession? Man werde handeln, wenn sich in Sachen Inflation nichts verbessern werde. Wir akzeptieren dauerhaft tiefe Inflationsraten nicht, so seine Worte. Also: Was denn nun? Die Wahrscheinlichkeit für Maßnahmen (welcher Art auch immer) im September scheint nun sehr hoch zu sein, wenn man seine Aussagen hört. Aber ja, der Arbeitskreis de EZB, der muss nun erstmal prüfen und Maßnahmen vorschlagen. Diese Ungewissheit sorgt erst einmal dafür, dass die Stimulus-Euphorie, die schon eingepreist war, ein klein wenig enttäuscht wird.

Dax und Euro

Der Euro jedenfalls wurde heute durch die EZB erst einmal gestärkt, da ja erstmal keine Lockerungsmaßnahmen stattfinden. So steigt EURUSD seit 13:44 Uhr leicht um 28 Pips. Erst mal kein Stimulus heute? Da waren die Aktienmärkte aber noch enttäuschter als die Devisenmärkte. Der Dax fällt unterm Strich um 148 Punkte seit 13.44 Uhr, und seit gestern Abend um 180 Punkte (im Chart Verlauf seit Dienstag). Der Dow fiel um 200 Punkte, liegt jetzt aber nur noch 100 Punkte tiefer als um 13:44 Uhr. Im Tagesverlauf kostete der schlechter als erwartet ausgefallene ifo-Index den Dax übrigens 60 Punkte.

Dax Verlauf seit Dienstag

Sonst war auch viel los

Tesla meldete gestern Abend mehr Verlust als erwartet, und wird heute abgestraft mit -12,9%. Facebook meldete gute Zahlen, verliert aber 1,7%, weil der ganze Markt heute negativ eingestellt ist. Nissan meldet heute einen Gewinneinbruch, und setzt 12.500 Mitarbeiter (erwartet waren 10.000) vor die Tür. Aber wen interessiert das schon? Mal ehrlich… die Autokrise läuft auf Hochtouren. Waren die guten Kurse von Daimler, Conti und Co der letzten Tage wirklich gerechtfertigt?

Die türkische Zentralbank hat heute (wie Erdogan es wünscht) den Leitzins gesenkt. Mit einer Senkung von 4,25% fällt sie sogar deutlich stärker aus als erwartet (2 oder 3 Prozentpunkte). Und? Ist die türkische Lira daraufhin in den Keller gerauscht, wie man es annehmen sollte? Nein, es ist merkwürdig. Kurz vor der Entscheidung notierte USDTRY bei 5,71, jetzt bei 5,68. Also hat die Lira sogar noch aufgewertet. Merkwürdig. Wir trauen dem Frieden nicht. Denn so starke Zinssenkungen führen eigentlich zur Schwächung der Währung. Abwarten, was in den nächsten Tagen passiert!

Die Aufwertung des Schweizer Franken konnte heute durch die EZB wunderbar gestoppt werden. Der Euro steigt seit 13:44 Uhr gegen den Franken von 1,0975 auf jetzt 1,1044. Aber halt nur für diesen Augenblick wurde die Aufwertung gebremst! Denn die Zinssenkungen für die Eurozone wurden ja auch nur verschoben, vermeintlich auf September. Also muss diese aktuelle Franken-Schwächung nicht zwingend anhalten!

Die Fed wird nächsten Mittwoch aller höchst wahrscheinlich die Zinsen in den USA senken. Schon heute wird der Dollar dank der EZB ganz leicht geschwächt, und er könnte (nicht muss) bis zur Fed-Sitzung weiter schwächeln. Das könnte für Forex-Trader die nächsten vier Tage ein interessanter Tradingansatz sein (dies ist keine Handelsempfehlung). Gold fällt seit 13:44 Uhr um 8 Dollar.

Heute Abend

Ab 22 Uhr melden Amazon, Google und Intel ihre Quartalszahlen. Wir werden berichten über Google und Amazon.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Warnsignal

    25. Juli 2019 19:38 at 19:38

    Ich vermisse Markus Fugmann. Er hätte das Gelaber von Draghi heute genüsslich zerrissen und das Leiden der Junkies auf Entzug thematisiert. Er hätte Draghi den ifo-Index um die Ohren geschlagen und an Hand super aussagekräftiger Charts bewiesen, dass die Rezession, die Draghi für Deutschland ausschließt, längst da ist. Möge der Meister seinen Urlaub in vollen Zügen genießen und bald wieder fit und erholt am Start sein und uns mit seinem trockenen Humor begeistern. Fugi for ever!

    • Avatar

      Michael

      25. Juli 2019 21:07 at 21:07

      @Warnsignal, wir darben anscheinend alle unter dem Leiden der Junkies auf Entzug. Mir geht es da wie Ihnen, vier Tage ohne Fugi führen eindeutig in Richtung Depression. Doch die ersten Tage sind die schlimmsten, fast schon körperlich, danach wird es zum Thema der Willensstärke ;)

      Fairerweise muss ich zum italienischen Maestro sagen, dass er beim Thema Rezession in DE einfach auch die (noch) positiven Seiten benannt hat: Arbeitsmarkt laufe sogar noch besser derzeit. Gute Lohnzuwächse, guter Konsum, gute Dienstleistungen, auch Bau laufe gut.

      Der ifo-Geschäftsklimaindex und der Geschäftserwartungsindex sind ja im Großen und Ganzen bereits seit November 2017 im Abwärtstrend, die Lageeinschätzung seit Januar 2018. Somit müssten wir bereits seit spätestens Anfang 2018 in einer Rezession stecken. Und sind es nicht gerade diese etwas seltsamen Indizes, die wie ein Fähnlein im Wind über Nacht (in Börsenzeit) aus einem Boom heraus die Depression verkünden?

      Draghi war nach meiner Einschätzung heute eher zurückhaltend, für seine Verhältnisse neutral und fast schon objektiv. Er hat all den Auguren, Kaffeesatzlesern und Aliens aus den Paralleluniversen der Börsen und Märkte neue Biotope geschaffen. Schlägt er im Oktober nochmal zu? Überlässt er das Feld Criminal Chrissie? Ist die überhaupt so taubenhaft, wie es ihr seidenes Halstuch und ihr smartes Auftreten vermuten lässt?

      Fugi wird uns bald wieder aufmuntern in der tiefsten Krise, noch eine Woche plus Wochenende Entzug, das schaffen wir. Fugi forever! Alles ganz aufrichtig und ernst gemeint…

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Aktienmärkte: Warum einige aktive Fonds 2020 den Markt schlagen

Wolfgang Müller

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Die Aktienmärkte sind Schauplatz eines Kampfes, der von Jahr zu Jahr härter wird: Der Wettstreit zwischen den aktiven Fonds und den preisgünstigen, passiven Indexfonds (ETFs). In diesem Jahr haben einige der aktiv gemanagten Investmentfonds die Nase vorn. Ein Grund dafür ist die auch die ungewöhnliche Konzentration der Anleger allgemein auf marktschwere Titel.

Aktienmärkte: Das Dauerduell aktiv gegen passiv

Was hatte sich der in diesem Jahr verstorbene Gründer des passiven Investierens, John Bogle, anfangs für Feinde gemacht, zumeist wurde er milde belächelt! Mitte der Siebziger war Mittelmaß als Ziel eines Investments absolut verpönt, alle wollten noch die Aktienmärkte schlagen.

Doch Bogle hatte seine Mitarbeiter beauftragt, alle im S&P 500 enthaltenen Aktien entsprechend ihrer Gewichtung zu kaufen und damit den bekannten Börsenindex einfach nachzubilden.

Damit schuf Bogle den ersten Indexfonds (Vanguard 500), mit einem aus heutiger Sicht mickrigen Volumen von 11,3 Millionen Dollar.

Doch von Jahr zu Jahr steigt die Anlagesumme in die passiven Anlagevehikel, vor gut zehn Jahren wurde die Billionen-Grenze überschritten, mittlerweile ist die von BlackRock, Vanguard, State Street dominierte Branche bei weit über sechs Billionen Dollar angelangt.

Natürlich lässt es sich auf Dauer nicht verheimlichen, dass es kaum einem aktiven Anlagevehikel jenseits der 10-Jahresfrist gelingt, den Index und damit auch den entsprechenden Exchange Traded Fund zu schlagen. Am allerwenigsten den Leitindex der Aktienmärkte, den S&P 500 als Benchmark – insgesamt liegt die Underperformance bei über 90 Prozent in den großen Märkten.

Ich habe es vor kurzem in einem Artikel dargelegt, welche Folgen es hat, wenn man in einem Jahrzehnt auch nur die zehn besten Handelstage der Aktienmärkte versäumt.

2020 und die extreme Outperformance von Growth

Blicken wir nun auf den heimischen Markt, wo die Entwicklung natürlich einmal mehr den amerikanischen Vorbildern folgt. Hier gibt auch BlackRock den Ton an mit seinen iShares, gefolgt von Lyxor und den XTrackers von DWS, einer Tochter der Deutschen Bank. Gefolgt von UBS, Amundi, Invesco und Deka Investments und damit sind auch die deutschen Sparkassen im Geschäft.

Wie eine Auswertung des Fondsverbands BVI zeigt, haben in den Privatanleger-Depots es einige der alten Namen aus der aktiven Branche geschafft, ihre Vergleichsindizes zu schlagen. Produkte der DWS, der Deka oder der Allianz Group und aus dem Kreise derer, die schon über ein Jahrzehnt am Markt sind. Und dies gilt auch schon für ein paar Jahre, obwohl für diese Produkte die teuren Konditionen mit dem Ausgabeaufschlag und der jährlichen Jahresgebühr von deutlich über ein Prozent p.a. gelten. Wie ist diese Performance zu erklären?

Es waren zum Teil die internen Vorschriften, die den aktiven Fondsmanagern geholfen haben – und nicht die besondere Aktienauswahl.

Man hatte innerhalb der Aktienmärkte auf Aktien gesetzt, die eine hohe Marktkapitalisierung aufwiesen, so genannte Blue Chips – und was lief in den letzten Jahren besonders gut?

Klar, der Tech-Bereich mit Titeln wie Amazon, Apple oder Microsoft, Aktien, die in den Fonds zum Teil noch stärker gewichtet waren, als zum Beispiel im S&P 500 oder im MSCI World. Aber bereits seit Anfang September ist so etwas wie eine Branchenrotation feststellbar, verstärkt durch das Ergebnis des Wahlausgangs in den USA sowie den letzten Ereignissen im Zusammenhang mit der Impfstoffentwicklung.

Anders ausgedrückt: Was passiert, wenn die Big Player wieder auf ein „normales“ Wachstumstempo zurückfallen, um nur eine milde Kursentwicklung zu prognostizieren?

Fazit

Aus den letzen Überlegungen wird deutlich, wie schwierig es in Zukunft bleiben wird, mit spezieller Aktien-Einzelauswahl die Aktienmärkte zu schlagen. Wird es zu einer bleibenden Branchenrotation von Growth zu Value kommen, oder hält sich das Wachstum der Big Seven, oder auch der FAANG-Aktien noch eine Weile?

Man braucht sich nur den explosiven Anstieg einiger Corona-Aktienopfer seit der Impfstoffmeldung von BioNTech/Pfizer zu betrachten. Wie stark wird es noch zu großen Umschichtungen in den großen Depots, insbesondere zum Jahreswechsel kommen? Der 9. November könnte bedeutsamer gewesen sein, als bisher angenommen. Der Anstieg des Nasdaq 100 von seinem Tief vom 6. März 2009 bis zu seinem Hoch am 2. September 2020 mit sagenhaften 1154 Prozent sollte irgendwann korrigiert werden, Kurse (speziell von Indizes) wachsen nie in den Himmel. Der Dax brachte es in diesem Zeitraum auf bescheidene 354 Prozent.

Die Aktienmärkte und die aktiv verwalteten Fonds

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