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Marktbericht: Mario Draghi, der „Arbeitskreis“, ifo, Türkei, Google, Amazon

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Bevor wir zu sonstigen heutigen Marktereignissen und Kursentwicklungen kommen, sprechen wir natürlich zunächst über das Top-Ereignis des Tages. Die EZB hat die Zinsen nicht verändert! Aber in ihrem Text hat sie klar gemacht, dass sie unzufrieden mit der Inflation ist (zu niedrig), und dass sie Maßnahmen vorbereite um sie anzukurbeln.

Dann in der anschließenden PK ab 14:30 Uhr zog Mario Draghi sagen wir mal… an beiden Enden eines Seils. Was soll es denn nun sein? Auf der einen Seite betonte Mario Draghi, dass die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in Deutschland sehr gering sei. Es gebe europaweit viele gute Konjunkturfaktoren wie den Arbeitsmarkt etc. Auch habe man im EZB-Rat überhaupt nicht über Details wie mögliche Zinssenkungen, Anleihekäufe etc gesprochen. Die Prüfung solcher Maßnahmen habe man an interne Arbeitskreise übertragen. Die würden nun prüfen, und zu einem späteren Zeitpunkt Vorschläge unterbreiten, was getan werden könne. Sie hätten ein „breites Mandat“ vom EZB-Rat erhalten, so Draghi. Somit schob Draghi jegliche konkreten Aussagen auch für Maßnahmen beim nächsten Termin im September erst einmal von sich weg.

Mario Draghi
Mario Draghi heute in Frankfurt. Foto: EZB

Aber auf der anderen Seite betonte er mehrmals ausdrücklich, wie unzufrieden die EZB mit der aktuellen Inflation und auch mit dem Inflationsausblick sei. Und der Konjunkturausblick werde „schlechter und schlechter“, so Draghi wortwörtlich. Aber keine Rezession? Man werde handeln, wenn sich in Sachen Inflation nichts verbessern werde. Wir akzeptieren dauerhaft tiefe Inflationsraten nicht, so seine Worte. Also: Was denn nun? Die Wahrscheinlichkeit für Maßnahmen (welcher Art auch immer) im September scheint nun sehr hoch zu sein, wenn man seine Aussagen hört. Aber ja, der Arbeitskreis de EZB, der muss nun erstmal prüfen und Maßnahmen vorschlagen. Diese Ungewissheit sorgt erst einmal dafür, dass die Stimulus-Euphorie, die schon eingepreist war, ein klein wenig enttäuscht wird.

Dax und Euro

Der Euro jedenfalls wurde heute durch die EZB erst einmal gestärkt, da ja erstmal keine Lockerungsmaßnahmen stattfinden. So steigt EURUSD seit 13:44 Uhr leicht um 28 Pips. Erst mal kein Stimulus heute? Da waren die Aktienmärkte aber noch enttäuschter als die Devisenmärkte. Der Dax fällt unterm Strich um 148 Punkte seit 13.44 Uhr, und seit gestern Abend um 180 Punkte (im Chart Verlauf seit Dienstag). Der Dow fiel um 200 Punkte, liegt jetzt aber nur noch 100 Punkte tiefer als um 13:44 Uhr. Im Tagesverlauf kostete der schlechter als erwartet ausgefallene ifo-Index den Dax übrigens 60 Punkte.

Dax Verlauf seit Dienstag

Sonst war auch viel los

Tesla meldete gestern Abend mehr Verlust als erwartet, und wird heute abgestraft mit -12,9%. Facebook meldete gute Zahlen, verliert aber 1,7%, weil der ganze Markt heute negativ eingestellt ist. Nissan meldet heute einen Gewinneinbruch, und setzt 12.500 Mitarbeiter (erwartet waren 10.000) vor die Tür. Aber wen interessiert das schon? Mal ehrlich… die Autokrise läuft auf Hochtouren. Waren die guten Kurse von Daimler, Conti und Co der letzten Tage wirklich gerechtfertigt?

Die türkische Zentralbank hat heute (wie Erdogan es wünscht) den Leitzins gesenkt. Mit einer Senkung von 4,25% fällt sie sogar deutlich stärker aus als erwartet (2 oder 3 Prozentpunkte). Und? Ist die türkische Lira daraufhin in den Keller gerauscht, wie man es annehmen sollte? Nein, es ist merkwürdig. Kurz vor der Entscheidung notierte USDTRY bei 5,71, jetzt bei 5,68. Also hat die Lira sogar noch aufgewertet. Merkwürdig. Wir trauen dem Frieden nicht. Denn so starke Zinssenkungen führen eigentlich zur Schwächung der Währung. Abwarten, was in den nächsten Tagen passiert!

Die Aufwertung des Schweizer Franken konnte heute durch die EZB wunderbar gestoppt werden. Der Euro steigt seit 13:44 Uhr gegen den Franken von 1,0975 auf jetzt 1,1044. Aber halt nur für diesen Augenblick wurde die Aufwertung gebremst! Denn die Zinssenkungen für die Eurozone wurden ja auch nur verschoben, vermeintlich auf September. Also muss diese aktuelle Franken-Schwächung nicht zwingend anhalten!

Die Fed wird nächsten Mittwoch aller höchst wahrscheinlich die Zinsen in den USA senken. Schon heute wird der Dollar dank der EZB ganz leicht geschwächt, und er könnte (nicht muss) bis zur Fed-Sitzung weiter schwächeln. Das könnte für Forex-Trader die nächsten vier Tage ein interessanter Tradingansatz sein (dies ist keine Handelsempfehlung). Gold fällt seit 13:44 Uhr um 8 Dollar.

Heute Abend

Ab 22 Uhr melden Amazon, Google und Intel ihre Quartalszahlen. Wir werden berichten über Google und Amazon.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Warnsignal

    25. Juli 2019 19:38 at 19:38

    Ich vermisse Markus Fugmann. Er hätte das Gelaber von Draghi heute genüsslich zerrissen und das Leiden der Junkies auf Entzug thematisiert. Er hätte Draghi den ifo-Index um die Ohren geschlagen und an Hand super aussagekräftiger Charts bewiesen, dass die Rezession, die Draghi für Deutschland ausschließt, längst da ist. Möge der Meister seinen Urlaub in vollen Zügen genießen und bald wieder fit und erholt am Start sein und uns mit seinem trockenen Humor begeistern. Fugi for ever!

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      Michael

      25. Juli 2019 21:07 at 21:07

      @Warnsignal, wir darben anscheinend alle unter dem Leiden der Junkies auf Entzug. Mir geht es da wie Ihnen, vier Tage ohne Fugi führen eindeutig in Richtung Depression. Doch die ersten Tage sind die schlimmsten, fast schon körperlich, danach wird es zum Thema der Willensstärke 😉

      Fairerweise muss ich zum italienischen Maestro sagen, dass er beim Thema Rezession in DE einfach auch die (noch) positiven Seiten benannt hat: Arbeitsmarkt laufe sogar noch besser derzeit. Gute Lohnzuwächse, guter Konsum, gute Dienstleistungen, auch Bau laufe gut.

      Der ifo-Geschäftsklimaindex und der Geschäftserwartungsindex sind ja im Großen und Ganzen bereits seit November 2017 im Abwärtstrend, die Lageeinschätzung seit Januar 2018. Somit müssten wir bereits seit spätestens Anfang 2018 in einer Rezession stecken. Und sind es nicht gerade diese etwas seltsamen Indizes, die wie ein Fähnlein im Wind über Nacht (in Börsenzeit) aus einem Boom heraus die Depression verkünden?

      Draghi war nach meiner Einschätzung heute eher zurückhaltend, für seine Verhältnisse neutral und fast schon objektiv. Er hat all den Auguren, Kaffeesatzlesern und Aliens aus den Paralleluniversen der Börsen und Märkte neue Biotope geschaffen. Schlägt er im Oktober nochmal zu? Überlässt er das Feld Criminal Chrissie? Ist die überhaupt so taubenhaft, wie es ihr seidenes Halstuch und ihr smartes Auftreten vermuten lässt?

      Fugi wird uns bald wieder aufmuntern in der tiefsten Krise, noch eine Woche plus Wochenende Entzug, das schaffen wir. Fugi forever! Alles ganz aufrichtig und ernst gemeint…

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Mastercard betritt China – der Aktienmarkt bleibt aber noch gelassen!

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Im Trubel rund um das Corona-Virus ging eine Meldung etwas unter, die das Zeug dazu hat, Mastercard einige Jahre mit außerordentlichem Wachstum zu bescheren. Nach jahrelanger Wartezeit beginnt China endlich, den eigenen Markt für ausländische Zahlkartenanbieter zu öffnen. Und das erste Unternehmen, das davon profitiert, ist Mastercard!

In China ist bargeldloses Bezahlen der Normalfall

Für nicht-chinesische Zahlkartenanbieter ist China ein riesiger, unerschlossener Markt. Denn bis vor kurzem war es ausländischen Unternehmen schlicht nicht erlaubt, Kreditkartendienstleistungen in China anzubieten. Alle Zahlungen mussten über die staatliche Clearinggesellschaft UnionPay abgewickelt werden. Dabei ist China ein hoch attraktiver Markt. Nicht nur, dass es dort 1,4 Milliarden potentielle Kunden gibt. Diese 1,4 Milliarden Menschen sind auch noch besonders „Bargeldersatz-affin“. In den Großstädten benutzen 92% der Menschen die Mobile Payment Lösungen von WeChat oder Alipay. 83% aller Zahlungen werden inzwischen über Mobile Payment abgewickelt.

Auch der Onlinehandel boomt und wächst mit 16% pro Jahr. Er wird 2020 wahrscheinlich 6 Billionen US-Dollar Marktvolumen erreichen! Die Affinität der Chinesen für elektronische Bezahlung ist das eine. Sie für neue Angebote zu begeistern, das andere. Wenn schon heute 92% der Menschen bestehende Angebote benutzen, wird es für Mastercard nicht leicht werden, in diesen bereits unter chinesischen Unternehmen aufgeteilten Markt einzubrechen. Andererseits ist es vermutlich leichter, Menschen, die ohnehin bargeldloses Bezahlen bevorzugen, vom Anbieterwechsel zu überzeugen als ihnen das elektronische Bezahlen überhaupt erst einmal schmackhaft zu machen.

Mastercard wird in ein Joint Venture gezwungen

Wie meistens in China, läuft ohne ein Joint Venture mit einem chinesischen Partner nichts für ausländische Unternehmen. So musste auch Mastercard mit NetsUnion Clearing Corp zusammenarbeiten, um in China Kreditkarten-Dienstleistungen anbieten zu dürfen. Mastercard hält am Gemeinschaftsunternehmen 51%. Doch noch darf Mastercard nicht damit beginnen, Banken die Ausgabe von Mastercard-Kreditkarten anzubieten. Erst einmal hat das Gemeinschaftsunternehmen nun ein Jahr Zeit, alle regulatorischen Vorgaben umzusetzen.

Mastercard ist nicht allein in China. Auch American Express gründete bereits ein Gemeinschaftsunternehmen mit einem lokalen Partner. Das geschah sogar schon 2018. Die Erlaubnis zur Aufnahme der Geschäftstätigkeit bekam American Express im Gegensatz zu Mastercard jedoch noch nicht.

Nachdem Mastercard alle Vorgaben der Regulierungsbehörden umsetzte, kann das Unternehmen damit beginnen, an Banken heranzutreten und denen die Herausgabe von Kreditkarten mit Mastercard-Branding anzubieten. Mastercard selbst gibt keine Karten aus, sondern übernimmt nur gegen Entgelt von Geschäftsbanken die Abwicklung der Zahlungsströme. American Express ist hingegen in der Regel selbst der Herausgeber der Kreditkarte.

China zögerte die Öffnung ewig hinaus, doch jetzt dürfen Deutschland und die USA starten

Für China ist die Öffnung des heimischen Marktes das Ende eines schon achtjährigen Prozesses. Bereits 2012 urteilte die Welthandelsorganisation, dass China ausländische Zahlungsdienstleister diskriminiere. Die Abstellung der Diskriminierung folgt nun sicherlich nicht zufällig kurz nach Unterzeichnung des Phase-1-Handelsabkommens mit den USA. Es kann auch als Zugeständnis an die USA angesehen werden, die mit Visa, Mastercard und American Express gleich drei Kreditkartengiganten hat, die sehnsüchtig auf die Öffnung des Marktes warten.

Der deutsche Zahlungsdienstleister WireCard konnte den chinesischen Markt bereits 2019 betreten, gibt allerdings auch keine Kreditkarten aus. Schon seit geraumer Zeit wickeln chinesische Unternehmen bargeldlose Zahlungen über die Systeme von WireCard ab. Doch bis Ende 2019 beschränkte sich die Dienstleistung darauf, für zum Beispiel Alipay und WeChat Zahlungen im Ausland abzuwickeln. Wenn ein chinesischer Kunde in einem Berliner Restaurant mit WeChat bezahlen kann, dann nur deshalb, weil die Zahlung über die Systeme von WireCard läuft.

Anfang November 2019 konnte WireCard schließlich den chinesischen Anbieter AllScore übernehmen und wickelt jetzt auch Zahlungen auf chinesischen Webseiten ab. Damit war der deutsche Anbieter noch vor den US-amerikanischen Finanzriesen in China aktiv! WireCards Lizenz beschränkt sich in China jedoch auch ausschließlich auf eCommerce, während Mastercard dieser Beschränkung nicht unterliegen wird.

Wie reagiert Mastercards Aktie auf die Nachricht? Sie notiert heute auf einem Allzeithoch. Doch das ist keine Reaktion auf die Erlaubnis aus China, sondern vielmehr das Ergebnis einer ohnehin seit Anfang 2019 bestehenden Entwicklung. Solange in China nur Kosten aber keine Umsätze anfallen, bleibt der Markt gelassen!

Die Metropole Shenzhen in China
Shenzen in China.

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Markus Koch LIVE zum Handelsstart an der Wall Street – gute Zahlen

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Markus Koch berichtet im folgenden Video LIVE zum Handelsstart an der Wall Street. Es gibt gute Quartalszahlen! Und dank Feiertag in den USA am Montag könnte Markus Koch sich vorstellen, dass es heute Abend zu Gewinnmitnahmen in den US-Märkten kommen könnte.

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Neu: Warum Disruptoren für Sie so lukrativ sind – Werbung

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Lieber Börsianer,

US-Investoren lieben diese neue Aktiengattung. Die Rede ist von den sogenannten Disruptoren. Was ist das? Den Begriff des Disruptors prägte vor einigen Jahren der US-Ökonom Clayton M. Christensen. Er meint damit Unternehmen, die das bestehende Marktgleichgewicht in aller Regel mit großer Dynamik kreativ zerstören. Anders formuliert: Hier werden Erfolgsserien bereits bestehender Technologien oder etwa Produktionsverfahren unterbrochen (englisch: to disrupt). Im deutschsprachigen Raum sprechen wir dann von disruptiven Technologien.

Landläufig verstehen viele Anleger darunter vor allem Neuerungen im Bereich Software oder Internet. Tatsächlich ist das faszinierende Feld dieser Disruptoren vieler größer. Auch nicht-technische Innovationen können einen Markt erheblich verändern.

Ein Beispiel aus der Vergangenheit: Nach dem Zweiten Weltkrieg startete ein Einzelhändler, den wir heute unter dem Namen Aldi kennen, ein gänzlich neues Geschäftsmodell. Man setzte nicht mehr auf Frischprodukte wie Obst und Gemüse, sondern lang haltbare Konserven und ähnliches. Das Modell des Lebensmittel-Discounters war geboren. In der jüngeren Vergangenheit etwa sorgte die US-Kaffeehauskette Starbucks für Furore und konstruktive Unruhe im Markt. Die Performance dieser Disruptor-Aktie…

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