Folgen Sie uns

Aktien

Marktbericht: Sommerloch-Dax, Draghi-Problem, neue Fed-Story, Alphabet liefert

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Der Dax ist gelangweilt, aber dazu gleich noch mehr. Die Amerikaner, die haben zumindest Google! Die Muttergesellschaft Alphabet hat gestern Abend nach Börsenschluss geliefert. Die verkündeten Quartalszahlen waren besser als erwartet. Umsatz und Gewinn glänzen. Nachbörslich ging die Aktie 7% ins Plus, und heute im laufenden Handel wird daraus sogar ein Plus von 10%. Das ist schon was bei diesem riesigen Schwergewicht. Da vergisst der Markt auch mal schnell, dass Amazon gestern eher ein maues Ergebnis vermeldete, weshalb die Aktie heute mit 2% im Minus notiert. Auf jeden Fall unterstützt Google heute den Handelstag in den USA. Der Nasdaq notiert mit +0,8% und der Dow mit +0,1%. Man geht also Stand jetzt gemächlich ins Wochenende.

Dax im Sommerloch

Und der Dax? Der befindet sich seit der gestrigen EZB-Entscheidung in einem Sommerloch erster Güte (Chart seit Mittwoch Abend). Die Range ist extrem eng, und es fehlt der Impuls. EURUSD stand gestern vor der EZB-Verkündung bei 1,1140. Unterm Strich hat er bis jetzt 10 Pips verloren. Auch hier ist seit dem Ende der Draghi-PK von gestern recht wenig los. Aber die letzten Stunden seit 14:30 Uhr am heutigen Freitag ist im Euro doch eine winzige Abwärtstendenz erkennbar. Sie könnte nächste Woche auch eventuell für den Dax interessant werden. Was damit gemeint ist?

Dax seit Mittwoch

Neue Fed-Story

Nun, heute kommt sozusagen eine neue Fed-Story auf. Das Bruttoinlandsprodukt für das 2. Quartal in den USA wurde heute mit 2,1% besser gemeldet als erwartet. Von daher entsteht die Frage, ob die Fed am nächsten Mittwoch wirklich noch die Zinsen senken wird. Diese Frage (!) stärkt aktuell den US-Dollar (Dollar-Index im Chart seit Mittwoch). Denn eine abgesagte Zinssenkung ist natürlich Dollar-bullisch. Aber noch ist dies eine Frage, ein wages Szenario. Markus Koch hat es vorhin auch in seinem Video zum Wall Street-Start thematisiert.

Dollar-Index

Mario Draghi und sonstige „Nebensächlichkeiten“

Wen interessiert aktuell schon, dass Renault heute seine Erwartungen gesenkt hat? Bisher ging man für das laufende Gesamtjahr von Umsatzwachstum aus. Jetzt will man nur noch den Vorjahreswert erreichen. Erst gestern hatte Nissan „mal eben“ angekündigt 12.500 Mitarbeiter vor die Tür setzen zu wollen. Autokrise? Rezession? Was soll´s? Der Dax jedenfalls bleibt gelassen! Und die Amerikaner? Die haben Google, das reicht ja offensichtlich für heute!

Und dann wäre da noch Mario Draghi. Eine tragische Figur? Er senkte gestern zwar nicht die Zinsen. Aber in der PK der EZB sagte er gefühlt 100 Mal, dass die EZB diese niedrige Inflation nicht tolerieren werde. Und heute? Erst kamen um 2% fallende Importpreise aus Deutschland auf den Tisch, und dann meldete die EZB selbst heute Mittag die aktuellsten Inflationserwartungen, die nach unten revidiert wurden. Hätte Mario Draghi nicht besser doch schon gestern die Zinsen gesenkt?

Tja, nach der EZB ist vor der Fed. Bislang schien es eigentlich klar zu sein, dass die Fed am kommenden Mittwoch die Zinsen senken wird. Nach den BIP-Zahlen von heute kommen kleine Zweifel daran auf. Laut „CME Fed Watch Tool“ liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Fed-Zinssenkung von 25 Basispunkten nächste Woche aber immer noch bei 80,6%.

Und der Ölpreis? Was macht der denn? Seit Tagen (Chart seit dem 16. Juli) befindet er sich in einer Seitwärtsphase. Die massiv gefallenen Lagerbestände für Rohöl konnten vorgestern anders als in den Vorwochen keinen Impuls für den Preisverlauf geben.

Ölpreis WTI

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Bundessuperminister für freie Fahrt, freie Märkte und freie Rechte

    26. Juli 2019 22:36 at 22:36

    Das Wort zum Börsensamstag.
    Klimawandel und Hitzerekorde mit den konsequenten Folgen von Apathie und Lethargie, Verwirrung und neuronalen Fehlschaltungen dominierten die aktuell zu Ende gehende Woche in Politik und Wirtschaft. Erschwerend dazu die Abwesenheit des Steuerelementes Fugi im überhitzten Kernkraftwerk Markt Börsingen.

    Vor allem die rechte Gehirnhälfte des politischen Spektrums leidet deutlich unter den Auswirkungen des Klimawandels. Desorientierung und der Hang zur Selbstzerstörung, wirre Zukunftsfantasien und seltsame Devisenbewertungen verursachten allgemeines Staunen und Sprachlosigkeit:
    Todeslisten rechtsnationaler Kräfte, die auch vor Mitgliedern ihrer Mutterpartei nicht halt machen, an deren intellektuellen Zitzen sie doch so sehr hängen.
    Ein Innenminister, der seiner eigenen Küstenwache die Einfahrt in heimische Häfen verwehrt.
    Ein neuernannter, nicht vom Volk gewählter Premier, der Enkeln und Urenkeln ein grünes und prosperierendes Inselreich in 30 Jahren verspricht, während er keinerlei Pläne für die Gegenwart im Portfolio hat.
    Ein nicht-rassistischer Präsident, der vor einem Wappen mit Doppelkopfadler mit Dollarnoten und Golfschlägern in den Krallen nicht-rassistische Reden schwingt, während er amerikanische Staatsbürger in die Länder ihrer Vorfahren zurückschicken will, weil sie Frauen, Demokraten und nicht weiß sind.
    Und ein osmanischer Diktator, der Inflation erfolgreich mit Zinssenkungen bekämpft und die Börsen dazu bringt, bei -4,25% die Währung schwer aufzuwerten.

    • Avatar

      Shong09

      27. Juli 2019 03:59 at 03:59

      Ich will das Original zurück, das Geschreibsel ist doch … eines Superministers nicht wert

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Aktien

Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Bullen, Bären und fliegende Schweine

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Ab morgen startet das verlängerte Thanksgiving-Wochenende in den USA. Die gut laufenden Kurse im November sind im Fokus seiner heutigen Berichterstattung.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Aktien

Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Thanksgiving-Party

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Die steigenden Corona-Zahlen in den USA werden an der Börse derzeit ignoriert. Die Kurse kennen aktuell nur eine Richtung. Positiv zu werten ist auch, dass vermutlich die ehemalige Fed-Chefin Janet Yellen neue US-Finanzministerin werden sollte.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Aktien

Aktienmärkte: Warum einige aktive Fonds 2020 den Markt schlagen

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Die Aktienmärkte sind Schauplatz eines Kampfes, der von Jahr zu Jahr härter wird: Der Wettstreit zwischen den aktiven Fonds und den preisgünstigen, passiven Indexfonds (ETFs). In diesem Jahr haben einige der aktiv gemanagten Investmentfonds die Nase vorn. Ein Grund dafür ist die auch die ungewöhnliche Konzentration der Anleger allgemein auf marktschwere Titel.

Aktienmärkte: Das Dauerduell aktiv gegen passiv

Was hatte sich der in diesem Jahr verstorbene Gründer des passiven Investierens, John Bogle, anfangs für Feinde gemacht, zumeist wurde er milde belächelt! Mitte der Siebziger war Mittelmaß als Ziel eines Investments absolut verpönt, alle wollten noch die Aktienmärkte schlagen.

Doch Bogle hatte seine Mitarbeiter beauftragt, alle im S&P 500 enthaltenen Aktien entsprechend ihrer Gewichtung zu kaufen und damit den bekannten Börsenindex einfach nachzubilden.

Damit schuf Bogle den ersten Indexfonds (Vanguard 500), mit einem aus heutiger Sicht mickrigen Volumen von 11,3 Millionen Dollar.

Doch von Jahr zu Jahr steigt die Anlagesumme in die passiven Anlagevehikel, vor gut zehn Jahren wurde die Billionen-Grenze überschritten, mittlerweile ist die von BlackRock, Vanguard, State Street dominierte Branche bei weit über sechs Billionen Dollar angelangt.

Natürlich lässt es sich auf Dauer nicht verheimlichen, dass es kaum einem aktiven Anlagevehikel jenseits der 10-Jahresfrist gelingt, den Index und damit auch den entsprechenden Exchange Traded Fund zu schlagen. Am allerwenigsten den Leitindex der Aktienmärkte, den S&P 500 als Benchmark – insgesamt liegt die Underperformance bei über 90 Prozent in den großen Märkten.

Ich habe es vor kurzem in einem Artikel dargelegt, welche Folgen es hat, wenn man in einem Jahrzehnt auch nur die zehn besten Handelstage der Aktienmärkte versäumt.

2020 und die extreme Outperformance von Growth

Blicken wir nun auf den heimischen Markt, wo die Entwicklung natürlich einmal mehr den amerikanischen Vorbildern folgt. Hier gibt auch BlackRock den Ton an mit seinen iShares, gefolgt von Lyxor und den XTrackers von DWS, einer Tochter der Deutschen Bank. Gefolgt von UBS, Amundi, Invesco und Deka Investments und damit sind auch die deutschen Sparkassen im Geschäft.

Wie eine Auswertung des Fondsverbands BVI zeigt, haben in den Privatanleger-Depots es einige der alten Namen aus der aktiven Branche geschafft, ihre Vergleichsindizes zu schlagen. Produkte der DWS, der Deka oder der Allianz Group und aus dem Kreise derer, die schon über ein Jahrzehnt am Markt sind. Und dies gilt auch schon für ein paar Jahre, obwohl für diese Produkte die teuren Konditionen mit dem Ausgabeaufschlag und der jährlichen Jahresgebühr von deutlich über ein Prozent p.a. gelten. Wie ist diese Performance zu erklären?

Es waren zum Teil die internen Vorschriften, die den aktiven Fondsmanagern geholfen haben – und nicht die besondere Aktienauswahl.

Man hatte innerhalb der Aktienmärkte auf Aktien gesetzt, die eine hohe Marktkapitalisierung aufwiesen, so genannte Blue Chips – und was lief in den letzten Jahren besonders gut?

Klar, der Tech-Bereich mit Titeln wie Amazon, Apple oder Microsoft, Aktien, die in den Fonds zum Teil noch stärker gewichtet waren, als zum Beispiel im S&P 500 oder im MSCI World. Aber bereits seit Anfang September ist so etwas wie eine Branchenrotation feststellbar, verstärkt durch das Ergebnis des Wahlausgangs in den USA sowie den letzten Ereignissen im Zusammenhang mit der Impfstoffentwicklung.

Anders ausgedrückt: Was passiert, wenn die Big Player wieder auf ein „normales“ Wachstumstempo zurückfallen, um nur eine milde Kursentwicklung zu prognostizieren?

Fazit

Aus den letzen Überlegungen wird deutlich, wie schwierig es in Zukunft bleiben wird, mit spezieller Aktien-Einzelauswahl die Aktienmärkte zu schlagen. Wird es zu einer bleibenden Branchenrotation von Growth zu Value kommen, oder hält sich das Wachstum der Big Seven, oder auch der FAANG-Aktien noch eine Weile?

Man braucht sich nur den explosiven Anstieg einiger Corona-Aktienopfer seit der Impfstoffmeldung von BioNTech/Pfizer zu betrachten. Wie stark wird es noch zu großen Umschichtungen in den großen Depots, insbesondere zum Jahreswechsel kommen? Der 9. November könnte bedeutsamer gewesen sein, als bisher angenommen. Der Anstieg des Nasdaq 100 von seinem Tief vom 6. März 2009 bis zu seinem Hoch am 2. September 2020 mit sagenhaften 1154 Prozent sollte irgendwann korrigiert werden, Kurse (speziell von Indizes) wachsen nie in den Himmel. Der Dax brachte es in diesem Zeitraum auf bescheidene 354 Prozent.

Die Aktienmärkte und die aktiv verwalteten Fonds

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage