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Devisen

Marktbericht: US-Arbeitsmarktdaten schwächer, Handelskrieg beeindruckt nur den Dax

Claudio Kummerfeld

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Die US-Arbeitsmarktdaten brachten deutlich weniger neue Stellen als gedacht, bei Stundenlöhnen kamen sie exakt wie erwartet rein. Die Daten haben die Aktien- und Devisenmärkte kalt gelassen. Sie zeigen aber, dass einige Sektoren des US-Arbeitsmarkts sogar Stellen abgebaut haben. Eine Anzeichen für Konjunkturschwäche in den USA, oder für eine Vollbeschäftigung, bei der keine Stellen mehr besetzt werden können? (Details hier)

Die Börse geht also ins Wochenende unter dem Eindruck, dass die USA vorhaben für 200 Milliarden Dollar China-Importe den Zoll von 10% auf 25% anzuheben. Die Chinesen verkünden aktuell, dass man mit Zöllen von 5%-25% auf ein US-Exportvolumen von 60 Milliarden Dollar reagieren werde, wenn die US-Zölle in Kraft treten. Warum nur 60 gegen 200 Milliarden Dollar? Nun, die Amerikaner exportieren deutlich weniger nach China als umgekehrt. Da bleibt nicht mehr viel übrig zum Bezollen. Zu den betroffenen US-Waren sollen Fleisch, Getränke, Chemikalien, Holz, Maschinen und Autoteile gehören.

Dieser Konflikt beherrschat aktuell die Stimmungslage an den Börsen. Die Amerikaner scheinen aber deutlich weniger Angst zu haben als deutsche Börsianer. Dow und Nasdaq halten sich aktuell exakt auf dem Nivau von gestern Abend wie auch vorgestern Abend, so als gäbe es keinen Handelskrieg und keine Konjunkturdaten. Gleichzeitig notiert der Dax immer noch 130 Punkte unter dem Stand von Mittwoch Abend, wobei man zu gestern Abend auch seitwärts tendiert (im Chart Dax vs Dow seit Montag).

Dax vs Dow

Italien und Türkei

In Italien tut sich was. Die Rendite für zehnjährige italienische Papiere stieg heute auf 3,09%, und lag damit sogar höher als die Rendite für US-Anleihen. Dazu muss man beachten, dass die Amerikaner ständig die Zinsen anheben, während die Europäer weiter bei 0 bleiben. Die italienische Regierung berät heute über ihr Budget. Da wird den Anleihemärkten Angst und Bange in Sachen Neuverschuldung. Und so steigt auch die Risikoprämie für italienische Staatsschulden.

Auch bei türkischen Staatsschulden steigt die Risikoprämie, wenn auch auf einem ganz anderen Niveau. Die Rendite für zehnjährige türkische Staatsschulden ist von unter 13% im April gestern bis auf 18,66% gestiegen (aktuell 18,35%). Die türkische Lira wertet auch immer weiter ab (5,88 Lira für einen Euro und 5,08 Lira für einen US-Dollar). Präsident Erdogan ruft aktuell seine Landsleute dazu auf sie sollen Devisen in Lira umtauschen und die heimische Währung so stützen. Der Konflikt um den US-Pastor ist nicht ausgestanden, und momentan ist alles möglich – Eskalation mit den USA oder auch Deeskalation.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Marko

    3. August 2018 19:32 at 19:32

    Italien und Türkei
    In Italien tut sich was. Die Rendite für zehnjährige italienische Papiere stieg heute auf 3,09%, und lag damit sogar höher als die Rendite für US-Anleihen (!!!!). Dazu muss man beachten, dass die Amerikaner ständig die Zinsen anheben, während die Europäer weiter bei 0 bleiben. (!!!!)
    Die italienische Regierung berät heute über ihr Budget.“

    Eine Frage darf erlaubt sein, wieso steigen die Renditen der Italiener und der Griechen eigentlich ? Weil der EUR sch… ist ? Und das muss man sich mal vorstellen, die Italiener werden höher bewertet als die Amis ? – Noch Fragen ?!?? :D

    Ja das muss man beachten, dass die Europäer nix machen, keine Zinserhöhungen , nix !!!

    Der Markt misstraut dem Clown Donald Trump hoch zehn !

  2. Avatar

    Wolfgang M.

    4. August 2018 07:17 at 07:17

    In den letzten Tagen gab es in den USA einige spektakuläre Bewegungen – Einbrüche bei Nasdaq-Schwergewichten, aber danach der Sprung Apple ˋs zur „Trillion $-Company“, ist dies der Beginn der großen Korrektur? Ungeachtet der Möglichkeit einer Sommerkorrektur bis 10%, aus meiner Sicht – noch nicht. Dazu ein paar Argumente.
    Die Steuerreform Donald Trumps (eigentlich falsch, denn der Entwickler dieses großen Geldsegens ist Finanzminister Steven Mnuchin und der weiß als langjähriger Goldman Sachs-Banker, was die Märkte mögen), setzt geschätzte 1,5 Bio. $ (us-trillion) frei. Was passiert mit diesem Geld?

    Nach Schätzungen von US-Fondsmanagern sind die Aktienmarktsteigerungen 2018 zu drei Viertel auf die Segnungen dieser Steuerreform zurückzuführen.
    Nach einer Studie von National Employment Law Project und des Roosevelt Institute vollzieht sich in den USA seit weit über 10 Jahren eine Entwicklung, die nach der Steuerreform Trumps noch ins Extreme gesteigert wird.
    S&P 500 Firmen haben 10-mal soviel Geld für Aktienrückkäufe verwendet als für die Beschäftigten in Form von Lohnsteigerungen (Argumentation: Das können wir uns als Unternehmen nicht leisten, sonst müssen wir die Preise anheben!) von 2004 bis 2014 um sagenhafte 7 Bio. $.
    Kritische Aspekte: Weniger Investitionen, geringe Steigerung der Produktivität in den USA, ein Aspekt, den sogar Larry Fink, der Chef des Fondsgiganten BlackRock, anmahnt. Zudem auch ein Grund für das bedenkliche Auseinanderdriften der gesellschaftlichen Schichten unter dem Aspekt der Vermögensverteilung.
    Gemäß dieser Studie werden aktuell bis 60% der Effekte der Steuerreform für Aktienrückkäufe verwendet.
    Das ist noch nicht zu Ende, ich habe deshalb in meinen letzten Kommentaren mehrfach Apple erwähnt, die Firma, die allein noch mind. 100 Mrd. $ an Aktien zurückkaufen wird.
    Deshalb mein Dauerappell nicht zu früh auf das Ende zu spekulieren, nicht angenehm für die Bären auf kurze Sicht, es kann noch dauern bis zur großen Korrektur.
    Diese sollte aber aufgrund der steigenden Verschuldung heftig ausfallen und das nicht nur in wirtschaftlicher Sicht.

    Das aktuelle Gegenargument: Trump kann durch eine Eskalation im Handelskrieg mit China (auch Iran) die Aktienmärkte in Schockstarre versetzen (Investitionszurückhaltung, Preissteigerungen u.v.m.). Aber da lautet meine Argumentation seit Langem: Das wird die Wall Street auf kurze Sicht verhindern und außerdem verlieren die (inflationären) Drohungen Trumps erkennbar an Wirkung, nicht in Deutschland, aber in den USA. Und da wäre auch noch Fed-Chef Jerome Powell, dessen Zinsanhebungen vielen Investoren schon Magenschmerzen verursachen (die nächste im September – die 2-jährigen US-Anleihen liegen schon bei 2,65% / inverse Zinskurve?).
    Vor einigen Wochen habe ich auf die Gesamtverschuldung der US-Ökonomie mit ca. 48 Bio.$ hingewiesen, was 250% des BIPs entspricht. Damit kann jeder ermessen, welche Belastung auf das Gesamtsystem zukommt, falls die Zinsanhebungen wie (geplant??) durchgeführt werden sollten. Ein gewaltiger Gegenwind, deshalb bezeichnen viele Ökonomen diesen Faktor als größtes Risiko für den laufenden Konjunkturzyklus. Der monetäre Faktor aus den Aktienrückkäufen ist endlich und auch wegen der steigenden Zinsen im Endstadium.

    Zum Ende noch ein Paar Sätze für die Anhänger der Politik Trumps: China hat aufgrund der starken Aktienmarktverluste (und Währungsabwertung) aktuell seinen Börsen-Status als Nummer 2 in der Welt verloren. Nach dem Rekord Chinas mit einer Marktkapitalisierung von 10 Bio.$ im Jahr 2015 beträgt dieser Wert laut Bloomberg derzeit noch 6,09 Bio.$. Die Nummer 2 ist wieder Japan mit 6,17 Bio.$ – weiterhin in extremen Höhen, die USA mit über 30 Bio.$. Auch ein Grund für den (Irr)Glauben des US-Präsidenten, ein weltweiter Handelskrieg sei für die USA „leicht zu gewinnen“!
    Wünsche noch ein schönes Wochenende

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Devisen

Schweizer Franken: Warum die Aufwertung erst einmal unterbrochen ist

Claudio Kummerfeld

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Eine Franken-Münze

Der Schweizer Franken soll doch bitte nach Möglichkeit schön abwerten. So lautet jedenfalls seit Jahren die Hoffnung und das Drängen der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Denn je höher der Franken notiert, desto teurer werden Schweizer Produkte im Ausland, und desto teurer wird der Urlaub für Ausländer in der Schweiz. Beides ist natürlich Gift für die schweizerische Volkswirtschaft. Und so versucht die SNB seit Jahren mit gigantischen Summen an selbst gedruckten Schweizer Franken etwas zu tun. Sie verkauft diese Franken und kauft dafür vor allem den Euro, aber auch den US-Dollar.

So will die SNB die Aufwertung des Schweizer Franken verhindern. Aber der Devisenmarkt war mit Blick auf die letzten Jahre stärker als die SNB, und der Franken blieb zu stark. So druckte die SNB immer weiter. Dann kam die Coronakrise. Und die Welt suchte unter anderem ihr Heil in der Flucht in die schweizerische Währung, die als einer der letzten sicheren Fluchthäfen gilt. Laut jüngsten Meldungen hat die SNB geäußert, dass sie alleine im ersten Halbjahr 2020 eine Summe von 90 Milliarden Schweizer Franken einsetzte um die Aufwertung zu bremsen.

Schweizer Franken als Spielball der Coronakrise

Der folgende Chart zeigt den Kursverlauf von Euro vs Schweizer Franken in den letzten zwölf Monaten. Man sieht bis Mai den fallenden Euro (von 1,08 bis 1,05), also eine klare Franken-Aufwertung. Dies zeigte in der schlimmsten Corona-Krisenzeit den Drang der Märkte in Richtung Schweiz. In den Monaten danach folgte der Rückgang der Corona-Infektionszahlen, und der Euro konnte sich wieder erholen – der Franken wertete wieder ab auf Niveaus um die 1,08. Aber im Oktober sieht man im Chart den Rückgang im EURCHF, korrespondierend mit dem Aufkommen der zweiten Corona-Welle.

Chart zeigt Kursverlauf von Euro vs Schweizer Franken seit Ende 2019

Der folgende Chart zeigt den Kursverlauf von Euro vs Schweizer Franken seit dem 27. Oktober. Nicht zu übersehen ist der EURCHF-Anstieg am 9. November von 1,07 auf 1,0820. An diesem Tag gab es die erste richtige Corona-Impfstoff-Meldung von Biontech und Pfizer. Die Aktienmärkte und der Ölpreis stiegen kräftig, in Hoffnung auf eine deutlich schnellere Konjunkturerholung. Der Goldpreis (sicherer Hafen) fiel drastisch um mehr als 100 Dollar, und auch der Schweizer Franken als sicherer Hafen in Krisenzeiten reagierte genau an diesem Tag mit einer Abwertung. Sie hält (wie der Chart zeigt) bis heute an. Fürs Erste scheinen die seit drei Wochen anhaltenden guten Impfstoff-Meldungen sowie die nun doch geregelte Amtsübergabe zwischen Donald Trump und Joe Biden die Anleger weltweit dazu zu bringen, mehr Risiko eingehen zu wollen (Risk On-Szenario). Das schwächt erst einmal die Save-Haven-Assets wie Gold und Schweizer Franken. Die SNB dürfte fürs Erste ein wenig aufatmen.

Chart zeigt Kursverlauf von Euro vs Schweizer Franken seit Ende Oktober

Nie den Drang hin zum Fränkli unterschätzen

Das größere Bild zeigt, dass der Schweizer Franken seit dem Jahr 2018 in einem klaren Aufwertungstrend liegt (EURCHF damals noch bei 1,20). Dieser Trend wurde erst ab Juni diesen Jahres gebremst. Es kann jetzt zu einer weiteren Franken-Abwertung kommen im Zuge der Impfstoff-Verteilung in den nächsten Monaten. Aber den globalen Drang hin zum Fränkli, den sollte man langfristig im großen Bild gesehen nicht unterschätzen.

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Aktuell: Goldpreis fällt 30 Dollar nach guten US-Daten

Claudio Kummerfeld

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Ein Stapel Barren aus Gold

Der Goldpreis fällt in den letzten Minuten von 1.867 auf 1.837 Dollar. Gleichzeitig springt der US-Dollar nach oben. Der Dollar-Index (Währungskorb) steigt von 92,10 auf 95,49 Indexpunkte. Der Grund dahinter ist zu finden in den vorhin veröffentlichten Einkaufsmanager-Daten aus den USA, die deutlich besser ausfielen als erwartet (hier die Details). Die veröffentlichten Preise zeigen einen Rekordanstieg – dadurch, so die Logik, entsteht Inflations-Druck, was wiederum die US-Notenbank perspektivisch zu Zinsanhebungen zwingen könnte!

Im Chart sehen wir den Goldpreis-Verlauf seit Freitag in rot-grün gegen den US-Dollar in blau. Die negative Korrelation zwischen Gold und US-Dollar ist mehr als eindeutig. Beim Klick an dieser Stelle finden Sie unsere Bericherstattung von heute Mittag über Gold, und welche Faktoren bis 15:45 Uhr den Goldpreis bewegt hatten.

Chart zeigt Verlauf von Goldpreis gegen US-Dollar

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Türkische Lira verliert spürbar – warum das kein gutes Zeichen ist

Redaktion

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Von

Türkei Flagge

Die türkische Lira verliert heute spürbar gegenüber US-Dollar und Euro. US-Dollar vs Lira steigt gegenüber Freitag Abend von 7,62 auf 7,78. Euro vs Lira steigt von 9,02 auf 9,24. Das entscheidende bei diesen Kursbewegungen ist: Die Kursgewinne für die türkische Lira, die seit letztem Donnerstag entstanden, sind jetzt wieder verpufft. Denn wir erinnern uns: Am letzten Donnerstag hatte die türkische Zentralbank den Leitzins um gigantische 4,75 Prozentpunkte auf 15 Prozent angehoben, um endlich die Inflation in der Türkei einzudämmen. Gut, genau diese Höhe der Zinsanhebung war erwartet worden – aber sie war durch die steigende türkische Lira in den beiden Wochen vorher schon gut eingepreist worden. Dennoch dürfte es aktuell für die Lira-Bullen am Devisenmarkt deprimierend sein, dass diese drastische Zinsanhebung nicht in einer schnell weiter aufwertenden Lira mündet.

Im folgenden Chart sehen wir den Kursverlauf von US-Dollar vs Türkische Lira in den letzten 30 Tagen. Die aktuelle Lira-Abwertung ist derzeit auch deswegen so auffällig, weil gerade heute der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen) im Chartverlauf ganz klar verliert, und ein Tief aus den letzten Tagen nach unten durchbrochen hat. Also: Der US-Dollar ist heute ganz eindeutig der Verlierer, kann aber gegen die türkische Lira klar gewinnen. Daran sieht man, dass es sich wohl um eine eigenständige Schwäche der Lira handelt!

Türkische Lira immer noch unter Druck durch physische Verkäufe im Inland?

Das andere schlechte Zeichen für die türkische Währung ist, dass türkische Bürger und Unternehmen die Lira-Stärke der letzten Tage offenbar dafür nutzen um ihre Bestände in US-Dollar und Euro weiter aufzubauen, wofür natürlich die türkische Lira verkauft werden muss. Denn nur mit Markttechnik und Gewinnmitnahmen aus den letzten Tagen ist diese aktuelle Lira-Abwertung nur schwerlich zu erklären. Laut aktuellen Berichten bestehen jetzt 57 Prozent aller Bankguthaben in der Türkei aus Fremdwährungen – im Juli seien es noch 50 Prozent gewesen. Und die türkischen Sparer würden immer noch relativ geringe Zinserträge in Lira erhalten in Relation zur hohen Inflation.

Das würde natürlich erklären, dass man die Flucht in Fremdwährungen weiter bevorzugt. Die Umsätze in der Lira am internationalen Devisenmarkt waren heute Vormittag eher dünn. Von daher liegt die Vermutung nahe, dass Bürger und Unternehmen in der Türkei eben diese Lira-Stärke seit letztem Donnerstag nutzten um auch heute am Montag türkische Lira gegen US-Dollar und Euro zu tauschen. Ist kaum großes Volumen am internationalen Devisenmarkt in der Lira vorhanden, kann so ein physischer Kaufdrang den Kurs spürbar beeinflussen. Es ist gut möglich, dass die Lira deswegen heute diese Abwertung vollzieht.

Chart zeigt Verlauf von US-Dollar vs Türkische Lira in den letzten 30 Tagen

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