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„Marktgeflüster“ aus Davos

Die Aussagen der "Eliten" aus Politik und Wirtschaft beim Weltwirtschaftsforum in Davos

Wie in jedem Jahr wird das Schweizer Bergdorf Davos im Januar kurzzeitig zu einem „Fort Knox“ – wegen der Sicherheitsmaßnahmen für die 3000 Teilnehmer – und zugleich zum wirtschaftlichen Nabel der Welt. Neben 70 Regierungschefs sind unzählige CEOs  der großen Konzerne vor Ort und werden von einer Heerschar Journalisten mit Fragen zur Wirtschaftslage „gelöchert“. Besonders interessant fand ich die Aussagen des Hedgefonds-Managers Ray Dalio zu seinen Konjunkturaussichten, nicht weil er in seinem undurchsichtigen Gewerbe hellseherische Fähigkeiten besitzt, sondern weil er im letzten Jahr sehr zutreffende Aussagen zu Dax und Co. abgeliefert hat. Er präsentierte in Davos sehr unaufgeregt sachliche und begründete Prognosen – auch sehr im Kontrast zu einer stets optimistisch auftretenden Fondsbranche.

Hier ein paar seiner Thesen.

  • Der CEO des weltgrößten Hedgefonds Bridgewater, gibt der US-Notenbank Federal Reserve eine Mitschuld an der Nervosität der Märkte. Die Fed habe „einen unangemessenen Fehler“ gemacht, die Geldpolitik schneller zu straffen, als die Kapitalmärkte vertragen können“, sagte er.
  • Die Zerbrechlichkeit der Märkte ließ sich bereits in den vergangenen Monaten beobachten. Da schrumpfte die amerikanische Notenbank ganz leicht ihre Bilanzsumme und entzog den Märkten nur einen kleinen Teil der Liquidität, die sie in den vergangenen Jahren hineingepumpt hatte und die Börsen gerieten in heftige Turbulenzen.
  • „Was mich am meisten beängstigt, ist, dass wir nur wenig Raum für eine weitere geldpolitische Lockerung haben – zu einer Zeit, in der es einen größeren politischen und sozialen Antagonismus gibt“, sagte Dalio.
  • Er sprach in einem Interview von signifikanten Risiken einer US-Rezession im Jahre 2020 (was viele seiner Kollegen überhaupt nicht auf dem Schirm haben).
  • Die Konjunktur schwäche sich weltweit ab. (Vor einem Jahr sprach man von einem weltweit synchronen Wachstum, jetzt von einem solchen Abschwung!)
  • UBS-Chairman Axel Weber sprang ihm zur Seite: „Die Normalisierung der Geldpolitik wird nicht mehr in diesem Zyklus stattfinden. Die Notenbanken werden das nicht schaffen, weil sich das Wachstum jetzt schon verlangsamt.“ Für die nächsten ein bis zwei Jahre wird die Devise lauten: „Mission abgebrochen“.
  • Gerade in Europa werde sich die Konjunktur nun abschwächen, wahrscheinlich in einer sich selbst verstärkenden Weise.
  • Die Welt befindet sich in der Spätphase eines weiteren Schuldenzyklus. „die Finanz und Geldpolitik wird wahrscheinlich noch locker werden müssen, als die Märkte jetzt denken“.

 

Allein die drei großen Notenbanken Federal Reserve, die EZB und die Bank of Japan haben aber in der vergangenen Dekade ihre Bilanzen um 10,5 Millionen $ ausgeweitet. Und einen Schritt zurück scheint es nicht so schnell zu geben.

In den Sälen und Gängen der Davoser Kongresshalle herrscht anscheinend unter den Experten große Einigkeit: Das für die Märkte dominierende Thema wird 2019 eindeutig die Politik sein. Mit weiteren protektionistischen und nationalistischen Maßnahmen könnten die Regierungen für Chaos sorgen. Sie könnten aber auch durch neue Finanzstimuli und weitere strukturelle Reformen die Lage wieder verbessern.

Zuversichtlich für das zweite Szenario sind jedoch nur wenige.

Alles in allem lautet der Tenor der CEOs in Davos zur Konjunktur aber immer noch: „A Slowdown, but not a recession yet.“

 

 

CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=234149



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11 Kommentare

  1. Die Wirtschaft der USA ist wie ein träger Super-Tanker.
    Kursänderung brauchen deutlich Zeit bis diese sichtbar werden.

  2. Aber sehr geschätzter Ray Dalio, die Märkte ( Permabullen) haben es sehr geschätzt, dass die Notenbanken
    den DJ von ca. 6500 auf 27000, den S&P von ca.750 auf 2940, den Nasdaq von ca.1100 auf 7700 u.den DAX von 3600 auf 13650 getrieben haben.Das war ein Free-Lunch für 9Jahre risikofreie Börsengewinne.
    Immerhin ist bei den Korrekturen 2009 von ca. 50% die Welt nicht unter gegangen.Wie schlimm muss den die Finanzwelt aufgestellt sein, wenn nach 10jähriger Gratisgeld-Hilfe eine Korrektur von 20 % schon zur Panik führt.
    Statt zu sagen, die Notenbanken hätten zu früh erhöht, könnte man auch sagen, DIE NOTENBANKEN HABEN DIE BÖRSEN ZU LANGE U.ZU HOCH GETRIEBEN.Die Süchtigen können nicht mehr ohne leben.
    ALSO ,DAS EINMALIGE EXPERIMENT MIT UNGEWISSEM AUSGANG IST GESCHEITERT.
    Oder gilt auch etwa die Regel, dass die Börsenkurse im Verhältnis zu den Schulden nicht fallen dürften,im Sinne derer ,die die Schulden im Verhältnis zum BIP betrachten.
    Im übrigen schätze ich Ray Dalio, er war derjenige der genau vor einem Jahr den Dax den Bach runterschickte mit grossen Short-Pos.Ich wäre erstaunt, wenn er jetzt für die EU Börsen positiv wäre.
    Vielleicht liegt es an seiner unabhängigen Stellung als Hedger u. muss nicht berufsbedingt immer die rosa
    Brille tragen.

  3. Na, Herr Müller, das klingt ja fast so als wären Sie auch eingeladen gewesen.
    Das wäre dann schon eine bemerkenswerte Karriere vom Leserkommentator zum Chefredaukteur und nun schon in Davos akkreditiert, nächster Schritt vermutlich US-Präsident.
    Sollte man Sie noch nicht ausreichend gebauchpinselt haben : Herzlichen Dank für Ihre Einschätzungen und die geleistete Arbeit hier ! VG

    1. @Kenguru. Sorry, wenn das so einen Eindruck gemacht hat – keine Absicht. Die 15 000 € Eintrittspreis für ein Ticket sind mir doch etwas zu viel.?
      Viele Grüße

      1. 15000 € Eintrittspreis, das ist kernig! Und wofür? Damit man einmal live die Zerstörer der Welten beim fruchtlosen Geschwafel beobachten darf.

  4. Danke für diese Zusammenfassung. Ich schätze Ray Dalio sehr weshalb ich seinen Aussagen immer eine hohe Bedeutung beimesse. Er sieht die Dinge einfach differenzierter, weil er im großen Stil in alle Richtungen handelt und nicht wie beispielsweise Warren Buffet nur Long handelt und von daher zwangsläufig optimitisch sein muss.

  5. „Allein die drei großen Notenbanken Federal Reserve, die EZB und die Bank of Japan haben aber in der vergangenen Dekade ihre Bilanzen um 10,5 Millionen $ ausgeweitet.“
    Sicher, dass die Zahl korrekt ist. Nur 10,5 Millionen?

    1. @Gixxer. Sorry, Tippfehler, natürlich 10,5 Mrd.$. Danke für den Hinweis. Asche auf mein Haupt.
      Viele Grüße

    2. @Gixxer. Ich hätte doch keinen Rotwein trinken sollen. 10,5 Billionen Dollar. Von den 4 Billionen der Fed wurden immerhin schon 600 Mrd.$ abgetragen. Mit Millionen oder Milliarden kann man bei einer 19 Bio.$- Ökonomie nicht mehr viel anrichten.
      Gruß

    3. @Gixxer. Wie hieß es in einer amerikanischen Sitcom? Alkohol soll nur der trinken, der sich ein paar Gehirnzellen leisten kann. Wohl wahr.?
      Schönes Wochenende

      1. Two and a half Men :D

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