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Anleihen

Marktgeflüster: das gefährliche Spiel

Markus Fugmann

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Von Markus Fugmann

Ist das, was zwischen Griechenland und seinen Gläubigern passiert, ein Spiel? So sieht es der Chefvolkswirt der Allianz und meint, ein Grexit wäre schnell verdaut. Dagegen warnt Obamas Top-Berater vor einem solchen Grexit – und dürfte damit deutlich besser liegen.
Die Nachrichten um Griechenland prägen den Handel heute: erst Äußerungen aus Athen, dass keine Zahlung an den IWF erfolge, wenn kein Deal in Aussicht stehe. Tsipras wiederum will selbst Vorschläge machen und lehnt daher Angebote aus Berlin (nach dem gestrigen „Geheimtreffen“) ab. Hoffnungen auf eine Einigung durch den griechischen Notenbankchef wurden dann jedoch wieder zerschlagen, als der Präsident der Eurogruppe Dijsselbloem eine Einigung in dieser Woche als unmöglich erklärte. Dass die Märkte nicht abstürzen, verdankt sich den Kommentaren eines Fed-Mitglieds, das vor baldigen Zinsanhebungen warnt..

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3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    khaproperty

    2. Juni 2015 18:39 at 18:39

    Zinsen am Anleihemarkt in EU steigen deutlich, Inflation beschleunigt sich in der Eurozone und der Euro gewinnt Stärke. Alles Zeichen dafür, daß die EZB mit ihrer Strategie Recht hat – könnte man meinen, sich aber schwer dabei täuschen, denn weltweit ist viel zu viel los, als daß die EZB noch viel zu sagen hätte, selbst in der EU. Sie ist dazu erst viel zu kurz unterwegs mit ihrem QE-Programm, als daß dieses wahrliche Folgen zeitigen könnte – über kurze Erration hinaus.
    So sollte sie mit dem QE-Unfug einfach sofort aufhören.

    Obama samt häufig wechselnden Beratern kann sich so vieles nicht vorstellen, daß ihm darüber seine komplette Politik seit Jahren aus dem Ruder läuft. Daher sind Äußerungen von dort nicht beachtenswert – es sei, man wolle ins Griechnefaß ohne Boden ein paar eigene Billionen einzahlen.
    Da man dort kaum weiß, was und wo Griechenland überhaupt ist, gilt mal wieder: US – si tacuisses.

    Das Grexittheater – letzter Akt, hoffentlich – nervt. Daß die Märkte dennoch erratisch reagieren, zeigt deren hohe Vola und dazu, daß sie die wahren Probleme im Fundamentalen nicht in der Lage sind, wahrzunehmen. Härte gegen Griechenland ist unvermeidlich, weil sonst alle Euroländer aus sämtlichen – schon lange überdehnten – Fugen brechen würden.
    Die Frage gewönne Berechtigung: warum die – warum nicht auch wir, die wir seit Jahren leiden müssen unter Austerity und Selbstbetrug?

    Und zahlen dürften vor allem unsere Steuerzahler, auf Generationen hinaus viel mehr noch als die jetzt bereits mehr oder weniger verbindlich aufgelaufenen Billionen Euro.
    Allein hier liegt das Problem – keineswegs in Griechenland.

  2. Avatar

    Michele

    2. Juni 2015 19:25 at 19:25

    Zu jeder Währung gehören Spieregeln. Wer nicht gewillt ist sich daran zu halten soll zusehen, wie er mit seiner eigenen klarkommt. Tsipras hat die Alternativen dass Griechenland im Euro bleibt oder seine Regierung tritt zurück. Er glaubt mit seinen Unverschämtheiten am längeren Hebel zu sitzen. Was Obamas Berater absondern ist egal. Die Märkte sind ohne Chartistik so heißgelaufen und überbewertet, wie nur sehr selten, richtiger nie zuvor. Auch Frau Yellen wäre gut beraten dieses Spiel zu beenden. Es geht nicht an, dass Konzerne ihre Gewinne pro Aktie durch Rückkäufe auf Kredit hochtreiben und die Käufer der Anleihen diese auch auf Kredit kaufen. Das US-Spielchen muss beendet werden. Es ist ziemlich dämlich zu glauben, dass das „Märkte“ wären.

  3. Avatar

    Mr. Jones

    3. Juni 2015 02:29 at 02:29

    External Debt to GDP Ratio : 1. Irland 820 %
    2. England UK 317 %
    3. Portugal 234 %
    4. Griechenland 218 %
    5. Frankreich 201 %
    6. Spanien 160 %
    7. Deutschland 159 %
    8. Italien 126 %

    Alles Show, mit Irland hätte man die Märkte besser und schneller drücken können.
    Heute kommt eine tolle Nachricht und alle sind wieder Happy.

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Aktien

Andre Stagge über sein Depot, Inflation, Bitcoin und steigende US-Renditen

Claudio Kummerfeld

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Andre Stagge

Der Börsenexperte Andre Stagge (hier mehr zu seiner Person) bespricht im folgenden ausführlichen Video fünf Positionen in seinem eigenen Investmentdepot. Aber er spricht auch über wichtige Themen in einem größeren Zusammenhang. Zum Beispiel geht er der Frage nach, ob in 2021 die große Inflation ansteht. Auch schaut er auf die mögliche weitere Entwicklung des Bitcoin, und bespricht die interessante Thematik, welche Auswirkung nachhaltig steigende Anleiherenditen in den USA auf die Märkte haben.

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Allgemein

EZB: Auf der Spur der wahren Gründe für das große Gelddrucken

Claudio Kummerfeld

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Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Wir alle hören es seit Jahren und nehmen es zur Kenntnis. Offiziell betreibt die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik (Zinsen und Anleihekäufe), um die Inflation von der Null-Linie in Richtung 2 Prozent zu bekommen. Und Bürger und vor allem Unternehmen sollen durch die Banken in der derzeitigen Krise günstige Finanzierungsbedingungen erhalten. Daher flutet man alles und jeden mit Notenbank-Euros, und die Banken können dem braven Mittelständler noch günstigere Kredite anbieten? So kommt die Wirtschaft in Schwung, und letztlich auch die Inflation? So geht natürlich die offizielle Story. Und tatsächlich?

Viele Beobachter der EZB-Politik behaupten oder meinen erkannt zu haben, dass es Frau Lagarde und vorher Mario Draghi in Wirklichkeit darum ging, mit günstigen Finanzierungskonditionen und mit massiven Anleihekäufen die Südländer in der Eurozone am Leben zu erhalten. So wolle man die Eurozone als Konstrukt zusammenhalten. Auch wir bei FMW haben uns in den letzten Jahren diverse Mal zu diesem Thema geäußert. Nach der gestrigen PK von Christine Lagarde ist uns der Kommentar von Dr. Jörg Krämer aufgefallen, dem Chefvolkswirt der Commerzbank. Man kann ihn also ruhig als seriöse Quelle bezeichnen.

EZB hält Bedingungen für Südländer günstig

Er hat seinen Kommentar betitelt mit der Headline „Was Günstige Finanzierungsbedingungen wirklich bedeuten“. Er zielt auch auf die oberflächlichen Gründe der EZB ab, nämlich Kreditkunden in der Wirtschaft zu günstigen Konditionen zu verhelfen. Es sei interessant zu beobachten, wie stark Christine Lagarde das Konzept der „günstigen Finanzierungsbedingungen“ betont habe. Sie folge dabei einem „holistischen Ansatz“ und habe verschiedene Zinsen im Blick – etwa die für Kredite an Unternehmen oder private Haushalte. Tatsächlich aber (so Jörg Krämer) dürfte es der EZB aber vor allem darum gehen, die Renditeaufschläge der Anleihen der besonders hoch verschuldeten Staaten zu begrenzen. So lasse sich beobachten, dass die EZB im Rahmen ihres PEPP-Programms immer dann mehr Staatsanleihen kaufe, wenn die Risikoaufschläge steigen (siehe Grafik). Zitat Jörg Krämer:

Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg habe ein EZB-Vertreter gesagt, dass die EZB sogar bestimmte Höchstwerte für die Risikoaufschläge einzelner Staatsanleihen bestimmt habe. Offenbar sieht es die EZB als ihre Aufgabe an, die Währungsunion zusammenzuhalten, solange die hoch verschuldeten Staaten nicht ihre Hausarbeiten machen und damit latent die Existenz der Währungsunion gefährden.

Endet diese Politik der EZB, wenn das Corona-Aufkaufprogramm PEPP Anfang 2022 endet? Nein, Jörg Krämer glaubt, dass das Aufkaufen auch danach weitergeht, optisch eben nur über ein andere Vehikel. Die EZB werde dann das „normale“ Kaufprogramm namens APP aufstocken, und zwar von 20 auf 30 bis 40 Milliarden Euro pro Monat. Begründen dürfte sie dies unter anderem mit einer merklich unter zwei Prozent liegenden Inflation. Und ja, so möchten wir von FMW anmerken: So läuft es schon seit Jahren. Die Inflation, die ist einfach zu niedrig, deswegen muss man Billionen an Euros drucken und immer weitere Teile der Anleihemärkte aufkaufen. In Wirklichkeit will man, so nehmen wir es auch an, nur weiterhin gewährleisten, dass Italien, Griechenland, Spanien und Co sich so günstig wie nur irgend möglich immer weiter verschulden können.

EZB kauft mehr Anleihen um Spreads zu senken

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Allgemein

Biden sei dank: Märkte glauben an die große Rettung – Risiko war gestern

Claudio Kummerfeld

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Joe Biden tritt heute sein Amt als US-Präsident an. In Windeseile wird er sich offenkundig daran machen sein 1,9 Billionen US-Dollar schweres Stimulus-Paket durch den US-Kongress zu bekommen. Die dortige Mehrheit ist zwar hauchdünn. Aber die Märkte sind frohen Mutes. Woran man das sieht? Schauen wir auf den folgenden Chart im Tweet. Er zeigt die Rendite für US-Schrottanleihen (Junk Bonds). Dies sind Anleihen, bei denen das Ausfallrisiko besonders hoch ist. Da Anleger für ein hohes Risiko entschädigt werden wollen und müssen, erhalten sie höhere Renditen als Inhaber von (vermeintlich sicheren) Staatsanleihen. Die Rendite fungiert hier also als Risikoprämie.

Die Höhe der Risikoprämie zeigt an, für wie ausfallgefährdet der Markt diese Anleihen hält. Je höher die Rendite, desto höher ist in den Augen des Kapitalmarkts das Risiko, dass die begebende Firma dahinter pleite geht, und somit die Anleihe nicht zurückzahlen kann. Im Chart sehen wir seit dem Jahr 2010 den Verlauf der Rendite bei US-Schrottanleihen. Zum Start der Coronakrise im März 2020 schoss die Rendite von 5 Prozent auf über 11 Prozent in die Höhe. Und danach beruhigte sich die Lage wieder, aktuell auf nur noch 4,13 Prozent – ein Rekordtief! In den letzten Monaten kamen die Impfstoff-Hoffnungen auf. Und jetzt seit einigen Tagen wird der große Stimulus in den USA immer konkreter. Wie gesagt, Joe Biden wird heute vereidigt. Und wie seine neue Finanzministerin Janet Yellen gestern klar machte, wird man die US-Volkswirtschaft kräftig mit Geld fluten.

Und wie sie sagte, sei das kräftige Schuldenmachen im Augenblick wichtiger als der Blick auf eine zu hohe Staatsverschuldung. Die müsse man zwar später mit höheren Unternehmenssteuern wieder abbauen, aber kurzfristig müsse man sich stark neu verschulden und die Konjunktur anfeuern. Und ja, der Kapitalmarkt scheint fest daran zu glauben, dass somit die Schrottunternehmen weiterhin im Spiel bleiben, und ihre Schulden weiterhin bedienen können. Wenn nur genug frisches Geld vom Staat kommt, geht die Party also weiter? Dieser Chart zeigt es jedenfalls an. Die Risikoprämie sinkt immer weiter, auf wie gesagt ein Rekordtief von nur noch 4,13 Prozent.

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Blick nach Deutschland

Aber schauen wir auch mal nach Deutschland. Hier sehen wir im folgenden Langfristvergleich seit dem Jahr 2010, wie die Rendite für deutsche Staatsanleihen immer weiter fällt, und der Dax (orange) immer weiter steigt. Das immer weiter sinkende Zinsniveau (in Deutschland dank hoher Bonität deutliche Negativrendite) treibt die Anleger in Aktien, Immobilien etc. Aktuell notieren die Aktienmärkte an ihren Allzeithochs. Heute hat auch der deutsche Staat mal wieder für 30 Jahre laufende Anleihen verkauft, mit einem Bruttovolumen von 1,5 Milliarden Euro. Die Nachfrage lag bei einem Volumen von 1,79 Milliarden Euro.

Und (wie gesagt 30 Jahre Laufzeit) die Emissionsrendite lag bei minus 0,13 Prozent, nach minus 0,06 Prozent im November. Immer weiter sinkende Zinsniveaus, immer mehr Stimulus – da wird die Lücke doch gut aufgefangen oder besser gesagt aufgefüllt, die Corona gerissen hat? Und diese Rettungsorgie wird vor allem in den USA kräftig weiter gehen, davon darf man ausgehen. Und so könnte man glatt sagen, dass „Risiko“ bei Anleihen irgendwas war, dass man mal kannte – aber heute gibt es das nicht mehr?

Chart zeigt Vergleich von Dax gegen Anleiherenditen

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