Folgen Sie uns

Aktien

Marktgeflüster (Video): Hurra, die Zinsanhebung kommt!

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Markus Fugmann

Von Markus Fugmann

Der Dax hat heute die gesamte Spanne der bisherigen Seitwärtsbewegung durchlaufen: erst nach unten mit einem Test der 9750/60er-Unterstützung, dann mit einer extrem steilen und korrekturlosen Kerze bis zum Widerstandsbereich 10060/80. Woher die Drehung kommt? Unklar, Nachrichten unterlagen der Wende jedenfalls zunächst nicht – dann aber die spektakulär guten Neubauverkäufe aus den USA mit dem größten Anstieg seit acht Jahren und Preisen auf Allzeithoch. Die Fed Fund Futures daraufhin mit einem weiteren Sprung in Richtung gestiegener Wahrscheinlichkeit einer Zinsanhebung, die Aktienmärkte scheinen sich zu sagen: ist doch ein gutes Zeichen, dass die Fed die Zinsen anhebt. Ob dieser Wechsel der Einstellung nachhaltig ist, muß sich aber noch zeigen..

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

11 Kommentare

11 Comments

  1. Avatar

    Peter

    24. Mai 2016 20:43 at 20:43

    Ja, so läuft es bei FMW (zum gefühlt 40.ten Mal allein dieses Jahr):
    Mal wieder extrem bearisch gewesen und damit wiederholt komplett daneben gelegen.
    Was wird gemacht?
    Es wird sich in Sarkasmus, Spott, Ironie, Zynismus oder was auch immer geflüchtet.

    Mein Beileid an all die armen FMW-Lemminge, die die Sturheit des Hr. F. bezahlen müssen.
    Peter

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      24. Mai 2016 22:42 at 22:42

      @Peter, einmal etwas Grundsätzliches: FMW versteht sich als kritisches Finanzportal – kritisch gegenüber vor allem den Notenbanken und den dadurch ausgelösten Verzerrungen der Märkte. Faktisch wird damit eine Wohlstandsillusion aufrecht erhalten, für die unsere Kinder (oder schon wir) werden bezahlen müssen. Wer das nicht teilt oder absurd findet, muß ja nicht bei FMW lesen – zumal eine solche kritische Haltung eher selten ist, während Mainstream-Medien auch im Finanzbereich geradezu auf den Bäumen wachsen.
      Wir haben daher und wollen auch keine Lemminge haben, sondern Denkhorizonte öffnen – ich etwa gebe täglich Einschätzungen zur Großwetterlage an den Märkten ab, und wenn ich dabei „gefühlt 40 Mal“ falsch liege, ist das angesichts der schieren Zahl etwa der täglichen Videos keine ganz so miserable Quote. Wo waren Sie, @Peter, als die Prognosen meist richtig waren? Da schwiegen Sie, und wenn der Dax (entgegen meiner Prognose) steigt, kommen Sie aus Ihrem Loch heraus und meinen, wir würden den „Lemmingen“, wie Sie es hochnäsig bezeichnen, Verluste bescheren.
      Worum geht es bei FMW? Die andere Seite der Medaille zu zeigen, eben die Seite, die sonst nicht vorkommt. Oder das, was die Welt im Innersten zusammen hält, um Goethe zu zitieren. Wir sind vorwiegend eine Seite, die News bringt, die im Idealfall anderorts nicht vorkommen, etwa zu China, über das man in Deutschland kaum etwas erfährt.
      Wenn Sie all das nicht interessiert, weil sich Ihre Vorstellung von der Welt auf Kursverläufe reduziert und Aktienmärkte sowieso eine Einbahnstraße sind – warum lesen Sie dann FMW? Um, wenn ich oder wir falsch liegen, Häme auszuschütten? Das halte ich ein Stück weit für schäbig, weil es einseitig und bequem ist, wenn man sich nicht wie ich der Öffentlichkeit und damit der Kritik aussetzt. Wenn Sie falsch liegen, erfährt davon niemand – bei mir ist es eben anders, damit kann ich leben, aber diese Form der Kommentare geht nach meiner Auffassung an der Sache vorbei. Warum lesen Sie dann nicht den „Aktionär“ oder andere Medien, die doch offenkundig viel eher Ihrer Natur entsprechen?
      Ich schlage daher vor, dass Sie täglich Ihre Einschätzung zu den Märkten bei FMW publizieren – Sie wären dazu herzlich eingeladen! Sie könnten sich dann jedenfalls darauf verlassen, dass meine Kritik niveauvoller und auch verständnisvoller ausfällt als das ewig gleiche Lamento von Ihnen mit den angeblichen Lemmingen..

      • Avatar

        klack

        25. Mai 2016 06:34 at 06:34

        Warum denn so dünnhäutig Herr Fugmann,daß man auf FMW Informationen erhält,die in der kommerziellen Finanzberichterstattung nicht thematisiert werden,ist schön und macht ihren Blog auch so lesenswert.
        Nur an der Börse sind Fakten und die menschliche Vernuft der Phantasie und einer
        mutmaßlichen Erwartungshaltung ersteinmal untergeordnet und zu der die Börse antreibenden Phantasie kommen jetzt noch die Phantastilliarden der Notenbanken.
        Durch dieses Drucken von Geld ,die in einer Internetökonomie und mit ,erst durch diese billige geschaffenen Überkapazitäten,nicht unmittelbar inflationär wirken,aber schon an der Börse und den Anleihe- und Immobilienmärkten.
        Die Konstruktion eines instabilen Finanzkartenhauses wird eines Tages kollabieren,was der Auslöser sein wird wissen wir alle nicht,aber Herr Fugmann Sie können dann mit Recht behaupten ,Sie hätten alles vorhergesagt,aber die kurzfristigen Prognosen zur Kursentwicklung sind bis zum Eintreffen dieses „Big Pictures“ auch für jede weitere Überraschung gut.
        Überzeugung und Rechtsbewustsein ist im realen Leben eine Tugend ,an der Börse sind damit keine Zasterionen zu scheffeln.

      • Avatar

        Gabriel Scheer

        25. Mai 2016 08:22 at 08:22

        Jetzt muss ich aber führ Herrn Fugmann eine Lanze brechen.
        Die recherchierten Beiträge sind gut ausgearbeitet und geben einen differenzierten Einblick in die Materie. (Im Gegensatz zu den Infos von Herrn R., die wiederrum keine nennenswerte Tiefe in den Aussagen haben)
        FMW Infos dienen für mich als Informationsergänzung und nicht als Handelsentscheidung. Die Handelsentscheidungen sollten aus mehreren Informationsquellen und eigenen Recherchen erfolgen. Letztendlich sollte jeder Leser seine Entscheidungen selbst Verantworten können und nicht die Verantwortung seines Unvermögens auf andere verteilen. Wer das nicht kann sollte lieber nicht handeln.

    • Avatar

      Emm wie Meikel

      24. Mai 2016 23:29 at 23:29

      Niemand zwingt diesen komischen „Peter“ dazu, FMW zu lesen. Ganz im Gegensatz zu seiner Polemik und seinem inhaltsleeren Geschwätz (die er meint, hier zum Besten geben zu müssen), bereichern die Beiträge auf FMW mein Verständnis der Märkte und heben sich vom Einheitsbrei der Börsenberichterstattung durchweg positiv ab. Ein dickes Dankeschön hierfür!

  2. Avatar

    Masud79

    24. Mai 2016 20:55 at 20:55

    Herr F, heute müssen sie sich Herrn R geschlagen geben. Die Medikamente können bei ihm wieder angesetzt werden

  3. Avatar

    Klein

    24. Mai 2016 23:17 at 23:17

    Ich bin groh, dass es FMW in dieser Form gibt!!!!

  4. Avatar

    Klein

    24. Mai 2016 23:25 at 23:25

    ok, sollte „froh“ heißen….

  5. Avatar

    Thomas

    25. Mai 2016 11:47 at 11:47

    An Börse muss man immer offen für alles sein, auch für das Gegenteil!

  6. Avatar

    Peter

    25. Mai 2016 13:03 at 13:03

    Nach dem Bilderbuch-DAX-Ausbruch (schönes bullish engulfing) habe ich jetzt wieder etwas Zeit:
    Ich hatte FMW schon öfter gelobt und auch gedankt für seine Informationen jenseits des Mainstream.
    Bei allem Respekt dafür hat aber auch FMW Verantwortung für seine Leser. („FMW-Lemminge“ würde ich gerne zurücknehmen, das Wort Lemminge hatte ich bis dato auch noch nie geschrieben.)
    Ich hatte das Gefühl, dass Herr Fugmann sich dieser Verantwortung in den letzten Tagen nicht immer bewusst war. Wie kann man mit so einer absoluten Überzeugung von (Dax-)Absturz, sicher fallenden Kursen etc. sprechen, wenn man es nicht weiß. Weil niemand es sicher weiß. Weil keiner eine funktionierende Glaskugel hat. Weil selbst gute Leute nur eine Ahnung haben.
    Ich möchte nicht wissen wieviele Leute in den letzten Wochen aus Aktien getrieben wurden. Den Markt schwachreden, Bauchgefühle als Überzeugung zu verkaufen hilft keinem.
    Deswegen hatte ich in den letzten Wochen gegengehalten. Und zumindest temporär (gestern und heute) markttechnisch Recht bekommen.
    Was nützen FMW informierte, aber pleitegegangene Leser? Nicht viel.
    (Selbstredend sollte FMW nicht als alleine Informationsquelle dienen.)

    Apropos aus dem Loch kriechen: Beim WTI (unter 40 $) wurden hier vor Monaten ständig bärische Prognosen mit einer Wahnsinnsüberzeugung abgegeben. Da gab es auch Kommentare meinerseits und seitens FMW wurde zumindest WENIGER SELBSTSICHER bärisch argumentiert.
    Tja, was soll ich sagen? WTI steht jetzt 20% höher…

    • Avatar

      Thomas

      25. Mai 2016 20:03 at 20:03

      Wie ich schon des Öfteren gepostet hatte, hat FMW meiner Meinung sehr wohl Verantwortung übernommen.
      Man hat klar gesagt, dass die obere Seitwärtsrange bei 9.960 liegt.
      Wenn ich nun nicht in der Lage bin, mir selbst Gedanken zu machen, wie es an der Börse weitergehen kann oder wird und ich mich nur stur an Aussagen anderer klammere, dann hätte man spätestens bei diesem Punkt short aussteigen oder sogar long einsteigen müssen. In einem Fall hätte man weniger Verluste gehabt, in dem anderen wäre man inzwischen sogar im Gewinn.
      Sicher hatte man nicht recht mit der Aussage: „Auflösung nach unten“, aber man sollte doch honorieren, dass bei FMW immer wieder Punkte genannt werden, die entscheiden sind. Und diese Punkte oft genug tatsächlich auch Wendepunkte darstellen.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Aktien

Aktien: Die Rally und die Cocktail-Theorie von Peter Lynch

Ibrahim Sonay

Veröffentlicht

am

Klar, Corona ist das Gesprächsthema Nummer-Eins, doch dicht auf den Fersen folgt derzeit schon das Thema Aktien!

Aktien: Woher stammt die Cocktail-Theorie?

Der berühmte Magellan-Fonds Manager Peter Lynch, ein Maestro der Investment-Welt aus den 80er-Jahren, stellte damals die Interessante Cocktail-Theorie auf, um die unterschiedlichen Marktprognosen darzulegen, die er über Jahre entwickelt hatte, während er auf Partys herumstand.

Phase Eins

Gar nicht über Aktien sprechen die Leute in der ersten Phase, eines leichten Marktanstiegs, nachdem sie längere Zeit am Boden lagen, ohne Bewegung und Beachtung. Fragte man Lynch auf der Party, was er denn so beruflich treibe, antwortete er, dass er einen Aktienfonds manage. Daraufhin nickten die Leute freundlich und gingen weiter, um sich mit dem Nächsten auf der Party über Belangloses zu unterhalten. War dies der Fall, so wusste Lynch, dass der Markt vor einer Erholung stand.

Phase Zwei

Nachdem Lynch seinen Beruf nannte, blieben die Partygäste meist etwas länger – aber auch nur so lange, um ihn klar zu machen, wie gefährlich doch Aktien seien. Danach sprachen die Partygäste wieder übere andere Themen. Auch dies beobachtete er und stellte somit fest, dass die Börse in der zweiten Phase steckt, denn die Aktien stiegen bereits, doch es interessierte (noch) niemanden.

Phase Drei

Der Markt war bereits um 30 % gestiegen und Lynch wusste, dass ihn auf der Party eine neugierige Schar von Menschen umringen würde. Viele euphorische Zeitgenossen nahmen ihn beiseite, um herauszufinden, in was sie denn nun investieren sollten und fast jeder sprach von Aktien. Damit war klar, Phase Drei ist erreicht.

Phase Vier

In der vierten Phase umzingelten ihn die Leute erneut, aber diesmal nicht um zu erfragen, worin sie investieren sollten, sondern um ihn Tipps und Ratschläge zu geben, welche Aktien er kaufen solle. Erfuhr er Tage später, dass die Empfehlungen der Partygäste aufgingen, so erkannte Lynch, dass der Markt in Phase Vier steckt: Das Hoch war erreicht – ein Rückschlag der Märkte stand kurz bevor.

Das aktive Zuhören kann sehr wertvoll sein. Halten Sie also ihre Augen und Ohren auf. Auf lange Sicht sollte jeder für sich selber entscheiden, worin er sein Geld investieren möchte – ob er dabei Prinzipien, Ethik oder Trends berücksichtigt. Eines zeigt uns die Vergangenheit der Aktienmärkte jedoch: wenn man Aktien von Qualitäts-Unternehmen findet und das zu einem guten Preis, erzielt man über Jahre Rendite.

Aktien und die Cocktail-Theorie

weiterlesen

Aktien

Aktien: Die 2020-er, wieder das Jahrzehnt der Aktie?

Die Jahre 2010 bis 2020 war ein Jahrzehnt für die Aktien – den Notenbanken sei Dank! Aber wie sieht es für die 2020er-Jahre aus?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Die Jahre 2010 bis 2020 war ein Jahrzehnt für die Aktien – den Notenbanken sei Dank! Aber wie sieht es für die 2020er-Jahre aus?

Derzeit wird viel spekuliert über die Zukunft nach Corona. Ein Jahrzehnt hat begonnen, in dem die Schulden weltweit auf noch nie gesehene Höhen gestiegen sind. Für einen Dollar Wachstum mussten in den USA bisher bereits sieben Dollar neue Schulden aufgenommen werden, um dieses zu generieren – die Demographiefalle schlägt in vielen Industriestaaten unbarmherzig zu. Deshalb sollte es schwierig werden, das Potenzialwachstum der letzten Jahrzehnte überhaupt zu halten. Man kann sich vieles vorstellen und darüber diskutieren, es gibt aber ein paar fundamentale Gesetzmäßigkeiten in neuzeitlichen Gesellschaften. Auch wenn das durch Geldhäuser ausgerufene Jahrzehnt der Aktien recht interpretationsbedürftig ist.

Aktien: Die Wirtschaft ist der Ast, auf dem wir alle sitzen

Bei allen Dikussionen über das FIAT-Geld, über Schulden und einem Auseinanderdriften der Gesellschaften in der Einkommensverteilung, darf man eines nicht übersehen: Ohne eine funktionierende Wirtschaft, ohne Steuereinnahmen funktioniert kein Gemeinwesen. Die Aufwendungen für einen Staat mit seiner Regierung, seiner Verwaltung, seiner Justiz, seiner Polizei, seinem Militär, seinem Gesundheits- und Bildungssystem, können nicht durch die Druckerpresse der Notenbanken produziert werden, zumindest nicht für lange. Die Kosten müssen durch Steuereinnahmen der Unternehmen und bei den Bürgern erwirtschaftet werden.

Was passiert denn in einem Staat, in dem durch Krieg oder Aufstände Polizei und Militär ausgeschaltet werden? Eine erste Reaktion in einem solchen Land (beispielsweise nach den Umstürzen im Irak oder Lybien) sind stets sofort Plünderungen, aber auch Vergewaltigungen und andere Abscheulichkeiten.

Anleihen können auf null gesetzt und entwertet werden, Schulden durch Währungsreformen vernichtet, aber ein Teil der Wirtschaft bleibt immer erhalten und damit auch der Aktienmarkt und die Aktien.

Denn was stellt der Aktienmarkt dar? Die Beteiligung an Unternehmen, an der Volkswirtschaft, bei allen stets immer wieder zu korrigierenden Entgleisungen. Damit wird auch im Jahrzehnt nach Corona höchstwahrscheinlich der Spruch von Warren Buffett, aus den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts weiter gelten:

“Langfristig werden die Aktienmärkte für gute Nachrichten sorgen. Im 20. Jahrhundert durchlebten die USA zwei Weltkriege und weitere traumatische und teure militärische Konflikte. Eine Depression, mehrere Rezessionen, Börsenpaniken, Ölschocks, Virenpandemie und den Rücktritt eines Präsidenten. Dennoch stieg der Dow Jones von 66 auf 11.497.”

Sondersituation Deutschland

Deutschland wird im Anleihebereich als ein sicherer Hafen angesehen – mit fatalen Folgen für Sparer und Vorsorgesysteme. Denn wie sollen selbst bei leicht steigenden Zinsen Vorsorgeleistungen, Versicherungs- und Pensionsleistungen erwirtschaftet werden? Deutschland sitzt inmitten von Ländern, die sich keine höheren Zinsen leisten können. Der Zinseszinseffekt schafft erst ab einem Zinssatz von drei Prozent in überschau- und erlebbaren Zeiträumen einen Vermögensaufbaueffekt. Aber wie würden die Belastungen für die Staatshaushalte ausfallen, wenn die Renditen für Staatsanleihen in diese Regionen zurückkehren sollten. Die europäische Staatengemeinschaft mit ihrer Zentralbank wird also versuchen über die Zeit aus diesem Dilemma herauszukommen. Die Anleihelaufzeiten auf 30/50 Jahre plus verlängern, wie in Griechenland im Ansatz geschehen.

Die erzielbaren Renditen reichen nicht für das bisherige Vorsorgesystem. Wird man etwa den norwegischen Weg gehen und die Quote an Aktien erhöhen? Das Börsen-Urgestein Gottfried Heller (Partner von André Kostolany) hat auf einem Börsentag schon vor zwei Jahren die Prognose gewagt, dass Versicherer ihre Statuten ändern werden (müssen), um eine auskömmliche Rendite zu erwirtschaften und ihren ständigen Auszahlungsverpflichtungen nachzukommen. Die langlaufenden Anleihen im Bereich von 10 Jahren und mit ertragreichen Kupons, sind am Auslaufen. Allzu viele 30-jährige hat man sicher nicht in den Portfolios. Also wohin mit den Kundengeldern in Zukunft? In grüne Projekte, Private Equity u.ä.?

Was macht eine Allianz, eine der großen Dividendenzahler (4,8 Prozent aktuell), wenn es nicht einmal mehr am (nicht nutzbaren) Markt für Junk Bonds solche Renditen gibt? Der Zyklus der sinkenden Zinsen seit dem Jahr 1980 ist mit den großen Zinsschritten in den USA im März am Ende angelangt. Bis zuletzt konnte man wegen der Durationseffekte stets Gewinne mit den Anleihen erwirtschaften, so auch noch einmal im Jahr 2020. Aber wenn die Zinsen nicht unter null fallen, gibt es künftig kaum noch etwas – keine Kupons und keine Kursgewinne bei fallenden Zinsen.

Was machen Großfirmen mit ihren Betriebsrenten, Stiftungen mit ihren Anlagegeldern in den nächsten Jahren? Es spricht sehr viel für die Dividendentitel in diesem Jahrzehnt. Mit all ihren Schwankungen und vermutlich sind die jahrelangen Renditen von acht Prozent plus per annum auch bei Weitem nicht mehr realistisch. Aber wo sind die Alternativen?

Fazit

Obwohl ich absolut nichts davon halte, größere Zukunftsprognosen zu stellen – daran verbrennen sich schon ständig ganze Organisationen und Thinktanks die Finger, mit einer Heerschar von Professoren – so bin ich schon davon überzeugt, dass das jetzige Jahrzehnt wieder das Jahrzehnt der Aktien sein wird. Mit großen Schwankungen, Crashs, die Exzesse bereinigen werden, aber auch begründet in der Tatsache, dass man zwar Geldsysteme verändern und vernichten kann, aber nicht die Produktionsanlagen oder die Betriebe in einer Volkswirtschaft, ohne die es kein Überleben gibt, apokalyptische Szenarien einmal ausgenommen.

Es ist aber auch wahrscheinlich, dass es ein wesentlich langsameres Wachstum an den Börsen geben wird, nach Preisexzessen und deren Bereinigung, wie man es in Japan seit 31 Jahren nun schon beobachten kann. Aber selbst wenn Euro oder Kryptowährungen scheitern, wofür hat man nach 250 Staatsbankrotten seit 1800 (sowie 68 internen Pleiten) noch keinen Ersatz gefunden? Für Aktien..

Werden die 2020er-Jahre ein Jahrzehnt für Aktien?

weiterlesen

Aktien

JP Morgan-Quartalszahlen: Deutlich besser als erwartet – Milliarden-Rücklagen für faule Kredite aufgelöst

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Soeben wurden JP Morgan-Quartalszahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen. Der Umsatz liegt bei 30,16 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 29,2/Erwartungen 28,7). Der Gewinn liegt bei 3,79 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 2,57/Erwartungen 2,62).

In der Grafik unten sieht man es in der dritten Spalte. JP Morgan hat im letzten Quartal die Risikofürsorge für faule Kredite um 1,9 Milliarden Dollar reduziert, wodurch natürlich der Gewinn erhöht wird. JPM ist der Meinung, dass sich das wirtschaftliche Umfeld (im Sinne der Zahlungsmoral der Kunden) bessert, und vor allem dass Firmenkunden nach wie vor frisches Geld am Kapitalmarkt aufnehmen können. Insgesamt spricht die Bank davon, dass sogar 2,9 Milliarden Dollar an Kreditreserven umgewandelt und in den Gewinn von 12,1 Milliarden Dollar verschoben wurden. Ohne diese Buchung wären es nicht 3,79, sondern nur 3,09 Dollar Gewinn pro Aktie, so die Headline-Aussage der Bank.

Zitat aus dem aktuellen Bericht von JPM:

The provision for credit losses was a net benefit of $1.9 billion, compared to an expense of $1.4 billion in the prior year driven by reserve releases in the current quarter. The Wholesale reserve release was $2.0 billion, reflecting an improvement in the macro-economic scenarios and the continued ability of clients to access liquidity and capital markets. The Consumer reserve release was $0.9 billion, in Home Lending, primarily due to improvements in HPI expectations and portfolio run-off. The prior year included a net reserve release in the Consumer portfolio and a net reserve build in the Wholesale portfolio. Net charge-offs of $1.1 billion were down $444 million from the prior year, driven by Card.

Die Aktie notiert vorbörslich mit +0,7 Prozent.

Hier das Headline-Statement von JPM-CEO Jamie Dimon:

Jamie Dimon, Chairman and CEO, commented on the financial results: “JPMorgan Chase reported strong results in the fourth quarter of 2020, concluding a challenging year where we generated record revenue, benefiting from our diversified business model and dedicated employees. While we reported record profits of $12.1 billion, we do not consider the reserve takedown of $2.9 billion to represent core or recurring profits – essentially reserve calculations, while done extremely diligently and carefully, now involve multiple, multi-year hypothetical probability-adjusted scenarios, which may or may not occur and which can be expected to introduce quarterly volatility in our reserves. While positive vaccine and stimulus developments contributed to these reserve releases this quarter, our credit reserves of over $30 billion continue to reflect significant near-term economic uncertainty and will allow us to withstand an economic environment far worse than the current base forecasts by most economists.”

Dimon added: “In Consumer & Community Banking, deposits grew 30% or over $200 billion driven primarily by growth in the Federal Reserve’s balance sheet and the continuation of modest market share gains. Within our consumer lending franchise, auto and retail mortgage originations were both up more than 20%. Consumer spending continued to recover, as reflected in combined debit and credit card spend being up for the full quarter. The Corporate & Investment Bank delivered another impressive quarter with growth in Global Investment Banking fees of 34% and Markets revenue of 20%. With a record quarter, Commercial Banking earned $3.3 billion of investment banking revenue in 2020, surpassing its previous $3 billion long-term target. In Asset & Wealth Management, AUM grew 17% due to higher asset values and net inflows of over $190 billion into long-term and liquidity products over the last twelve months.”

Dimon concluded: “We ended the year with a CET1 ratio of 13.1% (vs. 12.4% at the beginning of the year) and capital above $200 billion, providing us with meaningful capacity to further invest in our business and communities, while returning capital to
our shareholders. This increase in capital was after raising over $2 trillion of credit and capital for our consumer and institutional clients around the world, which includes nonprofits and U.S. government entities, including states, municipalities, hospitals and universities and adding net $12 billion to credit reserves. We also hold $1.4 trillion of cash and marketable securities, which is currently over $450 billion in excess of what is required. We opened branches in new markets, improved our digital capabilities, and made acquisitions that will enhance our product offerings and deepen our engagement with our customers. We also continued to invest in our communities – for example, through our initial commitments to support those most impacted by the pandemic and our longer-term commitment to advance racial equality and promote economic growth. Our earnings power and healthy capital position also provide us the flexibility to pay dividends and return excess capital to shareholders through share repurchases. I want to end by thanking our frontline colleagues and those working from home who quickly adapted to the pandemic and safely helped our clients, customers, communities and governments.”

Grafik zeigt aktuelle JP Morgan-Quartalszahlen

JP Morgan-Quartalszahlen - Jamie Dimon
Jamie Dimon. Foto: Steve Jurvetson Creative Commons Attribution 2.0

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage