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Marktgeflüster (Video): Ironie der Geschichte

Es ist eine Ironie der Geschichte: Donald Trump hat in seinem Wahlkampf den US-Aktienmarkt als Blase bezeichnet und der Fed vorgeworfen, nicht rechtzeitig die Zinsen angehoben zu haben. Nun hat Ex-Fed-Chef Bernanke davor gewarnt, dass Trumps Steuerreform zu einer Überhitzung der US-Wirtschaft führe und daher im Jahr 2020 in eine Rezession münde. Die Wall Street heute wieder einmal mit Tech-Schwäche, dafür werden wieder Werte gekauft, die in 2018 bislang schlecht liefen (Coca Cola etc.). Der Dax kann den sehr weiten Abstand zu den US-Indizes etwas verringern, nachdem der Euro heute etwas fällt. Was wird der G7-Gipfel nun bringen? Warum sollten die Europäer nicht die Steuern auf US-Autos auf Null senken, aber dafür konsequent das besteuern, wo die Amerikaner absolut dominant und besonders steueroptimiert agieren – also Umsatzsteuern für Amazon, Google und Apple?



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2 Kommentare

  1. Heute in österreichischer Tageszeitung (ironisch und doch so treffend zum „Trump´schen ZICK-ZACK“):
    TRUMP sagt zu Journalisten:“ Wie bitte soll ich wissen was ich sage wenn ich es doch noch nicht gehört habe?“

  2. Aus meiner Sicht auf die Märkte mit „dem Versuch das große Bild“ zu zeichnen, ist einiges geschehen, was dieses Unterfangen doch sehr verkompliziert hat. Hierzu meine persönliche Faktensammlumg.
    Monetäre Entwicklung:
    In den USA werden am nächsten Mittwoch die Leitzinsen mit hoher Wahrscheinlichkeit auf 2% angehoben. Die 2-Jährigen notieren derzeit bei 2,50% und die 10-Jährigen sind auf 2,93% gefallen – ganz im Gegensatz zu den Markterwartungen, die 3,5 oder 4% prognostizieren. Damit wird die Zinskurve zusehends flacher, welche Auswirkungen diese in den letzten 7 Zinszyklen hatte, habe ich schon mehrfach dargelegt (Fristentransformation). Deshalb ist laut einer weltweiten Umfrage von Merril Lynch die größte Sorge der großen Geldanleger eine zu rasche Anhebung der Zinsen. Das weiß die Fed und deshalb wird sie im Anschluss an die Anhebung und vor den Midterm Elections äußerst vorsichtig agieren.
    In Europa deutet die EZB zwar ein Auslaufen des Anleihekaufprogramms an – aus meiner Sicht auch als Warnung an die neue italienische Regierung gedacht, keine Schuldenprogramme zu versprechen – auf eine Zinsanhebungen in Europa wird man aber noch länger warten müssen. Die rückläufigen Wirtschaftsaussichten und die Italienproblematik werden die Nullzinspolitik der EZB noch weiter zementieren. Damit sind die Realzinsen für Geldanleger bei einer 2%-igen Inflation weiter deutlich negativ in allen Laufzeiten.
    In Japan wird sich angesichts der neuesten Wirtschaftsdaten in der Zinspolitik auch nichts ändern.
    Fundamentale Entwicklung
    In diesem Bereich hat sich in den letzten Wochen am meisten getan. In den USA sind die Effekte durch die trumpsche Steuerreform (zur Unzeit, wie selbst Ben Bernanke bemerkte, weil sie eine reife Konjunkturlage überhitzt) immer noch deutlich zu spüren. Hunderte von Milliarden Dollars werden repatriiert, das Aktienrückkaufprogramm soll 2018 2,5% aller Aktien betragen. Auch die Frühindikatoren sind immer noch auf sehr hohem Niveau (siehe ISM letzte Woche). Allerdings dürfte der erstarkte Dollar für die Multi Nationals Ertragseinbußen bescheren. Kurioserweise hilft die Handelspolitik Trumps ausgerechnet Europas Exportfirmen. Für Deutschland gilt: Bei einem Dollaranstieg um 5% steigen die Erträge vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen um 3%. Sollte das Verhältnis unter 1,20 bleiben, wirkt dies als Unterstützung für den Dax. Allerdings haben sich die Frühindikatoren in der Eurozone deutlich eingetrübt. Der Einkaufsmanagerindex Markit für die Eurozone schwächelt deutlich, für Deutschland befindet er sich auf einem 20-Monatstief. Die Auftragseingänge für die Industrie sind im April (-2,5%) zum vierten Mal in Folge gefallen, so etwas gab es zuletzt 2008 und 2011 während der Eurokrise. Das deutsche BIP hatte sich in Q1 auf 0,3% Zuwachs gg. Q4 halbiert und die Aussichten für Q2 sind auch bescheiden – also sehr viel Gegenwind für unseren Leitindex in den Sommermonaten. Auf der anderen Seite liegen die Auftragseingänge aus Ende 2017 mit 5,6 Monaten auf dem höchsten Stand seit Jahren, der Ifo-Index hatte sich im Mai nicht mehr verschlechtert und die Dax-Firmenchefs kaufen immer noch eigene Aktien zurück (Director Dealings).
    In Japan war das BIP in Q1 nach vielen Quartalen um 0,6% rückläufig, auch kein Indikator für hawkishe Zinspolitik
    Sentiment.
    Während in den USA großer Optimismus vorherrscht, sind in Deutschland private und institutionelle Investoren sehr skeptisch und haben sich vor Kursrückgängen abgesichert.
    Mein derzeitiges Fazit:
    Auch wenn man allgemein von restriktiverer Zinspolitik spricht, ist die Höhe der Zinsen (Ausnahme Langläufer in den USA) nach Inflation für Kapitalanleger immer noch kein Anreiz von Aktien in Anleihen in größerem Stile umzuschichten. Der Knackpunkt ist aus meiner Sicht daher die Konjunktur. Das Ganze hat natürlich auch mit dem vermeintlichen Handelskrieg zu tun, denn Unternehmen neigen bei Unsicherheit über Rahmenbedingungen zu Attentismus und verschieben Pläne erst mal. Sollten sich die Frühindikatoren weiter verschlechtern, könnte es zu einer Flucht in Sicherheit kommen. Dabei ist der Aktienmarkt der „früheste“ aller Frühindikatoren, wenngleich auch der Spruch gilt: Der Dax hat die letzten 6 Rezessionen 9-mal vorhergesagt.
    Schönes Wochenende

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