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Small Caps statt Big Tech Marktrotation trifft S&P 500: Small Caps lösen Tech-Aktien ab

Marktrotation trifft S&P 500: Small Caps lösen Tech-Aktien ab
Händler auf dem Parkett der New Yorker Börse (NYSE). Foto: Bloomberg/Bloomberg

Abseits der Tech-Giganten des S&P 500 erleben kleinere US-Unternehmen – die Small Caps im Russell 2000 – ein bemerkenswertes Comeback. Die jüngsten Quartalszahlen zeigen, dass sich das Gewinnwachstum in den USA deutlich verbreitert. Das hat spürbare Auswirkungen auf Anleger, Marktrotation und Bewertungen. Könnte der jüngste Rückschlag bei Tech-Aktien an der Wall Street Small Caps nun zur großen Chance machen?

Small Caps statt Tech-Aktien

Kleinere US-Unternehmen erleben eine außergewöhnlich starke Berichtssaison. Gestützt durch ein robustes Wirtschaftswachstum übertreffen sie die Gewinnerwartungen in einem Ausmaß, das seit Jahren nicht mehr zu beobachten war. Dies deutet laut Bloomberg darauf hin, dass die jüngste Marktrotation weg von den großen Technologiewerten noch nicht abgeschlossen ist.

Rund 65 % der Unternehmen im Russell-2000-Index haben bislang die Gewinnerwartungen für das vierte Quartal übertroffen. Das ist der höchste Anteil seit Mitte 2021, wie Daten von Bloomberg Intelligence zeigen. Im deutlichen Gegensatz dazu liegt die Quote positiver Gewinnüberraschungen bei den Unternehmen des S&P 500 auf dem niedrigsten Stand seit drei Quartalen.

Small-Cap-Aktien statt Tech-Werte: Rotation vom Russell 2000 in den S&P 500
Gewinnüberschreitungen bei Small Caps sind die höchsten seit 2021

Auch bei den Analystenschätzungen zeichnet sich eine klare Trendwende ab. Laut Michael Wilson, Chefstratege bei Morgan Stanley, verzeichnen Small Caps derzeit ihre beste sogenannte „Revisionsbreite“ seit August. Gemeint ist das Verhältnis von Analysten, die ihre Gewinnschätzungen anheben, zu jenen, die sie senken.

„Diese Entwicklungen stützen unsere relative Präferenz für Small Caps in einem Umfeld, in dem die operative Hebelwirkung wieder positiv wird“, schrieb Wilson in einer aktuellen Analyse. Für Investoren ist das ein wichtiges Signal, dass sich die fundamentale Lage kleinerer Unternehmen spürbar verbessert.

Noch vor Kurzem galten Small-Cap-Aktien als besonders anfällig. Steigende Zinsen, schwaches Wachstum, geringe Margen und vergleichsweise hohe Schuldenlasten hatten ihre Entwicklung gebremst. Nun jedoch dreht sich das Bild: Mit dem Zinssenkungszyklus der US-Notenbank Fed und dem Ausbleiben einer Rezession beginnen ihre Aktien, den Gesamtmarkt zu übertreffen.

S&P 500: Rotation weg von Tech-Giganten

Parallel dazu wächst die Nervosität der Anleger gegenüber den massiven Investitionen in künstliche Intelligenz. Der technologie­lastige Nasdaq-100-Index verlor in der vergangenen Woche zeitweise bis zu 4,3 %, bevor es zu einer Gegenbewegung kam. Auch andere Sektoren, die als besonders anfällig für KI-getriebene Disruption gelten wie Software- und Medienaktien, gerieten deutlich unter Druck.

Der Russell-2000-Index liegt in diesem Jahr mehr als sechs Prozentpunkte vor dem S&P 500 und steuert damit auf seine stärkste Outperformance seit zehn Jahren zu. Das unterstreicht die zunehmende Marktbreite und die abnehmende Dominanz weniger Mega-Caps.

„Der Aktienmarkt wird sich nicht dauerhaft nur auf eine kleine Gruppe großer Technologieunternehmen stützen“, sagte Gary Paulin, Chef-Investmentstratege bei Northern Trust Asset Management. „Das Wachstum kann sich auf andere Aktien und andere Sektoren ausweiten, die stärker von der realen Wirtschaft getrieben werden.“

Unternehmen mit überzeugenden Ergebnissen werden derzeit klar belohnt. Der Hersteller von Kommunikationstechnik Viavi Solutions legte um 18 % zu, nachdem er besser als erwartete Zahlen vorgelegt hatte. Auch Synaptics und Clorox konnten zuletzt zulegen, nachdem die Unternehmen einen optimistischen Ausblick veröffentlichten. Für Titel aus dem S&P 500 hingegen liegt die Messlatte deutlich höher – positive Überraschungen werden dort seltener honoriert.

Small Caps aus dem Russell 2000 übertreffen den S&P 500
Small Caps aus dem Russell 2000 übertreffen den S&P 500

Bewertungen, Fed und Ausblick

Auch bei RBC Capital Markets sieht man strukturelle Vorteile für Small Caps. Strategin Lori Calvasina betont, dass Unternehmen aus dem Russell-2000-Index aktuell eine höhere Rate an positiven Gewinnrevisionen aufweisen als Large Caps. Dies sei ein Hinweis darauf, „dass der S&P 500 aus dieser Perspektive an Dominanz verloren hat“.

Gleichzeitig mahnt sie zur Vorsicht: Für eine anhaltende Outperformance sei ein nachhaltiger Gewinnanstieg entscheidend – insbesondere vor dem Hintergrund gestiegener Bewertungen und eines unsicheren Ausblicks für weitere Zinssenkungen der Fed. „Die gute Nachricht für Small Caps ist, dass mehrere gewinnbezogene Kennzahlen, die wir beobachten, eine klare Verbesserung zeigen“, so Calvasina.

Für Anleger bedeutet das: Die Rallye der US-Small-Caps wird zunehmend von Fundamentaldaten getragen – und nicht mehr nur von Hoffnungen auf billigeres Geld oder kurzfristige Marktrotationen.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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1 Kommentar

  1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Im S& P 500 sind auch viele kleine Werte enthalten ….die kaum jemand kennt…

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