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Markus Krall: Brilliante Analyse der Krise – aber fragwürdige Lösungen

Markus Krall ist ein Libertärer und brillianter Analytiker – aber er plädiert gleichzeitig für ein reaktionäres Weltbild mit heiliger Ehe und Religion

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Markus Krall hatte eine epochale Krise vorausgesagt – vor allem im Banken-Sektor, für den er bereits im Vorjahr für das laufende Jahr 2020 eine massive Verschlechterung ihrer bilanziellen Lage antizipiert hatte. Natürlich hat auch er – der maßgeblich die Risiko-Modelle der deutschen Banken mitentworfen hat – diese massive Krise durch das Coronavirus nicht antizipiert. Aber dennoch sei , so Markus Krall, das Coronavirus nur der Auslöser, nicht aber die Ursache der Krise – oder wie Düzen Tekkal, zuletzt Kriegsreporterin aus dem Irak, gesagt hat: „Das Coronavirus macht ehrlich“.

Denn die Wirtschaft sei laut Markus Krall gewissermaßen ein Patient mit Vorerkrankungen – das Coronavirus decke gewissermaßen diese Vorerkrankungen schonungslos auf, die wir bisher verdrängen wollten im Glauben an die Allmacht der Notenbanken. Aber eben diese Zentralbanken sind, wie wir zuletzt erleben konnten, eben nicht allmächtig – auch wenn die Märkte nun vielleicht ein letztes Mal hoffen, dass eben diese Notenbanken in Zusammenarbeit mit den Stimulus-Maßnahmen der Regierungen den Karren noch einmal aus dem Dreck ziehen können.

 

Markus Krall zum Stimulus-Tsuanmi

Nun also kommt er, der große Stimulus-Tsunami: gestern ging die Fed mit einer weiteren Bazooka all-in und kann nun sogar direkt Unternehmen Kredite geben und sie damit über Wasser halten – eine Art Notenbank-Sozialismus beginnt. Nun kommt es – ohne Kaschierung wie bisher, als etwa die EZB Staatsanleihen nicht direkt, sondern über den Umweg Banken kaufte und damit angeblich keine Staatsfinanzierung betrieb – zur ungeschminkten Finanzierung von Staaten und Notenbanken durch die Notenbanken. So dürfte etwa die EZB die Schuldenpolitik der Euro-Staaten im Volumen von 12-15% (nach Schätzung von Markus Krall) monetarisieren. Dies Geldflut aber treffe auf immer weniger Güter, weil durch das Coronavirus auch das Waren-Angebot kollabiere – mit der Folge, dass Güter des täglichen Bedarfs deutlich teurer würden. Was auf uns zukommt, ist eine Stagflation – also Inflation ohne Wirtschaftswachstum.

Wie wird die Krise an den Finanzmärkten nun ablaufen? Die Aktienmärkte werden unter Druck bleiben, so Markus Krall. Aber auch bei den Anleihemärkten werde es zunächst eine Flucht in die Qualität und in die Liquidität geben – bevor man dann feststellen müsse, dass auch hier kein sicherer Hafen zu finden sei.

Kralls brilliante Analyse, aber fragwürdiges reaktionäres Gegenmodell

Markus Krall meint: wie wir die Krise lösen werden, ist nun entscheidend! Als Libertärer sieht er zwei Alternativen: Entweder werde es einen Staats-Sozialistischen Ansatz geben mit einer Zuteilungswirtschaft – und Schlange stehen für Güter des täglichen Bedarfs. Oder man lasse den Markt und die Unternehmen agieren. Nun sei die Frage: Eigentumssicherheit und Rechte des Individuums – oder eben Zwang von oben.

Doch Markus Krall zeigt auch seine konservative, vielleicht sogar reaktionäre Seite, wenn er neben der extrem liberalen Haltung gleichzeitig für Religion und Ehe als Heilmittel plädiert. Historisch jedenfalls passen Liberalismus – den er ja leidenschaftlich vertritt – mit den ebenfalls von ihm postulierten christlich-konservativen Werten nicht wirklich zusammen: denn der Liberalismus wollte sich doch gerade von den Fesseln der Religion befreien. Was Markus Krall bei aller Klarheit seiner ökonomischen Analyse hier als Heilmittel vorschlägt, ist gewissermaßen eine Rückkehr in die Vormoderne, in die gute alte Zeit mit einem allmächtigen Gott und der heiligen Ehe. Und das ist im wahrsten Sinne des Wortes „reaktionär“ und anti-liberal, weil es faktisch auf Un-Freiheit hinausläuft!

Aber bilden Sie sich selbst ein Urteil von seinen Aussagen – hier das Plädoyer von Markus Krall:

 

 

https://youtube.com/watch?v=97SHmJLc08I

Markus Krall als Libertärer - und gleichzeit vertritt er erzkonservative Werte

 

22 Kommentare

22 Comments

  1. Avatar

    oscar

    24. März 2020 17:35 at 17:35

    Reaktionär und brutal Freiheitsberaubend ist dieser verschleierte, aber immer zynischer agierende rot-güne Stalinismus-Neofaschismus gebenüber den ehemalig „freien“ Bürgern! Vorallem dennen gegenüber, die ihr Hirn noch außerhalb von manipulativen und verlogenen Massenverblödungs Maschinen, ala System-Medien nutzen. Armes, krankes Land ! Aber das coronale trojanische Pferd trabt hindernisfrei durch die dumpe Masse. Voila, geht alles auf. Ja nee alles Verschwürungstheorien, Populismus und AfD Geschwätz, also Nazi. Zum kotzen dieses Land und seine „gewählte???“, sich selbst inszenierende Honk Elite auf Kosten anderer.

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    Columbo

    24. März 2020 17:52 at 17:52

    Da sitzt er nun in seiner Goldhöhle und spricht „Das Wort zum Untergang“. Der Schlaue hat es tatsächlich rechtzeitig in die glitzernde Unterwelt geschafft, um uns von dort die furchtbaren Pfeile der Wahrheit oder vielmehr seiner Wahrheit zu senden.
    Warum sagt er uns nicht, wir sollen noch schnell in seiner Höhle etwas von dem Glänzenden mitnehmen, die einzige Rettung gegen seine Stag…und was weiß ich noch alles? Tut er nicht, keine Andeutung, nichts. Er wird es selber brauchen. Früher hatte er mal sowas angedeutet, 10- 20%. Haha, und der Rest?
    Er ist wie „Hans im Glück“ im gleichnamigen Märchen, er findet kurz vor dem Untergang eine Goldhöhle und verkriecht sich dort und sagt uns armen Schweinen, was wir zu tun hätten.
    Ich wäre ihm jetzt dankbar für ein pietätvolles Schweigen, sagen wir für ein Jahr. Damit ich mich besser auf meine nächsten Schritte im Sturm konzentrieren kann. Ich hab zwar keine Goldhöhle aber ganz dumm waren ich und einige andere doch nicht. Wir brauchen ihn nicht, zumindest jetzt nicht, wirklich nicht!

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      Scheer

      24. März 2020 21:09 at 21:09

      Ich verurteile jegliches herunterberechen anderer Personen wegen Ihres Aussehens ihrer Handlungen oder Ihrer Meinung.
      Herr Krall hat seine Meinung vor Monaten kund getan und dies ist aufgrund eines äusseren Einflusses eingetreten – das ist Fakt!
      Sich nun darüber zu monieren wo Herr Krall seine Meinung kundtut spielt überhaupt keine Rolle und spiegelt den eigenen Charakter wieder. Das habe ich im übrigen auch zu den Kommentaren von Herrn Krall bereits bemerkt, er ist in seinen Meinungen auch nicht immer koscher.
      Eine selbstreflektierte Äusserung trägt definitiv zu einer Besserung des zwischenmenschlichen Bewustseins und einem wirtschaftlichen Aufstieg bei. Destruktive Äußerungen sollen andere Menschen mundtot machen und helfen keinesfalls.

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      sabine

      16. April 2020 12:09 at 12:09

      Was ist das denn für ein dummes Geschwätz?
      a) Wenn Sie ihn nicht brauchen, hören Sie ihm nicht zu. Ist doch ganz einfach. Ich les auch nicht täglich 100 Seiten das Kapital oder MeinKrampf, und reg mich dann auf, was die für einen Mist schreiben. Oder geh in ein Fiat-Forum und schimpfe den ganzen Tag, was das für elende Karren sind. So etwas ist eigentlich gelinde gesagt sinnfrei!

      b) Aber Sie wollen wahrscheinlich viel mehr, darum schrei(b)en Sie Ihre Meinung hier heraus. Die anderen Leser sollen so denken wie Sie. Der Krall soll weg, der stört. Wir sind schlau auch ohne ihn. Und das sollen alle so denken. Sonst könnten Sie das Video ja einfach abschalten. Geht blitzschnell und schmerzfrei.

      c) Aber dann, was stört sie an ihm so? Sein Erfolg? Das er recht hat? Oder stört Sie seine Schlußfolgerungen? Zurück zu ehrlicher Arbeit? Gottesglaube? Was ist denn schlimmer, drogenabhängig, konsumsüchtig, blondblöd oder tugendhaft? Die Religion lehrt Tugend, schon bei den Römern, sogar unter deren Götterhimmel! Die Pietas war das Höchste für die Römer: Pflichtgefühl. Viel mehr als nur religiöse Frömmigkeit. Der Respekt für die natürliche Ordnung in sozialer, politischer und religiöser Hinsicht. Dazu gehören auch Patriotismus und Hingabe Anderen gegenüber.
      https://www.imperium-romanum.info/wiki/index.php/Die_r%C3%B6mischen_Tugenden
      Die Freiheit, sich gehen zu lassen, hört da auf, wo jemand anders Rechte hat. Dazu braucht es Disziplin. Die bekommt man nicht auf der faulen Haut oder im Suff.

      Wauwau.

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        leftutti

        16. April 2020 14:39 at 14:39

        Liebe Sabine, dummes Geschwätz?! Wie war das nochmal vorgestern mit den aggressiven Trollen, die immer nur persönlich angreifen?

        Zu den römischen Tugenden: Da deren Sklaven keine Rechte hatten, gab es natürlich auch keine Grenzen für die Freiheit, sich gehen zu lassen. Gehörten die römischen Orgien und Vergewaltigungen, Misshandlungen und willkürlichen Tötungen auch zu dieser „Freiheit“, der Disziplin und den Tugenden? Wie passen Disziplin und ständige Orgien auf der faulen Haut im Dauersuff zusammen?

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    franko33

    24. März 2020 17:58 at 17:58

    In der Analyse des Crashs stimme ich absolut mit den Aussagen von Herrn Krall überein.
    Er scheint in diesem Fall nahezu ein guter Gradmesser zu sein.

    Die Lösung der Krise ist natürlich das bei weitem Schwierigste.
    Auch hier bin ich der Meinung,das dies mit sehr hohem Schmerz für Alle verbunden sein
    wird.Den Schritt in die Vormoderne ist sicherlich allein nicht der richtige Schritt und
    hier bedarf es auf jeden Fall mehrerer einen goldenen Mittelweg zu finden.
    Gerade hier ist unsere Gesellschaft aktiv gefragt mit zu gestalten – in eigener
    Verantwortung,wenn wirklich eine andere Welt gestaltet werden soll ohne sozialistische
    oder faschistische Diktatur.Es wird zur Zeit sehr viel diskutiert,daß wir aktuell auf der
    Bewusstseinsebene in eine nächst höhere Dimension gehen werden.
    Dies erfordert allerdings auch aktives Mitgestalten – gerade auch in der Frage werden
    wir mehr „Technik“ – oder nutzen wir die Technik als Hilfsmittel / Werkzeug für den
    humanen selbstbestimmten Menschen.

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    Markus

    24. März 2020 18:18 at 18:18

    Die Bürger die freiheitlich und wirtschaftlich denken, sind in der Minderheit.
    Die Mehrheit hat nix, oder nur das Minimum, was sie sich leisten können — obendrauf noch Konsumschulden.

    Solche Bürger werden den Sozialismus bevorzugen.

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    Voll-Krall

    24. März 2020 19:16 at 19:16

    Nachdem seine blöden Vergleiche von Krebs mit der Pandemie hinfällig sind ,weiss Herr Columbo Nichts mehr Gescheiteres als andere Poster u.Koryphäen wie M. Krall zu kritisieren. Der kritische Herr hat noch nie einen konstruktiven Beitrag geliefert.
    Hört die Wahrheit nicht gerne, der Eurokrotiker Krall passt ihm nicht, auch wenn 90% der Wirtschaftsleute gleicher Meinung sind.

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      Columbo

      24. März 2020 21:19 at 21:19

      @Voll Krall

      Ziemlich unhöflich! Vielleicht frustriert, weil nicht auf Krall gehört und zuwenig Glänzendes beiseite geschafft? Ein Fehler, wenn man seinem Ratschlag folgte und NUR 10-20% in das gelbe Edelmetall umgetauscht hat.
      Mindestens 50% hätte er sagen sollen, der Herr Krall, mindestens!
      Jetzt ist es zu spät. Aber Sie Herr @Voll Krall haben sicher nicht auf Krall gehört und alles in Gold umgewandelt, denn alles Papier geht jetzt den Bach runter. Das denken Sie doch auch?

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    Joey

    24. März 2020 19:45 at 19:45

    @Markus
    Genau diese Gefahr sehe ich auch auf uns „Normalbürger“ zu rauschen, da sozialistisches Gedankengut wieder en vogue ist. Das war es im Übrigen bereits nach WW2, doch da hatten die Westmächte USA und UK ihren Einfluss dagegen ausüben können.

    Und heute? UK ist bereits aus der EU ausgetreten. Von F erwartet hier niemand ein marktwirtschaftliches Bekenntnis.

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    Kritisch on fire

    24. März 2020 21:36 at 21:36

    Auf Grund seiner profunden Analytik hinsichtlich Finanzwirtschaft und Politikerkasten bin ich ein bekennender Anhänger Krall´s Thesen. In dem einen oder anderen Bereich seiner neuen „Weltordnung“ bin ich nicht so ganz seiner Meinung. Wenn man sich die gasamte Breite der ökonomoschen Thesen vor Augen führt wäre ich am ehesten dem Ordo-Liberalismuds zugetan. Leider befürchte ich, dass die breite Masse der Bevölkerung eher von planwirtschaftlichen, sozialistischen Gedankengut eingefangen werden wird, da unsere politische Klasse aus ureigensten Selbstschutz gerade diese Meinungs.- Marketingsmechanismen sehr sehr gut beherscht. Und in Demokratien wird eben die breite Masse die Richtung vorgeben, da eben diese nicht bereit ist sehr weit über den Tellerrand zu blicken. Um dieser Staatsform (Demokratie) das Krall´sche oder Ordo-Liberale Gedankengut „überzustülpen“ fürchte ich wird diese Corona-Krise nicht reichen!

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    Brettonwood

    25. März 2020 06:21 at 06:21

    Und über Jahrhunderte freidenkende Frauen als Hexen Verbrannten und jeden andersedenkenden als Ketzter ermordeten, irgendwie scheint mir das Christentum in seinen Jüngeren Jahren dem Isalmischen Staat ganz ähnlich zu sein, überhaupt kann man in der Geschichte zurückblicken und ca 90% alle Kriege giegen auf Religionsfragem zurück, ich möchte niemandem seine Religion schlechtreden und noch viel weniger einem eine Aufzwängen! Aber das Christentum hier als den Wert der Werte darzustellen scheint mir dann doch etwas vermessen zu sein, und auch die eigene Geschichte verleugnend, alle grossen Religionen haben sich dich Zwang und Gewalt verbreitet, ich finde daher Religion darf jeder haben aber im Staat hat Religion NICHTs verloren, niemand hat sich anzumessen einerm anderen zu sagen was er glaube soll.

    Persönlich wurde ich als 7 Jähriger aus dem Religionsunterricht verwiesen als ich wissen wollte wie das den nu genau mir der Enstehungsgeschichte gelaufen sei, nach dem Adam und Eva aus dem Garten Eden verwiesen wurden musste Sie ja Inzest begehen um die Menschheit zu gründen und dann nach dem bei Noah nochmals nur seine Familie überlebte mussten die wieder Inzest begehen um die Menschheit wieder aufzubauen, das war dann zuviel der Fragen für den Religionsunterricht 😂😂

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      sabine

      16. April 2020 12:22 at 12:22

      Ehrlich gesagt glaub ich nicht, daß jemand wegen kluger Fragen aus dem Religionsunterricht geworfen wird, sondern andersherum – weil man diese Fragen wohl etwas ausgemalt hat. Und der Ton der Kritik war dann wohl die Erkenntnis des Lehrers, daß es demjenigen Schüler nur ums Ärgermachen geht, ohne wahrer Interessen an Religion. Klassenclown sozusagen.
      Denn es ist allgemeine Lehre der Kirche, daß es Inzest im Anfang der Weltgeschichte nicht gab. Der Inzest selbst ist ja in sich auch keine Unsittlichkeit, sondern nur wegen der gewachsenen Menschheit zu behinderten bzw. minderbemittelten Kindern führt. Ich hatte in meiner Jugend mal viel mit „von’s“ zu tun und kann das nur bestätigen. Dort war (ist?) es üblich, nur in den eigenen – gehobenen – Reihen zu heiraten. Und da die Personaldecke da oben sehr klein ist, nun ja… Manche reichen Schnösel (Popper, also die mit den hellgelben Pullovern!) haben es geschafft, sich dazuzumischen. Aber auch das hat deren Population nur homöopathisch vermehrt.

      p.s. der USA-Unabhängigkeitskrieg, die 2 Weltkriege, Kambodscha, Ungarnaufstand, Vietnam waren keine Religionskriege, oder?

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    Dreamtimer

    25. März 2020 06:46 at 06:46

    Zieht sich die Politik zurück, damit der Bürger frei drehen und unbehelligt sein Geschäft machen kann, kommt die Kirche und predigt allen Moral, Jesus und den Nutzen von Kirchensteuern?

    Ich kann mir offen gestanden nicht vorstellen, dass Krall von einem Idiotismus flieht, nur um sich einem anderen in die Arme zu werfen. Wie kann man das also verstehen?

    In den USA gibt es Autoren wie Peter Boghossian, die die These vertreten, dass sich gerade eine Querfront gegen Wokeness-, SJW- und Klimareligion gebildet hätte, wo atheistische Rationalisten und konservative Christen am gleichen Strang ziehen. So ganz neu ist diese Querfront freilich nicht, denn es gab sie schon in den 1980-ern als man zwar getrennt, aber doch unisono gegen New Age Spiritualismus vorging. Das war aber nur die erste Raketenstufe und er war vergleichsweise harmlos.

    Grün-linke Politreligionen sind da von einem ganz anderen Kaliber. Sie umfassen unzählige NGOs, die „Zivligesellschaft“, den Papst, die Bundeskanzlerin, Unternehmen wie Google, Amazon und IBM. Selbst die illustre NSA hüllte sich vergangenes Jahr in Regenbogenbfarben und feierte damit das Ende der Zweigeschlechtlichkeit. Letzlich sind auch die EU und die EZB politisch-sozialistische Projekte, Utopien realisiert durch mächtige Institutionen.

    Auf symbolischer Ebene, sind das alles Hermaphroditen, so wie auch der Sozialstaat, der zugleich Vater und Mutter ist, die Strenge des Gesetzes, wie auch die liebende Fürsorge. Dagegen existiert die ganz andere Strenge der Separation im Glauben und Tradition ( konservatives Christentum ), wie auch im Denken ( Realismus und Rationalismus ). Diese beiden sind zwei alte Gegner, die sich gut kennen und aufeinander eingestellt haben. Die Dialektik zwischen Priester und Wissenschaftler ist langweilig geworden. Wenn man den Stand der Debatte kennen möchte, kann man eine Bibliothek aufsuchen. Dagegen ist das soziologisch, freudo-marxistisch, postmodernistisch, ökologistisch … informierte und aktivistische grün-linke Bürgertum in Medien, Politik, Behörden, Unternehmen, Kirchen, … vergleichsweise neu, undifferenziert und in ständiger Bewegung. Man kann es nicht argumentativ konfrontieren, nicht nur weil es keinen Repräsentanten hat, der Geist und Autorität repräsentiert, sondern es decodiert Debatten gerne als „Gewalt“ oder eben auch nicht, ganz so wie es das gerade erfühlt. Es wirkt ein wenig wie der alte Gegner aus den 80ern, der synkretistische New Age Spiritualismus, nur hat dieser sich im Schnelldurchlauf säkularisiert und ist in die Politik eingedrungen, wo er viel erfolgreicher agiert.

    Es ist v.a. dieser Hintergrund, vor denen man Worte wie „reaktionär“ wägen sollte.

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    Lendikon

    25. März 2020 07:39 at 07:39

    Es ist bedauerlich, wenn einem im Bezug auf die Kirche nichts anderes einfällt, als ihr die ein halbes Jahrtausend zurck liegenden Verfehlungen oder die heutigen Verfehlungen Einzelner vorhält, die ja mit der Religion als solcher absolut nix zu tun haben. Es ist bedauerlich, weil solche Äußerungen tief blicken lassen in die (wenn überhaupt vorhandene) Seele derjenigen, und man fragt sich unweigerlich, woher dieser Hass gegen alles Göttliche -gleich welcher Religion- kommt….

    Und ich stimme den Aussagen von Dr. Krall voll und ganz zu und man muss ihm den höchsten Respekt zollen, dieese Aussagen überhaupt getätigt zu haben: Viele werden an der kommenden Krise scheitern, weil ihnen das Grundgerüst eines starken, eines unerschütterlichen Glaubens fehlt. Sie mögen heute noch mitleidig über die Kirchgänger lächeln, das Lächeln wird Ihnen im Halse stecken bleiben, wenn sie merken, dass der Mammon und der Konsum, dem Sie ständig hinterher gehechelt sind, sich als nichts anderes herausstellt, als „Windhauch“ (sh. AT, Buch Kohelet, Kapitel 1).

    • Avatar

      Dreamtimer

      25. März 2020 13:42 at 13:42

      Lendikon, meine letzte „Begegnung“ mit der Kirche fand im vergangen Sommer in Luzern statt. Ich glaube es war Weltjugendtag und so war der Vorhof der Hofkirche ( ich hoffe, ich verwechsle das nicht ) auf jugendlich gemacht. Es gab eine „Beichtecke“ auf dem Kirchfriedhof und auch sonst allerlei Tinnef. Ich schätze, das Restaurant, in dem ich einkehrte lag etwa 150m Luftlinie entfernt. Als dann um 19:00 die Boxen und der Verstärker auf dem Kirchplatz geprüft wurden ahnte ich nichts gutes. Das wummern hörte dann wieder auf und ich konnte ohne Totalbeschallung mein Essen einnehmen. Kurz vor acht ging es dann wieder los. Ich beeilte mich zu zahlen. Auf dem Rückweg kam ich erneut an der Kirche erneut vorbei: wumma wumma wumma … weeeee wannaaa parteeey !!! weeeee wannaaa parteeey !!! wumma wumma wumma ..

      Alles ganz spirituell, natürlich. Ich fragte mich lediglich, ob die Jugendlichen, die der DJ so anzutörnen versuchte, da wohl auch noch aufkreuzen, wenn sie 70 sind. Die Medici-Päpste der Renaissance Päpste mögen nicht eben fromm gewesen sein, eher das Gegenteil, aber sie hatten Geschmack und sie bezahlten Michelangelo. Mammon spricht auch nicht gleich zu jedermann. Dem einen gibt er demokratischen Geschmack, dem anderen die Vatikanischen Museen.

  11. Avatar

    Markus

    25. März 2020 07:48 at 07:48

    Kann es sein, das wir Herrn Krall falsch verstanden haben, im Bezug auf Religion?

    Setzt an Stelle von Religion meinetwegen die 10 Gebote ( die es in anderen Religionen auch so ähnlich gibt ) zusammen mit den christlich-
    abendländischen Werten.

    So war das in meinen Augen zu verstehen.

    Und Kirchensteuer hin oder her – die Kirche wird sich reformieren müssen, sonst ist sie weg vom Fenster.
    Dazu zählt dann auch die Abschaffung der Kirchensteuer, denn das ist der häufigste Grund, warum die Leute austreten.
    Ja, ich bin katholischer Christ, ich gehe nicht oft in die Kirche – und ja, wenn du eine liebes Familienmitglied zu Grabe trägst,
    ist eine feierliche Beerdigung ein würdevolles Ereignis.
    Also lasst uns nicht so gegen die Kirche schießen, denn sie leistet auch viel Gutes, zB soziale Einrichtungen.

  12. Avatar

    Lausi

    25. März 2020 23:42 at 23:42

    Die kleine Schwester von Markus Krall ist auch nicht schlecht ;-) :

    https://youtu.be/4uEl5Z5DEDw

  13. Avatar

    Saukerl

    26. März 2020 11:37 at 11:37

    @ Lausi, das ist die Begleitmusik beim Untergang des Finanzsystems.
    Besame Mucho , auf deutsch übersetzt: Besame meine Muschi.

  14. Avatar

    Peter Hübner

    19. April 2020 21:54 at 21:54

    Wer Ehe und Religion für „reaktionär“ hält, der zeigt nur, welch erbärmlichen Geistes er ist.
    Wenn wir in die heutige Krise gekommen sind (Corona ist nur der Auslöser des Zusammensturzes),
    dann deshalb, weil der Geist der 68er jetzt seine zerstörerische Frucht zeigt, durch die
    Verhöhnung aller zivilisatorischen Werte, Zerstörungen aller Bindungen, die dem Menschen
    Würde verleihen und dazu gehören Ehe und Familie, Christentum als Grundlage eines Menschen-
    bildes (als Abbild Gottes), welches die Würde eines jeden Einzelnen betont, gegen den
    kollektiven Wahn des heutigen rot.rot-grünen Zeitgeistes, der uns zu Verhältnissen wie
    in Venezuela unter Maduro und wie in der einstigen DDR zu führen droht.

    • Avatar

      Lausi

      20. April 2020 08:08 at 08:08

      Und ich wünsche mir Kommune 1 wieder zurück! Waren das noch herrliche Zeiten…

    • Avatar

      Dreamtimer

      20. April 2020 08:35 at 08:35

      ‚Wer Ehe und Religion für „reaktionär“ hält, der zeigt nur, welch erbärmlichen Geistes er ist.‘

      Religion war schon im 19-ten Jahrhundert reaktionär und Ehe ist heute disponibel und „divers“ auch Dank der CDU.

      Was mich interessieren würde: was stört Sie eigentlich daran „reaktionär“ zu sein? Sie toben zwar gegen den „Geist der 68er“, aber irgendwie wollen Sie doch dazugehören, zu dieser gefallenen Zivilisation, sonst würden Sie sich ja nicht daran stören, mit den Schmähworten der Progressiven und der Aufklärer bedacht zu werden.

      „Wenn wir in die heutige Krise gekommen sind (Corona ist nur der Auslöser des Zusammensturzes),
      dann deshalb, weil der Geist der 68er jetzt seine zerstörerische Frucht zeigt“

      Ich weiß nicht, wie das bei Ihnen so ist, aber ich finde ja, das alles hier sehr zivilisiert abläuft, vielleicht mit Ausnahme der Fehlallokation von Klopapier. Aber irgendetwas braucht man für die Glosse, zum lachen. Von Zivilisationsbruch und Barbarei im Angesicht von ’68er Moral ist hier nichts zu spüren. Wenn das kommt, dann wird das wohl eher von Leuten aus einem anderen Kulturkreis getragen, für die man Deutschland und Europa als Siedlungsgebiet ausgewiesen hat und die es auch nicht so mit den Ungläubigen haben. Aber auch die sind nicht mordbrennend durch das Land gezogen, sondern haben lediglich ein paar Versammlungsverbote umgangen.

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Aktienmärkte: Die Jungen entdecken die Aktie – und zocken

Ist die Hinwendung vor allem der jüngeren Generation zum Anlagevehikel Aktie ein Trend – oder eher ein Warnzeichen für die Aktienmärkte?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Die Aktienmärkte haussieren, und das bleibt nicht ohne Folgen. Das Corona-Jahr 2020 mit Covid-19 hat viele Veränderungen ins Alltagsleben der Menschen gebracht. Zwangsläufig mit vielen Aktivitäten, die mit „Home“ beginnen. Auch hatte mancher Zwangsaufenthalt in den vier eigenen Wänden dafür gesorgt, dass viele und vor allem junge Privatanleger den Weg an die Aktienmärkte fanden. Angelockt durch zahlreiche Erfolgsmeldungen über die sozialen Medien, vermutlich initiiert durch die RobinHooder aus den USA. Ein Trend, der von Dauer ist?

Aktienmärkte: Corona und der Anstieg der Zahl der Aktionäre

Die Internetblase im Jahr 2000 und der folgende Jahrhunderteinbruch des Dax (- 72 Prozent) haben lange Jahre Spuren hinterlassen. Während es nach den Daten des Deutschen Aktieninstituts im Jahre 2001 noch 12,85 Millionen Aktionäre in Deutschland gab, pendelte der Wert seit Jahren nur noch an der 10-Millionen-Marke. 2019 war die Zahl der Anleger noch einmal zurückgegangen, 9,7 Millionen direkte Aktionäre in Deutschland.

Jetzt kam die Coronakrise, die einen Boom beim Aktienhandel durch die Privatanleger ausgelöst hat. „Retail Bros“, oder Handelsbrüder, hat die englische „Financial Times“ die neuen Anleger genannt. Seit Längerem gibt es eine „Crypto Bros“, das Pendant mit Kryptowährungen.

Der Trend, der aus den USA herüberschwappt

Der Name ist in der Finanzberichterstattung in aller Munde: Robinhood, ein ehemaliges Start-up aus Kalifornien, welches in den vergangenen Monaten einen Boom verstärkt hat. Der Broker hat bereits über 13 Millionen Kunden, von denen drei Millionen allein seit Anfang des Jahres bis Herbst dazu kamen. Bemerkenswert: Die Hälfte der neuen Kunden sind Aktienneulinge. Star der Szene ist David Portnoy, Inhaber des Sport-Blogs Barstool Sports, der mit seinen superoptimistischen Börsentweets (Aktien und Aktienmärkte würden immer steigen etc.) eine ganze Community antreibt. Hinzu kommt die Entwicklung zum nahezu kostenlosen Börsenhandel, durch E-Trade und Schwab weiter vorangetrieben. So haben manche Arbeitslose ihre 600 Dollar-Wochen-Schecks zum Zocken eingesetzt.

Der Anstieg der Online-Depots in Deutschland

Eine Studie von Comdirekt, Consorsbank und ING zeigte eine deutliche Zunahme der Zahl der Aktionäre unter 25 Jahren. Viele junge handeln auch auf Plattformen wie dem Handybroker Trade Republic. Kaufgebühren von einem Euro pro Trade oder gebührenfreie Sparpläne haben schon zu sechsstelligen Kundenzahlen geführt.

Auch die klassischen Onlinebroker profitieren davon. Konkret wurde die Comdirect, die mit 232.000 neuen Kunden innerhalb der ersten neun Monate vom größten Depot-Wachstum seit 20 Jahren spricht.

Der Vormarsch der Jungen

Wie bereits erwähnt, sind es vor allem die ganz jungen deren Interesse für die Aktienmärkte gewachsen ist, wie die Studie aufzeigt. Nach 26 Prozent, der unter 25-jährigen, die im vergangenen Jahr die Aktienanlage nutzen, sind es derzeit bereits 39 Prozent. Die Steigerung gegenüber 2017 beträgt sogar 22 Prozent. Aber auch bis zur Generation Ü 50 hat sich die Zahl der Aktionäre gesteigert. Was die Börsenplätze sicherlich erfreut, dürfte nicht unbedingt für die herkömmlichen Geschäftsbanken gelten. Denn der Drang zu Online- und Discountbrokern ist unübersehbar.

Ein schnelles Hin und Her

Noch etwas zeichnet die neue Generation Börsianer aus. Die Haltedauer von Aktien ist so kurz wie nie. In den USA lag diese im Sommer diesen Jahres gerade noch bei circa fünfeinhalb Monaten, im letzten Jahr hatte sie noch achteinhalb Monate betragen. Ein Trend, der schon seit Jahrzehnten zu beobachten ist. Aus Daten der New Yorker Börse zeigt sich, dass man vor dem Jahrhundertwechsel Aktien noch durchschnittlich 14 Monate im Depot vor einer Umschichtung beließ. Die Ausnahme:

Nach der Finanzkrise von 2008 wurde das bisherige Haltetief von sechs Monaten erreicht. Krisen beschleunigen anscheinend das Handeln von Wertpapieren.

Wie könnte es anders sein: Auch in Europa ist die gleiche Aktientendenz zu beobachten. Hier ging den Erhebungen zufolge die Haltedauer von Aktien von sieben Monaten zum Jahresende 2019 sogar auf weniger als fünf Monate zurück.

Kein Vergleich mit dem Verhalten des Langfristinvestors Warren Buffett, der seinen Titeln bisher im Schnitt 11 Jahre die Treue hält, auch folgt ein Teil der jungen Generation nicht dem Rat der ungarischen Börsenlegende Kostolany: „Aktien kaufen und dann schlafenlegen.“

Allerdings gibt es heutzutage auch den großen Trend zu langfristigen Sparplänen, monatliche Einzahlungen kleinerer Investmentsummen für die Altersvorsorge. Beides wurde möglich durch eine ganz andere Gebührenstruktur. Zocken zum Nulltarif, nicht nur bei Aktien und Optionen, selbst bei Staatsanleihen oder Junk-Bonds hat sich die Umlaufgeschwindigkeit der Papiere deutlich erhöht.

Wird das eine erhöhte Rendite bringen? Vielleicht kurzfristig im besonderen Jahr 2020. Ältere Börsenexperten sind davon überzeugt, dass die Masse der Anleger durch das Hin und Her auf keine durchschnittliche Rendite von acht Prozent pro Jahr kommen wird. Das Ergebnis sollte Volatilität sein, also ein größeres Auf und Ab in den Märkten mit Vielen, die teuer kaufen und dann billig wieder aussteigen.

Fazit

Ist es ein Trend in Deutschland, die Hinwendung vor allem der jüngeren Generation zum Anlagevehikel Aktie, oder eher ein Warnzeichen für die Aktienmärkte mit dem Vergleich zur Internetblase des Jahres 2000? Damals gab es es Tausende von neuen und noch unerfahrenen Daytradern, die glaubten mit dem raschen Handel reich werden zu können. Das Ergebnis ist bekannt. Es gibt aber einen großen Unterschied zur Gegenwart. Damals warf eine 10-jährige Bundesanleihe fast noch das ganzen Jahr über Renditen von über fünf Prozent ab, selbst Lebensversicherungen waren noch attraktiv. Anders die Gegenwart. Wie soll langfristig ein Kapitalstock aufgebaut werden in dem jetzigen Zinsumfeld? Bei einem vermutlich noch länger anhaltenden Zustand der finanziellen Repression. Selbst wenn die Zinsen über die 0-Prozent-Marke stiegen, wäre dies wahrscheinlich einer gestiegenen Teuerungsrate geschuldet.

Es ist also mehr als notwendig, sich mit dem Kapitalmarkt zu beschäftigen, nicht so sehr mit Hebelprodukten auf Tesla oder FANGMAN-Aktien, sondern eher mit langweiligen Sparplänen. Nach dem wundersamen Jahr 2020 mit den vielen Home-Aktivitäten (Home Office, Home Schooling, Home Shopping, Home Banking) sollte es beim aggressiven Home Trading der RobinHoodies zunächst einmal einen schmerzhaften Ausleseprozess geben.

Die Jungen entdecken die Aktienmärkte

 

 

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Richard David Precht: Künstliche Intelligenz und unsere Zukunft!

Markus Fugmann

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„Wir gehen in die zweite ganz große industrielle Revolution hinein!“, sagt der Philosoph Richard David Precht. Damit stehen wir vor einscheidenden Veränderungen nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Gesellschaft. Die erste industrielle Revolution beendete die Herrschaft des Adels und der Kirche – die derzeit ablaufende zweite Revolution durch künstliche Intelligenz verändert vor allem die Arbeitswelt und damit die Produktionsverhältnisse grundlegend. Nun versuchen uns Ökonomen stets zu versichern: kein Problem, es fallen zwar viele Jobs weg, aber es würden eben auch viele neuartige Jobs geschaffen werden. Das ist eine schöne Perspektive, sie hat aber leider einen kleinen Makel: sie stimmt nicht, sagt Richard David Precht zur sogenannten „Kompensations-Theorie“.

Die Menscheit jedenfalls ist durch diesen Wandel überfordert, der Boden, auf dem wir stehen, wackelt erheblich – und so entsteht zunächst einmal die Sehnsucht danach, die gute alte Welt mit ihren Werten wiederzubeleben. Ausdruck dieses Versuchs sind etwa Trumpin den USA oder die AfD in Deutschland. Aber einer der einschneidenden Änderungen im politischen Bereich wird sein, dass die Parteien, die mit der ersten industriellen Revolution entstanden und aufgestiegen waren, unter gehen werden.

Richard David Precht über schwache KI und starke KI

Richard David Precht unterscheidet zwischen schwacher und starker künstlicher Intelligenz – und führt Beispiele an, worin sich diese beiden unterscheiden. Was bedeutet das aber für uns praktisch? Wird vor allem durch „starke“ KI, also einer KI, die tiefgehende Lernprozesse leisten kann, etwa der Niedriglohn-Sektor wegfallen? Eher nicht – denn je mehr Menschen in bestimmten Bereichen verdienen, umso interessanter wird der Einsatz einer starken KI zur Kosten-Ersparnis, während sich der Einsatz im Niedriglohnsektor gar nicht lohnen würde.

Was bleibt, was wird untergehen – und welche Bereiche werden sich durchsetzen? Es werde derjenige technische Fortschritt kommen, der gesellschaftlich akzeptiert wird, dazu ein Bedürfnis befriedigt und sich gleichzeitig zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell machen läßt, sagt Richard David Precht. Folgender Vortrag des Philosophen ist ein „must see“!

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Der Philosoph Richard David Precht über Künstliche Intelligenz

Richard David Precht

Von Foto: © JCS‘, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62733272

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Arbeitsmarkt positiv gestimmt? Mehr neue Jobs bei IT als Entlassungen in der Gastronomie?

Claudio Kummerfeld

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Laptop mit Aufklebern

Kann das wirklich sein? Ist es das vorgezogene Weihnachtswunder am deutschen Arbeitsmarkt, mitten im zweiten Lockdown? Wenn man ein Wirtschaftsforschungsinstitut für verlässlich und seriös hält, dann doch in erster Linie das ifo-Institut! Und man möchte den Forschern bei ifo wirklich nichts Böses unterstellen. Aber ist es wirklich realistisch, dass die Stimmung am deutschen Arbeitsmarkt derzeit sogar besser wird, weil die IT-Dienstleister mehr neue Stellen schaffen wollen, als gleichzeitig in Restaurants, Bars, Hotels, Reisebüros etc verloren gehen?

Kann man sich das vorstellen? Gibt es überhaupt zehntausende oder hunderttausende neue IT-Experten in Deutschland, die auch so viele neue Stellen besetzen können? Ist die Nachfrage nach solchen Dienstleistungen wirklich so stark gestiegen in den letzten Wochen? Klar, dank Corona verlagert sich sehr viel des Geschäftslebens ins Internet. Aber wirklich, nochmal mit gesundem Menschenverstand nachgedacht: Können diese neuen Jobs hunderttausende Jobs ersetzen, die bei Gastro und Co verloren gehen? Es fällt wirklich schwer das zu glauben.

Aber das ifo-Institut hat sich das nicht ausgedacht. Nein, man macht für sein Beschäftigungsbarometer Umfragen bei ca 9.500 Unternehmen. Sie werden gebeten ihre Beschäftigtenplanungen für die nächsten drei Monate mitzuteilen. Also, kann das wirklich sein? Die IT fängt den Arbeitsmarkt auf in dieser Krise? Hier die Aussagen vom ifo-Institut im Wortlaut:

Etwas mehr deutsche Unternehmen als im Oktober denken über Neueinstellungen nach. Das ifo Beschäftigungsbarometer ist im November auf 96,7 Punkte gestiegen, von 96,4 Punkten im Oktober. Die zweite Welle hat vorerst keine größeren negativen Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt. Die Entwicklung ist jedoch über die Branchen hinweg sehr heterogen.

In der Industrie ist das ifo-Barometer leicht gestiegen. Jedoch ist die Zahl der Unternehmen mit Entlassungsplänen weiterhin größer als die jener, die mit steigenden Mitarbeiterzahlen rechnen. Die Dienstleister planen eher Mitarbeiter einzustellen. Getragen wird die Entwicklung vor allem von den IT-Dienstleistern. In der Reisebranche und dem Gastgewerbe dagegen sind Entlassungen nicht zu vermeiden. Im Handel hat das Barometer leicht nachgegeben. Dort planen die Firmen derzeit mit konstanten Mitarbeiterzahlen. Die Bauindustrie sucht weiter neue Mitarbeiter, um ihre aktuellen Aufträge abarbeiten zu können.

Hier die vier Einzelsektoren mit einzelnem Chart:

Grafiken zeigen Beschäftigungsbarometer für den deutschen Arbeitsmarkt

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