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Mazedonien: der nächste Krisenherd zwischen Russland und dem Westen

Markus Fugmann

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Von Markus Fugmann

Nach der Ukraine ist vor Mazedonien – der nächste Zankapfel zwischen dem Westen und Russland dürfte das kleine Mazedonien werden. Das ehemals zu Jugoslawien gehörende Land hat nur zwei Millionen Einwohner, ist aber aus einem wichtigen Grund zentral für Russland: es geht um die geplante Pipeline von Russland in die Türkei (Turkish Stream), nachdem im Dezember 2014 das South Stream-Projekt aufgrund des Widerstands der Europäischen Union von Russland fallen gelassen worden war. Nun soll, so plant Gazprom mit Rückendeckung Moskaus, eine Pipeline durch Mazedonien führen und so die Ukraine umgehen. Die Pipeline würde durch Griechenland (neuerdings Russland-freundlich), Serbien (traditionell Russland-freundlich), Ungarn (unter Orban Russland-freundlich) eben auch durch Mazedonien führen – Mazedonien ist daher das letzte fehlende Puzzle-Stück für Moskau.

Besonders brisant ist das Projekt schon deshalb, weil die politische Lage in Mazedonien alles andere als stabil ist: ethnische Konflikte zwischen der Merhheitsbevölkerung und Albanern sowie die schweren Korruptionsvorwürfe gegen den Premierminister des Landes, Nikola Gruevski, könnten die Lage schnell zur Eskalation bringen. Gruevski unterstützt die Pläne Russlands zum Bau der Pipeline, daher sieht Moskau in den kürzlichen Großdemonstrationen gegen ihn den Westen am Werk.

Russland: Auf der Suche nach alter Größe

Russland selbst wiederum ist mental in einer ähnlichen Situation wie Deutschland zwischen den beiden Weltkriegen: man empfindet den Auseinanderbruch des Großreichs als Demütigung und will die alte nationale Größe wiederherstellen. In diesen Kontext fällt die Wiedereingliederung der Krim durch Russland, die in ihrem Muster ähnlich abgelaufen ist wie die Annexion des Sudetenlandes ins Deutsche Reich im Jahr 1938 (besiegelt und sanktioniert durch das Münchner Abkommen, das war bei der Annexion der Krim anders): Aufhänger war der vermeintlich zwingend notwendige Schutz der ethnischen russischen Bevölkerungsmehrheit (damals: der ethnisch deutschen Minderheit) mit dann einsetzender Unterwanderung der bisherigen staatlichen Autorität.

Das alles droht nicht in Mazedonien, aber für Russland geht es um viel: man will die Abhängigkeit vom Transitland Ukraine ein für allemal beenden und versucht daher die Pipeline in die Türkei zu bauen, braucht aber dafür die Zustimmung der jeweiligen Länder. Aus Moskauer Sicht sind daher die Uruhen in Mazedonien gegenüber dem russophilen Premier Gruevski vom Westen geschürt, um den Wiederaufstieg Russlands zu einer ökonomischen Weltmacht zu verhindern: Aussenminister Lawrow hat das in dieser Woche bereits ohne diplomatische Verbrämung klar zum Ausdruck gebracht. Dafür stachle der Westen die Albaner gegen die Regierung auf, um eben Russland dieses fehlende Puzzle-Stück nicht an die Hand zu geben.

Noch richten sich alle Augen auf die Ukraine (die derzeit ökonomisch kollabiert, trotzdem aber aufrüstet) – aber Mazedonien ist ein ebenso gefährlicher Krisenherd wie die Ukraine mit ähnlichen Voraussetzungen: ethnische Gegensätze, Proteste gegen die Regierung. Es bleibt zu hoffen, dass die Dinge in Mazedonien nicht einen ähnlichen Verlauf nehmen wie in der Ukraine.

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