Gold

Parallelen zur Inflation der 70er Mehr Inflation, mehr Schulden: Rohstoffe und Gold im Boom

Mehr Inflation, mehr Schulden: Rohstoffe und Gold im Boom
Grafik: ChatGPT

Die wirtschaftlichen Parallelen zur Inflationsphase der 1970er Jahre stehen im Mittelpunkt des neuen Videos von Bravos Research. Darin blicken die Analysten nicht nur auf die ste zunehmende globalen Schulden, sondern nehmen auch jene Vermögenswerte ins Visier, die von einem neuen Inflationszyklus profitieren könnten. Besonders Gold und ausgewählte Rohstoffe rücken dabei in den Fokus, da sie historisch häufig als Schutz vor Kaufkraftverlust und steigender Inflation gelten.

Inflation treibt Vermögenspreise

Im Zuge des Anstiegs der Inflation in den 70ern stiegen zahlreiche Vermögenswerte in kurzer Zeit massiv im Preis. Der Medianpreis eines Hauses in den USA kletterte zwischen 1972 und 1982 von rund 22.000 auf 66.000 Dollar, während sich der Ölpreis von etwa drei auf 30 Dollar pro Barrel verzehnfachte. Gleichzeitig verlor Bargeld drastisch an Kaufkraft: 1.000 Dollar aus dem Jahr 1972 hatten zehn Jahre später real nur noch einen Wert von rund 400 Dollar. Aus Sicht von Bravos Research könnten ähnliche Dynamiken erneut auftreten.

Ein zentrales Signal sehen die Analysten im starken Preisanstieg von Gold. Innerhalb von rund 40 Monaten hat sich Gold etwa verdreifacht – ein Muster, das seit dem Zweiten Weltkrieg nur zweimal zu beobachten war, in den frühen 1970er Jahren sowie kurz vor dem Höhepunkt der Inflation Ende des Jahrzehnts. Für Bravos Research deutet diese Entwicklung darauf hin, dass Investoren zunehmend Zweifel an der Stabilität der Währungen sowie den steigenden Schulden weltweit entwickeln. Historisch betrachtet sei ein solcher Trend häufig ein Vorläufer größerer Inflationsphasen gewesen.

Explosion der globalen Schulden

Der Kern der Argumentation liegt in der enormen Ausweitung der Schulden im US-Finanzsystem. Seit den 1980er Jahren ist die Gesamtverschuldung von privaten Haushalten und Staat von etwa 160 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf rund 400 Prozent gestiegen. Damit übersteigt der Schuldenberg die reale Wirtschaftsleistung um ein Vielfaches. Nach Ansicht von Bravos Research ist eine vollständige Rückzahlung dieser Schulden faktisch unmöglich.

Interessant ist dabei die Verschiebung der Schuldenträger. Vor der Finanzkrise 2008 lag ein Großteil der Verbindlichkeiten bei privaten Haushalten. Nach dem Crash übernahm zunehmend der Staat die Rolle des Hauptschuldners. Während die Haushaltsverschuldung zurückging, stieg die Staatsverschuldung deutlich an und erreichte heute rund 124 Prozent der Wirtschaftsleistung. Für Anleger ist diese Entwicklung deshalb relevant, weil Staaten ihre Schulden notfalls über die Geldschöpfung finanzieren können. Genau diese Erwartung treibt laut den Analysten die Nachfrage nach Gold.

Noch ist allerdings keine breite Inflationswelle im Alltag sichtbar. Die zuletzt steigenden Energiepreise könnten die Inflation jedoch wieder anheizen. Im Zuge des Iran-Kriegs sind die Öl– und Gaspreise deutlich gestiegen. Während Gold zum Jahreswechsel eine fulminante Rally hingelegt hat, zeigen die offiziellen Inflationsdaten zuletzt sogar eine Abschwächung der Teuerung. Nach Ansicht der Analysten liegt das vor allem daran, dass ein entscheidender Auslöser bislang fehlt: ein Vertrauensverlust der Bevölkerung in die Währung selbst.

Rohstoffe und Gold profitieren

Dieser mögliche Auslöser könnte laut Bravos Research bald auftreten. Rund acht Billionen Dollar liegen derzeit in Geldmarktfonds – Kapital, das aufgrund hoher Zinsen bisher geparkt wurde. Doch mit sinkenden Zinsen der Fed verändert sich die Situation. Wenn die Renditen auf Bargeld unter das Wachstum der Geldmenge fallen, verliert Cash real an Wert. In diesem Umfeld könnten Investoren und Sparer beginnen, ihr Kapital in reale Vermögenswerte umzuschichten.

Historische Erfahrungen zeigen, dass solche Kapitalbewegungen häufig gleichzeitig mehrere Rohstoffe antreiben. In Inflationsphasen der Vergangenheit stiegen Preise für Öl, Getreide und Metalle oft parallel zum Goldpreis. Der Grund liegt im gleichen Mechanismus: Wenn Kapital in knappe reale Güter fließt, verteuern sich zahlreiche Rohstoffe gleichzeitig.

Bravos Research sieht daher besonders große Chancen in Engpassmärkten. Dazu zählen etwa Uran für die Energieversorgung, Infrastrukturunternehmen im Stromsektor sowie Produzenten von Basismetallen. Diese Rohstoffe gelten als zentrale Bausteine der zukünftigen Wirtschaft – von Energie über Elektrifizierung bis zur Digitalisierung. Sollte tatsächlich eine neue Inflationsphase einsetzen, könnten genau diese Märkte überdurchschnittlich profitieren.



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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3 Kommentare

  1. Nur so eine Vermutung:

    Die Inflation ist bereits in folgender Reihenfolge z.T. eingepreist bzw. vorweggenommen (mit fließenden Übergängen):

    Aktien
    Immobilien
    Gold
    Rohstoffe/Energie

  2. Ich will damit sagen, dass in dieser Reiehnfolge bereits Kapazitäten ausgereitzt bzw. noch vorhanden sind.

    Ganz am unteren Ende fehlt der allegemeine Konsum, also die täglichen üblichen Güter.

    Nor so eine Idee/Gefühl

    Begründung:

    Nach Bazooka schoss der Aktienmarkt hoch, fast zeitgleich explodierten die Häuserpreise. Gold mäanderte lange irgendwo zum um kam erst um viele Jahre verzögert dazu, das ist die aktuelle Phase.

    Rohstoffe verteuern sich bereits aber im Vgl. zu den anderern Assets ist das noch nicht so viel.

    Nur so ein Gefühl!

    Ein Tipp an die Kanzler dieser Welt:

    Sagt den Leuten nicht, dass sie mehr areiten sollen, sagt ihnen, dass sie ihr Erspartes in Sicherheit bringen müssen.

    1. Guten Morgen Großer Bär,

      das ist die natürliche Reihenfolge. Wenn Geld gedruckt wird, kommt es zuerst zu Asset-Inflation. Die frißt sich dann bis zum letzten Kaugummi durch. Die Gesamtmenge der Güter wird letztlich immer mit der Gesamtmenge des Geldes gedeckt.

      Durch regulatorisches Eingreifen kann die Reihenfolge beeinflußt werden, siehe Immo-Krise, durch geopolitische Krisen kann es zu spezifischen Störungen kommen. Aber das Grundmuster bleibt.

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