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Mehrwertsteuersenkung: Ab in die Deflation? Staatliche Statistiker mit Berechnungen

Kartoffel, Münzen, Taschenrechner

Die Verbraucherpreise in Deutschland lagen im Mai bereits nur noch bei 0,6 Prozent im Plus. Nun hat die Bundesregierung beschlossen ab Juli eine Mehrwertsteuersenkung durchzuführen. Bei Sätzen von 19 Prozent geht es runter auf 16 Prozent, und bei Sätzen von bislang 7 Prozent runter auf 5 Prozent. Natürlich ist es nicht klar abzuschätzen, wie viele Unternehmen aus welchen Branchen diese Ersparnis in welchem Umfang an die Verbraucher weitergeben werden. Es ist wohl unmöglich so etwas zu prognostizieren.

Mehrwertsteuersenkung zieht Verbraucherpreise spürbar runter

Aber was, wenn die Mehrwertsteuersenkung vollständig von den Verkäufern an die Endverbraucher weitergegeben würde? Dies hätte auf die Verbraucherpreise (also die Inflation) einen deutlich negativen Einfluss. Die staatlichen Statistiker vom Statistischen Bundesamt haben nachgerechnet und heute eine Prognose veröffentlicht. Sie sind der Meinung, dass die Verbraucherpreise in diesem Fall im Jahresvergleich um satte 1,6 Prozentpunkte sinken würden. Dann lägen wir beim aktuellen Stand der Teuerungsrate von +0,6 Prozent also bei einer Preisveränderung von letztlich minus 1 Prozent. Klar in der Deflation! Wie gesagt. Dies gilt für den Fall, dass die Mehrwertsteuersenkung vollumfänglich bei den Konsumenten ankommt.

Wir möchten dazu anmerken: Nehmen wir an, dass nur Teile davon bei den Konsumenten ankommen – vielleicht nur die Hälfte, ganz plump gesagt – und die Mehrwertsteuersenkung bringt minus 0,8 Prozentpunkte für die Verbraucherpreise als Gesamtzahl? Dann wären da noch die Ölpreise, die den jüngsten Absturz der Verbraucherpreise erst ausgelöst hatten. Sie sind die letzten Wochen wieder deutlich gestiegen. Mit gewisser Verzögerung könnte sie ab Juli/August wieder für etwas Auftrieb bei der Inflation sorgen, so dass sie sich insgesamt gesehen womöglich knapp über der Null-Linie halten könnte.

Mehrwertsteuersenkung Auswirkung Prognose

Hier noch einige interessante Anmerkungen der Statistiker im Wortlaut:

Die Steueränderungen wirken sich jedoch nicht auf alle Waren und Dienstleistungen des Warenkorbs der Verbraucherpreisstatistik gleichermaßen aus. Rund 70 % der im Warenkorb enthaltenen Güter sind mit dem vollen Steuersatz (19 %) oder dem ermäßigten Steuersatz (7 %) behaftet. Dagegen sind rund 30 % der Güter von der Mehrwertsteuerpflicht befreit. Deshalb wird sich die Mehrwertsteuersenkung auf die einzelnen Gütergruppen unterschiedlich auswirken. Beispielweise haben die Steuersenkungen einen Einfluss auf Nahrungsmittel (vorrangig 7 %) und Bekleidung (19 %). Wohnungsmieten, die einen hohen Anteil an den Verbrauchsausgaben haben, sind hingegen nicht betroffen.

Im Rahmen der letzten Änderungen der Mehrwertsteuersätze im Januar 2020 wurde der Mehrwertsteuersatz für Bahnfahrkarten im Fernverkehr, für E-Books und für Hygieneprodukte wie Tampons von 19 % auf 7 % abgesenkt. Die Auswirkungen auf die Entwicklung der Verbraucherpreise fielen – wie bereits in der Vergangenheit – unterschiedlich aus. So gingen zum Beispiel die Preise für Hygieneprodukte schon im Vorfeld der Steuersenkung zurück. Die Preise für Bahnfahrkarten für den Fernverkehr sanken im Januar 2020 um 10,0 %.

Inwieweit die für Juli angekündigte Senkung der Mehrwertsteuer an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergeben wird, ist derzeit noch unklar, da eine vollständige Weitergabe nicht gesetzlich verordnet ist. Auch sind die tatsächlichen Auswirkungen auf die Inflationsrate nur schwer abschätzbar, da die Preisentwicklung insgesamt auch von vielen anderen Effekten bestimmt wird.



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9 Kommentare

  1. Als Unternehmer wäre ich ja mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn ich die Mehrwertsteuersenkung weitergeben würde. Die meißten Unternehmen werden froh sein eine etwas höhere Marge einzufahren.

    Allerdings ist die Rückkehr zur „alten“ Mehrwertsteuer eine gute Gelegenheit gleich mal die Preise zu erhöhen. Das Gedächtnis der Leute hält nämlich keine 6 Monate.

  2. Ich gebe die MwSt. Senkung nicht weiter… f u all… wtf sollte dieser Scherz!? Hat überhaupt jemand mal über die Kosten der Umstellung nachgedacht!??? Denkt da überhaupt jemand nach bevor er so ein Schwachsinn beschliesst???? 6 Monate runter und dann wieder rauf. Was ist wenn man ein EDV System hat welches umgestellt werden muss, dann sind dann die Steuerberater bzw. die Buchhaltung, dazu kommen auch noch die VK Preisanpassungen (wie gesagt, bei mir nicht, aber bei anderen). Und zu guter letzt, alle Angaben online ändern um keine Abmahnung wegen evtl. irgendwo vergessener Änderung dieser Änderung zu bekommen. OMG wer zum Teufel hat denen es geraten!??? Ich weis es! Die Autolobby! Das ist wirklich die einzigste Lobby die ein Kompromiss wollte, weil ja die Verbrenner nicht gefördert werden. Klar bei Autos ist es relativ einfacher und die 3% Nachlass sind bei grösserer Summen natürlich lukrativer für Käufer. Die Autoverkäufer spekulieren, dass dann die Nachfrage höher sein wird. Aber alles andere ist Blödsinn! Wie gesagt, Politiker-Sumpf ab auf die Strasse und ab ins Mittelalter wo man Examples statuieren konnte. Anderes verstehen die Menschen es nicht!!! ES wird sich niemals was ändern, bis man die schlimmst anzunehmende Konsequenz sieht!!!

    Hoffe es liest jemand der es weiter gibt und hoffentlich wird es wenigstens einen geben, der diesen Blödsinn stoppt… ich meine damit diese ganze Politiker Lobby Schawachsinn!

    1. @Faktist, endlich mal einer, der die realen Auswirkungen des blinden, sinnlosen, aber umfragewirksamen Aktionismus erkannt, thematisiert und weiter gedacht hat. Und ebenso die sog. christlich-demokratisch-sozialen Ursachen. Klingt so, als wären auch Sie auch Opfer der großartigen Corona-Sofort“hilfe“? In Kenntnis der „einfachen und unkomplizierten“ Hilfen bei den „privaten“ Kosten und Ausgaben.

      Ein buchhalterischer Alptraum, ein völlig irrsinniger Aufwand von Anfang bis jetzt. Millionen Selbständige wissen nicht im Ansatz, wie dieser kurzfristige, temporäre und wirkungslose Knallkörper in die bestehenden IT-Systeme integriert werden kann und soll. Genaue gesetzliche Vorgaben (ein Paradoxon an sich) sollen ja auch erst Ende Juni verabschiedet werden. Ab 1. Juli müssen die dann aber in den Systemen verarbeitet werden. Viel Spaß!

      Man pumpt weiterhin ganz unkompliziert und ungeniert Milliarden in die Erpresser- (sorry, Verbrenner-) Industrie, während man weiterhin an den ausgelaugten Zitzen des lobby-freien Mittelstandes saugt.

      Unchristlich, undemokratisch, unsozial, aber medienwirksam.

  3. Was für Güter (30%) im Warenkorb sind von der MwSt. befreit?

    1. @Dreistein, die größte Position wird doch oben bereits im Artikel genannt: Wohnungsmieten. Dazu kommen steuerbefreite Nebenkosten wie Grundsteuer, Immobilienversicherung und Abwassergebühren. Natürlich sind auch andere Versicherungen mehrwertsteuerbefreit, ebenso Finanzdienstleistungen und ein Großteil ärztlicher Leistungen, auch in Kliniken und Krankenhäusern.

  4. Ruhig Blut, Leute.
    Alles wird gut.
    Ihr wählt sie ja doch wieder dann!
    :-)
    Dafür dürfen euch Merkel&Co schon ein bisschen plagen zum Dank!
    Der Tag ist schön heute!

  5. Deflation in der Realwirtschaft, Inflation an der Börse und die Schere klafft weiter auseinander.

  6. Interessant, das mal aus Unternehmersicht zu hören. Klar, zweimal umstellen erzeugt Kosten. In der EDV müssen eigentlich nur zwei Zahlen ausgetauscht werden, das ist einfach, jedenfalls, falls es wirklich gut programmiert ist, und das ist es oft nicht, aber viele Frontend-Seiten müssen wahrscheinlich von Hand geändert, Preisschilder neu gedruckt, Artikel neu beklebt werden etc. Und wahrscheinlich kann ich mir höchstens die Hälfte der Baustellen tatsächlich vorstellen. Ich würde das Gefühl haben, der Staat schmeißt mir Knüppel zwischen die Beine. Das heißt, die Mehrwertsteuersenkung wird verpuffen in einem künstlich und unnütz geschaffenen Kostenapparat. Traurig. Und ganz schön hirnlos. Man sollte wirklich erstmal zuende denken.

    Andereseits frage ich mich manchmal, ob das Absicht ist:
    Die MwSt wird gesenkt,die Verbraucher jubeln!!! Toll!!! Eine Erleichterung. Später merken sie dann, sie wurden gelinkt und belogen, aber dann ist es zu spät, oder sie sind zu dumm und merken es gar nicht, obwohl ihr Portemonnaie immer leerer wird. Was nicht sein darf, das nicht sein kann… Sie vernebeln die Wahrheit vor sich selbst. Denn Politiker sind doch toll und glaubwürdig, oder?

    Und dasselbe passiert hier mit der Inflation: Dieser Artikel, sorry, ist Lug und Trug. Genau wie das, was die Statistiker mit dem Warenkorb machen: Sie tauschen die Güter aus!!! Und schon wird billiger, was in Wahrheit teurer wird. Ich esse fast nur Obst und Gemüse. Und an der Kasse falle ich regelmäßig um: Ein paar Teile 40 Euro!!! Das ist neu. Mein Portemonnaie hat ein ähnliches Loch wie nach der Euroeinführung, die ja angeblich auch keine Inflation erzeugt hat. Ich muss als Statistiker nur Gemüse und Obst aus dem Warenkorb herausnehmen oder das teure gegen ein billigeres ersetzen und schon ist die Inflation geschönt. Merkt das eigentlich keiner außer mir??? Und wenn ich das sage, sagen die Strohdummen meißtens: Das ist, weil keine Erntehelfer da sind… Aha. War mir schon klar. Und deshalb ist es keine Inflation? Rechtfertigt das irgendwas? Nein, der Strohdumme hat es sich gerade strohdumm schön geredet, mir fällt die Kinnlade runter und ich denke „Herr, schmeiß Hirn vom Himmel!!!“ Ich glaube, ich gehe mal dazu über, das nicht mehr zu denken, sondern zu sagen. Und ihr, liebe Autoren dieses Artikels, könntet ruhig mal zuende denken, bevor ihr diesen Statustikmüll millionenfach unkritisch weiter verbreitet.

    1. @Maren
      In der EDV müssen eigentlich nur zwei Zahlen ausgetauscht werden, das ist einfach…

      Das wäre vielleicht dann relativ einfach, wenn man nur den Teil Rechnungswesen (Angebote, Auftragsbestätigungen, Rechnungen, Abschlagsrechnungen usw.) zu berücksichtigen hätte. Wobei sich auch hier bereits Probleme ergeben: Ein Unternehmer schreibt z. B. am 10.06. ein Angebot, erbringt bis 20.06. eine Teilleistung, über die er eine Abschlagsrechnung mit 19% MwSt. stellt. Dies funktioniert üblicherweise über „Weiterführen des Angebotes als Abschlagsrechnung“. Am 05.07. wird der Auftrag abgeschlossen, für diese zweite Teilleistung (16%) oder genauer gesagt über die Gesamtleistung (16 oder 19% ?) abzüglich der ersten Teilleistung (19%) muss nun die Endrechnung gestellt werden (ebenfalls über Weiterführen des Angebotes, das ja bekanntlich mit 19% erstellt wurde).

      Aber es gibt neben dem Rechnungswesen auch noch die Buchführung.
      Üblicherweise sind den jeweiligen Artikeln oder Artikelgruppen Steuersätze und Erlöskonten bzw. Ausgabekonten für den Einkauf hinterlegt. Diese können Sie nicht einfach ändern, weil dann falsche Zahlen für die Zeiträume davor und danach verbucht werden. Hier benötigen Sie also zwei neue Steuersätze (5% und 16%), zwei neue Erlöskonten (Umsätze 5% und Umsätze 16%) sowie zwei neue entsprechende Ausgabekonten für den Einkauf, die datumsabhängig funktionieren müssen. Hier stellt sich die Frage nach Leistungsdatum, Lieferdatum oder Rechnungsdatum? Dies ist ein weiterer Zusatzaufwand und die nächste potenzielle Fehlerquelle.

      Und zuletzt muss die zu implementierende Lösung ja nicht nur innerhalb der jeweils verwendeten Software funktionieren, sondern auch kompatibel mit den dafür anzupassenden Steuermeldungen sowie den ELSTER- und DATEV-Systemen bleiben.

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