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Kommentar Mein Abgesang auf die Commerzbank

Die UniCredit steht kurz vor der Machtübernahme bei der Commerzbank. Ein Abgesang auf eine Bank, die vor einer Entkernung steht.

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt. Foto: Claudio Kummerfeld/Finanzmarktwelt.de

Die Commerzbank steht vor ihrem Ende als eigenständige deutsche Großbank. Die UniCredit hat mit ihrem großen Aktienanteil nun quasi die finale Phase des Übernahmeprozesses eingeläutet, der Bund leistet keinen Widerstand, auch sonst niemand. Viel übrig bleiben dürfte von der Bank nicht. Die Italiener dürften alles versuchen um die Kosten so weit zu drücken wie nur irgend möglich. Einerseits begrüßen Brüssel und EZB, dass vermehrt deutlich größere Banken in Europa entstehen sollen. Und gewiss, es ist ein marktwirtschaftlicher Prozess, dass die eine Bank die andere Bank aufkauft. Aber Privatkunden und Firmenkunden dürften zu spüren bekommen, was eine entkernte Commerzbank bedeutet. Und am Ende verbleibt mit der Deutschen Bank nur noch eine einzige deutsche Großbank mit Entscheidern, die in Deutschland sitzen.


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Wie sich die italienische UniCredit drei von vier deutschen Großbanken einverbleibt hat? Ohne dass es jemand so richtig merkt? Wer schon ein paar Jährchen in der Bankenszene dabei ist, erinnert sich: Es gab vier große Banken, Deutsche, Commerzbank, Hypovereinsbank und Dresnder Bank. Die Dresdner geriet in der Finanzkrise in Schieflage und ging nach freundlichem Druck aus der Politik auf in der Commerzbank.

Im Jahr 2005 kaufte die UniCredit relativ günstig die Münchner HypoVereinsbank. Sie fungiert seitdem als Cash Cow für die Zentrale in Mailand. Nun hat die UniCredit nach und nach genug Aktien der Commerzbank aufgekauft, um die Kontrolle zu übernehmen. Ein Wechsel der Führungskräfte könnte auch bald anstehen, damit UniCredit-Chef Andrea Orcel endgültig durchregieren kann.

Der „Untergang“ der Commerzbank – mein Szenario


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Da gibt es zwar noch die „lästigen“ Gewerkschaften und die Bundesregierung mit ihrem 13 % Anteil an der Commerzbank – aber das sind bald nur noch Randerscheinungen? Es dürfte eine klare Marschroute geben: Auch die Commerzbank soll zur Cash Cow werden, damit die Bücher der UniCredit in Mailand noch stärker glänzen. Kosten reduzieren in Frankfurt, auf Teufel komm raus – das dürfte die Devise sein, die aus Mailand vorgegeben wird. Dabei hatte die Commerzbank schon massiv auf die Kostenbremse gedrückt, um sich aufzuhübschen und die Aktionäre von der weiteren Eigenständigkeit zu überzeugen – vergebens.

Wie hörte man es in den letzten Wochen und Monaten aus der Bundespolitik, sinngemäß zusammengefasst? Die Commerzbank müsse im Fall einer Übernahme weiterhin ein starker Finanzierer für den deutschen Mittelstand bleiben. Die Bundesregierung forderte sogar verbindliche Zusagen von der UniCredit. Und dazu gehört ja wohl selbstverständlich auch eine starke Außenhandelsfinanzierung, weil der deutsche Mittelstand nun mal fleißig exportiert. Und was hört man heute? Laut Bloomberg wollen die Italiener bei der Commerzbank das globale Handelsfinanzierungsgeschäft deutlich zusammenstreichen und die Bank auf Deutschland und Polen fokussieren.

Meinen Ausblick für die Commerzbank habe ich heute in Kurzform in folgendem X Posting niedergeschrieben. Kurz, knapp, wie es kommen dürfte. Siehe auch Hypovereinsbank oder andere Beispiele. Man kann annehmen: Abteilungen mit einfachen Tätigkeiten werden dicht gemacht und nach Osteuropa oder Asien verlagert? Was geht, wird durch KI ersetzt. Kunden, die jetzt schon unter einem Horror aus Telefon-Automat, nicht mehr vorhandenen Filialen oder ewigen Wartezeiten in Filialen leiden, dürften zukünftig ganz verzweifeln, oder dann lieber doch zur örtlichen Sparkasse oder Volksbank wechseln – Privat- wie auch Firmenkunden. Denn glaubt man wirklich, dass der Firmenkundenservice nach der Übernahme besser oder gleich gut bleiben wird?

Gut bezahlte Funktionen wie Investmentbanking, Trading, Ökonomen und Analysten dürfte die UniCredit zu großen Teilen streichen, und die Kundenangebote aus ihren Centern in Mailand und London bedienen. Eine Hand voll Commerzbanker dürften wohl Angebote erhalten an diese Standorte zu wechseln. Aber große Teile der sehr gut bezahlten Stellen könnten wohl wegfallen. Die Aussagen von UniCredit-Chef Andrea Orcel sind ja klar: Die Kosten sollen nochmal massiv runtergeschraubt werden, wo die aktuelle Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp doch bereits kräftig eingespart hatte. Viel übrig bleiben wird nicht von der jetzigen Commerzbank. Das Filialnetz dürfte nochmal massiv ausgedünnt werden, bis fast nichts mehr übrig bleibt. Aber das ist nur meine bescheidene Meinung!

Erstmals formelle Gespräche

Die Commerzbank und die UniCredit haben erstmals formelle Gespräche geführt zum erwarteten Kontrollwechsel bei der Bank. UniCredit-Chef Andrea Orcel und Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp erörterten bereits am Freitag bilanzielle, rechtliche und risikobezogene Fragen mit Blick auf die regulatorische Konsolidierung der Bank durch den italienischen Wettbewerber, die die EZB alsbald verlangen könnte, so berichtet es Bloomberg heute.

Zur Sprache kamen auch die Positionen zur künftigen Strategie, die unverändert weit auseinander liegen. UniCredit hält an Plänen für deutliche Kostensenkungen fest – bis zu 7.000 Stellen könnten wegfallen, das globale Handelsfinanzierungsgeschäft der Commerzbank soll deutlich zusammengestrichen werden und das Institut auf Deutschland und Polen konzentriert werden.

Bettina Orlopp lehnt insbesondere ein starkes Zusammenstreichen des internationalen Commerzbank-Netzwerks ab, bei anderen Punkten wie Einsparungen im Privatkundengeschäft und Backoffice liegen die Positionen näher beieinander. Mögliche Konzessionen, mit denen UniCredit der Commerzbank den Deal schmackhafter machen könnte, kamen nicht zur Sprache, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten.

Das digitale Treffen von Orlopp, Orcel und einem kleinen Kreis weiterer Top-Manager war das erste einer Vielzahl von Gesprächen, die noch folgen könnten — wenn Orcel sich darauf einlässt. Er würde Orlopp am liebsten ignorieren und nur mit dem Bund — der 13% der Commerzbank-Anteile hält — und dem Betriebsrat verhandeln. Die haben aber auf das Commerzbank-Management verwiesen. Andrea Orcel hat aber bereits offen damit gedroht, Aufsichtsrat und Vorstand der Commerzbank auszuwechseln.

FMW/Bloomberg



Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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5 Kommentare

  1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Die Commerzbank kommt von ursprünglich 476 Euro…aufgestellt am Mittwoch…dem 22.März 2000..in den frühen Morgenstunden des Frankfurter Parketthandels…( Orginalkurs 47,60 Euro ) …

    Bitte vergessen Sie nicht…es gab im Frühjahr 2013 eine große Kapitalerhöhung die einen 10 : 1 Resplit bedingte….

    Die schlauen Analysten der Commerzbank rechnen nun die vielen Bezugsrechte aus den zahlreichen KEs dagegen und kommen auf ein All Time High von 263 Euro…
    Sei es wie es sei…inflationsbereinigt beträgt der Rückgang seit dem All Time über 90 Prozent….und das ist viel heutzutage….wo die Börsen boomen…
    Warum übernimmt die UniCredit die Coba…?
    Antwort: Wegen der kommenden Eurokrise 2.0 die in’s Haus steht…die UniCredit hat sich vollgesogen mit sogenannten PIIGS Anleihen und hofft nun auf deutsches Steuergeld a’la Commerzbank 2008/09…
    Außerdem hängt in der Coba die Dresdner Bank mit drin…ein Deal der seinerzeit noch unter Blessing eingetütet wurde…
    So bekommt man zwei Banken zum Preis von einer…
    Auch die HypoVereinsbank bestand ja ursprünglich aus zwei Banken…der Bayrischen Hypotheken und Wechselbank und der Vereinsbank..hier erfolgte die Fusion schon im September 98…kurz vor der LTCM Hedgefonds Krise…( DAX Performance Index unter 4000 Punkten ! )..

  2. Wieso braucht es eine Förderung des Mittelstandes? Merz setzt den Morgenthau-Plan anno 1944 der Deindustrialisierung Deutschlands nach gründlicher Vorarbeit von Merkel und Scholz fort. Der Mittelstand wird 2030 weitgehend irrelevant sein.Wer soll auf Bundesebene oder seitens des Bundesverfassungsgerichtes etwas dagegen unternehmen können?

  3. Die Bundesregierungen sorgen für den Ausverkauf das ist halt so der Verlauf. Schlaf weiter Bürger, träume süß,
    das war es dann mit dem Paradies. Jedoch ein anderes Narrativ, so heißt das neue Zauberwort, hat schon vor langer Zeit 1000sente von Firmen finaniert, ermöglicht gemacht. Der große, kleine Mittelstand habt acht.
    Die Zauberer direkt vor Ort, Sparkassen, Genossenschaftbanken genannt. Wer sie in Schmutz zieht will den Rest auch noch zerstören. Ja eins passiert auch bei diesen, Großmannsucht und Reibachmachen der Vorstände.
    Dafür wär aber auch der ahnunglose Sparer oder Genossenschaftantseinehmer in die Pflicht zu nehmen.
    Der Bürger selbst müßte als Korrektiv auftretten und die Scharlatane erkennen. Siehe auch Baywa, siehe auch Neuendettelsau DIAKONEO. Es ist nicht nur Commerzbank. Überall geht was schief.. halt anders..
    Aber zum Glück erfreuen wir uns umvunzählige neue Start ups…endschuldigung mir wirds schlecht…

  4. die schuldenmacher übernehmen – gewollt, und politisch durch blackrock-fritze unterstützt – oder zumindest nicht verhindert.

    great taking incoming. die frage ist wie das noch verhindert werden kann?

  5. Nach dem 1.Weltkrieg hatte Südtirol ganz Italien annektiert.
    Warum sollten wir jetzt nicht Deutschland übernehmen?
    Die Übernahme der Commerzbank ist erst der der Anfang😊.

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