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Merkel bekommt ihren Türkei-Deal – was sind die Folgen?

Redaktion

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FMW-Redaktion

Angela Merkel hat ihren Türkei-Deal bekommen. Vor wenigen Minuten wurde bestätigt, zunächst durch den finnischen Premierminister, dass die EU sich mit der Türkei geeinigt hat.

Schäuble-Merkel-Flüchtlinge
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und Angela Merkel.
Foto: Tobias Koch / Wikipedia (CC BY-SA 3.0 de)

Und so sieht der Deal aus: alle illegal nach Griechenland eingereisten Flüchtlinge werden in die Türkei gebracht – allerdings sieht der Deal vor, dass das nur für die ersten 72.000 Flüchtlinge gilt. Wird die Zahl von 72.000 Flüchtlingen überschritten, gilt der Deal als obsolet und muß neu verhandelt werden. In Kraft tritt die Vereinbarung am 21.März, also am Montag.

Die EU hat der Türkei angeboten, die im November zugesagten drei Milliarden Euro auf dann sechs Milliarden Dollar zu verdoppeln, sobald die Gelder aufgebraucht sind. Grundsätzlich sieht die Vereinbarung vor, dass pro von Griechenland in die Türkei zurückgeführten Flüchtling ein syrischer Flüchtling von der EU aus der Türkei aufgenommen wird. Unklar bleibt aber völlig, wohin dieser syrische Flüchtling dann gebracht wird in Europa – mangels Alternative wohl nach Deutschland, weil die Chance auf eine Einigung über die Verteilung von Kontingenten gegen Null tendiert. Unklar bleibt auch, ob Griechenland (tausende Kilometer an zu überwachender Küste) und die Türkei die damit einhergehenden logistischen Probleme lösen können (Erfassung, Transport etc.).

Für Angela Merkel ist das zunächst einmal ein Erfolg. Sie ist in ihrer politischen Karriere zwei Mal Risiken eingegangen: das erste Mal mit ihrer Forderung, dass Kohl den Ehrenvorsitz der CDU aufgeben müsse aufgrund der Spendenaffäre. Und das zweite Mal eben in der Flüchtlingskrise, als sie anders als zumeist ihr Fähnchen nicht nach dem Wind richtete, sondern mit fester Überzeugung und vollem Risiko ihre Position verteidigte.

Der innenpolitische Tsunami in Deutschland nach den Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt mit dem Aufstieg der AfD könnte damit abebben. Nicht wirklich im Bewußtsein der Deutschen angekommen ist, dass seit Wochen praktisch keine neuen Flüchtlinge mehr in Deutschland ankommen – eben weil die Balkan-Route geschlossen ist aufgrund der Initiative Österreichs. Die Entscheidung der österreichischen Regierung wird von der deutschen Bundesregierung zwar scharf kritisiert, faktisch aber schlägt Merkel daraus enormes politisches Kapital.

Sollte der Türkei-Deal nur einigermaßen funktionieren, könnte der rasante Aufstieg der AfD gestoppt sein – die Flüchtlings-Thematik würde mehr in den Hintergrund geraten und sich auf eher unschöne Bilder in der Türkei oder Griechenland beschränken, die aber gewissermaßen für die Deutschen weit weg stattfinden. Andere Routen der Flüchtlinge über den Kaukasus etwa sind unrealistisch, weil die osteuropäischen Länder die Flüchtlinge kaum „durchwinken“ dürften. Spanien ist sowieso gegenüber dem Süden dicht, bliebe nur Italien. Faktisch ist damit die Festung Europa Realität – ob man das gut findet oder eben nicht. Für Merkel haben sich die Chancen auf ihr politisches „Überleben“ deutlich verbessert..

11 Kommentare

11 Comments

  1. Avatar

    oscar

    18. März 2016 17:39 at 17:39

    netter kommentar, aber die menschen sind sich inzwischen mehrheitlich im klaren, dass sie von dieser machtmischpoke gnadenlos verarschet, manipuliert und belogen werden. so dreist, dass es dem dümmsten lemming klar ist. die „demokratische“ entmündigung und staatliche heuchelei, bespitzelung, gesetzes brüche ungehindert usw. will das volk nicht mehr.finazlügen, geld drucken, statistiken fälschen, ausbeutung, fremdalimentierung auf kosten der arbeitsleistung von generationen, leistungsgesellschafts gefasel mit ungezügelter ungebildeter einwanderung, migrationsproblem über jahre im land (38 schaffen die einfachsten schulabschlüsse nicht)…halllo gehts noch? sie glauben wirklich, das wollen die bürger? es will auch keine eurokraten diktatur. merkel hat eine verherende zeitbombe gelgt. sie vergessen dabei, dass sich erst alles am anfang befindet. währet den anfängen aber längst überschritten wurde. wer galubt denn noch dieses integrationsgeschwätz, diese facharbeiter lügen uns. usw. merkel war das schlimmste was d land passieren konnte. das ist leider die unveblümte situation. der“ plan“ ist ja noch nicht abgearbeitet……dieser kompromß ist die nächste elende mogelpackung sonst nichts. klar werden alle zensur verordneten lügenmedien polemische dauerbombardements loslassen, feiern und hipen. das haben sie bis dato eindrucksvoll bewiesen. es glaubt nur keiner mehr den müll !!! ach ja, die afd sind keine geistesverlustige dummköpfe gegenüber so manch „etabliertem“ schwätzer gegenüber !

  2. Avatar

    Steven

    18. März 2016 18:18 at 18:18

    Wenn man keine Ahnung hat …!
    41000 im Februar , nur in Bayern !

    https://www.muenchen.tv/durch-grenzschliessungen-nur-noch-wenige-hundert-fluechtlinge-pro-tag-nach-bayern-155475/

    BLEIBT BEI WIRTSCHAFT und FINANZEN!
    Bitte !!!

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      18. März 2016 18:54 at 18:54

      @Steven, sachlich bleiben! Der von Ihnen herangezogene Artikel als vermeintlicher Beleg Ihrer These stammt vom 01.März – die meisten Grenzschließungen erfolgten nachher. Dazu Wikipedia:

      „Nach dem Brüsseler EU-Türkei-Gipfel am 7./8. März 2016 haben Slowenien, Kroatien, Serbien und Mazedonien ihre Grenzen für Einreisende ohne Visum geschlossen. Für Flüchtende ist es damit seit dem 9. März 2016 praktisch unmöglich, auf der Balkanroute nach Zentraleuropa zu gelangen“.

      So kann man nicht argumentieren, wenn man die elementarsten Fakten nicht kennt, das muß ich in aller Klarheit sagen! Billigste Polemik!

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    Mr. Jones

    18. März 2016 19:12 at 19:12

    Kaukasus, sehr interessant. Damals haben die arabischen Islamisten schon mal versuch da herüber zu kommen, wurden aber von den Khasaren erfolgreich niedergeschlagen. Die ständigen Angriffe führten dazu das die Khasaren aus politischem Anlass (ca. 735 n.C.) zum Judentum (keine echten Juden) konvertierten. Das Reich der Khasaren wurde dann von den Russen im Jahr 1045 n.C. zerstört. 95% aller Juden auf der Welt sind Khasaren-Juden, also keine richtigen Juden. Merkel ist Jüdin, aber nicht wirklich, sie stammt den Khasaren-Juden ab. Da sind noch einige andere, die Rothschilds, die Warburg, die Kuhn Loeb, die Rockefeller (Neuwied), usw. Das heißt vor allem das der Kaukasus Rückzuggebiet für gemachte Probleme ist und wohl kaum eine Chance für Flüchtlinge besteht. Die könnten ja glatt die verschwundenen Goldreserven finden und was die sonst so noch erleben würden wenn sie den Kaukasus überqueren. Das darf nicht passieren.

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      18. März 2016 19:16 at 19:16

      @Jochfran, ziemlich abenteuerlich Ihre Thesen! Ich war in einem „früheren Leben“ Historiker mit Spezialisierung auf jüdische Geschichte – und kann Ihnen sagen, dass das absoluter Unfug ist mit den von Ihnen vorgebrachten Khasaren-Juden, die angeblich 95% aller Juden stellen. Und dass Merkel angeblich von den Khasaren abstammen soll, ist ja noch abenteuerlicher – wo ist dafür ein Beleg?

      • Avatar

        Mr. Jones

        18. März 2016 19:33 at 19:33

        • Markus Fugmann

          Markus Fugmann

          18. März 2016 19:41 at 19:41

          @Jochfran, dieses Video ist der reinste Bullshit! Faktisch Nazi-Propganda – und das halten Sie für die „reinste Wahrheit“??
          Der zweite Text ist pro-palästinensisch, was legitim ist – aber die darin vorgebrachten Schlußfolgerungen sind sachlich falsch und unterliegen einer rein politisch motivierten These, die sich der Historie als vermeintliche Legitimation bedient!

          • Avatar

            Mr. Jones

            18. März 2016 19:52 at 19:52

            @Herr Fugmann

            Ich entschuldige mich für diesen Fehltritt, kommt nicht wieder vor.

          • Markus Fugmann

            Markus Fugmann

            18. März 2016 20:25 at 20:25

            @Jochfran, Entschuldigung angenommen..

  4. Avatar

    Benedikt

    19. März 2016 14:44 at 14:44

    Realistisch gesehen wird die Flüchtlingskarawane jetzt nicht erst an der Griechisch Mazedonischen Grenze aufgehalten, sondern die stecken schon auf den Griechischen Inseln fest. Die Griechen werden die nicht aufs Festland bringen und die Türken werden auch die Rückführung blockieren. Das einfache Massengeschäft mit den Griechischen Inseln ist damit für die Schlepper tot. Flüchtlinge mit mehr Geld werden sich halt Schleppungen über längeren Routen leisten können. Wie z.B. über Ukraine einreisen und dann Illegal die Grenze zu einen Schengen Staat überqueren, oder eine kurze Seefahrt nach Bulgarien mit langen Landweg nach Deutschland.

  5. Avatar

    Jörg

    20. März 2016 17:16 at 17:16

    @Markus Fugmann, 18. März 2016 19:16 um 19:16 :
    Ich habe mir jetzt die Videos vom user Mr. Jones nicht angesehen (und auch keine Lust dazu).
    Aber daß die meisten, die rassistisch als „Juden“ bezeichnet werde (z. B. von Nazi) oder sich im Rassewahn rassistisch selbst so bezeichnen (z. B. Zionisten) nicht hebräischer sondern chasarischer Abkunft sind (beide Bezeichnungen „Khasaren“ wie „Chasaren“ sind gebräuchlich), kann nicht zweifelhaft sein.
    Während man sich auf die vorliegenden genetische Analysen kaum verlassen kann, da die politische Hitzigkeit des Themas hier geradezu zu Fälschungen oder zu unlauteren (und überprüfbaren) Selektionen (welche Personengruppe wurde zugrundegelegt? Nach welchen Auswahlkriterien? Wie viele Personen wurden genetisch untersucht?) der Testpersonen einlädt, sollte man diese unbeachtet lassen. Da hier heftige Emotionen und bohrende politische Interessen am Werk sind, müßte man angeblichen Befunden sowieso stets mißtrauen.

    Aber diese genetischen Befunde brauchen wir auch nicht, wenn wir nur die Vernunft verwenden: In der Zeit besonders um 100 n. Chr. herum verließen viele Hebräer Palästina. Das ist nicht die “Diaspora”, weil man als solche nur die Verschleppung nach Babylon bezeichnen kann (siehe dazu: http://www.darwin-jahr.de/evo-magazin/babylonische-schoepfungsmythosf4cb?page=0,2&%24Version=1&%24Path=%2F ). Und diese damaligen Emigranten kommen als einzige als Vorfahren der heutigen Personen in Frage, die – unabhängig von ihrer Religion – von anderen rassistisch als “Juden” bezeichnet werden oder, wie gerade die Zionisten, sich selbst rassistisch so bezeichnen.
    Diese aus Palästina emigrierenden Hebräer wanderten damals allein in den Iran, nach Nordafrika, nach Griechenland/Ostrom/Byzanz, nach Italien, Spanien und Portugal aus. Ganz wenige auch nach Gallien/Frankreich und ein ganz, ganz paar (aber ich glaube viel später als 100 n. .Chr.) wanderten in eine Gegend des heutigen Süddeutschland. aus.
    Niemand, wirklich niemand wanderte damals ins heutige Osteuropa – zu den Skythen (wandernde Herdenleute!) – aus. Was hätten sie da auch wollen und wie hätten sie da existieren und sich ernähren können? Und das Chasarenreich existierte ja auch noch nicht, sondern erst etwa ein halbes Jahrtausend später!

    Wenn man aber heute von einem bekannten US-Bürger hört (z. B. einem Politiker, Künstler usw.) und bei Wikipedia nachguckst, dann findet man nicht selten einen Hinweis auf eine sog. “jüdische” Herkunft. Und fast immer auch eine genauere Bezeichnung wie “Eltern/Großeltern wanderten aus “Rußland” “Polen” “Rumänien” … “Baltikum” … Deutschland” ein”. Ein Beispiel wäre Bob Dylan (Vorfahren aus Rußland). Nie, nie, nie habe ich bei ungezahlten Malen des Nachguckens auf Wikipedia bei einem Hinweis auf sog. “jüdische” Eltern/Großeltern den weiteren Hinweis gefunden “wanderten aus “Tunesien” …”dem Iran”… “Indien” … “Spanien”… “Portugal” …”Italien” ein.
    Auch z. B. die Familie der von mir geschätzten Rosa Luxemburg (deren politischen Ansichten ich allerdings nicht teile.) kam aus …… Polen!

    Die unvergleichlich viel größere Anzahl von (rassistisch) “Juden” in Osteuropa (zumindest noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrh.) im Vergleich zu anderen Regionen der Welt weißt bereits die Richtigkeit der Chasaren-Theorie nach.
    Auch als der „Alte Dessauer“ viele Juden ausdrücklich zur Einwanderung in sein Fürstentum einlud kamen diese … aus dem Osten (Rußland, Polen, Ukraine) – nicht aus dem Westen (Portugal, Spanien) oder Süden (Italien, Tunesien, Iran, Indien usw.).
    Auch eine (denkbare) Wanderungsbewegung der Hebräer ab ca. 700 n. Chr. in das Chasarenreich hat e geschichtlich nie gegeben.

    Was die dummen Nazis (und die ihnen vorangehenden europäischen Rassisten) auch nicht wußten, ist, daß diejenigen die sie (rassisch) als “Juden” bezeichneten, tatsächlich nie “semitischer Rasse” waren, sondern praktisch ausnahmslos Nachfahren der “Chasaren”. Und die Chasaren waren ein Turkvolk (mit iranischem Anteil) und gerade keine “Semiten”! Und wenn ihr euch anseht, wo das Chasaren-Reich lag (https://de.wikipedia.org/wiki/Chasaren ), dann wird deutlich warum die Nazis gerade in Rußland, der Ukraine, Polen und im Baltikum so viele “Juden” ermorden konnten. Die alten Hebräer, die Judäa verließen, gingen ins (heutige) Italien, Spanien, Portugal – aber niemals in die damals völlig “barbarische” Gegend des nordöstlichen schwarzen Meeres, wo sie wie die “Skythen” hätten leben müssen

    Ich verwende den Begriff „Jude/Jüdin“ nur für Anhänger des hebräischen Glaubens, weil alles andere rassistisch (Nazi, Zionisten) wäre. Skandalöser Weise wird ausgerechnet in Deutschland der rassistische (Nazi-)Begriff „Jude“ schamlos weiterverwand – sowohl von Neonazis, wie von diesen selbsternannten „Holcaust-Verstehern“, wie auch von vielen platten BRD-Bürgern. Meine harsche Kritik an dieser bis heute ungebrochenen Weiterführung diese rassistischen Gedenken“gut“s, kann man hier lesen (pdf-Datei): http://s1.directupload.net/images/140420/6nwcywgy.pdf .

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15 Prozent der Unternehmen in Deutschland sehen Ihre Existenz bedroht

Claudio Kummerfeld

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Zahnräder in Goldfarbe

Laut aktuellen Umfragedaten des ifo-Instituts sehen 15 Prozent der deutschen Unternehmen die Coronakrise als existenzbedrohend an. Aber gegenüber Juni ist dies eine Verbesserung, denn da waren es noch 21 Prozent. Gleichwohl fühlen sich derzeit 86 Prozent der Reisebüros und-veranstalter bedroht, 76 Prozent der Hotels und 62 Prozent der Gaststätten. Weitere Details von ifo im Wortlaut:

In der Werbebranche sehen sich 27 Prozent gefährdet, bei Speditionen knapp 14 Prozent. Die IT-Dienstleister mit 5 Prozent und die Rechts-und Steuerberater sind mit 3 Prozent am unteren Ende der Skala. Im Schnitt betrifft die Existenzgefährdung die Dienstleister zu 19 Prozent (Juni: 27 Prozent). Im Handel sind es 14 Prozent (Juni: 18 Prozent), dabei derzeit im Einzelhandel 18 und im Großhandel 10 Prozent.

Die Industrie verzeichnet einen Wert von 11 Prozent, im Juni waren es noch 17 Prozent. Besonders betroffen sind derzeit die Metallerzeuger und –verarbeiter mit 34 Prozent, die Druckereien mit 29 Prozent, die Getränkehersteller mit 22 Prozent, die Textilbranche mit 20 Prozent und die Bekleidungsindustrie mit 18. Wenig betroffen fühlen sich die Chemie mit 1 Prozent und die Pharmabranche mit 0 Prozent.

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Coronakrise: Die Sparneigung der Deutschen nimmt zu

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Bildnachweis: Pixabay, 1756279, loufre

Die Folgen der Corona-Pandemie haben bei vielen Arbeitnehmern und Selbstständigen zu finanziellen Einbußen geführt. Knapp 700.000 Menschen verloren nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit ihren Job, mehr als sieben Millionen Menschen waren oder sind in Kurzarbeit. Und viele Selbstständige können ihrer Tätigkeit aufgrund der coronabedingten Auflagen gar nicht mehr oder nur in begrenztem Umfang nachgehen.

Wie eine Umfrage von Creditreform ergab, mussten bereits Ende August hochgerechnet rund 15,5 Millionen Haushalte in Deutschland finanzielle Einbußen hinnehmen. Rund drei Viertel der betroffenen Haushalte fehlten bis zu 30 Prozent ihres regulären Einkommens. Daher befürchtet auch knapp ein Drittel der Umfrageteilnehmer, sich in naher Zukunft verschulden zu müssen, um allen finanziellen Verpflichtungen nachkommen zu können.

23 Millionen Haushalte in Deutschland sparen mehr als vor der Krise

Die Folge dieser finanziellen Unsicherheit: Die Deutschen ändern ihr Konsumverhalten und sparen deutlich mehr als vor der Krise. Und das gilt nicht nur für die, denen aufgrund von Einkommensverlusten gar nichts anderes übrig bleibt, als besser zu wirtschaften. Laut der Creditform-Umfrage geben hochgerechnet knapp 23 Millionen Haushalte weniger Geld für den Konsum und die Lebenshaltung aus. Vor allem an Freizeit und Urlaubsreisen, Bekleidung sowie Schmuck wird gespart.

Und auch nach einer Analyse des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) ist die Sparquote der privaten Haushalte nach der ersten Viruswelle immens gestiegen. Danach werden die Deutschen Ende 2020 in diesem Jahr mehr als 21 Prozent ihres verfügbaren Einkommens zurückgelegt haben. 2019 lag die Sparquote noch bei knapp elf Prozent.

Zinsniveau unverändert niedrig

Dabei bringt das klassische Sparen schon seit Jahren kaum noch Zinsen ein. Doch das stört die Deutschen offenbar nicht – im Gegenteil: Immer mehr Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Verbraucher sogar mehr zurücklegen, um die fehlenden Zinsen und Zinseszinsen zu kompensieren. Und das immer noch hauptsächlich in Form von Bankeinlagen oder mit Hilfe von Versicherungspolicen.

Das Sparen mit Wertpapieren ist bei den Deutschen weiterhin unbeliebt: Über Investmentfonds, Aktien, Anteilsrechte oder Schuldverschreibungen verfügen nach BVR-Angaben nur 23 Prozent der Deutschen. Dabei ließen sich mit Wertpapieren wesentlich höhere Renditen erzielen. Die Risiken blieben überschaubar, wenn das Investment breit gestreut und langfristig ausgelegt würde. Zum Vergleich: In Schweden und Finnland investieren die Sparer rund die Hälfte ihres Kapitals in Wertpapiere.

Beratung bei der Anlagestrategie

Verbraucher, die Hilfe bei ihrer Anlagestrategie benötigen, sind gut beraten, einen oder mehrere Experten hinzuzuziehen. Denn ohne Kenntnisse des Finanzmarktes steigt das Risiko einer falschen Investition erheblich. Ob bei der eigenen Hausbank oder Finanzdienstleistern wie tecis oder MLP – wichtig ist, dass nicht nur die kurzfristige Gewinnorientierung im Fokus steht, sondern auch die Altersvorsorge und Risikoabsicherung. Dann können die Sparmaßnahmen langfristig zu einem schönen finanziellen Polster führen.

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Aktienmärkte: Die Jungen entdecken die Aktie – und zocken

Ist die Hinwendung vor allem der jüngeren Generation zum Anlagevehikel Aktie ein Trend – oder eher ein Warnzeichen für die Aktienmärkte?

Wolfgang Müller

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Die Aktienmärkte haussieren, und das bleibt nicht ohne Folgen. Das Corona-Jahr 2020 mit Covid-19 hat viele Veränderungen ins Alltagsleben der Menschen gebracht. Zwangsläufig mit vielen Aktivitäten, die mit „Home“ beginnen. Auch hatte mancher Zwangsaufenthalt in den vier eigenen Wänden dafür gesorgt, dass viele und vor allem junge Privatanleger den Weg an die Aktienmärkte fanden. Angelockt durch zahlreiche Erfolgsmeldungen über die sozialen Medien, vermutlich initiiert durch die RobinHooder aus den USA. Ein Trend, der von Dauer ist?

Aktienmärkte: Corona und der Anstieg der Zahl der Aktionäre

Die Internetblase im Jahr 2000 und der folgende Jahrhunderteinbruch des Dax (- 72 Prozent) haben lange Jahre Spuren hinterlassen. Während es nach den Daten des Deutschen Aktieninstituts im Jahre 2001 noch 12,85 Millionen Aktionäre in Deutschland gab, pendelte der Wert seit Jahren nur noch an der 10-Millionen-Marke. 2019 war die Zahl der Anleger noch einmal zurückgegangen, 9,7 Millionen direkte Aktionäre in Deutschland.

Jetzt kam die Coronakrise, die einen Boom beim Aktienhandel durch die Privatanleger ausgelöst hat. „Retail Bros“, oder Handelsbrüder, hat die englische „Financial Times“ die neuen Anleger genannt. Seit Längerem gibt es eine „Crypto Bros“, das Pendant mit Kryptowährungen.

Der Trend, der aus den USA herüberschwappt

Der Name ist in der Finanzberichterstattung in aller Munde: Robinhood, ein ehemaliges Start-up aus Kalifornien, welches in den vergangenen Monaten einen Boom verstärkt hat. Der Broker hat bereits über 13 Millionen Kunden, von denen drei Millionen allein seit Anfang des Jahres bis Herbst dazu kamen. Bemerkenswert: Die Hälfte der neuen Kunden sind Aktienneulinge. Star der Szene ist David Portnoy, Inhaber des Sport-Blogs Barstool Sports, der mit seinen superoptimistischen Börsentweets (Aktien und Aktienmärkte würden immer steigen etc.) eine ganze Community antreibt. Hinzu kommt die Entwicklung zum nahezu kostenlosen Börsenhandel, durch E-Trade und Schwab weiter vorangetrieben. So haben manche Arbeitslose ihre 600 Dollar-Wochen-Schecks zum Zocken eingesetzt.

Der Anstieg der Online-Depots in Deutschland

Eine Studie von Comdirekt, Consorsbank und ING zeigte eine deutliche Zunahme der Zahl der Aktionäre unter 25 Jahren. Viele junge handeln auch auf Plattformen wie dem Handybroker Trade Republic. Kaufgebühren von einem Euro pro Trade oder gebührenfreie Sparpläne haben schon zu sechsstelligen Kundenzahlen geführt.

Auch die klassischen Onlinebroker profitieren davon. Konkret wurde die Comdirect, die mit 232.000 neuen Kunden innerhalb der ersten neun Monate vom größten Depot-Wachstum seit 20 Jahren spricht.

Der Vormarsch der Jungen

Wie bereits erwähnt, sind es vor allem die ganz jungen deren Interesse für die Aktienmärkte gewachsen ist, wie die Studie aufzeigt. Nach 26 Prozent, der unter 25-jährigen, die im vergangenen Jahr die Aktienanlage nutzen, sind es derzeit bereits 39 Prozent. Die Steigerung gegenüber 2017 beträgt sogar 22 Prozent. Aber auch bis zur Generation Ü 50 hat sich die Zahl der Aktionäre gesteigert. Was die Börsenplätze sicherlich erfreut, dürfte nicht unbedingt für die herkömmlichen Geschäftsbanken gelten. Denn der Drang zu Online- und Discountbrokern ist unübersehbar.

Ein schnelles Hin und Her

Noch etwas zeichnet die neue Generation Börsianer aus. Die Haltedauer von Aktien ist so kurz wie nie. In den USA lag diese im Sommer diesen Jahres gerade noch bei circa fünfeinhalb Monaten, im letzten Jahr hatte sie noch achteinhalb Monate betragen. Ein Trend, der schon seit Jahrzehnten zu beobachten ist. Aus Daten der New Yorker Börse zeigt sich, dass man vor dem Jahrhundertwechsel Aktien noch durchschnittlich 14 Monate im Depot vor einer Umschichtung beließ. Die Ausnahme:

Nach der Finanzkrise von 2008 wurde das bisherige Haltetief von sechs Monaten erreicht. Krisen beschleunigen anscheinend das Handeln von Wertpapieren.

Wie könnte es anders sein: Auch in Europa ist die gleiche Aktientendenz zu beobachten. Hier ging den Erhebungen zufolge die Haltedauer von Aktien von sieben Monaten zum Jahresende 2019 sogar auf weniger als fünf Monate zurück.

Kein Vergleich mit dem Verhalten des Langfristinvestors Warren Buffett, der seinen Titeln bisher im Schnitt 11 Jahre die Treue hält, auch folgt ein Teil der jungen Generation nicht dem Rat der ungarischen Börsenlegende Kostolany: „Aktien kaufen und dann schlafenlegen.“

Allerdings gibt es heutzutage auch den großen Trend zu langfristigen Sparplänen, monatliche Einzahlungen kleinerer Investmentsummen für die Altersvorsorge. Beides wurde möglich durch eine ganz andere Gebührenstruktur. Zocken zum Nulltarif, nicht nur bei Aktien und Optionen, selbst bei Staatsanleihen oder Junk-Bonds hat sich die Umlaufgeschwindigkeit der Papiere deutlich erhöht.

Wird das eine erhöhte Rendite bringen? Vielleicht kurzfristig im besonderen Jahr 2020. Ältere Börsenexperten sind davon überzeugt, dass die Masse der Anleger durch das Hin und Her auf keine durchschnittliche Rendite von acht Prozent pro Jahr kommen wird. Das Ergebnis sollte Volatilität sein, also ein größeres Auf und Ab in den Märkten mit Vielen, die teuer kaufen und dann billig wieder aussteigen.

Fazit

Ist es ein Trend in Deutschland, die Hinwendung vor allem der jüngeren Generation zum Anlagevehikel Aktie, oder eher ein Warnzeichen für die Aktienmärkte mit dem Vergleich zur Internetblase des Jahres 2000? Damals gab es es Tausende von neuen und noch unerfahrenen Daytradern, die glaubten mit dem raschen Handel reich werden zu können. Das Ergebnis ist bekannt. Es gibt aber einen großen Unterschied zur Gegenwart. Damals warf eine 10-jährige Bundesanleihe fast noch das ganzen Jahr über Renditen von über fünf Prozent ab, selbst Lebensversicherungen waren noch attraktiv. Anders die Gegenwart. Wie soll langfristig ein Kapitalstock aufgebaut werden in dem jetzigen Zinsumfeld? Bei einem vermutlich noch länger anhaltenden Zustand der finanziellen Repression. Selbst wenn die Zinsen über die 0-Prozent-Marke stiegen, wäre dies wahrscheinlich einer gestiegenen Teuerungsrate geschuldet.

Es ist also mehr als notwendig, sich mit dem Kapitalmarkt zu beschäftigen, nicht so sehr mit Hebelprodukten auf Tesla oder FANGMAN-Aktien, sondern eher mit langweiligen Sparplänen. Nach dem wundersamen Jahr 2020 mit den vielen Home-Aktivitäten (Home Office, Home Schooling, Home Shopping, Home Banking) sollte es beim aggressiven Home Trading der RobinHoodies zunächst einmal einen schmerzhaften Ausleseprozess geben.

Die Jungen entdecken die Aktienmärkte

 

 

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