Folgen Sie uns

Allgemein

Merkel bekommt ihren Türkei-Deal – was sind die Folgen?

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Angela Merkel hat ihren Türkei-Deal bekommen. Vor wenigen Minuten wurde bestätigt, zunächst durch den finnischen Premierminister, dass die EU sich mit der Türkei geeinigt hat.

Schäuble-Merkel-Flüchtlinge
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und Angela Merkel.
Foto: Tobias Koch / Wikipedia (CC BY-SA 3.0 de)

Und so sieht der Deal aus: alle illegal nach Griechenland eingereisten Flüchtlinge werden in die Türkei gebracht – allerdings sieht der Deal vor, dass das nur für die ersten 72.000 Flüchtlinge gilt. Wird die Zahl von 72.000 Flüchtlingen überschritten, gilt der Deal als obsolet und muß neu verhandelt werden. In Kraft tritt die Vereinbarung am 21.März, also am Montag.

Die EU hat der Türkei angeboten, die im November zugesagten drei Milliarden Euro auf dann sechs Milliarden Dollar zu verdoppeln, sobald die Gelder aufgebraucht sind. Grundsätzlich sieht die Vereinbarung vor, dass pro von Griechenland in die Türkei zurückgeführten Flüchtling ein syrischer Flüchtling von der EU aus der Türkei aufgenommen wird. Unklar bleibt aber völlig, wohin dieser syrische Flüchtling dann gebracht wird in Europa – mangels Alternative wohl nach Deutschland, weil die Chance auf eine Einigung über die Verteilung von Kontingenten gegen Null tendiert. Unklar bleibt auch, ob Griechenland (tausende Kilometer an zu überwachender Küste) und die Türkei die damit einhergehenden logistischen Probleme lösen können (Erfassung, Transport etc.).

Für Angela Merkel ist das zunächst einmal ein Erfolg. Sie ist in ihrer politischen Karriere zwei Mal Risiken eingegangen: das erste Mal mit ihrer Forderung, dass Kohl den Ehrenvorsitz der CDU aufgeben müsse aufgrund der Spendenaffäre. Und das zweite Mal eben in der Flüchtlingskrise, als sie anders als zumeist ihr Fähnchen nicht nach dem Wind richtete, sondern mit fester Überzeugung und vollem Risiko ihre Position verteidigte.

Der innenpolitische Tsunami in Deutschland nach den Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt mit dem Aufstieg der AfD könnte damit abebben. Nicht wirklich im Bewußtsein der Deutschen angekommen ist, dass seit Wochen praktisch keine neuen Flüchtlinge mehr in Deutschland ankommen – eben weil die Balkan-Route geschlossen ist aufgrund der Initiative Österreichs. Die Entscheidung der österreichischen Regierung wird von der deutschen Bundesregierung zwar scharf kritisiert, faktisch aber schlägt Merkel daraus enormes politisches Kapital.

Sollte der Türkei-Deal nur einigermaßen funktionieren, könnte der rasante Aufstieg der AfD gestoppt sein – die Flüchtlings-Thematik würde mehr in den Hintergrund geraten und sich auf eher unschöne Bilder in der Türkei oder Griechenland beschränken, die aber gewissermaßen für die Deutschen weit weg stattfinden. Andere Routen der Flüchtlinge über den Kaukasus etwa sind unrealistisch, weil die osteuropäischen Länder die Flüchtlinge kaum „durchwinken“ dürften. Spanien ist sowieso gegenüber dem Süden dicht, bliebe nur Italien. Faktisch ist damit die Festung Europa Realität – ob man das gut findet oder eben nicht. Für Merkel haben sich die Chancen auf ihr politisches „Überleben“ deutlich verbessert..

11 Kommentare

11 Comments

  1. Avatar

    oscar

    18. März 2016 17:39 at 17:39

    netter kommentar, aber die menschen sind sich inzwischen mehrheitlich im klaren, dass sie von dieser machtmischpoke gnadenlos verarschet, manipuliert und belogen werden. so dreist, dass es dem dümmsten lemming klar ist. die „demokratische“ entmündigung und staatliche heuchelei, bespitzelung, gesetzes brüche ungehindert usw. will das volk nicht mehr.finazlügen, geld drucken, statistiken fälschen, ausbeutung, fremdalimentierung auf kosten der arbeitsleistung von generationen, leistungsgesellschafts gefasel mit ungezügelter ungebildeter einwanderung, migrationsproblem über jahre im land (38 schaffen die einfachsten schulabschlüsse nicht)…halllo gehts noch? sie glauben wirklich, das wollen die bürger? es will auch keine eurokraten diktatur. merkel hat eine verherende zeitbombe gelgt. sie vergessen dabei, dass sich erst alles am anfang befindet. währet den anfängen aber längst überschritten wurde. wer galubt denn noch dieses integrationsgeschwätz, diese facharbeiter lügen uns. usw. merkel war das schlimmste was d land passieren konnte. das ist leider die unveblümte situation. der“ plan“ ist ja noch nicht abgearbeitet……dieser kompromß ist die nächste elende mogelpackung sonst nichts. klar werden alle zensur verordneten lügenmedien polemische dauerbombardements loslassen, feiern und hipen. das haben sie bis dato eindrucksvoll bewiesen. es glaubt nur keiner mehr den müll !!! ach ja, die afd sind keine geistesverlustige dummköpfe gegenüber so manch „etabliertem“ schwätzer gegenüber !

  2. Avatar

    Steven

    18. März 2016 18:18 at 18:18

    Wenn man keine Ahnung hat …!
    41000 im Februar , nur in Bayern !

    https://www.muenchen.tv/durch-grenzschliessungen-nur-noch-wenige-hundert-fluechtlinge-pro-tag-nach-bayern-155475/

    BLEIBT BEI WIRTSCHAFT und FINANZEN!
    Bitte !!!

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      18. März 2016 18:54 at 18:54

      @Steven, sachlich bleiben! Der von Ihnen herangezogene Artikel als vermeintlicher Beleg Ihrer These stammt vom 01.März – die meisten Grenzschließungen erfolgten nachher. Dazu Wikipedia:

      „Nach dem Brüsseler EU-Türkei-Gipfel am 7./8. März 2016 haben Slowenien, Kroatien, Serbien und Mazedonien ihre Grenzen für Einreisende ohne Visum geschlossen. Für Flüchtende ist es damit seit dem 9. März 2016 praktisch unmöglich, auf der Balkanroute nach Zentraleuropa zu gelangen“.

      So kann man nicht argumentieren, wenn man die elementarsten Fakten nicht kennt, das muß ich in aller Klarheit sagen! Billigste Polemik!

  3. Avatar

    Mr. Jones

    18. März 2016 19:12 at 19:12

    Kaukasus, sehr interessant. Damals haben die arabischen Islamisten schon mal versuch da herüber zu kommen, wurden aber von den Khasaren erfolgreich niedergeschlagen. Die ständigen Angriffe führten dazu das die Khasaren aus politischem Anlass (ca. 735 n.C.) zum Judentum (keine echten Juden) konvertierten. Das Reich der Khasaren wurde dann von den Russen im Jahr 1045 n.C. zerstört. 95% aller Juden auf der Welt sind Khasaren-Juden, also keine richtigen Juden. Merkel ist Jüdin, aber nicht wirklich, sie stammt den Khasaren-Juden ab. Da sind noch einige andere, die Rothschilds, die Warburg, die Kuhn Loeb, die Rockefeller (Neuwied), usw. Das heißt vor allem das der Kaukasus Rückzuggebiet für gemachte Probleme ist und wohl kaum eine Chance für Flüchtlinge besteht. Die könnten ja glatt die verschwundenen Goldreserven finden und was die sonst so noch erleben würden wenn sie den Kaukasus überqueren. Das darf nicht passieren.

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      18. März 2016 19:16 at 19:16

      @Jochfran, ziemlich abenteuerlich Ihre Thesen! Ich war in einem „früheren Leben“ Historiker mit Spezialisierung auf jüdische Geschichte – und kann Ihnen sagen, dass das absoluter Unfug ist mit den von Ihnen vorgebrachten Khasaren-Juden, die angeblich 95% aller Juden stellen. Und dass Merkel angeblich von den Khasaren abstammen soll, ist ja noch abenteuerlicher – wo ist dafür ein Beleg?

      • Avatar

        Mr. Jones

        18. März 2016 19:33 at 19:33

        • Markus Fugmann

          Markus Fugmann

          18. März 2016 19:41 at 19:41

          @Jochfran, dieses Video ist der reinste Bullshit! Faktisch Nazi-Propganda – und das halten Sie für die „reinste Wahrheit“??
          Der zweite Text ist pro-palästinensisch, was legitim ist – aber die darin vorgebrachten Schlußfolgerungen sind sachlich falsch und unterliegen einer rein politisch motivierten These, die sich der Historie als vermeintliche Legitimation bedient!

          • Avatar

            Mr. Jones

            18. März 2016 19:52 at 19:52

            @Herr Fugmann

            Ich entschuldige mich für diesen Fehltritt, kommt nicht wieder vor.

          • Markus Fugmann

            Markus Fugmann

            18. März 2016 20:25 at 20:25

            @Jochfran, Entschuldigung angenommen..

  4. Avatar

    Benedikt

    19. März 2016 14:44 at 14:44

    Realistisch gesehen wird die Flüchtlingskarawane jetzt nicht erst an der Griechisch Mazedonischen Grenze aufgehalten, sondern die stecken schon auf den Griechischen Inseln fest. Die Griechen werden die nicht aufs Festland bringen und die Türken werden auch die Rückführung blockieren. Das einfache Massengeschäft mit den Griechischen Inseln ist damit für die Schlepper tot. Flüchtlinge mit mehr Geld werden sich halt Schleppungen über längeren Routen leisten können. Wie z.B. über Ukraine einreisen und dann Illegal die Grenze zu einen Schengen Staat überqueren, oder eine kurze Seefahrt nach Bulgarien mit langen Landweg nach Deutschland.

  5. Avatar

    Jörg

    20. März 2016 17:16 at 17:16

    @Markus Fugmann, 18. März 2016 19:16 um 19:16 :
    Ich habe mir jetzt die Videos vom user Mr. Jones nicht angesehen (und auch keine Lust dazu).
    Aber daß die meisten, die rassistisch als „Juden“ bezeichnet werde (z. B. von Nazi) oder sich im Rassewahn rassistisch selbst so bezeichnen (z. B. Zionisten) nicht hebräischer sondern chasarischer Abkunft sind (beide Bezeichnungen „Khasaren“ wie „Chasaren“ sind gebräuchlich), kann nicht zweifelhaft sein.
    Während man sich auf die vorliegenden genetische Analysen kaum verlassen kann, da die politische Hitzigkeit des Themas hier geradezu zu Fälschungen oder zu unlauteren (und überprüfbaren) Selektionen (welche Personengruppe wurde zugrundegelegt? Nach welchen Auswahlkriterien? Wie viele Personen wurden genetisch untersucht?) der Testpersonen einlädt, sollte man diese unbeachtet lassen. Da hier heftige Emotionen und bohrende politische Interessen am Werk sind, müßte man angeblichen Befunden sowieso stets mißtrauen.

    Aber diese genetischen Befunde brauchen wir auch nicht, wenn wir nur die Vernunft verwenden: In der Zeit besonders um 100 n. Chr. herum verließen viele Hebräer Palästina. Das ist nicht die “Diaspora”, weil man als solche nur die Verschleppung nach Babylon bezeichnen kann (siehe dazu: http://www.darwin-jahr.de/evo-magazin/babylonische-schoepfungsmythosf4cb?page=0,2&%24Version=1&%24Path=%2F ). Und diese damaligen Emigranten kommen als einzige als Vorfahren der heutigen Personen in Frage, die – unabhängig von ihrer Religion – von anderen rassistisch als “Juden” bezeichnet werden oder, wie gerade die Zionisten, sich selbst rassistisch so bezeichnen.
    Diese aus Palästina emigrierenden Hebräer wanderten damals allein in den Iran, nach Nordafrika, nach Griechenland/Ostrom/Byzanz, nach Italien, Spanien und Portugal aus. Ganz wenige auch nach Gallien/Frankreich und ein ganz, ganz paar (aber ich glaube viel später als 100 n. .Chr.) wanderten in eine Gegend des heutigen Süddeutschland. aus.
    Niemand, wirklich niemand wanderte damals ins heutige Osteuropa – zu den Skythen (wandernde Herdenleute!) – aus. Was hätten sie da auch wollen und wie hätten sie da existieren und sich ernähren können? Und das Chasarenreich existierte ja auch noch nicht, sondern erst etwa ein halbes Jahrtausend später!

    Wenn man aber heute von einem bekannten US-Bürger hört (z. B. einem Politiker, Künstler usw.) und bei Wikipedia nachguckst, dann findet man nicht selten einen Hinweis auf eine sog. “jüdische” Herkunft. Und fast immer auch eine genauere Bezeichnung wie “Eltern/Großeltern wanderten aus “Rußland” “Polen” “Rumänien” … “Baltikum” … Deutschland” ein”. Ein Beispiel wäre Bob Dylan (Vorfahren aus Rußland). Nie, nie, nie habe ich bei ungezahlten Malen des Nachguckens auf Wikipedia bei einem Hinweis auf sog. “jüdische” Eltern/Großeltern den weiteren Hinweis gefunden “wanderten aus “Tunesien” …”dem Iran”… “Indien” … “Spanien”… “Portugal” …”Italien” ein.
    Auch z. B. die Familie der von mir geschätzten Rosa Luxemburg (deren politischen Ansichten ich allerdings nicht teile.) kam aus …… Polen!

    Die unvergleichlich viel größere Anzahl von (rassistisch) “Juden” in Osteuropa (zumindest noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrh.) im Vergleich zu anderen Regionen der Welt weißt bereits die Richtigkeit der Chasaren-Theorie nach.
    Auch als der „Alte Dessauer“ viele Juden ausdrücklich zur Einwanderung in sein Fürstentum einlud kamen diese … aus dem Osten (Rußland, Polen, Ukraine) – nicht aus dem Westen (Portugal, Spanien) oder Süden (Italien, Tunesien, Iran, Indien usw.).
    Auch eine (denkbare) Wanderungsbewegung der Hebräer ab ca. 700 n. Chr. in das Chasarenreich hat e geschichtlich nie gegeben.

    Was die dummen Nazis (und die ihnen vorangehenden europäischen Rassisten) auch nicht wußten, ist, daß diejenigen die sie (rassisch) als “Juden” bezeichneten, tatsächlich nie “semitischer Rasse” waren, sondern praktisch ausnahmslos Nachfahren der “Chasaren”. Und die Chasaren waren ein Turkvolk (mit iranischem Anteil) und gerade keine “Semiten”! Und wenn ihr euch anseht, wo das Chasaren-Reich lag (https://de.wikipedia.org/wiki/Chasaren ), dann wird deutlich warum die Nazis gerade in Rußland, der Ukraine, Polen und im Baltikum so viele “Juden” ermorden konnten. Die alten Hebräer, die Judäa verließen, gingen ins (heutige) Italien, Spanien, Portugal – aber niemals in die damals völlig “barbarische” Gegend des nordöstlichen schwarzen Meeres, wo sie wie die “Skythen” hätten leben müssen

    Ich verwende den Begriff „Jude/Jüdin“ nur für Anhänger des hebräischen Glaubens, weil alles andere rassistisch (Nazi, Zionisten) wäre. Skandalöser Weise wird ausgerechnet in Deutschland der rassistische (Nazi-)Begriff „Jude“ schamlos weiterverwand – sowohl von Neonazis, wie von diesen selbsternannten „Holcaust-Verstehern“, wie auch von vielen platten BRD-Bürgern. Meine harsche Kritik an dieser bis heute ungebrochenen Weiterführung diese rassistischen Gedenken“gut“s, kann man hier lesen (pdf-Datei): http://s1.directupload.net/images/140420/6nwcywgy.pdf .

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Autoindustrie: Das Problem ist der Standort Deutschland

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Autoindustrie in Deutschland im Wandel

Steht die deutsche Autoindustrie vor einem Niedergang wie der Standort Detroit, die ehemalige Hochburg der Autoproduktion in den USA? Die Deutsche Bank (DB) hat ein hochinteressantes Research-Dokument dazu veröffentlicht. Darin wird die Branche nicht wirklich schlecht geredet. Aber schaut man genauer hin, geht es vor allem um den Standort Deutschland, der problematisch sein soll. Die deutsche Autoindustrie selbst sei relativ gut aufgestellt, aber eben nicht der Standort Deutschland. Vorab wollen wir aus der Analyse einige Aussagen erwähnen, was denn positiv am Standort Deutschland zu bewerten ist.

Der Automobilstandort Deutschland verfüge über außergewöhnliche Vorteile. Zu nennen sei vor allem die enge technologische und räumliche Verzahnung von Herstellern, industriellen Zulieferern, Ausrüstern (z.B. Maschinenbau), Entwicklungsdienstleistern, Logistikunternehmen sowie von universitären und sonstigen Forschungseinrichtungen. Von dieser vertikal integrierten Wertschöpfungskette sowie dem über Jahrzehnte gewachsenen Know-how der Beschäftigten könne der Standort zehren. Auch der intensive brancheninterne Wettbewerb war und ist ein Motor für stetige Innovationskraft und Produktivitätsfortschritte. Fasst man aber alle in der Analyse der DB skizzierten Faktoren zusammen, dann falle es jedoch schwer, die Zukunftsaussichten für den Automobilstandort optimistisch zu sehen.

Negative Standortfaktoren für die Autoindustrie in Deutschland

Negativ zu erwähnen hat die DB-Studie so einiges. Und dabei geht es überhaupt nicht um den Absturz während der Coronakrise, sondern um strukturelle Faktoren. Zum Beispiel würden strenge CO2-Grenzwerte für neue Pkw in der EU dazu führen, dass die Hersteller mehr Elektroautos auf den Markt bringen müssten. Der resultierende Kostenanstieg verschärfe den Strukturwandel in der Branche. Kaum jemand erwarte, dass die Netto-Bilanz dieses Strukturwandels für die Wertschöpfung und Beschäftigung der Automoindustrie in Deutschland positiv ausfallen wird.

Auch die Unsicherheiten hinsichtlich der Klima- und Energiepolitik hätten dazu beigetragen, dass der Kapitalstock in energieintensiven Branchen wie der Metallerzeugung oder der Chemieindustrie in Deutschland seit vielen Jahren sinke. Diese Sektoren zählen auch zur automobilen Wertschöpfungskette. Durch die Investitionszurückhaltung würden laut der Studie Teile dieser Kette geschwächt. Höhere Kosten kämen auf die Autoindustrie auch durch die geplante Verschärfung der europäischen Abgasnormen zu (Euro 7). Im Volumensegment dürfte der Kostenaufschlag pro Fahrzeug besonders ins Gewicht fallen. Dies setze die Produktion von „Autos für den Durchschnittsbürger“ in Hochlohnländern wie Deutschland, aber auch in Frankreich oder Italien unter Druck.

Bei klassischen Standortfaktoren wie der Steuerbelastung von Kapitalgesellschaften, Lohnhöhe oder der Flexibilität bei Arbeitszeiten habe sich Deutschlands Position laut der Studie der DB im internationalen Vergleich zuletzt eher verschlechtert. Auch die anhaltenden Handelskonflikte würden die Investitionsbereitschaft hemmen. Zudem ist die Pkw-Nachfrage im wichtigen westeuropäischen Absatzmarkt gesättigt. Schließlich bedeute die demografische Entwicklung eine Herausforderung, da sie zu einem sinkenden Erwerbspersonenpotenzial führe und die Nachfrage dämpft.

Angesichts der strukturellen Herausforderungen sei es fraglich, ob die früheren Produktionshöchststände am Standort Deutschland jemals wieder erreicht werden. Die DB befürchtet, dass es immer schwerer wird, eine konkurrenzfähige Produktion von Pkw im Volumensegment in Deutschland aufrechtzuerhalten. Der Anteil Deutschlands an der globalen, aber auch an der europäischen Autoproduktion könnte in den kommenden Jahren sinken. Ähnlich sei es der Autoindustrie im US-Bundesstaat Michigan (Detroit) ergangen, wo heute deutlich weniger Fahrzeuge gefertigt werden als zu Beginn des Jahrhunderts. Die deutsche Autoindustrie sei besser für die elektromobile Zukunft und andere strukturelle Herausforderungen der Branche gerüstet als der Automobilstandort Deutschland.

Autoindustrie wird sich anpassen – Standort mit Problem?

Wir wollen nur kurze und interessante Auszüge der DB-Studie zitieren. Zum Beispiel gehen wir nochmal auf den Detroit-Vergleich ein. Die DB sagt, dass dieser Vergleich vielleicht zunächst schockieren möge. Aber noch immer würden in Michigan viele Light Vehicles (LV) produziert. Allerdings waren es in den letzten Jahren etwa ein Drittel weniger Fahrzeuge als zu Beginn dieses Jahrhunderts. In der Folge ist der Anteil des Bundestaates an der gesamten LV-Produktion der USA von knapp 25 Prozent im Jahr 2000 auf deutlich weniger als 20 Prozent in den letzten Jahren gesunken. Profitiert hätten dagegen einige Südstaaten der USA, in denen auch deutsche Hersteller in neue Autofabriken investiert haben. Hohe Standortkosten in Michigan (z.B. Lohn- und Pensionskosten der angestammten Belegschaft) seien ein wesentlicher Grund für diese Verschiebung innerhalb der USA gewesen. Eine ähnliche Entwicklung sei für den Automobilstandort Deutschland nicht unwahrscheinlich. Auch in Deutschland könnten die Produktionszahlen der Branche dauerhaft unterhalb der früheren Niveaus verharren. Der Anteil Deutschlands nicht nur an der globalen, sondern auch an der europäischen Automobilproduktion drohe zu sinken.

Die DB-Studie geht an das gesamte Thema durchaus differenziert heran. Man schreibt die Branche nicht einfach pauschal ab. Unter dem Strich sei man davon überzeugt, dass die deutsche Autoindustrie besser für die „elektromobile“ Zukunft und andere strukturelle Herausforderungen der Branche gerüstet sei als der Automobilstandort Deutschland. Die Unternehmen könnten Standortentscheidungen frei treffen und sich im Laufe der Zeit anpassen, wenn sich die Rahmenbedingungen an einem Standort verschlechtern. Bei der Beurteilung der Zukunftsperspektiven des Standorts Deutschland würden aus heutiger Sicht jedoch die negativen Faktoren überwiegen. Bedauerlich dabei sei, dass ein Teil dieser Faktoren durch eine klimapolitische Regulierung begünstigt werde, die deutlich weniger effektiv als möglich und teurer als nötig sei.

Der Vorwurf an die deutsche Autoindustrie, technologische Trends zu verschlafen, werde auch beim Übergang zu E-Mobilität stetig wiederholt. Doch auch in diesem Fall sei er laut DB nicht pauschal zutreffend. Richtig sei, dass der Anteil deutscher Hersteller an den verkauften Elektroautos in vielen Märkten unter ihrem Marktanteil bei traditionellen Fahrzeugen liegt. Gleichwohl gleicht der Übergang vom Verbrennungsmotor zur E-Mobilität einem Langstreckenlauf und nicht einem Sprint. Kein Anbieter liege uneinholbar vorne. Zudem sei die Produktpipeline der deutschen Hersteller gut gefüllt. Die Deutschen seien eben lediglich später dran als manche Konkurrenten, aus Sicht der Autoren der Studie jedoch nicht zu spät.

weiterlesen

Allgemein

Biden sei dank: Märkte glauben an die große Rettung – Risiko war gestern

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Joe Biden tritt heute sein Amt als US-Präsident an. In Windeseile wird er sich offenkundig daran machen sein 1,9 Billionen US-Dollar schweres Stimulus-Paket durch den US-Kongress zu bekommen. Die dortige Mehrheit ist zwar hauchdünn. Aber die Märkte sind frohen Mutes. Woran man das sieht? Schauen wir auf den folgenden Chart im Tweet. Er zeigt die Rendite für US-Schrottanleihen (Junk Bonds). Dies sind Anleihen, bei denen das Ausfallrisiko besonders hoch ist. Da Anleger für ein hohes Risiko entschädigt werden wollen und müssen, erhalten sie höhere Renditen als Inhaber von (vermeintlich sicheren) Staatsanleihen. Die Rendite fungiert hier also als Risikoprämie.

Die Höhe der Risikoprämie zeigt an, für wie ausfallgefährdet der Markt diese Anleihen hält. Je höher die Rendite, desto höher ist in den Augen des Kapitalmarkts das Risiko, dass die begebende Firma dahinter pleite geht, und somit die Anleihe nicht zurückzahlen kann. Im Chart sehen wir seit dem Jahr 2010 den Verlauf der Rendite bei US-Schrottanleihen. Zum Start der Coronakrise im März 2020 schoss die Rendite von 5 Prozent auf über 11 Prozent in die Höhe. Und danach beruhigte sich die Lage wieder, aktuell auf nur noch 4,13 Prozent – ein Rekordtief! In den letzten Monaten kamen die Impfstoff-Hoffnungen auf. Und jetzt seit einigen Tagen wird der große Stimulus in den USA immer konkreter. Wie gesagt, Joe Biden wird heute vereidigt. Und wie seine neue Finanzministerin Janet Yellen gestern klar machte, wird man die US-Volkswirtschaft kräftig mit Geld fluten.

Und wie sie sagte, sei das kräftige Schuldenmachen im Augenblick wichtiger als der Blick auf eine zu hohe Staatsverschuldung. Die müsse man zwar später mit höheren Unternehmenssteuern wieder abbauen, aber kurzfristig müsse man sich stark neu verschulden und die Konjunktur anfeuern. Und ja, der Kapitalmarkt scheint fest daran zu glauben, dass somit die Schrottunternehmen weiterhin im Spiel bleiben, und ihre Schulden weiterhin bedienen können. Wenn nur genug frisches Geld vom Staat kommt, geht die Party also weiter? Dieser Chart zeigt es jedenfalls an. Die Risikoprämie sinkt immer weiter, auf wie gesagt ein Rekordtief von nur noch 4,13 Prozent.

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

Blick nach Deutschland

Aber schauen wir auch mal nach Deutschland. Hier sehen wir im folgenden Langfristvergleich seit dem Jahr 2010, wie die Rendite für deutsche Staatsanleihen immer weiter fällt, und der Dax (orange) immer weiter steigt. Das immer weiter sinkende Zinsniveau (in Deutschland dank hoher Bonität deutliche Negativrendite) treibt die Anleger in Aktien, Immobilien etc. Aktuell notieren die Aktienmärkte an ihren Allzeithochs. Heute hat auch der deutsche Staat mal wieder für 30 Jahre laufende Anleihen verkauft, mit einem Bruttovolumen von 1,5 Milliarden Euro. Die Nachfrage lag bei einem Volumen von 1,79 Milliarden Euro.

Und (wie gesagt 30 Jahre Laufzeit) die Emissionsrendite lag bei minus 0,13 Prozent, nach minus 0,06 Prozent im November. Immer weiter sinkende Zinsniveaus, immer mehr Stimulus – da wird die Lücke doch gut aufgefangen oder besser gesagt aufgefüllt, die Corona gerissen hat? Und diese Rettungsorgie wird vor allem in den USA kräftig weiter gehen, davon darf man ausgehen. Und so könnte man glatt sagen, dass „Risiko“ bei Anleihen irgendwas war, dass man mal kannte – aber heute gibt es das nicht mehr?

Chart zeigt Vergleich von Dax gegen Anleiherenditen

weiterlesen

Allgemein

Achtung: Korrektur voraus – Werbung

Avatar

Veröffentlicht

am

Werbung

Lieber Börsianer,

die Stimmung auf dem digitalen Börsenparkett ist prächtig. Wir haben überhaupt nicht genug Geld, um alle die großartigen Titel des internationalen Kurszettels kaufen zu können, so eine verbreitete Empfindung.

Das sind einige der Zutaten dieser Euphoriewelle, die bereits seit einigen Monaten über die Aktienmärkte hinwegrollt.

Fokussierung auf wenige Trendbranchen: Die Hausse verkürzt sich zunehmend auf einige wenige Titel aus einigen Trendbranchen wie Wasserstoff oder E-Mobilität. Das waren zuletzt etwa die Favoriten auf der Privatanleger-Plattform Tradegate: NEL ASA, Plug Power, Xiaomi, Tesla und Ballard Power.

Es ist ein Warnsignal, wenn eine Hausse nur noch auf den Schultern weniger Aktien liegt. Gesund ist eine Hausse immer dann, wenn sie von möglichst vielen Aktien aus unterschiedlichen Branchen getragen wird.

Kauf zu jedem Preis: Typisch ist dabei, dass die Anleger derzeit bereit sind, für eine „geile“ Aktie jeden Preis zu bezahlen. Die Bewertung interessiert nicht mehr, solange der Titel einer Trendbranche zuzurechnen ist. Typisch ist auch, dass man diese Aktien nicht erst in einer Woche haben will, sondern jetzt sofort. Folglich verzichten immer mehr Anleger auf die Bestimmung eines Kauflimits und fassen stattdessen billigst zu.

In der Folge erleben wir immer öfter prozentual zweistellige Kursanstiege auf Tagesbasis, ohne dass eine Nachricht aus dem Unternehmen vorliegt. Zu Deutsch: Die Kursanstiege sind in der Regel nicht mehr fundamental begründet.

Am Ende entsteht ein gewaltiger Sog, dem wir uns kaum noch entziehen können. Selbst Profis fallen dann um, werfen ihre bewährten Strategien über…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage