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Mersch (EZB): Märkte hatten „exzessive Fantasien“, Mehrheit in EZB gegen mehr QE

FMW-Redaktion

Der große Reigen der Rechtfertigungen von EZB-Mitgliedern nach der EZB-Sitzung mit den anschließenden Marktturbulenzen kommt in Gang: nachdem sich kürzlich EZB-Vize Constancio geäußert hatte, ist heute der Luxemburger Yves Mersch an der Reihe. Auch bei ihm lautet der Tenor: die Märkte hatten zu große Erwartungen, Mersch spricht gar von „exzessiven Fantasien“. Dass die EZB nun meint, sich wiederholt verteidigen zu müssen, liegt wohl daran, dass in den Banktürmen schlechte Stimmung herrscht gegenüber der europäischen Notenbank – man hat eine Menge Geld verloren am letzten Donnerstag. Und die EZB, so der Glaube in den Banktürmen, sei doch eigentlich der Garant zum Geldverdienen.

Es kam anders. Und Mersch erklärte heute in Frankfurt warum: so habe es Meldungen etwa über den dualen Einlagezins gegeben, „die nie eine Chance hatten, beschlossen zu werden“. Er selbst habe von diesen vermeintlichen Absichten der EZB aus den Medien erfahren. Oder etwa die in einigen Medien kolportierte Meldung, dass die EZB beabsichtige, Unternehmensanleihen zu kaufen:

„Wenn wir nach draußen gegangen wären und jedes Mal gesagt hätten, das ist nicht richtig, dann hätten wir keine Ratssitzung mehr gebraucht. Es war richtig, die Integrität der Institution zu wahren.“

Und Mersch weiter, den Blick offenkundig fest in Richtung der Frankfurter Bankken-Skyline gerichtet:

„Es ist nicht unsere Absicht, die Märkte unnötig bluten zu lassen“.

Nein, das kann man wohl der EZB nicht wirklich unterstellen. Was aber haben die Märkte falsch gemacht? Der Luxemburger macht die Fokussierung der Märkte auf einzelne Aussagen von EZB-Mitgliedern verantwortlich:

„Es wurde völlig unterschätzt, dass wir ein kollektives Entscheidungsgremium sind. Das sollte man auch für die Zukunft nicht vergessen.“

Er selbst sei übrigens unschuldig an diesen „exzessiven Fantasien“:

„Ich kann nur für mich selbst sprechen, und ich kann nicht erkennen, zu irgendeiner Erwartungssteigerung beigetragen zu haben“.

Für Nachdenklichkeit an den Märkten dürfte die Aussage Merschs sorgen, dass die „Deflationswahrscheinlichkeitsquote“ vor einem Jahr etwa doppelt so hoch gewesen sei wie aktuell – und deutete damit an, dass eine Mehrheit innerhalb der EZB derzeit nicht bereit sei, das Volumen des QE zu erhöhen. Das dürfte sich nur ändern, wenn Außergewöhnliches geschehe, so Mersch:

„Sollte der Himmel einstürzen, dann wären wir in der Lage, mit weiterer Akkommodation zu reagieren“.

Ein solcher Fall könnte etwa eintreten, wenn es zu Verwerfungen an den Märkten aufgrund der Zinahebung(en) durch die Fed komme:

„Ich glaube, dass die (Fed-)Entscheidung selbst größtenteils eingepreist ist. Wir haben aber auch gesehen, dass die Märkte empfindlich sind für andere Teile der begleitenden Kommunikation, und das kann man schwer absehen“.

Eine solche Maßnahme wäre auch die weitere Absenkung des Einlagezinses, aber:

„Wir haben keine Entscheidung darüber getroffen, was die absolute Untergrenze sein sollte. Wir sind uns aber wohl bewusst, dass negative Zinsen ein Thema sind, an das man nicht mit dem dicken Hammer herangehen kann“.



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1 Kommentar

  1. „Ich kann nur für mich selbst sprechen, und ich kann nicht erkennen, zu irgendeiner Erwartungssteigerung beigetragen zu haben“.

    übersetzt: „Ich habe mir selbst nichts vorzuwerfen.“ = sittenwidrige Selbstentschuldung. Welch ekelhafte Schmierlappen das alles sind.

    Aber wie war das doch gleich mit der Rechtfertigung, nach der keiner gefragt hatte?

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