Meta, Microsoft und Alphabet investieren in nie dagewesener Höhe in Künstliche Intelligenz (KI). Milliarden fließen in Datenzentren, Chips und Cloud-Infrastruktur – doch die Kostenexplosion lässt selbst erfahrene Investoren an der Wall Street zusammenzucken. Während die drei Konzerne auf eine KI-getriebene Zukunft setzen, fragen sich Analysten zunehmend, ob hier der nächste Technologiezyklus geboren wird – oder die nächste Blase. Die Aktien der großen Tech-Unternehmen geraten nach den Quartalszahlen unter Druck.
Tech-Giganten im KI-Fieber – Zweifel wachsen
Laut einem Bericht von Bloomberg gaben Meta, Microsoft und Alphabet (Google) im letzten Quartal gemeinsam 78 Milliarden US-Dollar aus – ein Anstieg von 89 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Großteil floss in Rechenzentren und Grafikprozessoren, die das Herzstück ihrer KI-Infrastruktur bilden. Trotz der enormen Summen hoben alle drei ihre Ausgabenprognosen weiter an.
Die Reaktion an der Börse fiel entsprechend nervös aus: Die Aktien von Meta und Microsoft verloren nachbörslich deutlich, nachdem beide Unternehmen ihre Quartalszahlen vorgelegt hatten. Meta warnte sogar, dass die Ausgaben im Jahr 2026 „deutlich höher“ ausfallen dürften als 2025. Während Google-Investoren gelassener reagierten – die Aktie stieg um mehr als sechs Prozent –, kehrte mit den Zahlen eine zentrale Frage zurück: Ist die KI-Euphorie bereits auf dem Weg zur Blase?
In einer Telefonkonferenz mit Führungskräften von Microsoft fragte Bernstein-Analyst Mark Moerdler, ob sie zuversichtlich seien, dass sich die Investitionen in KI auszahlen würden. Und dann sprach er aus, was viele dachten: „Oder befinden wir uns, offen gesagt, in einer Blase?“ Microsofts Finanzchefin Amy Hood konterte entschieden: Trotz massiver Investitionen könne das Unternehmen die Nachfrage nach KI-Diensten kaum decken. „Ich dachte, wir würden aufholen“, sagte sie. „Tun wir aber nicht. Die Nachfrage steigt weiter – und zwar überall.“
Microsoft bleibt im Investitionsmodus
Mit einer Beteiligung von 13 Milliarden Dollar an OpenAI hatte Microsoft den aktuellen KI-Boom maßgeblich ausgelöst. Der Ausbau der globalen Rechenzentren gilt als strategischer Schlüssel, um die Führungsrolle im KI-Wettbewerb zu behaupten. Dennoch überraschte der Softwarekonzern mit Investitionen auf Rekordniveau: 34,9 Milliarden Dollar im Septemberquartal.
Zwar wuchs der Umsatz der Cloud-Sparte Azure weiter kräftig, doch blieb die Dynamik hinter den Erwartungen zurück. Anleger hätten ein noch stärkeres Wachstum als Signal dafür gesehen, dass sich die milliardenschweren Ausgaben lohnen.
Alphabet (Google) hingegen präsentierte eine deutlich optimistischere Perspektive. Laut Finanzchefin Anat Ashkenazi zählt der KI-Assistent Gemini inzwischen 650 Millionen monatlich aktive Nutzer – ein Plus von 44 Prozent in nur drei Monaten. Zudem habe die Google-Cloud in den ersten neun Monaten 2025 mehr Milliardendeals abgeschlossen als in den beiden Vorjahren zusammen. Der Cloud-Umsatz stieg um 34 Prozent auf 15,2 Milliarden Dollar und übertraf damit die Erwartungen, was der Aktie zu einem Kurssprung verhalf.
Google wächst – Kosten auch
Trotz des Erfolgs steigen bei Google die Ausgaben weiter. Das Unternehmen rechnet für das laufende Jahr mit bis zu 93 Milliarden Dollar an Investitionen – deutlich mehr als die zuvor prognostizierten 85 Milliarden. Für 2026 kündigte Ashkenazi sogar eine „deutliche Steigerung“ an.
Am Donnerstag sollen die nächsten Impulse folgen: Dann legen Amazon und Apple ihre Quartalszahlen vor. Besonders spannend wird der Blick auf Amazons Cloud-Sparte AWS, die als Marktführer gilt und als Gradmesser für die gesamte KI-Industrie fungiert.
Von den drei berichtenden Konzernen zeichnete jedoch Meta das wohl beunruhigendste Bild. Neben einer einmaligen Steuerlast von 16 Milliarden Dollar kündigte das Unternehmen an, seine Investitionen im kommenden Jahr „deutlich schneller“ ausweiten zu wollen. Noch bleibt allerdings unklar, ob die steigenden Kosten tatsächlich in gleichem Maße Erträge generieren werden – der konkrete Nachweis für die Wirtschaftlichkeit der KI-Offensive steht bislang aus.
Meta setzt alles auf Risiko
Im Gegensatz zu Microsoft und Google ist Meta kein großer Cloud-Anbieter – was die hohen KI-Ausgaben riskanter macht. Während die Konkurrenten überschüssige Rechenleistung an externe Kunden verkaufen können, fehlt Meta dieser Ausgleich. Microsofts Auftragsbestand bei Unternehmenskunden belief sich zuletzt auf 392 Milliarden Dollar, jener von Google auf 155 Milliarden Dollar – fast doppelt so viel wie vor 18 Monaten.
Meta hingegen setzt auf interne Synergien: Künstliche Intelligenz soll helfen, die Werbeplatzierung auf Instagram und Facebook weiter zu optimieren – das Herzstück des Geschäftsmodells. CEO Mark Zuckerberg betonte, man habe im Zweifel Optionen. „Wir haben das bisher noch nicht getan“, sagte er. „Aber wenn wir zu viel gebaut hätten, könnten wir die Rechenleistung natürlich auch verkaufen.“

Zuckerberg bleibt optimistisch
Trotz eines Verlusts von 4,4 Milliarden Dollar in der Reality-Labs-Sparte – verantwortlich für KI-gestützte Brillen und Wearables – sieht Zuckerberg enormes Potenzial. „Smart Glasses sind eine riesige Chance“, sagte er. Die größere Gefahr bestehe darin, „zu wenig statt zu viel zu investieren“.
„Ich denke, es ist noch früh, aber wir sehen bereits Renditen im Kerngeschäft“, so der CEO. „Das gibt uns das Vertrauen, dass wir deutlich mehr investieren sollten – und wir wollen sicherstellen, dass wir nicht unterinvestieren.“
FMW/Bloomberg
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ich sag nur … metaverse
was zudem das erste mal ernsthaft auf den tisch kam – abschreibungen. datencenter sind ziemlich verderbliche ware.
Aus einem Business Insider-Artikel von heute:
Zuckerberg sagte den Investoren, dass KI-gestützte Empfehlungssysteme die Verweildauer auf Facebook um fünf Prozent und auf Threads um zehn Prozent erhöht haben und die Videonutzung auf Instagram im letzten Jahr um mehr als dreißig Prozent gestiegen ist.
> Bei so viel KI-Medien“Kompetenz“ dürfen die echten Gehirne ja schrumpfen! Meine Güte: Wie hohl ist das, dass die Anheizung von Kaufverhalten (der allermeiste Umsatz von Meta durch Werbeeinnahmen!!!) und banalem Unterhaltungsbedarf weltweit gigantische Ressourcen verschlingt (auf dass Fürze herauskommen…). Die KI soll den Menschen Funktionen abnehmen, damit die ihren geistigen Kapazitäten frei haben für WAS???