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Metallindustrie mit Job-Kahlschlag – 150.000 weitere Jobverluste in 2026 drohen

Der Job-Kahlschlag in der Industrie läuft seit Jahren. Gesamtmetall befürchtet für 2026 weitere 150.000 Arbeitsplatzverluste.

Grafik: ChatGPT

Die letzten Wochen gibt es kleine, vorsichtige Anzeichen eines konjunkturellen Aufschwungs in Deutschland. Besonders die jüngsten Anstiege bei den Aufträgen für die deutsche Industrie geben (oberflächlich betrachtet) ein wenig Anlass zur Hoffnung. Und na klar – der Wind weht von Sondervermögen + Aufrüstung – ein auf Pump finanzierter Aufschwung. Der Job-Kahlschlag in der Industrie läuft aber weiter, auch die Insolvenzen nehmen zu. Deutschland läuft Gefahr, dank eines auf Pump finanzierten kleinen Aufschwungs Strukturreformen komplett zu verschlafen (meine Meinung).


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Kommen wir zu aktuellen Aussagen aus der Metallindustrie, die den dramatischen Job-Kahlschlag und weitere drohende Entlassungen für 2026 aufzeigen. Im Dezember 2025 waren 3,792 Millionen Beschäf­tigte in der Metall- und Elektro-Industrie tätig. Erstmals seit Juli 2015 ist die Beschäf­tig­ten­zahl in der größten deutschen Indus­trieb­ranche damit unter die Marke von 3,8 Millionen Arbeits­plätzen gefallen, so sagt es heute der Arbeitgeberverband Gesamtmetall.

Saison­be­rei­nigt wurde ein Minus von 5.900 Beschäf­tigten zum Vormonat verzeichnet, was den 23. Monats­rü­ck­gang in Folge darstellte. Im Vergleich zum Dezember 2024 waren es 102.500 Arbeits­plätze (2,6 Prozent) weniger in der Branche. Gegenüber dem Höchst­stand 2019 sind in der M+E-Industrie inzwi­schen über 270.000 Arbeits­plätze verloren gegangen, was einem Rückgang um 6,7 Prozent entspricht. Aller­dings lag die M+E-Produk­tion im vierten Quartal 2025 sogar 13 Prozent unter dem Vorkri­sen­ni­veau, womit der Produk­ti­ons­rü­ck­gang weiterhin fast doppelt so hoch wie der Beschäf­ti­gungs­abbau ist, so sagt es Gesamtmetall. Aber ein wirklicher Trost ist das wohl kaum!

Gesamt­me­tall kommentiert zum Job-Kahlschlag in der Branche heute, dass die Beschäf­ti­gung in der M+E-Industrie seit fast zwei Jahren unun­ter­bro­chen sinkt. So eine lange Phase des Perso­na­l­ab­baus habe man weder in der Finanz­krise 2009 noch in der Coro­na­krise 2020 gesehen. Dies zeige, in welch struk­tu­reller Krise sich der Standort Deutschland befindet. Die Groß­auf­träge kommen laut Gesamtmetall nicht in der Breite an. Die Unter­aus­las­tung habe sich zum Jahres­an­fang sogar weiter vergrö­ßert, sodass der Abbau von bis zu 150.000 weiteren Arbeits­plätzen allein in der M+E-Industrie in diesem Jahr droht.

Was fordert Gesamtmetall von der Politik? Die Bundes­re­gie­rung müsse dringend das Tempo für weitere, tief­grei­fende Reformen erhöhen, damit Unter­nehmen in Deutschland wieder inves­tieren und so die Arbeits­plätze sichern könnten. Vor allem die stei­genden Sozi­al­kosten und die absurde Büro­kratie würden Inves­ti­ti­ons­ent­schei­dungen ausbremsen. Konkret müssten die im Koali­ti­ons­ver­trag verein­barten Flexi­bi­li­sie­rungen, etwa beim Arbeits­zeit­ge­setz, endlich kommen und der deutsche Sonderweg beim Liefer­ket­ten­sorg­falts­pflich­ten­ge­setz müsse schnellst­mög­lich verlassen werden. Der Aufbau neuer Büro­kratie – konkret durch das Bunde­s­t­a­rift­reu­e­ge­setz oder das Entgelt­trans­pa­renz­ge­setz – müsse konse­quent gestoppt werden. Denn ohne stabile Wirt­schaft gebe es auch keine stabile Regierung, so Gesamtmetall.



Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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3 Kommentare

  1. Für unsere deutsche Maschinenbau-, Elektro- und Schweißindustrie gibt es ja auch Exportmärkte. Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte auf der aktuellen Münchner Sicherheitskonferenz 2026 nachfolgendes: „Macht zeigt am Beispiel von Deutschland, daß sie zu einem entsprechend bösen Ende führen kann“. Ich bezichtige Bundeskanzler Friedrich Merz diesbezüglich der Relativierung des Holocaust. Die genannte Aussage des Bundeskanzlers ist ja wohl als suboptimal für unsere genannten Exportmärkte anzusehen.

  2. Strukturreformen? Wir haben ein makroökonomisches Problem, kein mikroökonomisches! Solange bei sinkendem Leistungsbilanzüberschuss (Amerika mag ned mehr!) die Binnennachfrage nicht da ist, wird das nix mit einem Aufschwung, sondern es geht weiter bergab.

    https://www.relevante-oekonomik.com/2026/02/12/lohn-und-kostendeflation-in-europa-die-europaeische-und-deutsche-politik-begreift-nichts/

  3. Es wird wohl noch weitere mind. 10 Jahre dauern, bis die Deutschen den Niedergang nicht mehr hinnehmen werden.
    Bis dahin wird es ganz neue Wählergruppen geben, was den heutige Schulklassen schon anzusehen ist.
    Bis dahin werden auch Parteien gegründet sein, die das Kalifat als Regelwerk für ein Zudammenleben mehr favorisieren als das Grundgesetz.
    Sarrazin hatte recht.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

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