Hintergrund

MH17-Abschuß, Kopfgeld und Capital – nur eine makabre Posse?

Von Markus Fugmann und Stefan Kasper-Behrs

Schon lange nichts mehr vom Wirtschatfsmagazin „Capital“ gehört, oder? Das Magazin ist nicht wirklich erfolgreich, hatte 2013 einen relaunch – und konzentriert sich auf der Suche nach Erfolg auf Kapital-interessierte Leser! . Laut Angaben von Gruner + Jahr kommt das Magazin auf 136.000 verkaufte Expemplare, davon 6000 an Kiosken, 45.000 an Abonnenten, der Rest fällt an „Sonstige“ und „Lesezirkel“. Nicht gerade üppig – deutlich hinter Wettbewerbern wie brand eins.

Aber das soll sich mit dem heutigen Tag ändern! Das heute erscheinende Print-Magazin bringt die Geschichte von Josef Resch, der den Auftrag erhalten haben soll, die Täter des Abschusses von MH 17 zu ermitteln. Dafür habe er bereits 40.000 vorab kassiert, im Erfolgsfall winken ihm 500.000 Euro. Wenig im Vergleich zu demjenigen, der den oder die Täter benennen kann, nämlich 30 Millionen Dollar – aber besser als nichts.

Und möglicherweise kann Josef Resch, Geschäftsführer der Firma Wifka, das Geld gebrauchen. Die Firma Wifka bietet Kapitaldienstleitungen an (www.wifka.de), hat aber auch Inkasso im Portfolio. Jetzt geht es also für Josef Resch und seine Firma Wifka nicht mehr um die unbezahlte Telefonrechnung von Oma Czibulski – nein, jetzt wird mit den ganz großen Wölfen geheult.

Ein Blick in die Bilanz der Firma Wifka zeigt: richtig Umsatz macht die Firma nicht – etwa im Rahmen eines mäßig erfolgreichen Taxi-Einzelunternehmers. Und das, obwohl Josef Resch damals der Jäger des Spekulanten Florian Homm war, den die halbe Welt wegen Anlagebetrug suchte. Eine spektakuläre Geschichte, verpackt von Resch in einem Video und als Story von „Capital“, „Financial Times“ und anderen Blättern von Gruner + Jahr groß herausgebracht. Damals der für die Story verantwortliche Redakteur: Jens Brambusch – dazu später mehr.

Und jetzt die Story „Kopfgeld auf Drahtzieher des MH17-Abschusses“ – ein echtes Déjà-vu!

Auf der Internetseite von Wifka findet sich die Telefonnummer von Josef Resch – also rufen wir einfach mal an. Und siehe da, Resch geht ans Telefon und erzählt mit bayerischem Akzent seine Geschichte. Der Jäger derjenigen, die mit dem Abschuß der malaysischen Maschine eines der bedeutendsten globalen Tragödien des 21. Jahrhunderts verursachten, ist also von jedem zu erreichen – erstaunlich oder? Vielleicht ruft gleich nach uns auch Putin an – mit der Frage, ob er sachdienliche Hinweise geben könne. Wären wir an der Stelle von Resch, hätten wir nicht das Bedürfnis jederzeit erreichbar und identifizierbar zu sein – denn es gibt sicher einiges Interesse von denjenigen, die in Sachen MH 17 wirklich etwas zu verbergen haben.

Aber Resch steht den Medien zur Verfügung – und das soll wohl auch so sein. Dennoch gibt es keine Bilder von Josef Resch, das Video zu Homms Kopfgeld-Story zeigte ihn verpixelt, vor ihm die 1,5 Millionen Euro Kopfgeld in bar, die auf Homm ausgesetzt waren – angeblich. Das Kopfgeld ist nie ausbezahlt worden – auch damals, also 2012, waren die Auftraggeber Homms unbekannt, vermutlich amerikanische Hedgefonds, wie die Öffentlichkeit spekulierte.

Die ganze Story um die 30 Millionen Dollar, die derjenige bekommen soll, der die Täter des Abschusses von MH 17 offenbart, ist also eine weitgehend identische Kopie der Homm-Story vor zwei Jahren. Auf unsere Frage, warum er sich an „Capital“ gewendet habe und nicht etwa an „Bild“ oder „Spiegel (online)“, antwortet Resch mit seiner guten Erfahrung, die er schon damals mit Capital gemacht habe. Auch damals hieß der verantwortliche Redakteur, der die Homm-Story an die Medien von Gruner + Jahr verteilte, Jens Brambusch.

Es gibt aber ein Detail, das beide Fällle voneinander unterscheidet: die Vorabprämie für Josef Resch. Wir fragen telefonisch Resch, ob er damals auch bei der Homm-Kopfgeld-Story Geld vorab bekommen habe. Daraufhin Resch: „Äh, da überfordern sich mich, damals..also ich bin gerade in einem Meeting. Ah, damals war es so, dass die Angehörigen bedroht wurden, daraufhin wurde die ganze Geschichte abgeblasen. Das steht so in dem Artikel von damals drin, genau. Ich habe damals nur auf Erfolgsbasis gearbeitet. Rufen Sie mich in ca. zwei Wochen noch einmal an, dann habe ich etwas für Sie“.
Wir verkneifen uns die Frage, was Josef Resch für uns in zwei Wochen hat – und vor allem warum in zwei Wochen?!

Was ist da nicht koscher an dieser Geschichte? Das ganze klingt sehr nach einer Revolverstory, niemand – weder „Bild“, „Spiegel“ etc. – stellt die Frage, ob diese Geschichte wirklich stimmt. „Es ist die größte Kopfgeldjagd der Geschichte. 30 Mio. Dollar Belohnung für denjenigen, der den entscheidenden Beweis liefert„- heißt es auf der Seite von capital.de. Und weiter:

„Allein für die Annahme des Auftrags hat er bereits 40.000 Euro erhalten, zudem weitere 500.000 Euro, die er im Erfolgsfall mit seinem Honorar verrechnen kann. Capital hat sich von dem Eingang des Geldes überzeugen können“. Und: „Geld, das bei der größten Bank in der Schweiz bereitliegt. Geld, das Zungen lockern soll“.

Aha. Niemand kennt die Auftraggeber, es gibt einen Mittelsmann mit Schweizer Akzent, der einzige Beleg für die Story ist Josef Resch selbst – aber „Capital“ hat sich von diesem Geldeingang überzeugen können. Möglich. Eins aber ist klar: die Story hilft sowohl „Capital“ als auch Josef Resch. Aber ob das Ganze wirklich real ist, darf man zumindest in Zweifel ziehen. Sollte – was wir (noch?) nicht beweisen können – die Story nicht stimmen, wäre das die größte Pietätlosigkeit des Jahrhunderts gegenüber den Toten von MH 17 und ihren Angehörigen!

Übrigens: zum Abschluß unseres Telefonats sagte Resch wörtlich: „Kaufen Sie sich die Print-Ausgabe von Capital. Da steht alles drin. Das ist die Mutter der Geburt„. Wer solche lyrisch-rätselhafte Bilder entwerfen kann, findet sicher auch die Täter des Flugzeug-Abschusses. Garantiert!



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