Die wichtigsten Eckpunkte
- Micron erwartet eine Umsatzsteigerung im Jahresvergleich von 11,3 Milliarden Dollar auf 51,5 Milliarden Dollar.
- Der Gewinn pro Aktie soll von 3,03 Dollar auf 31,83 Dollar ansteigen, ein gigantischer Zuwachs!
- Mehrere Analysten besprechen die Aussichten für das weitere Wachstum bei Speicherchips und KI.
Micron Technology meldet heute Abend nach 22 Uhr deutscher Zeit seine Quartalszahlen. Wir haben heute für dieses Event bereits eine Optionsmarktanalyse veröffentlicht, die Sie HIER nachlesen können. Nachfolgend werfen wir einen Blick auf anstehende Finanzdaten und das Wachstum der KI-Industrie, für welche das Unternehmen Speicherchips herstellt. Dieses Thema ist der große Wachstumstreiber bei den massiv steigenden Umsätzen und Gewinnen. Auch zeigen wir verschiedene Analystenaussagen.
Micron-Quartalszahlen: Ausblick auf Finanzdaten
Nach 11,32 Milliarden Dollar Umsatz im Vorjahresquartal liegt die aktuelle Markterwartung für die heutige Meldung bei 51,49 Milliarden Dollar. Was für eine Steigerungsrate binnen zwölf Monaten! Für die letzten beiden Quartalsmeldungen wurden die Erwartungen um 20 % und 16 % übertroffen. Beim Gewinn pro Aktie lag Micron im Vorjahresquartal bei 3,03 Dollar – für heute Abend werden gigantische 31,83 Dollar erwartet. Auch hier sehen wir diese massive Steigerung um das Zehnfache binnen eines Jahres. Beim Gewinn pro Aktie wurden die Erwartungen in den letzten drei Quartalen um 21 %, 33 % und zuletzt 23 % übertroffen. Darf man auch für heute Abend frohen Mutes sein? Das liegt dann im Risiko der Anleger, ob man vorher noch auf dieses „Pferd“ setzen will.
Aktie
Die Aktien von Micron Technology sind in den letzten zwölf Monaten um 549 % angestiegen, und damit stärker als der direkte Konkurrent SK Hynix (406 %). Der US-Chipindex Philadelphia Semiconductor Index stieg im selben Zeitraum „nur“ um 100 %, der Nasdaq 100-Index um 24 %. Nach dem Rückgang ab Juli geht es für Micron zuletzt wieder aufwärts.
Ipek Ozkardeskaya mit Einschätzung
Micron Technology geht mit außergewöhnlich hohen Erwartungen in die Gewinnveröffentlichung. Das Unternehmen selbst hat einen Quartalsumsatz von rund 50 Mrd. US-Dollar, eine außergewöhnliche Bruttomarge von 86 % und ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von etwa 31 US-Dollar prognostiziert. Die starke KI-getriebene Nachfrage nach HBM und das knappe DRAM-Angebot bleiben die zentralen Treiber, und das Unternehmen wird derzeit mit einem KGV von etwa 23 und einem erwarteten KGV von rund 7 gehandelt, so schrieb es heute früh Ipek Ozkardeskaya, Senior Analyst beim Broker Swissquote.
Diese Differenz spiegelt wider, wie stark die Gewinne von hier aus voraussichtlich noch wachsen werden. Daher reicht es möglicherweise nicht aus, die Erwartungen lediglich zu erfüllen – oder sogar zu übertreffen – um eine Kursrallye auszulösen. Investoren werden ein weiteres deutliches Übertreffen der Erwartungen, eine solide Prognose – das ist der entscheidende Punkt: eine solide Prognose – sowie Anzeichen dafür sehen wollen, dass die derzeit außergewöhnliche Nachfrage, die Preisgestaltungsmacht und die Margen aufrechterhalten werden können, so Ipek Ozkardeskaya. Andernfalls könnte das 7-fache zukünftige KGV schnell an Attraktivität verlieren, sollten die Gewinnerwartungen nach unten korrigiert werden.
Ich glaube, dass Micron kaum Grund hat, bei den Anlegern Zweifel an der Stärke der Nachfrage nach seinen Chips aufkommen zu lassen, so Ipek Ozkardeskaya. Es bleiben zwar Fragen hinsichtlich des Entwicklungstempos von bahnbrechenden KI-Modellen und der Nachhaltigkeit der KI-Ausgaben, doch die finanzielle Last, die Unternehmen wie OpenAI und Anthropic zu tragen haben, könnte ihre Entscheidungen stark beeinflussen und ihre Bereitschaft einschränken, das Tempo nennenswert zu drosseln.
Daher könnten starke Quartalszahlen von Micron dazu beitragen, dass KI-Aktien dem Druck durch höhere Renditen standhalten, indem sie den Grundpfeiler der derzeitigen Erzählung von starkem Wachstum und soliden Gewinnen fest verankern. Doch sie werden die Schwäche unter der Oberfläche nicht beheben: Eine Handvoll KI-Titel mag die wichtigsten Indizes über Wasser halten, während sich der breitere Markt weiter verschlechtert, so schreibt es Ipek Ozkardeskaya.
Aussagen weiterer Analysten
Anleger erwarten vom Speicherchip-Hersteller die Gewissheit, dass die langfristigen Aussichten für die Nachfrage weiterhin positiv sind, so Bloomberg News. Weiter wird berichtet: Wenn Micron heute Abend seine Quartalszahlen vorlegt, wird das Hauptaugenmerk laut Daniel Morgan, Senior-Portfoliomanager bei Synovus Trust, der Micron-Aktien hält, auf den Äußerungen der Führungskräfte während der Telefonkonferenz zum Ergebnis liegen. Sollten sie sagen: „Wir gehen nicht davon aus, dass die Hyperscaler im nächsten Jahr diese riesigen Investitionsbudgets aufbringen werden; wir erwarten vielmehr, dass sich der Trend fortsetzt“, könnte dies den Aktienkurs deutlich nach oben treiben.
Die Aktien des Chipherstellers haben seit ihrem Tiefststand am 29. Juli um mehr als 40 % zugelegt und damit rund 370 Milliarden US-Dollar an Marktwert hinzugewonnen, nachdem ein besser als erwartetes Umsatzwachstum bei Cloud-Computing-Anbietern wie Microsoft die Befürchtungen zerstreut hatte, diese könnten ihre hohen Ausgaben für KI-Infrastruktur zurückfahren.
Die Ausgaben haben das Angebot an Speicherchips aufgesaugt, die Preise in die Höhe getrieben und die Gewinne von Micron sowie der Konkurrenten SK Hynix und Samsung Electronics in die Höhe schnellen lassen. Auch wenn sich diese Dynamik voraussichtlich nicht so bald ändern wird, sind die Anleger skeptisch, wie lange die guten Zeiten in einer Branche noch anhalten können, die für ihre Boom-und-Bust-Zyklen bekannt ist.
Die Unternehmen aus der Speicher-Branche die Anleger davon überzeugen, dass ihre derzeitige Preissetzungsmacht und Rentabilität noch viel Spielraum nach oben haben, so Shaon Baqui, Senior-Aktienanalyst bei Janus Henderson, das Micron-Aktien hält. „Wenn die Speicherbranche diese Art von ‚Reiseflughöhe‘ bei einer Bruttomarge von über 80 % und anhaltenden Cashflows beibehalten könnte, würde dies meiner Meinung nach letztendlich zu einer Neubewertung der Aktie führen“, sagte Baqui und bezog sich dabei auf ein höheres Kurs-Gewinn-Verhältnis.
Micron wird voraussichtlich im vierten Quartal seines Geschäftsjahres, das im August endete, einen Nettogewinn von 36 Milliarden US-Dollar bei einem Umsatz von 51,5 Milliarden US-Dollar ausweisen, wie aus dem von Bloomberg ermittelten Durchschnitt der Analystenschätzungen hervorgeht. Dies entspräche einem Anstieg von mehr als 1.000 % bzw. 350 % gegenüber dem Vorjahr. Die Bruttomarge dürfte bei 86 % liegen, nach 46 % im vierten Quartal 2025. Das Umsatzwachstum dürfte sich jedoch im Geschäftsjahr 2027 auf 96 % verlangsamen, nach einem Anstieg von 247 % im Geschäftsjahr 2026, bevor es im Geschäftsjahr 2028 auf nur noch 12 % zurückgeht.
Während die zyklische Entwicklung der Speicherbranche die Bewertung von Micron seit langem belastet hat, erklärt die erwartete Wachstumsverlangsamung, warum die Micron-Aktie derzeit mit dem etwa 7-fachen des für die nächsten 12 Monate erwarteten Gewinns gehandelt wird – verglichen mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 10 in den vergangenen zwei Jahren. Im Gegensatz dazu wird der S&P 500 mit dem 19-fachen gehandelt.
Neben den Bedenken, ob sich die hohen KI-Investitionen auszahlen werden, wurde der KI-Infrastruktur-Sektor in den letzten Wochen durch Sicherheitsbedenken und die Begeisterung für den KI-Agenten „Muse“ von Meta Platforms stark hin- und hergeworfen.
Der Philadelphia Stock Exchange Semiconductor Index fiel am 14. September um fast 6 %, nachdem Dario Amodei, Chief Executive Officer von Anthropic, dazu aufgerufen hatte, die Entwicklung modernster KI-Modelle zu verlangsamen, um die Sicherheitsvorkehrungen zu verbessern. Seitdem hat jedoch die Beliebtheit von „Muse“, das als persönlicher Assistent konzipiert ist, das Vertrauen in den Einsatz von KI im Verbraucherbereich gestärkt und zu einem Anstieg des Halbleiterindex um mehr als 13 % beigetragen.
Trotz anhaltender Unsicherheit hinsichtlich der Aussichten für den Speichermarkt dürften die Angebots- und Nachfragebedingungen laut Analysten von Morgan Stanley unter der Leitung von Joseph Moore über mehrere Jahre hinweg „sehr angespannt“ bleiben. „Die Debatte hat sich ganz klar von ‚Wie gut kann es werden?‘ hin zu ‚Wie lange kann es so gut bleiben?‘ verlagert“, schrieben sie in einer Mitteilung vom 28. September. „Wir glauben zwar, dass die Stärke im Speichermarkt von Dauer sein wird, räumen jedoch ein, dass sich Debatten über die Dauer erst später auszahlen, da es keine wirkliche Möglichkeit gibt, dies kurzfristig zu beweisen.“
FMW/Bloomberg
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Der Schaufelverkäufer meldet seine Zahlen …während dem Schaufelkäufer das Geld ausgeht…