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Mietendeckel: Das desaströse Resultat der Planwirtschaft in Berlin

Claudio Kummerfeld

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am

Im Oktober 2019 wurde der Mietendeckel für Berlin endgültig beschlossen. Es war der Auftakt zur Planwirtschaft am Berliner Wohnungsmarkt. Wir haben diesen Beschluss letztes Jahr schon mehrmals kritisch begleitet. Das ifo-Institut beschäftigte sich im Februar 2020 kritisch mit dem Berliner Mietendeckel und seinen möglichen Auswirkungen (hier nachzulesen). Die Intention ist klar: Die links-grüne Regierung in Berlin will Gutes tun und für die Masse der „geknechteten“ Mieterschaft die Lebensqualität verbessern, durch sinkende beziehungsweise nicht weiter steigende Mieten.

Mietendeckel als Schritt in die Planwirtschaft in Berlin

Dass man in Berlin statt einem Mietendeckel auch die Zahl neu zu bauender Wohnungen drastisch hochfahren könnte, auf diese simple Idee kam man wohl nicht. Denn in einer Marktwirtschaft ist es nun mal so, dass bei dramatisch steigendem Angebot die Preise (also die Wohnungsmieten) sinken würden. Aber nein, man entschloss sich für die Planwirtschaft. Man friert die Mieten ein beziehungsweise kürzt sie. Dass so eine vom Staat angeordnete Verzerrung einer freien Preisbildung immer immense Probleme mit sich bringt – egal, interessiert nicht. By the way… dass ein Problem existiert, und dass die Mieten in vielen Großstädten zu hoch sind, bestreitet niemand. Nur wie löst man das Problem?

Und genau da, wo Links-Grün regiert, setzten sich letztes Jahr die Hardliner mit ihrem Mietendeckel durch. Es wird ein kräftiger Schuss „Kampf gegen das böse Kapital“ mit dabei gewesen sein bei dieser Initiative. Und warum auch nicht. Auf den ersten Blick klingt das nämlich total super. Der Staat zwingt Vermieter Mieten zu kürzen und/oder nicht weiter zu erhöhen. Und zack, auf einmal sind die Probleme der Mieter und Wohnungssuchenden gelöst? Wie so oft sehen die Verfechter einer Planwirtschaft nicht, was sie anrichten – oder besser gesagt sie wollen es nicht sehen!

Die desaströsen Folgen

Denn die privaten Vermieter, die oft ihre Objekte mit hohen Kreditkosten erstellt haben, können nun nicht mehr in die Instandhaltung des Wohnungsbestands investieren. Und natürlich entsteht (mutmaßlich) ein riesiger Schwarzmarkt, wo derjenige den Zuschlag für eine neue Wohnung bekommt, der dem Vermieter einen dicken Umschlag in Cash überreicht. Somit werden die kleinen Wohnungssuchenden ohne Geldmittel für Schmiergelder erst recht benachteiligt. Und: Mit so einem Mietendeckel raubt man den privaten Wohnungsunternehmen jegliches Interesse daran neuen Wohnraum zu schaffen. Und in extrem hohem Umfang kann der Staat es alleine halt nicht leisten.

Und noch etwas passiert: Die Vermieter verlieren die Lust am Vermieten. Genau dazu haben Immoscout24 und die Wirtschaftswoche die Vermietungsangebote aus Juli 2020 mit denen aus Juli 2019 verglichen. Daraus ergibt sich, dass in Berlin 25 Prozent weniger Mietwohnungen angeboten wurden. Mit einem Minus von 47,4 Prozent brach das Angebot besonders stark ein bei den Wohnungen mit Baujahr vor 2014. Also gerade bei solchen Wohnungen, bei denen der Mietendeckel in Berlin greift. Dass es sich bei diesem dramatischen Rückgang nicht um einen Corona-Sondereffekt handelt, zeigt der Vergleich mit den anderen deutschen Großstädten. Während das Angebot im Berlin um 25 Prozent sinkt, steigt es in Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt, Köln, München und Stuttgart im Vergleich zu Juli 2019 im Durchschnitt um 33,4 Prozent! Das ist mehr als eindeutig!

Mietendeckel ist der Grund für deutlich weniger Wohnungsangebot

Die Analyse nennt als Grund für diesen Rückgang in Berlin ganz klar den Mietendeckel, mit dem der angespannte Wohnungsmarkt der Hauptstadt eigentlich entlastet werden sollte. Aber man sieht ja, das Gegenteil passiert. Gleichzeitig wollen offenbar viele Eigentümer ihre Wohnungen in Berlin loswerden. Die Verkaufsangebote verzeichnen nämlich ein Plus von 38,8 Prozent gegenüber Juli 2019. Grund dürfte sein, dass die Eigentümer dauerhaft niedrigere Mieteinnahmen fürchten. Eine Mietwohnung in Berlin zu finden, ist schwerer denn je, so sagt es Thomas Schroeter, Geschäftsführer von ImmoScout24. Durch den Mietendeckel gehe die Angebotsschere zwischen Mietwohnungen und Verkaufswohnungen immer weiter auseinander und führe zu einem noch höheren Nachfragedruck, vor allem für Bestandswohnungen.

Tja, und die Linken, die in Berlin mit in der Regierung sitzen, und den Mietendeckel natürlich abfeiern als Kampfansage gegen die große Ungerechtigkeit, gegen die bösen Vermieter – was sagen die? Wenn etwas nicht so funktioniert wie gewünscht… dann ist nicht die eigene Idee schuld. Nein, dann wurde die „perfekte“ Idee (der Mietendeckel) halt nur noch nicht richtig konsequent umgesetzt, und man muss noch striktere Maßnahmen ergreifen. Also noch mehr Planwirtschaft, wenn der erste Schub Planwirtschaft nicht funktioniert hat? So sagt Linken-Chef Bernd Riexinger dazu, dass die harten Fakten nicht für einen Kurswechsel, sondern für eine Intensivierung der Maßnahmen sprechen würden. Na dann, Prost Mahlzeit am Berliner Wohnungsmarkt.

Im Roten Rathaus in Berlin wurde der Mietendeckel beschlossen
Das Rote Rathaus ist Sitz von Berlins Senat und Bürgermeister. Foto: Duden-Dödel CC BY-SA 4.0

8 Kommentare

8 Comments

  1. Avatar

    Koch

    18. August 2020 16:32 at 16:32

    Was lernen wir daraus?Links-Grüne Planwirtschaft ist böse und desaströs!Groko +EZB+EU-Planwirtschaft ist supergut und alternativlos!Wie einfach die Welt doch sein kann,wenn man sich auf der richtigen Seite wähnt!

    • Avatar

      leftutti

      18. August 2020 23:46 at 23:46

      @Koch, dem Autor des Artikels liegt doch vor allem daran, den Begriff Planwirtschaft inflationär zu etablieren. Wen und was kümmert denn schon Mietpreis-Wahnsinn, wenn freie Märkte fröhlich toben dürfen?

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    sabine

    19. August 2020 09:02 at 09:02

    1.) Vielen Dank für diese saubere Beleuchtung einer in ihren Grundzügen total falschen Politik.
    Das Teuflische daran ist, daß die Schuldigen die Medien auf ihrer Seite haben, und damit diese grün-links-sozialistische Katastrophen größtenteils für die deutsche Öffentlichkeit absolut unsichtbar machen.
    Und damit dann diesen Absturz ins Elend – gerade für den kleinen Mann – fest zubetonieren. Damit sich daran auch nichts mehr ändert.
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/neubau-mietendeckel-zweckentfremdung-diese-akzente-will-lompscher-nachfolger-scheel-setzen/26104328.html
    2.) So viele wundern sich, daß diese Katastrophen immer wieder gewählt werden. Es liegt an den Medien. (Wenn es ernst wird, muß man lügen.)
    https://www.wiwo.de/politik/europa/luxemburg-leaks-wenn-es-ernst-wird-muss-man-luegen/10990302.html
    3.) So lange diese Lügenkultur bei uns herrscht und der Deutsche sich für diese Dinge nicht interessiert, oder besser eine höhere Macht um Hilfe bittet (Gott), geht es weiter rasant in den Abgrund.
    Nachher wissen es natürlich alle besser.

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    Carl

    19. August 2020 11:04 at 11:04

    Was erwarten wir auch von Politikern, die in der freien Wirtschaft niemals einen gutbezahlten Job bekommen hätten und eben deshalb Politiker wurden? „Man muss sich die Gestalten nur anschauen“ soll Franz Josef Strauß einmal gesagt haben.

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      Artsi Zhava

      20. August 2020 17:11 at 17:11

      Nur um mal den politischen Fanatismus mit etwas „Wohnungsmarktrealität“ Berlins zu schmücken: gebaut wird hier eine Menge, grade von Privaten, nur haben sich die Mieten wie auch Eigentumspreise in den letzten Jahren von der Lohnentwicklung in der Hauptstadt entkoppelt, deswegen gibt es mittlerweile kaum Fluktuation (was den Angebotsrückgang erklärt). Die Probleme der Wohnungsmarktpokitik gehen auf die vergangenen Jahrzehnte zurück, nur „Bauen Bauen Bauen“ löst das Problem leider nicht, wie so oft muss man tiefer graben.

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      Stina

      21. August 2020 01:35 at 01:35

      @Carl, man muss sich Gestalten wie Franz-Josef Strauß nur anschauen, um zu begreifen, welche schrägen Vögel und Marionetten der Wirtschaft in der Politik groß und laut werden dürfen.

  4. Avatar

    Lausi

    19. August 2020 17:54 at 17:54

    Ich habe nichts dagegen, wenn etwas gegen Mietpreiswucher und Abzocke unternommen wird, aber bitte nicht mit einem undifferenzierten Holzhammer bzw. Mietendeckel. Das grenzt ja an die Intelligenz einer Amöbe! Oder wollte man sich einfach keine größere Arbeit damit machen? Wie kann es sein, dass der qm-Mietpreis einer Altbauwohnung am Kudamm genauso hoch ist wie im Wedding (mit kleinen Abweichungen). Auch ich bin davon überzeugt, dass dieser Schuss nur nach hinten los gehen kann.

    • Avatar

      Israeli

      21. August 2020 10:10 at 10:10

      @Koch schauen Sie nach Osten.
      In Belarus ist die Planwirtschaft gerade dabei einzubrechen und der Liebling der deutschen Linken der blutige Diktator Lukaschenko ist gerade dabei Vergangenheit zu werden.
      Die Geschichte lehrt, Planwirtschaft ist zum scheitern verurteilt.
      Etwa 1/3 der EU-Länder müssten bereits die Planwirtschaft über sich ergehen lassen.
      Die jenigen, die sich Nordkorea auf dem europäischen Boden wünschen, sind auch zum Scheitern verurteilt.

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Negativzinsen und Druckerpresse: Auswirkungen auf Menschen und Schrottunternehmen

Claudio Kummerfeld

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Negativzinsen helfen Schrottfirmen und schaden den Sparern

Die Druckerpressen von EZB, Federal Reserve und Co laufen auf Hochtouren. Und dank dem neuem US-Präsidenten Joe Biden (Vereidigung am 20. Januar) dürfte das Tempo an neu geschaffenem Geld und neuer Staatsverschuldung nochmal Fahrt aufnehmen. Auch die Eurozone steht dem mit der EZB in Nichts nach. Die Null- und Negativzinsen bleiben weiter dort wo sie sind, und das auf lange Zeit. Das haben die Notenbanker auf beiden Seiten des Atlantiks klar gemacht. Was passiert, wenn Negativzinsen und Druckerpresse auf Menschen und Schrottunternehmen treffen? Hier kurz und knapp zwei Beispiele.

Die Schrottunternehmen werden auch gerne als Zombieunternehmen bezeichnet. Dies sind Unternehmen, die zum Beispiel noch nicht mal genug Geld verdienen um ihre Zinslast auf Kredite bedienen zu können. Oder sie überleben nur noch dank Staatshilfen, aber nicht aus strukturell echten Einnahmen. Wer Schrott ist, muss am Kapitalmarkt für Schulden eine höhere Risikoprämie zahlen. Denn der potenzielle Käufer von Schrottanleihen will sich das höhere Risiko einer Nicht-Zurückzahlung der Anleihe natürlich honorieren lassen. Von daher notieren die Renditen von Junk Bonds (Anleihen begeben von Unternehmen mit zweifelhafter Bonität) immer deutlich höher als die von gut angesehenen Unternehmen.

Derzeit aber, wo die Notenbanken alles mit frisch gedrucktem Geld überschwemmen und wo die Negativzinsen alles runterdrücken, da profitieren auch die Zombieunternehmen von immer weiter fallenden Renditen für ihre Schulden. Wie der folgende zehn Jahre zurückreichende Chart zeigt, ist die durchschnittliche Rendite für Junk Bonds in den USA auf ein neues Rekordtief von 4,45 Prozent gesunken, mehr als zwei Prozentpunkte unter dem Zehnjahresdurchschnitt. Die Zombies freuen sich also über immer geringere Kosten für ihre Schulden.

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Der Spar-Michel zahlt die Zeche

Man erinnere sich noch zurück, als hier und da die aller erste Sparkasse oder Volksbank Negativzinsen für Kontoguthaben einführte. Was gab das für einen Aufschrei. Heute ist das Alltag. Und die Lawine rollt immer weiter. Die ganz frische Veröffentlichung des Portals Biallo zeigt, dass auch die Direktbanken immer stärker auf den Zug aufspringen. 240 Banken insgesamt kassieren mittlerweile Negativzinsen im Privatkundenbereich, bei Firmenkunden sind es 317 Geldhäuser. Beim sogenannten Verwahrentgelt gelten in der Regel bestimmte Freibeträge, die von 5.000 Euro bis zu Millionenbeträgen reichen. Elf Geldhäuser langen bereits ab dem ersten Euro zu. Die DKB folgt aktuell der ING und führt ab sofort einen Negativzins in Höhe von minus 0,5 Prozent ein – für Einlagen ab 100.000 Euro auf dem Tagesgeld- und Girokonto. Wie bei der ING sollen Bestandskunden erst mal nicht betroffen sein.

Damit dürfte die Negativzins-Welle, die derzeit auf Sparer zurollt, noch mal deutlich an Fahrt gewinnen. Denn laut jüngsten Recherchen von Biallo haben auch große Regionalbanken in Hamburg, München und Köln zuletzt einen Strafzins für private Einlagen eingeführt. Erst gar keine Negativzinsen, jetzt gibt es immer mehr, aber mit Freibeträgen. Da das Umfeld aus Null- und Negativzinsen noch jahrelang anhalten wird, und da die Banken margentechnisch unter immer größerem Druck stehen, darf man annehmen, dass diese Freibeträge in Zukunft stetig verringert werden, und dass auch immer öfter von Bestandskunden Negativzinsen kassiert werden, und nicht nur von Neukunden.

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US-Arbeitsmarktdaten im Detail: Extrem schwach! Der Amazon-Effekt in brutaler Klarheit

Claudio Kummerfeld

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USA Flagge und Adler

Die US-Arbeitsmarktdaten wurden um 14:30 Uhr veröffentlicht mit einem Zuwachs von 245.000 Stellen für November, was deutlich schlechter war als erwartet (Prognose 470.000). Bezüglich der Gesamtzahl von 245.000 neuen Stellen gab es einen Abbau von 99.000 Stellen beim Staat. Somit gibt es im November 344.000 neu geschaffene Stellen im Privatsektor. Im Verarbeitenden Gewerbe gab es insgesamt einen Zuwachs von nur 55.000 Stellen. Im Untersektor Bergbau lag die Veränderung bei +1.000. Auf dem Bau waren es +27.000 Stellen, und in der Industrie +27.000. Die folgende Grafik zeigt die gesamten Daten für das Verarbeitende Gewerbe im November.

Zum Vergrößern bitte die Grafiken anklicken.

Grafik zeigt US-Arbeitsmarktdaten für November im Detail

Verbleibt bei den neu geschaffenen Stellen im November noch ein Plus von 289.000 Stellen im US-Dienstleistungssektor. Ein sehr schwacher Wert nach +783.000 im Oktober. Der Einzelhandel baute 34.700 Stellen ab. Das ist dramatisch, wo der Sektor doch als einer der Jobmaschinen gilt. Elektronikgeschäfte bauten netto 11.300 Stellen ab, Sport- und Buchgeschäfte 12.100 Stellen, und Kaufhäuser sowie große Supercenter (Walmart etc) verloren netto 20.800 Stellen. Gleichzeitig explodieren die Neueinstellungen bei Amazon und Co (also vor allem Amazon). Alleine im November wurden netto 81.900 neue Kurierfahrer eingestellt, und 36.800 Mitarbeiter in Warenlagern.

Grafik zeigt Details zu Job-Änderungen im US-Einzelhandel

Der Sektor „Professional and Business Services“ konnte 60.000 Stellen hinzugewinnen (sehr schwach), wobei hier alleine fast 70.000 neue Jobs bei Zeitarbeit und Hilfsarbeit entstanden. Andere Teilsegmente in dem Bereich bauten also eher Stellen ab. Der Bereich „Pflege und Bildung“ ist mit nur +54.000 Stellen auch sehr schwach dabei. Wobei der Bereich Bildung 5.700 Stellen abgebaut hat. Die Pflege schuf 59.600 neue Stellen. Der mit Abstand größte Einzelposten, wenn es um das schnelle Schaffen neuer Jobs in den USA geht, ist in der Regel der Bereich „Freizeit und Bewirtung“, also Restaurants, Freizeitparks etc.  Hier ist die Schaffung neuer Stellen im November extrem schwach ausgefallen mit gerade mal +31.000. Innerhalb dieses Segments wurden bei Restaurants und Bars sogar 17.400 Stellen abgebaut. Die zweite Corona-Welle lässt grüßen.

Grafik zeigt Details zu verschiedenen US-Jobdaten

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Coronavirus: Herdenimmunität, ein Geduldsweg, vor allem in Deutschland

Wolfgang Müller

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Die Impfung gegen das Coronavirus nimmt immer mehr Gestalt an, nicht nur in China, in Russland, in der Türkei, ab Montag in Großbritannien, aber bald auch in Deutschland. Endlich die Plage loswerden, immun werden, so die berechtigte Hoffnung Vieler. Eines aber spricht gegen eine rasche Herdenimmunität, auch in Deutschland – die Bereitschaft zur Impfung.

Coronavirus: Aktuelle und künftig Immunisierte

Betrachtet man sich die aktuellen Infektionszahlen, so erkennt man große Unterschiede bei den offiziell registrierten Infizierten mit dem Coronavirus. In den USA ist bereits jeder 23. Bewohner positiv auf Covid-19 getestet worden, in Frankreich jeder 29., in Spanien jeder 27., in Belgien und Tschechien jeder 20. – und in Deutschland? Jeder 76. Einwohner, bei einer Dunkelziffer von vielleicht Faktor drei bis vier, nach Einschätzungen von Virologen. Bleiben also noch über 78 Millionen, die es geschafft haben, sich vor dem Coronavirus zu schützen. Aber was ist mit den USA, wo selbst der Leiter der nationalen Seuchenschutzbehörde von einer Dunkelziffer mit unglaublichem Faktor 10 sprach? Wenn dies zuträfe, hätten schon unglaublich viele Amerikaner die Sache bereits überstanden. Worüber das deutsche Gesundheitswesen eigentlich sehr stolz sein kann, bringt aus jetziger Sicht einen zusätzlichen Nachteil bei der Herdenimmunität.

Die derzeitige Abneigung der Bundesbürger gegen die Impfung

Auch wenn es bereits einen gewaltigen Aufbau für die über 400 Impfzentren in Deutschland gibt, von denen kürzlich die Rede war und die ab 15. Dezember funktionsfähig sein sollen, wird das Thema Massenimpfung eine große Aufgabe werden. Es leben bereits über 83 Millionen Menschen in diesem Lande und bis die so oft zitierte 60 Prozent-Rate erreicht ist, könnte es doch eine Zeit dauern. Zumal mit der Entwicklung der Impfstoffe die Zahl der Impfwilligen sogar abgenommen hat. Eine repräsentative Umfrage hat ergeben, dass derzeit nur 53 Prozent der Bundesbürger zu einer Impfung gegen das Coronavirus bereit sind.

Man bräuchte aber selbst bei einem 100-prozentigen Schutz 60 Prozent der Bevölkerung, die bei der Impfung mitmachen. Bei der bisher verkündeten Wirksamkeit von 95 Prozent sogar noch einige Prozent mehr.

Sicherlich gibt es viele Skeptiker, die sich berechtigt Sorgen um die Nebenwirkungen machen, die man derzeit bei der geringen Probandenzahl gewiss noch nicht ausschließen kann. Die Anzahl sollte aber abnehmen, wenn die Impfungen gut funktionieren. Ein paar Sonderfälle aber, in den Medien verbreitet, schon könnte die Bereitschaft abnehmen. Aber es gibt auch die radikalen Impfgegner, auch Gentechnikgegner, die bis zu einer Herdenimmunität immer noch eine Gefahr darstellen, als mögliche Spreader des Coronavirus.

Die Impfung ist ein gewaltiger Schritt – aber kein Wundermittel, welches in kurzer Zeit die Normalität versprechen kann. Man weiß heute noch nicht, wie lange ein Schutz wirksam sein wird und ob man als Geimpfter nicht doch noch als Virenspreader in Frage kommt. Es wird bei aller Freude über die Impfung noch einiges an Geduld brauchen, denn es werden bestimmt in kurzer Zeit Meldungen entstehen, die contra Impfung verwendet werden können. Zum Beispiel von Menschen, die plötzlich nach der Impfung schwer erkranken, weil sie vor der Impfung noch keine Symptome verspürt haben. Das allgemeine Gesundheitsrisiko bleibt, ebenso das „Fake News-Risiko“ in den sozialen Medien.

Die kommende natürliche Spaltung der Gesellschaft

Es ist sicherlich nicht an der Zeit, um sich allzu viel Gedanken über ein mögliches Zukunftsproblem im Zusammenhang mit der Bewältigung der Corona-Krise zu machen. Aber die Fragestellungen könnten schneller kommen, als man jetzt glaubt. Was passiert mit den Millionen, die es bald geben wird, die geimpft sind und immunisiert: sollen diese weiter Maske tragen und die vielen Sonderregeln beachten? Wird anfangs sicherlich aus Solidarität funktionieren, aber es werden ja täglich mehr. Gar nicht zu reden von den vielen Branchen, die von dem Zusammentreffen vieler Menschen profitieren, wie Tourismus, Kultur, Festveranstalter, diese werden sicherlich die Rückkehr zur Normalität fordern. Es werden sich Gruppen bilden, aber was passiert mit den Verweigerern einer Impfung?

Viele Fragen, nicht nur für den Ethikrat.

Fazit

Die letzten Monate haben gezeigt, wie lange es dauern würde, bis eine natürliche Herdenimmunisierung dem Coronavirus den Garaus machen könnte. Vor allem in Deutschland. Selbst bei 10.000 kontrollierten Fällen pro Tag (3,6 Mio/Jahr) wären es viele Jahre, bis man eine Herdenimmunität erreicht hätte. Ein Kollaps nicht nur für die Wirtschaft und viele Branchen, sondern auch eine unerträgliche Lage für die Menschen und dem Leben in ständiger Angst.

Es geht nicht um die Jugend – in Deutschland gibt es bereits über 21 Millionen Rentner und viele Risikogruppen unterhalb dieser Altersgruppe. Klar gibt es die berechtigten Bedenken über Nebenwirkungen, aber bei einer Impfquote von gut 50 Prozent würde man in Deutschland noch sehr lange mit SARS-CoV-2 leben müssen. Ohne wirksamen Impfstoff gegen das Coronavirus hätte aber gerade Deutschland ein längeres Problem. Es sollte sich eigentlich jeder über den medizinischen Fortschritt freuen, auf die Wirksamkeit der Impfung hoffen und sich auf eine baldige Rückkehr zu sozialen Gewohnheiten des Miteinanders innerlich einstellen. Es dürfte allerdings noch ein gerüttelt Maß an Geduld erfordern.

Über das Coronavirus und Herdenimmunität

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