Immobilien

Mietpreisbremse: Planwirtschaftlicher Irrsinn verschärft Wohnungsknappheit

Je mehr die Mietpreisbremse verschärft wird, desto weniger Wohnungsbau! Fans der Planwirtschaft können oder wollen das nicht verstehen.

Wohngebäude in der Hamburger Hafencity
Wohngebäude in der Hamburger Hafencity. Foto: Claudio Kummerfeld

„Planwirtschaftlicher Irrsinn“, das ist meine Wortkreation. Denn das trifft es exakt. Der Druck von linker Seite, die Mietpreisbremse zu verschärfen und weitere regulatorische Maßnahmen einzuführen, ist immens. Und auf den ersten Blick klingt es auch verlockend. Man will den Mietermarkt entlasten, und denkt sich: Frieren wir doch die Mieten ein, lasst uns den Mietern helfen, wir bekämpfen die ausbeuterischen bösen Kapitalisten. Mit einer Mietpreisbremse sorgt man zwar dafür, das sich Bestandsmieter über eine nicht weiter steigende Miete freuen. Aber wenn die Vermieter nicht mehr die Miete erzielen können, um Renditen zu erzielen und Instandhaltungen zu bezahlen, verfallen die Objekte nach und nach. Genau das war der Fall in allen sozialistischen Ländern mit spottbilligen Mieten, die vom Staat vorgegeben wurden.

Mietpreisbremse eskaliert das Problem für Wohnungssuchende

Viel schlimmer ist aber die Mietpreisbremse für alle, die eine Wohnung suchen. Denn wenn Vermieter keine angemessene Mietrendite mehr erzielen können, stellen sie den Neubau ein. Entsprechend sieht man überall dort, wo Mietpreisbremse und andere Elemente den Markt zu stark verzerren, deutlich weniger Wohnungsbau. Dadurch finden Nachfrager keine neue Wohnung mehr. Man bleibt daher in seiner bestehenden Wohnung oder zieht im Kinderzimmer bei den Eltern ein, weil man in der gewünschten Stadt oder dem gewünschten Stadtteil gar nichts findet. Und auch wenn man eigentlich genug Geld verdient für eine größere Wohnung, man findet einfach nichts. So werden auch Umzüge innerhalb Deutschlands massiv eingeschränkt. Suchen Unternehmen für einen bestimmten Standort Fachkräfte, können diese nicht dorthin umziehen, mangels freiem Wohnraum. Ein Problem nicht nur für Wohnungssuchende, sondern auf lange Sicht auch für die ganze Volkswirtschaft.

Aber all zu viele sozialistisch planwirtschaftlich orientierte Menschen denken, dass die Mietpreisbremse eine gute Sache wäre. Dabei ist es doch nur zu logisch, dass dieses und andere Instrumente den Wohnungsbau drastisch zurückfahren, und damit die Lage für die Nachfrager von Wohnraum noch weiter verschärfen. Würde man hingegen die Voraussetzungen für Projektentwickler und einfache Vermieter erleichtern, Vorschriften und Baukosten senken, marktgerechte Mieten erlauben, die den Vermietern auch anständige Renditen ermöglichen, würde man den Wohnungsbau ankurbeln!

Für Mieter oder Wohnungssuchende, die hören, man müsse den Vermietern doch endlich marktgerechte Mietrenditen ermöglichen, mag das wie der blanke Hohn klingen. Man selbst als Mieter sieht die astronomisch steigenden Mieten, die man nicht mehr bezahlen kann. Aber auch die Vermieter haben ein Problem: Steigende Grundsteuer, immer teurere Baugrundstücke, seit Jahren steigende Baukosten, steigende Löhne, immer mehr Bürokratie, gestiegene Bauzinsen. Ein toxischer Mix zwingt die Vermieter zu höheren Mieten, damit sie überhaupt noch ihre Kosten decken können. Eine Verschärfung der Mietpreisbremse würde wie gesagt noch mehr kleine private Vermieter wie auch große Projektentwickler vom Wohnungsbau abhalten – ein logischer marktwirtschaftlicher Mechanismus, den Verfechter der Planwirtschaft offenbar nicht verstehen können oder wollen.

ifo-Präsident Fuest über Verschärfung der Wohnungsnot

Heute hat sich auch Clemens Fuest, der Chef des renommiertesten deutschen Wirtschaftforschungsinstituts ifo, zu dem Thema geäußert. Eine Ausweitung der Mietpreisbremse würde die Wohnungsnot in Deutschland vergrößern, so seine Aussage. Solche Eingriffe würden den Wohnungsmarkt nicht entlasten. Sie würden die Arbeitsmobilität verringern und die Knappheit verschlimmern. Wenn weniger Wohnungen gebaut und Vermietungsmärkte auf vorgegebenen Preisniveaus eingefroren würden, litten vor allem junge Menschen und Arbeitsuchende, die für neue Jobs umziehen müssten, so Fuest.

Mietregulierung führt nach ifo-Analysen dazu, dass Investitionen in Neubauten zurückgehen und die Nutzung von bereits bestehendem Wohnraum weniger flexibel wird. Das zeigt sich unter anderem darin, dass Mieten für Neubauten deutlich über Bestandsmieten liegen – deutschlandweit rund 30 Prozent und in attraktiven Großstädten nahezu 50 Prozent höher – wodurch Umzüge für viele finanziell unattraktiv werden. Diese sinkende Mobilität verschärft laut ifo die Lage auf dem Mietwohnungsmarkt, weil ältere Menschen tendenziell in zu großen Wohnungen bleiben, während junge Menschen mehr Schwierigkeiten haben, eine Wohnung zu finden.

ifo Präsident Fuest spricht sich deshalb gegen weitere Verschärfungen der Mietpreisbremse aus. „Wichtig wären Maßnahmen, die den Wohnungsbau fördern und die Nutzung des Bestands verbessern. Nur so lassen sich Wohnungsangebot und Nachfrage langfristig in Einklang bringen.“ HIER finden Sie die ausführlichen Aussagen von Clemens Fuest zur Mietpreisbremse.



Claudio Kummerfeld
Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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4 Kommentare

  1. Das einzige was gegen Wohnungsmangel hilft, sind Wohnungen.

    Es hätte heißen müssen, Wir bauen Wohnungen. Stattdessen haben sich viele von der Parole „Wir schaffen das“ blenden lassen. Die Parole wurde mit deutlicher Mehrheit wiedergewählt. Nun wenden sich viele erschrockem ab und suchen ihr Heil weit links oder rechts der Mitte.

    1. Naja, das sind doch insgesamt eher wenige „Republikflüchtige“. Eine überwältigende Mehrheit bestätigt bei jeder Wahl doch die Grundlinie. Ich sehe es eher wie Antje Hermenau, die diese Woche sagte, dass die meisten jeden morgen mit einem Stoßgebet aufstehen „hoffentlich wird es nicht noch schlimmer“, aber die Klappe halten. Und das ist genau verkehrt, weil die Politik dann immer weiter in der gleichen Richtung weiter macht.

  2. Es gibt nur eine Not bei bezahlbaren Wohnungen und Mieten. Das ganze hat also nicht nur mit Sozialismus zu tun.

  3. Der Wohnungsmarkt ist in Deutschland schon lange ein Problem. In den 60ern gab es sozialen Wohnungsbau. Die Mieter sparten um später zu bauen, aber die meisten wurden von der Inflation daran gehindert. Was damals per Bausparen angesammelt wurde, führte dann nicht zum Bauen, sondern um den Kindern das erste Auto oder eine Küche zu schenken.
    Schon in den 90er Jahren wurden die Bauziele nicht mehr erreicht. Das liegt daran, dass der deutsche Markt den Mieter sehr schützt, auch den pflichtvergessenen, was gut für den Mieter ist, aber unattraktiv für den Vermieter.
    Das überhaupt so viele Immobilien in Privatbesitz sind, ist ein psychologisches Phänomen: der Deutsche fürchtet die Inflation und traut sich zugleich nicht an die Börse. Ergo werden Häuser und Wohnung gekauft. Mutmaßliches „Betongold“. Gute Gewinne gab es aber nur durch nominale Wertsteigerungen der Immobilien, nicht durch die Vermietung. Die wurde mehr und mehr zum Risiko.

    Ab 2015 hat unsere Bundeskanzlerin die Einwohnerzahl mächtig erhöht, ohne einen Bauboom auszulösen.
    Junge Paare zahlen in der Provinz jetzt vierstellige Mieten für Miniwohnungen. Es ist absehbar, dass das Aussterben der westlich kultivierten Bewohner des Landes damit beschleunigt wird. Hohe Geburtenziffern hat man nur in Gruppen, die sich gerade nicht integrieren, sondern von „sozial“ leben.

    Treffend dazu Marc Friedrich gestern in seinem ersten Livestream: Auf die Frage, ob er ein Immobilienschutzseminar anbietet, sagte er etwa, „Ja, mach ich sofort: verkaufen!“

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