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DIHK-Umfrage unter 15.000 Unternehmen Mindestlohn-Erhöhung: Betriebe entlassen und erhöhen Preise

Der immer höhere Mindestlohn hebt das ganze Lohnniveau. 40 % der Unternehmen wollen daher Preise erhöhen, 13 % wollen Personal abbauen.

Euro-Geldscheine
Euro-Geldscheine. Foto: Claudio Kummerfeld

Noch vor fünf Jahren lag der Mindestlohn bei 9,50 Euro. Seit dem 1. Januar 2026 sind es 13,90 Euro, erhöht von 12,82 Euro. Und bereits am 1.1.2027 steigt er auf 14,60 Euro. Ein Anstieg um 53,7 % binnen sechs Jahren! Jedem Mindestlohn-Empfänger seien diese Erhöhungen gegönnt, gar keine Frage! Ich kann mir meinen persönlichen Kommentar gleich zu Beginn dieses Artikels nicht verkneifen: Was passiert, wenn der Mindestlohn zu stark ansteigt? Die Befürworter aus dem links-grünen Milieu fordern immer höhere Mindestlöhne, damit Geringverdiener mehr Geld in der Tasche haben. Und dagegen zu argumentieren, ist moralisch natürlich äußerst schwierig. Denn wer ist schon dagegen, dass Geringverdiener mehr Geld in der Tasche haben? Auch ich finde es gut, wenn Geringverdiener mehr Geld verdienen!

Nur das Problem dahinter ist: Die Arbeitgeber müssen den höheren Mindestlohn refinanzieren. Entweder man erhöht die Preise für seine Endkunden, man senkt seine eigene Marge, man erhöht die Produktivität der Arbeitsplätze, oder man entlässt Mitarbeiter, und der Rest muss mehr arbeiten. Gerade in Branchen mit geringen oder nicht existenten Gewinnmargen, wo die Kundschaft höhere Preise nicht akzeptiert, wird ein stetig steigender Mindestlohn zur echten Bedrohung der Betriebe.

Aber all zu viele links-grüne Politiker können nur eindimensional denken: Mindestlohn rauf, alles gut. Der böse, kapitalistische, ausbeuterische Unternehmer soll bluten! So einfach ist die Weltsicht all zu vieler Politiker, Parteigänger und Kommentatoren. Ein anderes Problem beim Thema Mindestlohn haben diese Personenkreise auch nicht im Blick: Erhält beispielsweise ein ungelernter Arbeiter deutlich mehr Mindestlohn, verlangen in den Lohnklassen darüber liegende Arbeiter, die qualifiziert sind und schon lange im Betrieb arbeiten, natürlich auch eine Lohnerhöhung. Und dies ist zwingend notwendig aus Gerechtigkeitsgründen. Betriebstreue und Know How muss entsprechend mit einem Lohnabstand dargestellt werden.

Und so sorgt der immer weiter steigende Mindestlohn dafür, dass Unternehmen großflächig mit deutlich steigenden Lohnkosten konfrontiert sind! Die realen Folgen zeigt eine heute veröffentlichte Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) unter 15.000 Unternehmen. Sie zeigt, dass Unternehmen auf den immer weiter steigenden Mindestlohn mit höheren Preisen und Personalabbau reagieren.

Die Erhöhung des Mindestlohns zum ersten Januar 2026 auf 13,90 Euro pro Stunde betrifft jedes zweite Unternehmen in Deutschland, so der DIHK. Nicht nur Arbeitgeber, die selbst Angestellte zum Mindestlohn beschäftigen, müssen demnach Löhne anheben, sondern auch viele weitere Betriebe sehen sich dazu gezwungen, so der Verband. Eine Mindestlohnerhöhung verändert die gesamte Lohnstruktur, und zwar nicht nur in den unteren Lohngruppen“, erklärt DIHK-Präsident Peter Adrian. „Etliche Arbeitgeber sehen sich veranlasst, auch Löhne, die über dem Mindestlohn liegen, anzupassen, um einen entsprechenden Abstand zum Mindestlohn beizubehalten.“

Direkt betroffen von einem höheren Mindestlohn ist laut Umfrage rund jedes vierte Unternehmen. In der Gastronomie beschäftigt sogar jeder zweite Betrieb Angestellte zum Mindestlohn, im Handel jeder dritte. Hier sieht sich besonders der Einzelhandel (38 Prozent) Lohnsteigerungen und damit einem deutlichen Anstieg der Arbeitskosten gegenüber. Die Bauwirtschaft ist mit 17 Prozent am wenigsten betroffen.

Über alle Branchen hinweg geben 40 Prozent der Befragten an, auch die Löhne in höheren Lohngruppen anzuheben. In der Industrie ist es sogar fast jeder Zweite. Insgesamt sieht sich die Hälfte aller Unternehmen entweder direkt oder indirekt von der Mindestlohnerhöhung betroffen.

Um die steigenden Personalkosten auszugleichen, planen rund 40 Prozent der Befragten ihre Preise zu erhöhen. 13 Prozent beabsichtigen Personal abzubauen – im Einzelhandel und im Gastgewerbe sind dies sogar über 20 Prozent. Mit einer Einschränkung von Produktion und Dienstleistung wollen nur sieben Prozent der Unternehmen reagieren.

„Aufgrund der schwachen Wirtschaftslage entstehen aktuell ohnehin kaum neue Arbeitsplätze“, so der DIHK. Zudem seien die Arbeitskosten schon heute im internationalen Vergleich viel zu hoch: „Die Mindestlohnerhöhung und steigende Sozialabgaben treiben die Arbeitskosten weiter in die Höhe. Das bremst Investitionen und Investoren aus – gerade im Mittelstand. Die Politik muss gegensteuern und die Sozialabgaben wirksam begrenzen: Zum Beispiel, indem sie Fehlanreize zur Frühverrentung abbaut und das Renteneintrittsalter an die Entwicklung der Lebenserwartung anpasst“, so der DIHK.



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9 Kommentare

  1. Ja zu einem gesetzlichen Mindestlohn unter der Voraussetzung, daß er von einer Mindestlohnkommission angepasst wird.

  2. Auch wenn der Lohn nie erhöht werden würde, würden die Preise trotzdem steigen.

  3. Für mich sind die Dinge, die in letzer Zeit „einzeln“ diskutiert werden alle Symptom der gleichen Ursache:

    -Mindestlohn
    -Renten
    -Sozialkassen
    -Krankenkassen

    Ursache ist die Art, wie das System gebaut ist.

    Die journalistische Aufarbeitung geht ebenso stets an der Struktur des Gesamtkonstrukts vorbei und Debatten werden lagerorientiert geführt und hochemotional Gewinner (die Alten) und Verlierer (die Jungen) ausgemacht. so auch hier: Die Arbeitgeber oder die Endkunden…

    Das scheint sich gut zu verkaufen, löst aber strukturelle Probleme nicht.

    Gehen wir doch mal in die First Person View eines Bürgergeldempfängers. Dieser bekommt seine rund 500 EUR vom Amt. Warum unterstellt man hier, dass jemand nicht arbeiten will? Wäre Ihre Motivation nicht auch, etwas mehr Geld zu erwirtschaften?

    Nehmen wir an, Sie kommen zu dem Schluss, also 300 EUR mehr hätte ich schon gerne und ich helfe im Supermarkt aus. So weit so gut. Aber wenn sie so einen Job finden (Problem Nr. 1), dann werden Sie am Monatsende nicht 300 EUR mehr auf dem Konto haben, weil das Amt ihren Verdienst abzieht, ich weiß nicht im Detail, wie viel genau aber wohl ziemlich viel.

    Nehmen wir jetzt noch die Wohnkosten hinzu, die ebenfalls vom Amt bezahlt werden, dann müsste jemand ja überhaupt erst mal ca. 1300 EUR netto im Monat erwirtschaften, um auf die gleiche Summe zu kommen, die er auch ohne Arbeit kriegen würde. Und damit er auf die Summe kommt, müsste er nahe Vollzeit arbeiten.

    Auch hier spielt der Mindestlohn rein aber darauf will ich jetzt nicht eingehen. Betrachten wir den gesellschaftlichen Schaden an der Stelle:

    Der Empfänger wird vollständig von der Gemeinschaft getragen und er zahlt selbst nichts in die Sozialkassen ein.

    Jetzt stelle ich mal eine provokative Frage: Warum ist das System so gebaut, wenn man doch sieht, dass es nicht funktioniert?

    Wie wäre es, wenn man die 500 EUR einfach jedem Bürger zugesteht und ansonsten gibt es eine Progression, die wir ja auch schon haben. Dann wäre der Anreiz plötzlich da.

    Wäre es nicht besser, jeglichen Verdienst mit Steuerabgaben und Sozialabgaben zu belegen, also auch die Minifobs und die Aktivrentner? Damit würden die Sozialkassen gestärkt und nicht geschwächt.

    Ich leugne nicht, dass dies auch Motivation geben könnte, für den ein oder anderen etwas weniger zu Arbeiten, weil 500 sind ja schon da. Wäre das schlimm, wenn sich die Arbeit etwas verteilt auf mehr Köpfe?

    Und wir würden uns diese aufgeblähte Verwaltung sparen, die nun dafür eingesetzt werden soll, die Leute zur Arbeit zu zwingen. Macht sich irgendjemand Gedanken, dass der Beamte unten an der Basis seinen Kopf hinhalten muss, wenn es den Leuten an die Existenz geht?

    Der Name von der Idee wäre glaube ich bedingungsloses Grundeinkommen oder so.

    Ja und dann stellt sich ein Kanzler und eine Begleitung dahin und reden in hoch arroganter Art davon, dass alle mehr arbeiten müssen. Dass zuviel krank gemacht wird. Das sagen die einer Gesellschaft, die stark altert, schon jedem Menge geleistet hat und einen hohen Zuzug in Sozialkassen verkraften muss.

    Bei allem Respekt. Das Problem wird nicht gelöst, man heizt nur an.

  4. „Etliche Arbeitgeber sehen sich veranlasst, auch Löhne, die über dem Mindestlohn liegen, anzupassen, um einen entsprechenden Abstand zum Mindestlohn beizubehalten.“
    Ein Rechtsanspruch, dass Löhne oberhalb des Mindestlohns (zur Wahrung des Abstands) automatisch mitsteigen müssen, besteht laut Bundesarbeitsgericht nicht.
    https://www.bundesarbeitsgericht.de/entscheidung/5-azr-135-16/
    https://www.haufe.de/id/beitrag/mindestlohn-was-ist-bei-verguetungsvereinbarungen-zu-bea-2-aenderung-von-verguetungsvereinbarungen-HI7203657.html

    Hier scheint es sich um eine Art Henne-Ei-Problem zu handeln. Ich habe kürzlich gelesen, dass die Mindestlöhne automatisch der restlichen Lohnentwicklung folgen: Die unabhängige Mindestlohnkommission ist gesetzlich dazu verpflichtet, sich bei ihren Anpassungsvorschlägen an der nachlaufenden Tariflohnentwicklung zu orientieren. Das bedeutet: Wenn Gewerkschaften und Arbeitgeber in den restlichen Branchen höhere Löhne aushandeln, wird dies zeitversetzt als Maßstab für die Erhöhung des Mindestlohns herangezogen.

  5. Und wie sieht es mit den steigenden Personalkosten am anderen=oberen Ende, d.h. bei den CEOS, Vorständen und Topmanagern aus? Einfach mal googeln. Gehaltssteigerungen bei deutschen CEOS… > Die muss sich ein Unternehmen ebenso leisten (können)! Wie viel finanzielle Belohnung musste Elon Musk kürzlich in Aussicht gestellt werden, auf dass er selber wieder mehr Engagement für Tesla einsetzt (bzw. einzusetzen versprach)?!
    Damit man mich nicht missversteht: Ich bin einverstanden, dass Leute mit hoher unternehmerischer Gesamtverantwortung und aufwändiger Ausbildung deutlich mehr verdienen als schlecht qualifizierte Mitarbeiter mit beschränktem Aufgabenformat. Trotzdem stimmen die Verhältnismäßigkeiten nicht und man sollte nicht einseitig nur die Forderungen und Kosten der unteren Riegen anprangern, dass sie zu teuer kommen.

  6. In der freien Wirtschaft verdient man das, was man wert ist, mit anderen Worten was man erwirtschaftet. Manche sind halt nicht in der Lage (Willen, Können etc.) den Mindestlohn zu erwirtschaften. Deswegen z.B. gibt es in vielen Firmen keinen Empfang mehr, wurden durch Zutrittssysteme und ein Telefon ersetzt. KI Anwendungen und humanoide Roboter werden das Thema Mindestlohn ein vielen Bereichen – nicht überall- erledigen.

  7. Die gesamte Entwicklung des Mindestlohnes seit seiner Einführung war Schwachsinn, und vor allem vollkommen „für die Katz“. Der Mindestlohn hat sich seit seiner Einführung fast verdoppelt. Nun sollte man annehmen, daß sich dadurch die Einkommensituation der Mindestlohnempfänger verbessert hat, eigentlich fast verdoppelt hat. Er/Sie kann sich heute doppelt soviel leisten wie vor 10 Jahren. Aha. Theoretisch. Praktisch kann sich der Mindestlohnempfänger kein Ding mehr leisten als vor 10 Jahren, da der wundersame und für unsere intellektuellen Hyperschallraketen völlig überraschende Effekt der Inflation gerade bei Produkten, die von geringverdienenden Schichten gefertigt und verbraucht werden, derart eingestellt hat, daß sich genau diese Produkte parallel zum Mindestlohn verteuerten. Ob daß das Brötchen beim Bäcker ist, die Milch, der Käse, die Roulade, die Erdbeeren, der Strom, das Gas, das gebrauchte Auto, die Busfahrt, das Porto, der Handwerker, der Dienstleister – ich sage nur Friseur – alles hat sich gleichermaßen verdoppelt. Oh Wunder, weil genau in diesen Branchen der Mindestlohn zu den spürbaren Sprüngen geführt hatte, manchmal auch auf dem Umweg der Abstandswahrung zum Mindestlohn. Dadurch haben sich die Arbeitskosten durchgängig extrem erhöht und führen zu den bekannten Problemen. Warum brummen wohl die Baumärkte ? Weil geringverdienende Schichten sich die dazu passenden Gewerke heute genauso wie vor 10 Jahren nicht leisten können. Dieser die Arbeitswelt durchziehende multiple Lohnanstieg dient einzig dem Staat für noch mehr Steuereinnahmen, den Sozialkassen ebenfalls wegen mehr Einnahmen. Besser wird für die Lohnempfänger in diesen Gehaltsbereichen gar nichts. Gäbe es nicht Lidl und Aldi mit Sonderangeboten und NanuNana und Pfennigpfeifer und dergleichen, ginge es diesen Schichten heute sogar schlechter als vor 10 Jahren. Trotz fast doppelten Brutto. Und wie sähe das Rezept der linken intellektuellen Kurzstreckenkavallerie aus ? Na klar – noch höherer Mindestlohn. Das Prinzip der Aufstockung für Wenigverdiener hätte man perfektionieren müssen bis hin zu einer vernünftigen Grundrente – alles steuerfinanziert. Wäre alles möglich gewesen. Aber es mußte ja über alles diese ominöse Gerechtigkeitssoße gegossen werden. Ergebnisse sehen wir – strukturell unreformierbare Sozialsysteme, strukturell nicht mehr rückgängig zu machender Arbeitskräfteabbau, strukturell bedingter langanhaltender wirtschaftlicher Abschwung mit Wohlstandsverlusten genau bei den unteren Einkommensgruppen. Applaus,Applaus! Dieses Land hat Rekordsteuereinnahmen und macht dazu Rekordschulden, das Gesundheitswesen hat ein Budget in unfaßbaren Dimensionen – aber nirgendwo reicht das Geld. Was hat es also gebracht ?! Nichts, außer das Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit nach und nach komplett verliert. Liegt natürlich nicht nur am Mindestlohn, aber auch.

  8. Der Mindestlohn ist sicher nicht hoch genug, um damit Einnahmen zu erzielen, um nicht von weiteren Sozialleistungen (wie Wohngeld und WBS) abhängig zu sein.
    Bei 13,90 Euro und 168 Arbeitsstunden ergibt das einen Bruttolohn von 2.335,20 Euro im Monat und
    1.827,14 € netto.
    Wie soll z. B. davon in 45 Jahren eine Rente erarbeitet werden, die über der Grundsicherung liegt?
    Und das trotz etwa 435,00 Euro (AN + AG) Rentenbeiträge im Monat.
    Etwa 235,00 Euro Rentbeiträge in 45 Jahren.
    Am Kapitalmarkt (AN + AG) angelegt und einem Kapitalertrag von durchschnittlich 8 % wären das nach 45 Jahren etwa 2,1 Millionen.
    Bei einem Goldsparplan sogar noch etwas mehr, aber dafür steuerfrei.
    Auf der anderen Seite:
    Menschen, die über keine Ausbildung verfügen, die deutsche Sprache nicht beherrschen und nicht lesen und schreiben können, wird kein Arbeitgeber zu finden sein, der den Mindestlohn bezahlt.
    In Deutschland sind schätzungsweise 6,2 Millionen Erwachsene (im Alter von 18 bis 64 Jahren) als funktionale Analphabeten einzustufen.

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

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