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Mit 16 Milliarden Euro höchster Verlust jemals bei e.on! Weltuntergang? Warum die Aktie nicht fällt

FMW-Redaktion

Die großen Medien titeln es heute früh allesamt plakativ. 16 Milliarden Euro, größter Verlust der Unternehmensgeschichte von e.on! Eine Katastrophe? Weltuntergang beim Branchengiganten? Die Aktie fällt ins Unermessliche? Nein, das tut sie nicht – sie fällt überhaupt nicht. Was ist passiert? Heute früh hat e.on seine Zahlen für 2016 vermeldet. Ja, in harten Zahlen liegt der Verlust bei 16 Milliarden Euro. Hierin sind aber einige dicke Brocken als „einmalige“ Belastungen enthalten. Wie so oft üblich, zählt man sie daher nicht zu Belastungen des Kerngeschäfts und rechnet sie heraus.

Auch die Grafik unten zeigt einmal den Verlust von 16 Milliarden Euro, darüber aber auch die Gewinne ohne diese Sonderposten. Es ist also eine Frage der Sichtweise, denn beide Ergebnisse sind korrekt. Der Markt jedenfalls hatte mit diesem Desaster schon gerechnet, und berücksichtigt auch die Erwartungen von e.on an die Zukunft (am Ende dieses Artikels). Am Einfachsten lassen wir den e.on-Chef Johannes Teyssen selbst zu Wort kommen, was die Erklärung des 16 Milliarden-Verlusts angeht. Zitat von heute auszugsweise:

So haben wir beispielsweise Abschreibungen auf Kraftwerke und Geschäfte vorgenommen, die durch geänderte Rahmenbedingungen nicht mehr so werthaltig waren wie zuvor, und im Rahmen der Entkonsolidierung von Uniper unsere Bilanz bereinigt. Das Jahr 2016 war also – wie immer wieder betont – tatsächlich das Jahr des Übergangs. Auch beim Thema Beendigung der Kernenergie in Deutschland gab es 2016 eine weitgehende Einigung mit der Politik. Die langfristigen Zuständigkeiten und die Finanzierung der Zwischen- und Endlagerung von Atommüll wurden für die Zukunft gesetzlich geregelt. Über die für uns dazugehörige vertragliche Vereinbarung mit dem Bund wird derzeit verhandelt. Kurzfristig erfordert das für Ihr Unternehmen zwar eine erhebliche finanzielle Anstrengung: Knapp 10 Mrd € werden wir Mitte 2017 an den staatlichen Fonds zu überweisen haben. Für den größten Teil, knapp 8 Mrd €, hatten wir bereits Rückstellungen gebildet, aber die gesetzlich vorgegebene sogenannte Risikoprämie belastet naturgemäß die E.ON-Bilanz zusätzlich. Dafür ist Ihr Unternehmen aber künftig von diesen quasi ewigen Risiken befreit. Die Trennung von Uniper und die Finanzierung der Endlagerung bedeuten bilanziell also tiefe Einschnitte. Darauf hatten wir frühzeitig und transparent hingewiesen. Diese Lasten der Vergangenheit prägen ein letztes Mal unser Konzernergebnis, das wir mit einem Konzernfehlbetrag von 16 Mrd € abschließen. Der gesamte Fehlbetrag ist aber letztlich den aufgegebenen Geschäften und der Kernenergie zuzuordnen. Bis auf die Risikoprämie ist der Verlust nicht cash-relevant.

Die Aktie geht heute früh sogar mit einem kleinen Plus in den Handel.


Zum Vergrößern bitte anklicken.

Hier die heutigen Kernpunkte von e.on im Originalwortlaut:


Bereinigtes Konzern-EBIT mit 3,1 Milliarden Euro und bereinigter Konzernüberschuss mit 904 Millionen Euro am oberen Ende der Prognose

Befreiung von Lasten der Vergangenheit führt zu Konzernfehlbetrag in Höhe von rund 16 Milliarden Euro, schafft aber Grundlage für künftiges Wachstum

Vertrag mit dem Bund zur Finanzierung des Kernenergie-Ausstiegs unterschriftsreif

Dividende in Höhe von 21 Cent je Aktie für 2016 vorgeschlagen

Feste Dividende in Höhe von 30 Cent je Aktie für 2017 geplant, Dividendenwachstum in den Jahren danach durch Erhöhung der Ausschüttungsquote auf 50-60 Prozent

Für 2017 bereinigtes EBIT zwischen 2,8 und 3,1 Milliarden Euro und bereinigter Konzernüberschuss in Höhe von 1,2 bis 1,45 Milliarden Euro erwartet

Mittelfristiger Schuldenabbau von 26,3 auf rund 20 Milliarden Euro geplant

Kundennähere Unternehmensstrukturen und maßvoller Stellenabbau von rund drei Prozent führen ab 2018 zu dauerhaften Kostensenkungen von 400 Millionen Euro jährlich



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3 Kommentare

  1. Gut erklärt, es sind „nur“ Abschreibungen, somit fließt kein Geld ab. Das ist halt die Deutsche Definition von Verlust. Deshalb produzieren auch die Finanzinstitute immer Milliarden an Abschreibungen und können danach trotzdem weitermachen wie immer.

  2. Die sollten sich schämen bei E.ON Hauptsache Dividende zahlen, aber 1300 Leute entlassen.

    1. Na ja, es ist die Sprache von Stellenabbau, das ist zunächst was ganz anderes Entlassung.

      Aber selbst falls Leute entlassen würden, die werden händeringend in anderen Firmen gesucht.
      Ich sehe deshalb selbst Entlassungen als nichts Negatives an. Tragen sie doch immerhin auch zumindest ein ganz klein wenig dazu bei, den wahnsinnig belastenden Fachkräftemangel in Deutschland zu verringern.

      Allerdings sind 1300 Arbeitsplätze wirklich nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Wie auch die vielen Tausend wegfallenden Stellen (nicht Entlassungen) bei den Banken. Denn leider hat das DIW heute vermeldet, dass in diesem und im nächsten Jahr in Deutschland
      j e w e i l s rund 500.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

      Da wird es hart werden für die Unternehmen, Leute zu finden. Wahrscheinlich überbieten die sich bald gegenseitig mit freiwilligen Lohnerhöhungen. Dann wirds aber auch hart für die Gewerkschaften, denn die werden ja gar nicht mehr gebraucht, um höhere Löhne durchzusetzen. Obwohl die wissen schon, was zu tun ist, die stehen Seite an Seite mit den Linken, den Grünen und den Schwarzen und kämpfen für stetigen Fachkräftezuzug aus dem Ausland- da bleibt der Druck auf die Löhne erhalten und die Pöstchen bei den Gewerkschaften ebenso.

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