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Mittelstandsanleihen: Umschuldungen stehen an – BaFin mit Hinweisen für Anleger

Erinnern Sie sich noch an den kurzzeitigen Hype um Mittelstandsanleihen? Unterhalb der großen Industriekonzerne begaben Mittelständler, von denen die allermeisten Anleger noch nie etwas gehört haben, hochverzinste…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Erinnern Sie sich noch an den kurzzeitigen Hype um Mittelstandsanleihen? Unterhalb der großen Industriekonzerne begaben Mittelständler, von denen die allermeisten Anleger noch nie etwas gehört haben, hochverzinste Anleihen um ihr Wachstum zu finanzieren. Nach Pleiten und somit ausbleibenden Rückzahlungen ging der Hype schnell zu Ende. Aber natürlich ging nur ein kleiner Teil dieser Emittenten pleite. Jüngst ist da die Insolvenz von Alno zu nennen, wie auch die Entschuldung von Smart Solutions.

Und der Rest der Anleihen von Unternehmen, die nicht pleite gingen? Bei vielen stehen nach mehrjährigen Laufzeiten so langsam die Rückzahlungen der Schuldensummen an. Und was macht man in solchen Fällen? Statt Rückzahlen einfach umschulden, also die effektive Rückzahlung schön weiter in die Zukunft verschieben. Das machen Staaten schließlich auch ständig so. Und damit die Anleger bei der Umschuldung brav mit machen, wird ihnen diese Verlängerung ihres Investments versüßt.

So zum Beispiel das „Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig“. Seit wenigen Tagen bietet man seinen Gläubigern an eine 25 Millionen Euro-Anleihe, die im März 2019 ausläuft, umzuschulden auf eine neue Anleihe. Das neue Ablaufdatum liegt dann im Jahr 2023. Der Zins wird bei 7,25% liegen – wem wird da nicht der Mund wässrig? Dazu gibt es noch eine Umtauschprämie von 2,5%.

Der IT-Anbieter „BDT“ verzichtet auf großes Tamtam und Drumherum. Um seine Anleger zur Refinanzierung zu animieren (Nachranganleihen), bietet er einfach satte 8,0% Zinsen! Der Immobilien-Projektentwickler „Euroboden“ hat eine Anleihe, die nächsten Juli ausläuft. 81,4% der Gläubiger nahmen das Umtauschangebot für eine neue Laufzeit an – das ist verdammt viel! Der Rest der neuen Anleihe wurde durch neue Anleger überzeichnet.

Das waren jetzt nur ein paar kleine Beispiele. Aber sie zeigen: Trotz Pleiten von Emittenten von Mittelstandsanleihen greifen die Anleger zu. Denn 7% oder 8% Zinsen, das ist was im Vergleich zu praktisch Nullzinsen auf Sparkonten. Der Drang nach Rendite ist mehr als nachvollziehbar. Aber man bedenke immer mit gesundem Menschenverstand: Diese Mittelständler kämpfen in ihren Märkten alle mit Konkurrenten, und müssen Zinsen von 8% erst einmal erwirtschaften mit ihren Gewinnspannen. Da wird es dann problematisch!

Nochmal, man bedenke: Je höher die Zinsen, desto höher das Risiko! Denn kein Emittent bietet hohe Zinsen aus Nächstenliebe. Jeder am Kapitalmarkt weiß: Der höhere Zins ist eine Risikoprämie (Belohnung des Risikos einer Nicht-Zurückzahlung), die der Anleger erhält.

BaFin

Gerade weil nun Umschuldungen zahlreicher Emittenten von Mittelstandsanleihen anstehen, hat die BaFin jüngst einen Extra-Hinweistext für Privatanleger veröffentlicht. Diesen drucken wir hier ab:


Aufstieg der „Mittelstandsanleihe“

Im Lauf des Jahres 2010 etablierten mehrere Börsen in Deutschland Segmente speziell für die Emission mittelständischer Unternehmensanleihen. Auf der einen Seite eröffnete dies mittelständischen Unternehmen, neben dem normalen Bankkredit, eine weitere Möglichkeit zur Finanzierung von Investitionen und zur Refinanzierung ihrer Verbindlichkeiten. Auf der anderen Seite stellte die Mittelstandsanleihe angesichts der sinkenden Rendite klassischer Geldanlagen für viele Anleger eine interessante Investitionsmöglichkeit dar.

In den Folgejahren erfreuten sich die Mittelstandsanleihen daher großer Beliebtheit. Bis 2013 führte die BaFin fast 150 Verfahren zur Billigung von Wertpapierprospekten für Mittelstandsanleihen durch. Mit dazu beigetragen hat sicherlich der Begriff „Mittelstand“, der in Deutschland im Allgemeinen für Seriosität und Bodenständigkeit steht.

Die Mittelstandsanleihen wurden im Allgemeinen mit einer Stückelung in Höhe von 1.000 Euro vertrieben. Das führte dazu, dass auch viele Privatanleger Mittelstandsanleihen zeichneten.

Rückgang des Markts

Die Nachfrage nach Mittelstandsanleihen ging jedoch im Verlauf der Jahre 2012 bis 2014 zurück, als es zu Ausfällen bei mehreren Anleihen kam. Dieser Trend setzte sich 2015 und 2016 fort. Gleichzeitig ging auch die Zahl der Emissionen zurück. So billigte die BaFin von 2014 bis 2016 lediglich 71 neue Prospekte für Mittelstandsanleihen.

Von den Mittelstandsanleihen, die seit 2010 angeboten wurden, sind inzwischen etliche von Insolvenzen oder Zahlungsverzögerungen betroffen. Schlimmstenfalls kann dies zum Totalverlust für den Anleger führen.

Refinanzierung

Seit einiger Zeit sind vermehrt Angebote von Mittelstandsanleihen zu beobachten, die der Refinanzierung bereits begebener Anleihen dienen. Wie bereits erwähnt, liegt das auch daran, dass ein großer Teil der einst platzierten Anleihen im Lauf der Jahre 2017 sowie 2018 zur Rückzahlung anstehen.

Die Emittenten gehen bei der Durchführung solcher Refinanzierungen teilweise sehr unterschiedlich vor. So konnten in den vergangenen Monaten einige Emittenten, deren Anleihen sich dem Laufzeitende näherten, Gelder über die Ausgabe neuer Anleihen einsammeln. Dies versetzte sie in die Lage, die alten Anleihen zurückzuzahlen. Andere Emittenten machen ihren Anlegern das Angebot, die Anleihen um einige Jahre zu verlängern, häufig zu einem reduzierten Zinssatz. Wieder andere bieten den Anlegern einen Umtausch ihrer Anleihen in eigene Aktien oder andere Fremdkapitalinstrumente an. Dadurch entfällt die Rückzahlung oder wird in die Zukunft verlagert.

Anleger sollten jedoch kritisch hinterfragen, warum die Refinanzierung erfolgt. Dies kann aufgrund attraktiver Konditionen am Kapitalmarkt geschehen oder aber auch, weil das Unternehmen nicht in der Lage ist, die bestehenden Verbindlichkeiten aus eigener Kraft beziehungsweise aus anderen Quellen zurückzuführen, etwa einem Bankkredit.

Nutzen und Risiken

Der Nutzen der Mittelstandsanleihe liegt auf der Hand: Sie stellt im anhaltenden Niedrigzinsumfeld zunächst eine attraktive Alternative zu konservativen Geldanlagen dar. Den schwindenden Renditen beispielsweise von Giro- und Sparkonten und privaten Rentenversicherungen steht bei der Mittelstandsanleihe eine deutlich höhere Verzinsung gegenüber.

Dieser Vorteil darf jedoch nicht über die Risiken hinwegtäuschen, die mit der Mittelstandsanleihe einhergehen – im Gegenteil: Die höhere Verzinsung sollte als Gradmesser dieses höheren Risikos betrachtet werden. Für Anleger ist es deshalb wichtig, die Risiken von Mittelstandsanleihen zu kennen.

Wie zahlreiche Ausfälle zeigen, ist die Mittelstandsanleihe eine spekulative Geldanlage. Es besteht die Gefahr, dass es aufgrund einer Insolvenz des Emittenten zu einem Zahlungsausfall kommt, in dessen Folge er dem Anleger weder die erwarteten Zinsen zahlen noch das investierte Geld in vollem Umfang zurückerstatten kann. Im Unterschied zu einem Bankkredit kann ein Unternehmen bei der Mittelstandsanleihe nicht dazu verpflichtet werden, den Gläubigern für diesen Fall Sicherheiten zu stellen. Zwar werden vielfach Covenants vereinbart. Der Emittent kann jedoch frei über das Ob und Wie dieser Schutzklauseln entscheiden.

Es kann darüber hinaus vorkommen, dass eine Anleihe nicht vollständig platziert werden kann und dem Emittenten somit nicht genügend Mittel zufließen, um die geplanten Investitionen zu realisieren oder die Refinanzierung in vollem Umfang durchzuführen. Auch ist nicht ausgeschlossen, dass er später weiteres Fremdkapital aufnimmt und seine Verschuldung auf diese Weise erhöht, was eine Bedienung von Zins- und Rückzahlungen erschweren kann.
Zu bedenken ist auch, dass die Liquidität des Markts für Mittelstandsanleihen wegen des vergleichsweise niedrigen Emissionsvolumens gering sein kann.

Deshalb besteht die Gefahr, dass das Angebot die Nachfrage für Mittelstandsanleihen übersteigt und ein Verkauf während der Laufzeit nicht oder nur mit hohem Kursverlust möglich ist.

Tipps für Verbraucher

Angesichts dieser und weiterer Risiken sollten sich Anleger sorgfältig informieren, bevor sie Mittelstandsanleihen zeichnen. Dabei sollten sie darauf achten, dass sie alle Merkmale des ausgewählten Produkts verstehen und ausreichend Informationen über den Emittenten einholen. Bei Fragen oder Zweifeln kann es sinnvoll sein, Rat bei Fachkundigen einzuholen, zum Beispiel einem Anlageberater oder den Verbraucherzentralen.

Insbesondere sollten Anleger wegen des Risikos eines Totalausfalls nur Beträge investieren, deren Verlust für sie finanziell tragbar ist. Auch ist es sinnvoll, nicht die gesamten zur Verfügung stehenden Mittel in einer Investition zu konzentrieren, sondern auf verschiedene Investitionen und Anlageklassen zu streuen.

Informationsquellen

Als wichtige Informationsquelle dient der Wertpapierprospekt, der stets zu veröffentlichen ist. Häufig geschieht dies im Internet, etwa auf der Homepage des Emittenten. Daneben macht die BaFin Prospekte, die sie gebilligt hat, für jeweils zwölf Monate auf ihrer Internetseite zugänglich. Anleger, die eine Anlageberatung in Anspruch nehmen, können sich auch im Produktinformationsblatt über die Art und Risiken des Finanzinstruments informieren, das ihnen nach § 31 Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) rechtzeitig vor Abschluss des Geschäfts auszuhändigen ist. Darüber hinaus sollten sie die letzten Jahresabschlüsse einsehen sowie Hintergrundinformationen über den Emittenten sammeln.

Bei der Durchsicht von Ratingberichten ist hingegen Vorsicht geboten. Zum einen bestehen Anhaltspunkte dafür, dass einige Ratings in der Vergangenheit die Erwartungen der Anleger nicht erfüllt haben. Zum anderen sind Ratings vielfach emittenten- statt produktbezogen. Risiken des konkreten Wertpapiers, etwa eine mögliche nachrangige Stellung bestimmter Gläubiger in der Insolvenz, bleiben bei der Beurteilung dadurch außen vor. Gleichwohl ist es sinnvoll, den Ratingbericht zu lesen, da dieser zusätzliche Informationen enthalten kann.




Quelle: BaFin

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Marcus

    27. Oktober 2017 12:40 at 12:40

    Wer so blöd ist und Anleihen mit 6 % + x Verzinsung kauft, dem gehört es nicht anders das die Kohle weg ist ! Eine Firma die solche Zinsen bieten muss, die ist faktisch schon insolvent.

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Corona-Hilfen: Ausfallzahlungen im November, und eine ganz wichtige Änderung!

Claudio Kummerfeld

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am

Neue Corona-Hilfen vom Bund

Aufgepasst liebe Selbständige und Unternehmer, es tut sich was bei den Corona-Hilfen des Bundes. Es ist ja inzwischen bekannt, dass die Bundesregierung betroffene Unternehmer mit bis zu 75 Prozent der Umsätze aus November 2019 entschädigen will, wenn sie jetzt im November 2020 durch Betriebsschließungen Umsatzeinbußen erleiden. Dies soll für Betriebe mit weniger als 50 Mitarbeitern gelten. Für Betriebe mit mehr als 50 Mitarbeitern gibt es gestaffelt Erstattungen von 70 Prozent und weniger. Vor allem die Gastronomie wird wohl profitieren, aber auch Freizeiteinrichtungen, und womöglich deren Zulieferbetriebe. Details werden gerade noch geklärt. Diese Corona-Hilfen sind sehr wichtig. Sonst hätte dieser neue kleine Lockdown, der ab Montag startet, wohl endgültig viele Unternehmen finanziell ruiniert.

Die genauen Details der neuen Hilfen sollen laut Olaf Scholz noch veröffentlicht werden auf https://www.ueberbrueckungshilfe-unternehmen.de . Noch ist die Seite nicht auf aktuellem Stand, aber aus den ganz frischen Aussagen der beiden Minister hört man, dass die beiden Ministerien genau in diesem Minuten die Details ausarbeiten. Also sollte man morgen oder am Wochenende diese Seite mehrmals besuchen und nach neuesten Infos Ausschau halten. Anträge sollen schnell bearbeitet werden. Wir empfehlen die nächsten Tage auch immer einen Blick zu werfen auf die Webseiten des Bundeswirtschaftsministeriums und des Bundesfinanzministeriums.

Corona-Hilfen mit kleinem, aber sehr wichtigem Detail

Aber ein wichtiges Detail bei den Corona-Hilfen wird für viele Unternehmer eine große Erleichterung darstellen, um jetzt weiter durchhalten zu können. Denn bisher galt die ziemlich unsinnige und unfaire Regelung, dass die KfW-Schnellkredite in der Coronakrise nur für Unternehmen zugänglich waren, die mindestens 10 Mitarbeiter haben. Jetzt liest man im offiziellen Infotext des Bundeswirtschaftsministeriums (siehe hier), dass der KfW-Schnellkredit für Unternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten zugänglich gemacht werden soll. Diese winzige Änderung bei den Corona-Hilfen kann für viele kleine Unternehmer die Rettung bedeuten, zumindest in Sachen Liquiditätshilfe. Hier weitere Details im Wortlaut vom Ministerium:

Es hat sich als unvermeidlich erwiesen, für die Dauer der nächsten vier Wochen auch viele Unternehmen zu schließen, um auf diese Weise Kontakte im erforderlichen Umfang zu reduzieren. Das betrifft unter anderem Gastronomiebetriebe, Bars, Clubs und Diskotheken, aber auch Dienstleistungsbetriebe, Messen, Kinos, Freizeitparks oder Fitness-Studios. Viele von ihnen haben Vorbildliches bei der Umsetzung von Hygiene- und Abstandskonzepten geleistet und seit Ausbruch der Pandemie schwere Umsatzrückgänge hinnehmen müssen.

Die Bundesregierung wird diese Betriebe umfassend unterstützen, um ihnen den Fortbestand in dieser schweren Zeit zu erleichtern:

Wir gewähren den von temporären Schließungen erfassten Unternehmen eine außerordentliche Wirtschaftshilfe, die bis zu 75 Prozent des Umsatzes des Vorjahresmonats erfasst;

Wir werden die Leistungen der Überbrückungshilfe verlängern und für die hauptbetroffenen Wirtschaftsbereiche wesentlich verbessern;

Wir öffnen den KfW-Schnellkredit für Unternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten;

Die Regelungen gelten unter anderem für Unternehmen, Selbständige und Soloselbständige. Insbesondere auch in der Kultur- und Veranstaltungswirtschaft.

Die beschlossenen Maßnahmen zeigen, dass wir unsere Unternehmen nicht allein lassen, sondern zielgerichtet unterstützen. Hierzu stellen wir Mittel bis zu einer Höhe von 10 Milliarden Euro bereit.

Hier weitere aktuelle Aussagen aus der vorhin gelaufenen PK von Olaf Scholz und Peter Altmaier, in Kurzform zusammengefasst:

Der Kultur- und Veranstaltungswirtschaft will man auch über den November hinaus eine Perspektive aufzeigen. Und auch der Gastronomie will man helfen die anstehende harte Zeit zu überstehen. An Einzelheiten arbeite man jedoch noch. Auch will man eine Verlängerung der „Überbrückungshilfe III“ bis ins nächste Jahr hinein erreichen. Und bis zu 300.000 Euro sollen auch über Kredite der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bereitgestellt werden können.

Hier die PK im Video:

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Christine Lagarde: Headlines zur EZB-Pressekonferenz – sehr dovish!

Markus Fugmann

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am

Die wichtigsten Aussagen der EZB-Chefin Christine Lagarde auf der EZB-Pressekonferenz – wie wird sie sich zu den ökonomischen Perspektiven durch die neuen Lockdowns äussern?

– Lagarde und Vize de Guindos betreten den Saal – beide mit Mundschutz..

– Neue Corona-Welle: Wirtschaft verliert an Fahrt, klare Verschlechterung des Ausblicks, vor allem im Dienstleistungsbereich

– Konsumenten halten sich zurück

– Inflation geringer aufgrundd fehlender Nachfrage

– FMW: jetzt das Übliche Loblied auf die EZB-Maßnahmen (gähn..)

– Risiken klar abwärtsgerichtet

– EZB wird im Dezember auf die neue Entwicklung reagieren und dabei auch Wechselkurs berücksichtigen

– Corona-Maßnahmen bringt „headwinds“ für wirtschaftlichen Ausblick (FMW: wo ist bloß die viel besungene „V-Erholung“?)

– Inflation dürfte negativ bleiben wegen deutscher Mehrwertsteuersenkung und niedrigem Ölpreis (FMW: Brent Öl fällt gerade erstmals seit Mai unter die Marke von 37 Dollar)

– Banken zeigen bei Kreditvergabe strengere Kriterien aufgrund steigender Risiken

– jetzt kommt der schon rituelle Aufruf Lagardes zu fiskalischen Maßnahmen, diese sollten zielgerichtet sein

– Lagarde jetzt über „Next Generation EU“ – wie Daniel Stelter sagen würde die „Klimaplanwirtschaft“

– Lagarde „hat“ fertig, jetzt kommen Fragen, natürlich alle virtuell..

—-

– Lagarde: für nächste EZB-Sitzung im Dezember werden alle Instrumente untersucht – das wird bereits vorbereitet, damit die EZB bei der Erholung (der Vermögenspreise…?) helfen kann

– FMW: Lagarde bisher sehr dovish, das bringt auch den Ölpreis so unter Druck, der Euro jetzt unter 1,17

– Lagarde: morgen kommen BIP-Zahlen, diese „könnten positiv überraschen“ (Prognose ist +15%), aber für das 4.Quartal sieht es nicht gut aus

– Lagarde zu Inflation: wir die derzeit negative Inflation nicht Deflation, weil es ein Sondereffekt der Pandemie ist

– Lagarde: Dass die Staaten der Eurozone Anleihen mit Gemeinschaftshaftung ausgeben, hat die Wahrnehmung der Eurozone verändert

– Lagarde: haben auf dieser Sitzung nicht über Veränderung der Geldpolitik diskutiert

Hier der Live-Feed zur EZB-PK:

Chrstine Lagarde - die Aussagen auf der EZB-Pressekonferenz

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Hans-Werner Sinn: Warum die Inflation ausbleibt, und wann sie kommt

Claudio Kummerfeld

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am

Der ehemalige Chef des ifo-Instituts, hoch angesehene und bekannteste Ökonom Deutschlands Hans-Werner Sinn (hier jüngst im Gespräch mit Marc Friedrich) hat aktuell der Mission Money ein ausführliches Interview gegeben. Ein echter zweiter Lockdown müsse in Deutschland vermieden werden, so der Appell von ihm.

Die deutsche Wirtschaft wird laut Hans-Werner Sinn die zweite Corona-Welle überleben. Aber es werde eine große Pleitewelle geben. In einem ersten Schritt würden zahlreiche Unternehmen in die Insolvenz gehen, die bis jetzt dank ausgesetzter Insolvenzpflichten viel neue Schulden angehäuft hätten. Und erst in einem zweiten Schritt würde es dann die Banken hart treffen, weil die ja in Folge der Insolvenzen die Kreditausfälle zu verkraften hätten.

Hans-Werner Sinn mit Schwerpunktthema Inflation

Ein zentral wichtiges Thema im folgenden ausführlichen Interview ist die möglicherweise anstehende Inflation in Europa und Deutschland. Hans-Werner Sinn äußert sich hierzu ausführlich. Vor Corona habe die Geldmenge der EZB 3,2 Billionen Euro betragen, seitdem sei bis heute 1 Billion Euro dazugekommen. Bis Sommer 2021 werde die Summe auf 5,4 Billionen Euro anwachsen. Es entstehe ein gigantischer Geldüberhang.

Hans-Werner Sinn erklärt ausführlich seine große Sorge vor der anstehenden Inflation. Zunächst erklärt er ausführlich, warum es bislang trotz Geldschwemme keine Inflation in Form von Preisexplosionen gebe (ab Minute 23 im Video). Seine Ausführungen dazu sind hochinteressant. Das zusätzlich geschaffene oder besser gesagt in den letzten Monaten nicht ausgegebene Geld sei nicht aktiv, weil es herumliege. Bei den Bürgern auf den Sparkonten oder im Tresor. Bei den Banken liege es laut Hans-Werner Sinn herum zum Beispiel auf deren Zentralbankkonten. Es werde nicht vollständig als Kredit an Wirtschaft oder Verbraucher herausgereicht. Daher wirke die gestiegene Geldmenge nicht inflationär. Denn in Krisenzeiten würden sich die Menschen nicht trauen Geld auszugeben.

Aber nach der Krise, wenn es zum Beispiel einen Impfstoff gegen Corona gebe und die Wirtschaft wieder boomt, dann steige auch wieder der Optimismus bei den Menschen. Gewerkschaften würden höhere Löhne verlangen, die Unternehmen würden die Preise anheben usw. Die Inflation könne dann sehr leicht über das 2 Prozent-Ziel der EZB ansteigen. Dann müsse die EZB die Zügel anziehen. Aber dann stehe man vor einem gewaltigen Problem. Hierzu wollen wir die wirklich sehr interessanten und aufschlussreichen Ausführungen von Hans-Werner Sinn nicht vorwegnehmen. Schauen Sie bitte das Video! Nur so viel. Er erläutert auch dann möglicherweise anstehende Folgeeffekte wie dann platzende Luftbuchungen und ein Bankensterben.

Hans-Werner Sinn
Hans-Werner Sinn. Foto: https://www.hanswernersinn.de/de/Bildarchiv

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