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MMT (Modern Monetary Theory) – oder wie Staatsfinanzierung durch die Notenbank funktioniert am Beispiel Kanadas

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Immer öfters liest und hört man in Wirtschaftsmedien von MMT (Modern Monetary Theory), als Möglichkeit dem Staat weitere Geldmittel zur Verfügung zu stellen, um z.B. Investitionen zu tätigen. Ein Anhänger dieser Theorie ist auch der demokratische US-Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders sowie die Hoffnungsträgerin des linken Flügels der US-Demokraten, Alexandria Ocasio-Cortez.

Alexandria Ocasio-Cortez

 

Die sich dahinter verbergende Idee ist, dass Staatsverschuldung und Haushaltsdefizite keine Rolle spielen, solange die Notenbank das Zinsniveau niedrig halten kann, ohne damit die Inflation anzuheizen. Die USA könnte ja nicht pleitegehen, weil der Staat Kredite in der eigenen Währung aufnehmen und zur Erfüllung seiner Verpflichtungen einfach nur genügend Dollar zu drucken brauche.

Kritiker dieser MMT sind neben Fedchef Powell auch der amerikanische Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman. Er sieht darin ein „Rezept für eine sehr hohe Inflation, womöglich sogar eine Hyperinflation“. Eine ständig wachsende Geldmenge führe zu einer überproportionalen Verringerung der Nachfrage nach dieser Währung und führe letztlich zur Zerstörung dieser Währung.

 

Kanada setzt dieses Konstrukt teilweise bereits um

Es ist laut dem Gesetzeswerk in Kanada möglich, neues Geld zu schaffen mit dem der Staatshaushalt zum Teil finanziert werden kann. Indem die Bank of Canada Auktionen von Anleihen für die Regierung vornimmt und dabei 20% dieser Emmission in die eigenen Bücher nimmt. Dieses Geld kommt der Regierung auf einen Zentralbankkonto zugute und kann für jede Art von Investition verwendet werden.

Anders als bei der Geldproduktion der privaten Institute gibt es bei der Notenbank keine Obergrenze – theoretisch. Und, was bisher erstaunlich ist, hat dieses Gelddrucken der kanadischen Zentralbank bisher zu keiner Inflationsspirale geführt, trotz einer direkten Staatsfinanzierung durch diese.

Der Grund dafür ist wahrscheinlich die noch nicht starke Inanspruchnahme dieses Mittels. Für die Anhänger der MMT ein kleiner Beweis für die Richtigkeit der Methode. Genauso für die Verfechter des Vollgeld-Systems, welches vorsieht, den privaten Banken das Privileg zur Geldschöpfung zu nehmen und es auf die Zentralbanken zu übertragen. Von da ist es dann nicht mehr weit bis zum Helikoptergeld, bekannt geworden durch den Ex-Fed-Chef Ben Bernanke – Spitzname Helikopter-Ben, als der Notenbankchef 2009 die Geldschleusen weit öffnete, um die Finanzkrise einzudämmen.

 

Fazit

Für die allermeisten Ökonomen stellen diese Gedanken einen Angriff auf die Grundfesten des Systems der Inflationsverhütung durch staatlich unabhängigen Notenbanken dar.

Man stelle sich vor, die kanadische Vorgehensweise würde Schule machen und in großem Stile umgesetzt werden. Dann müsste man vielleicht bald die Inflationsraten wieder mit dem berühmten Taschenrechner bestimmen.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Hesterberg

    10. April 2019 13:05 at 13:05

    Sehr guter Artikel! Das Thema sollte auch immer wieder angesprochen werden. MMT kann allerdings bei Ökonomen und Menschen mit gesundem Menschenverstand und einer gerechten Einstellung tatsächlich nur Gänsehaut auslösen, weil von vornherein feststeht, wer am Ende aller Tage die Zeche bezahlen muss, nämlich der „kleine Mann“. Ein solches System müsste verboten sein, denn es ist einfach nur verantwortungslos, weil es die ungerechte Umverteilung von arm nach reich extrem beschleunigt. Dass MMT in der Politik und bei den Reichen so beliebt ist, wundert mich nicht.

  2. Hannes Zipfel

    10. April 2019 14:39 at 14:39

    Im Studium habe ich einst gelernt, dass Politiker krude Ideen gern mit dem Adjektiv „modern“ garnieren, um so auch den größten Bullshit salonfähig zu machen. Aber was ist eigentlich an der Staatsfinanzierung via Notenpresse modern? Das Experiment ist doch schon oft versucht worden und hat jedes Mal in Hyperinflation geendet. Sehr kreativ diese MMT.

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Zehn Tage Ferien vom Brexit – man hat ja Zeit! Pfund mit Abwärts-Durchbruch?

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Jeder Mensch braucht mal eine Pause, so auch Parlamentarier. Und natürlich dürfen auch die Abgeordneten im House of Commons in London mal Urlaub machen. Und auch der Oster-Urlaub sei ihnen gegönnt, den sie aktuell vom 12. bis 23. April genommen haben. Aber wie oft in 100 Jahren steht schon ein Ereignis wie der Brexit an, die vielleicht wichtigste politische Grundsatzentscheidung seit dem 2. Weltkrieg für Großbritannien?

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Wäre es da nicht angebracht, dass die Politiker dieses eine Mal diese Pause ausfallen lassen, weil man dringend eine Lösung finden muss? Nein, man macht trotzdem Urlaub. Und warum? Weil man ja seit Kurzem „so richtig viel“ Zeit gewonnen hat. Die EU gewährt einen Brexit-Aufschub bis Oktober. Aber eigentlich, das dürfte allen klar sein, läuft der Aufschub nur bis zum 22. Mai. Denn es ist kaum vorstellbar, dass die Briten tatsächlich an der Wahl zum EU-Parlament teilnehmen wollen.

Also bleiben nur noch etwas mehr als vier Wochen. Aber wie so oft schieben die Briten die Dose die Straße runter. Einfach hinauszögern, abwarten. Irgendwas wird schon passieren, irgendwas wird sich schon ändern? Die Parteispitzen von Konservativen und Labour reden zwar weiter, aber ohne Parlament geht eh nichts. EU-Ratspräsident Donald Tusk sagte vor Kurzem nach der Fristverlängerung bis Oktober, die Briten sollten doch bitte keine Zeit verschwenden. Aber genau das tun sie gerade.

Theresa May verabschiedete die Parlamentarier übrigens in ihre Oster-Pause mit dem Kommentar, dass man vor klaren Entscheidungen stünde, und dass der Zeitplan eindeutig sei. Welchen Abgeordneten im House of Commons sollen diese Worte noch beeindrucken, nach mehreren gescheiterten Abstimmungen über May´s Brexit-Deal, und nach dutzenden verschiedenen eigenen Ideen der Parlamentarier, die sie allesamt selbst ablehnten?

Am letzten Freitag berichteten wir darüber, dass das britische Pfund kurz vor einem charttechnischen Ausbruch nach oben stand gegenüber dem US-Dollar. Dem war auch so. Seit dem 4. April gab es vier Hochpunkte bei ca 1,3120. Genau dort machte er halt und fiel bis heute runter auf 1,3010. Jetzt kämpft er gerade mit dieser wichtigen runden Marke (erster Chart seit 4. April).

Auf etwas längere Sicht gesehen (zweiter Chart seit August 2018) stellt sich die Frage, ob endlich mal wieder „richtig“ Bewegung in den Pfund-Kurs kommt. Bricht er unter die 1,30, dann ist Luft nach unten vorhanden. Bei dem Brexit-Chaos wäre dies gut nachvollziehbar. Aber die wochenlange Ruhe im Kurs war schon diverse Male ein Desaster für die Shorties, die gegen das Pfund gewettet hatten.

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