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MMT, Staatsverschuldung und Inflation

Geldscheine - richtig schön viel Geld ans Volk verteilen mit der MMT

Die erstmalige Erwähnung des Begriffes der „Modern Monetary Theory“ (MMT) in den beginnenden 2000er Jahren blieb in Europa zunächst unbemerkt, und war ein rein US-amerikanisches Phänomen. Erst im Jahr 2019 fand auf europäischer Ebene ein Kongress zum Thema statt.

Der Grundgedanke des auch mit ‚MMT‘ abgekürzten Denkmodells ist, es der Regierung zu überlassen, mit den Mitteln von Geldschöpfung und Festlegung der Leitzinsen finanzielle Krisen zu umschiffen und wirtschaftliche Stabilität zu fördern. Ein drittes Mittel ist die Vergabe von staatlich finanzierten Arbeitsplätzen, um die Arbeitslosenquote niedrig zu halten. Kritiker der MMT merken an, dass der Einsatz dieser Mittel unweigerlich zur Geldvermehrung und in Folge davon zu Inflation führt, oder durch Staatsverschuldung finanziert werden muss. Daran wird kein Ökonom jemals zweifeln.

Ist MMT eine gute Sache?

Pragmatiker sagen hingegen, dass die MMT nur ein neuer Schlauch für alten Wein ist. Tatsächlich geht die MMT auf Gedanken des deutschen Ökonoms Georg Friedrich Knapp aus dem Jahr 1905 zurück, der als Begründer des Chartalismus gilt: der Lehre, dass Geld keinen echten Wert mehr zu haben braucht, sondern dessen Wert von einer Regierung festgesetzt werden kann und muss. Das heißt also: Punkt für die Pragmatiker.

Was sagen die Befürworter? Prof. Dr. Stephanie Kelton ist eine US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftlerin an der Stony Brook University im US-Bundesstaat New York, und eine der bekanntesten Apologetinnen der MMT. Sie erklärt in Ihren Vorträgen sehr klug, wie staatliche Ausgaben gerade dann, wenn sie zu einem Staatsdefizit führen – wovor die Kritiker immer gewarnt haben; siehe oben – dazu führen, dass Geld in die Konjunktur gepumpt wird. Die Folge davon hinwiederum ist unweigerlich Wohlstand, damit einhergehend mehr Konsum, und schlussendlich Aufschwung. Auch hier dürfen wir klar von einer korrekten Erkenntnis sprechen.

Haben wir es hier mit einem Widerspruch zu tun? Mitnichten, wenn man die kulturellen Unterschiede einzelner Staaten betrachtet. Der durchschnittliche Amerikaner mag konsumorientiert sein, und tatsächlich jeden in den Geldkreislauf gepumpten Dollar postwendend wieder ausgeben. In Deutschland, das nicht nur das Land der Dichter und Denker, sondern auch der Sparer ist, gelten andere Gesetze. Der Volksmund sagt: „Von den Reichen lernt man das Sparen, und nur die Armen verprassen ihr Geld“. Hier läuft Dr. Kelton’s Strategie auf Grund.

Beim Klick hier und hier finden Sie auch zwei interessante Artikel zum Thema MMT.

Doch die Haltung mancher deutschen Ökonomen, die vor der MMT warnen und dabei auch unverblümt von einem kommenden Crash reden, ist genauso unbegründet.

Warum?

Zum einen sind die Regierungen und auch die Banken in Europa bisher sehr vernünftig mit ihrer Macht umgegangen: Direkt nach der Währungsunion im Jahr 2002 hat sich zwar die Menge des Giralgeldes binnen weniger Jahre etwa verzehnfacht, ist aber seit 2005 auf stabiler Höhe geblieben, obwohl nach dem Gesetz eine noch viel größere Vermehrung möglich gewesen wäre.

Zum anderen ist die EU ein äußerst großer Wirtschaftsraum mit einer immensen Wirtschaftskraft. Länder wie Venezuela haben zwar durch ungehemmte Geldschöpfung ihre Wirtschaft binnen weniger Jahre in den Ruin getrieben, doch diese Gefahr besteht nur für wirtschaftlich schwache Länder. Produktive Staaten wie die EU-Mitglieder können im Vergleich dazu weitaus mehr Geldschöpfung, sogar eine überhitzte Geldvermehrung vertragen, ohne dass das Vertrauen in die Währung schwindet, und dessen Wert sinkt.

Die verschiedenen Stimmen, die in den Medien zum Thema MMT kursieren, scheinen mehrheitlich kritisch zu sein. Bevor Sie jetzt aber Ihr Geld in Rohstoffe oder Edelmetalle anlegen, um es vor drohender galoppierender Inflation zu schützen, halten Sie kurz inne. Für Panik besteht kein Anlass. Wenn in der Zeitung steht, dass die MMT uns in den Crash führt, dann dürfen Sie sich ruhig erst einmal eine Tasse Tee einschenken.



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