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Aktueller Kommentar: „Der monetäre Schlingerkurs der EZB“

Marktkommentar von Dr. Otmar Lang, Chefvolkswirt der TARGOBANK

Nach der FED hat nun auch die EZB ihr geldpolitisches Ruder gewaltig herumgerissen: Eine Zinsanhebung in der zweiten Jahreshälfte 2019 ist vom Tisch. Auch wird es keine Neuauflage des Rentenankaufprogramms geben – schließlich hatten die europäischen Währungshüter dieses erst im Dezember 2018 auslaufen lassen. Ein Neustart nach so kurzer Zeit käme dem Eingeständnis einer groben Fehleinschätzung gleich.

Stattdessen bietet die Zentralbank den europäischen Banken ein neues milliardenschweres Kreditprogramm an (TLTRO). Damit will EZB-Chef Mario Draghi den Eindruck verhindern, er habe das Abgleiten der europäischen Wirtschaft in eine Rezession mit einer geldpolitischen Straffung begleitet.

Einen ähnlichen monetären Schlingerkurs war die EZB früher bereits gefahren: 2011 hob sie die Leitzinsen an, nur um ein halbes Jahr später den 2008 begonnen Zinssenkungszyklus fortzusetzen. Was folgte, waren acht weitere Zinsschritte nach unten.

Die aktuellen Schwenks der Notenbanken in den USA und in Europa demonstrieren pure Panik. Dabei gibt es dafür keinen Grund: Der ewige Hinweis auf geopolitische Risiken verfängt schon lange nicht mehr. Der internationale Handelsstreit könnte schneller als gedacht gütlich beendet sein. Selbst ein dirty Brexit könnte ausfallen.

In beiden Fällen würde sich die Stimmung in den USA und in Europa sehr schnell drehen, spätestens zur Jahresmitte 2019. Dann würde der jetzt noch so verhaltene Ton der Notenbanker schnell wieder rauer – und die geldpolitische Richtung müsste sich abermals drehen.

Der Schlingerkurs geht weiter.

EZB-Zentrale
EZB-Zentrale in Frankfurt. Foto: Kiefer CC BY-SA 2.0



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1 Kommentar

  1. „pure panik ;dafür gibt es keinen grund“ naja ,ich will mal so sagen ,die verschuldung ist generell grösser als vor 10 jahren.und die bazookas von damals haben allen anderen den hals gerettet und stehen mit lockeren frischen 8 BIO. bilanzsumme(gegenüber 2 BIO damals)im buche.dann wäre da noch die blackbox pboc ,es ist nicht klar wie pulver die noch haben und ob sie es für den westen rausrücken.und 1 bio schrottkredite in italien und im falle eines falles die liquiditätsaustattung der banken, um ihr laufendes geschäft abwickeln zu können(bei krise leihen die sich unternander garnix mehr)So und jetzt die Topfrage :
    WIE TIEF SIND DIE TASCHEN WIRKLICH UNSERER „WHAT EVER IT TAKES “ KASTE ?? Ich glaube in 20 Jahren werden wir zurückblicken und feststellen ,es war einer der grössten bilanztricks der geschichte .der einzige hoffnungsschimmer ist ,dass der ganze mist exponentiell ist und hintenraus immer weniger zeit für immerimmer mehr summe bleibt.

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