Folgen Sie uns

Aktien

Monte dei Paschi: Das Finale der Krisenbank und die Frage der Glaubwürdigkeit der EU

Der Showdown läuft zur Rettung der italienischen Krisenbank Monte dei Paschi – und es sind eher Kleinanleger, die die Bank nun retten müssen, ca. 40.000 davon. Und es geht um größere Zusammenhänge..

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Der Showdown läuft zur Rettung der italienischen Krisenbank Monte dei Paschi – und es sind eher Kleinanleger, die die Bank nun retten müssen, ca. 40.000 davon. Vor allem sie sollen dafür sorgen, dass eine komplizierte Aktion gelingt, die der Bank fünf Milliarden an Kapital einbrächte, indem vor allem Anleihehalter ihre Bonds in Aktien tauschen. Und die Uhr läuft, nachdem die EZB die Bitte der Bank abgeschlagen hatte, die ursprüngliche Frist bis Jahresende in den Januar hinein zu verlängern.

Der erste Teil des Rettungsplans sieht vor, dass Anleihehalter ihre Anleihen in Aktien tauschen – Monte dei Paschi will mit diesem debt-to-euity-swap ein Volumen von zwei Milliarden Euro erreichen. Derzeit sind Anleihen im Volumen von 4,5 Milliarden Euro im Umlauf, 2,2 Milliarden davon besitzen italienische Bürger, 2,3 Milliarden Institutionelle. Da von den Institutionellen wenig Lust zu erwarten ist, ihre Anleihen in Aktien zu tauschen, müssen wohl die Privaten in die Bresche springen. Denn die Privaten sind der Drohung der Bank, dass jene Halter herbe Verluste erwarten müssen, die dem Umtausch nicht zustimmen, offenkundig zugänglicher als die Profis. Während die Privaten bis Mittwoch ihre Zustimmung gebe müssen, haben die Institutionellen bis Donnerstag Zeit.

Der zweite Schritt ist der Verkauf neuer Aktienanteile an bestehende und neue Investoren – damit will die Bank 1,5 Milliarden Euro einnehmen. Weitere eine bis eineinhalb Milliarden Euro sollen von sogenannten „Ankerinvestoren“ kommen, darunter der Pensionsfond von Katar, aber auch Investoren wie George Soros oder der Hedgefond-Manager John Paulson. Dazu dann noch das Abladen der faulen Kredite (28 Milliarden Euro) – heute ließ die Bank mitteilen, dass man eine Vereinbarung über den Verkauf der faulen Kredite unterzeichnet habe, auch gebe es verbindliche Angebote über Brückenkredite. Gegen diese Brückenkredite hat jedoch „Quaestio“ (die Verwaltung des großen italienischen Rettungsfonds „Atlante“) schwerwiegende Bedenken – warum, bleibt offen.

Und wenn die Bedenken von „Quaestio“ nicht sehr schnell ausgeräumt werden, ist wohl die Sache insgesamt zum Scheitern verurteilt. Und dann würde der italienische Staat einspringen müssen, gemäß europäischem Recht jedoch müssten dann vor allem Aktieninhaber und Anleihehalter einen großen Teil der Zeche zahlen. Und da das viele normale Italiener betrifft, müsste Itlalien dann wiederum versuchen, den Schaden für diese Privatpersonen möglichst klein zu halten – sie also irgendwie entschädigen.

Aber das wiederum würde im Grunde – darauf hat heute der deutsche Wirtschaftsweise Chrisoph M. Schmidt hingewiesen – den Glauben an die europäischen Banken-Rettungsregularien untergraben. Und damit dann auch die Autorität der EU weiter schwächen. Noch weiter schwächen, muß man wohl formulieren. Im Grunde wären diese Regularien dann das Papier nicht wert, auf dem sie formuliert wurden: wenn Aktionäre und Anleihehalter an den Verlusten beteiligt werden, diese aber hintenrum dann vom Staat wieder entschädigt werden, könnte man doch eigentlich gleich den Staat retten lassen. Das würde dann faktisch auf Dasselbe hinauslaufen, nur eben auf einem anderen Weg.

Es geht also nicht nur um die italienischen Banken – sondern einmal mehr um die Glaubwürdigkeit von Regularien in der EU, die bei Bedarf dann sowieso nicht eingehalten werden. Und dann könnte man diese Regularien eigentlich gleich sein lassen – aber das ist ein anderes Thema..

monte-dei-paschi-siena
Der Sitz der Monte dei Paschi im Palazzo Salimbeni in Siena
Foto: Tango7174 – Eigenes Werk, GFDL, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8898309

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    columbo

    19. Dezember 2016 17:33 at 17:33

    Diese 40.000 Kleinanleger haben ihre Altersversorgung der Institution Bank und Staat anvertraut.
    Sollten die jetzt ihr Geld verlieren, hätte die regierende Politklasse bei vorgezogenen Neuwahlen, vermutlich schon im Frühjahr, keine Chance mehr. Zum Italexit wäre es dann nicht mehr weit. Dann noch Frankreich und die
    EU Regularien sind Geschichte. Damit sollte man sich befassen und nicht wo der Dax 2017 stehen wird.

  2. Avatar

    Helmut Josef Weber

    19. Dezember 2016 18:07 at 18:07

    Der Kleinanleger sitzen wie das Kaninchen vor der Schlange und weiß, wenn ich mich bewege schlägt die Schlage zu.
    Viele Grüße aus Andalusien
    H. J. Weber

    • Avatar

      columbo

      19. Dezember 2016 18:49 at 18:49

      @weber
      Übrigens heute interessanter Artikel „Der Krieg gegen das Gold“ von Max Otte auf „boerse.de“.

      • Avatar

        Helmut Josef Weber

        19. Dezember 2016 21:10 at 21:10

        Hallo culombo,,
        in Laufe diesen Jahres hat Gold wieder über 8% (in Euro) zugelegt.
        In den letzten 46 Jahren im Schnitt 8,4 %. pro Jahr.
        Und das alles ***legal und steuerfrei***.
        Neben meiner gesetzlichen Rente muss ich ab und zu einige Unzen verkaufen; so war das auch geplant.
        Über 8% ***steuerfreie*** Kurssteigerung.
        Meine verbleibenden Unzen am Ende diesen Jahres, kosten immer noch mehr Euro, als genau vor einem Jahr; und auch etwa 68% mehr als 2009, als ich die letzten Unzen gekauft habe.
        Ich fühle mich dabei ganz wohl und kann auch gut schlafen.
        Was tausende Jahre gehalten hat, wird auch noch seinen Wert behalten haben, wenn meine/unsere Kinderchen sich den kleinen Goldschatz teilen werden, den meine liebe Frau und ich nicht verbrauchen konnten, weil die Kurse schneller steigen als unsere Verbrauch die Unzen dezimiert.

        Viele Grüße aus Andalusien
        H. J. Weber

        • Avatar

          Michael

          20. Dezember 2016 00:26 at 00:26

          In den letzten 6 Jahren -41%, legal und steuerfrei, auch in Deutschland ;)

        • Avatar

          Michael

          20. Dezember 2016 00:51 at 00:51

          Wer nach dem Frühjahr 2009 Unzen gekauft hat und die heute noch hält, steht genauso da, wie jemand, der in Renten- oder Lebensversicherungen investiert hat, nämlich im Minus.
          Wer vorher Goldunzen gekauft hat, ist leicht im Plus. Wer viel früher gekauft hat, liegt noch akzeptabel im Plus. Das sind Zahlenspielereien über viele Jahre, gesegnet seinen die, die noch gesetzliche Rente trotz Flucht ins Ausland erhalten.
          Goldkurs:
          01.12.2009: 1226
          20.12.2016: 1138

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Aktien

Tesla: Frank Thelen ist voll des Lobes über den „Battery Day“ -Video

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Innenansicht eines Tesla-Autos

Für die Börsianer war der diese Woche stattgefundene „Battery Day“ von Tesla eine Enttäuschung. Die Produktion viel günstigerer Autos mit sehr langer Batterielaufzeit dauere noch drei Jahre. Und zack, die Aktie von Tesla fiel spürbar. Aber der aus der „Höhle der Löwen“ bekannte Investor und Tech-Experte Frank Thelen singt im folgenden Instagram-Video ein Loblied auf den Battery Day von Tesla. Er sieht hier von A-Z ein sensationelles Konzept, und einen großen Schub hin zu einem wirklich erschwinglichen Auto. Dass so ein riesiger Sprung nach vorne nun mal nicht sofort funktioniere, sondern drei Jahre dauere, sei ganz normal. Aber sehen Sie selbst.

weiterlesen

Aktien

Aktien: Vermögensreport offenbart, Deutsche investieren mehr

Entdecken die Deutschen plötzich ihre Liebe zu Aktien? Die Enteignung der Geldsparer durch die Zinspolitik wirkt, die Bürger wenden sich stärker Aktien zu

Avatar

Veröffentlicht

am

Entdecken die Deutschen plötzich ihre Liebe zu Aktien? Der aktuelle Allianz Global Wealth Report hat es dargelegt: Die Notenbankpolitik der Länder wird dazu führen, dass das Vermögen der Wohlhabenden global trotz Corona ansteigen wird – auf 198 Billionen Euro zu Jahresende – FMW berichtete darüber. Der Report zeigt aber auch, dass sich die deutschen Sparer mehr den Aktien als Anlagevehikel zuwenden.

Aktien: Corona und die Vermögensbildung

Die Volkswirte der Allianz werteten Daten aus 57 Nationen aus, zum Vermögen aus Bargeld und Bankeinlagen, angelegtem Geld in Versicherungen und Pensionskassen sowie Anlagen in Wertpapieren und Fonds. Trotz der Pandemie erhöhte sich dies im ersten Halbjahr des Jahres um 1,5 Prozent, der Frühjahrseinbruch von geschätzten 4,3 Prozent ist damit mehr als ausgeglichen. Über die Gründe braucht nicht großartig spekuliert zu werden: Staatliche Rettungsprogramme, die Geldpolitik der Notenbanken, eine erhöhte Sparneigung der Konsumenten und natürlich der Anstieg der Aktien. Noch ein kurzer Blick auf die Vermögensübersicht der Länder pro Bürger:

USA: 209.524 Euro
Schweiz: 195.388 Euro
Singapur: 116.657 Euro

18. Deutschland: 57.097 Euro

An dieser Übersicht wird wieder einmal das Problem einer statistischen Erfassung von Durchschnittswerten ersichtlich. Die vier reichsten Amerikaner besitzen ein Vermögen von über 500 Milliarden Dollar, verteilt auf die 331 Millionen Amerikaner würde dies bereits 1500 Dollar pro Bürger ergeben. Dabei gab es 2019 allein schon 607 Milliardäre in den Vereinigten Staaten. Man bräuchte aus so einer Statistik nur den reichsten Mexikaner, Carlos Slim, aus der Liste entfernen und schon hätte man veränderte Zahlen für das Land. Aber erstaunlich ist diese Vermögensverteilung auf der Welt dennoch. Im Jahr 2019 lagen von den 192 Billionen Euro Weltvermögen nicht weniger als 83,7 Billionen in den USA.

Die Entwicklung in Deutschland

Was bedeutet das für das Land der (Geld-)Sparer, mit deren 2,4 Billionen Euro auf nicht verzinslichen Konten? Die Allianz stellt fest, dass sich die Bankeinlagen um 3,5 Prozent und damit weniger als in anderen Ländern erhöht haben (Frankreich plus 6 Prozent, China plus 9 und die USA plus 10 Prozent).

Dennoch stieg das Vermögen der Haushalte um 1,3 Prozent im ersten Halbjahr und sollte nach der Schätzung der Allianz zum Jahresende 6,8 Billionen Euro erreichen. Da dies nicht am Geldmarkt zu verdienen war, deutet dies auf eine Verhaltensänderung im Sparverhalten hin.

Die langsame Hinwendung zu Aktien

Lange hatte man es eigentlich schon erwartet, dass die Enteignung der Geldsparer durch die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank wirkt und sich die Bürger stärker den Aktien zuwenden. Die Allianz stellt fest, dass die deutschen Sparer in den vergangenen drei Jahren 20 Prozent ihrer verfügbaren Ersparnisse direkt in Aktien angelegt haben. Auf Sechsjahressicht waren dies 5,8 Prozent und das Interessante daran ist, dass US-Bürger in dieser Zeit nur 0,7 Prozent in Aktien investiert haben. Das bevorzugte Investment waren börsengehandelte Indexfonds. Allerdings beziehen sich diese Werte auf die Zeit vor Corona und seither gibt es den großen Hype um die gebührenfreien Brokerdepots – Stichwort RobinHood. Diesen Trend gibt es auch in Deutschland mit der riesigen Zahl neu eröffneter Depots bei günstigen Direktanlagebanken.

Es verändert sich auch der so genannte Home Bias, also die Bevorzugung heimischer Titel. Deutsche Anleger investieren verstärkt in ausländische Aktien, die Quote stieg in den vergangenen sechs Jahren von 25 auf 38 Prozent. Aber noch ist Deutschland weit von der angelsächsischen Aktienpräferenz entfernt.

In den USA liegen 53 Prozent der Ersparnisse auf Wertpapierkonten, in Deutschland 25 Prozent.

Fazit

Auch wenn das Pflänzchen Anlage in Aktien in Deutschland langsam wächst, sind es laut Allianz vorwiegend die Haushalte mit einem höheren Einkommen, die sich an diese Assetklasse heranwagen. 30 Prozent unserer Haushalte besitzen kaum Geldvermögen. So zählt auch Deutschland zu den Ländern, in dem „die Vermögensverteilung relativ ungleich verteilt ist“, so Arne Holzhausen, Leiter Insurance und Wealth Markets bei der Allianz.

Die Deutschen entdecken ihre Liebe zu Aktien

weiterlesen

Aktien

Abwarten beim Dax, ifo steigt, 5G startet, Tradingideen bei Adidas und Mastercard

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Sollte man sich jetzt in den Dax reinkaufen? Im folgenden Video bespricht Manuel Koch die aktuelle Lage und die Aussicht für die nächsten Wochen mit einem Experten. Noch 3 bis 4 Wochen solle man abwarten. Würden die Kurse dann zurückkommen, seien es Kaufkurse. Wenn nicht, dann sehe der Markt neue Jahreshöchststände.

Der heute veröffentlichte ifo-Index gebe weiteren Optimismus für die deutsche Konjunktur. Auch im Video angesprochen wird das von Telefonica an den Start gebrachte 5G-Netz.

Konkret besprochen werden im folgenden Video zwei Handelsempfehlungen der trading house Börsenakademie. Die Aktien von Adidas und Mastercard seien beide ein Kauf. Man könnte mit einer Stop-Buy-Order einsteigen.

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen