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Monte dei Paschi soll zum schwarzen Loch für den italienischen Steuerzahler werden

Aber wie es nun mal so ist, muss das Finanzsystem und die Staatsraison gerettet werden, so auch in Italien. Die mit Abstand kaputteste der kaputten Banken südlich der Alpen ist die Banca Monte dei Paschi…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Kennt man das nicht schon zur Genüge von deutschen Landesbanken? Wenn der Staat versucht als Banker aufzutreten, kann das nur in einem Desaster enden. Aber wie es nun mal so ist, muss das Finanzsystem und die Staatsraison gerettet werden, so auch in Italien. Die mit Abstand kaputteste der kaputten Banken südlich der Alpen ist die Banca Monte dei Paschi. Nun hat man sich monatelang den Kopf zerbrochen wie man die Bank retten kann. Die Lösung an sich ist einfach. Der italienische Staat (also der Steuerzahler) pumpt einfach so viel frisches Geld in die Bank, bis das Eigenkapital wieder den Anforderungen der EZB entspricht.


Der Sitz der Banca Monte dei Paschi. Foto: Tango7174 / Wikipedia (GFDL)

Nur schwebt das Problem im Raum, dass nach neuen EU-Regeln die Gläubiger und Aktionäre erst mal an der Rettung beteiligt werden müssten, also Anteile und Forderungen zu guten Teilen verlieren, bevor der Staat die Bank retten darf. Aber genau das würde die Kleinsparer treffen, die man freundlich aufgefordert hatte in die Bank zu investieren, und das nicht nur bei dieser Bank. Gestern nun hat der Monte dei Paschi-Chef Falciai bei einer Senatsanhörung in Rom gesagt, dass der italienische Staat 6 Milliarden Euro in die Bank pumpen solle, wofür er dann 70% der Bankanteile erhalte.

Natürlich sprach er von „im Falle einer Intervention“, aber eine private Rettung war erst im Dezember brutal gescheitert. Keiner will in dieses schwarze Loch noch Geld stecken, also muss es der Steuerzahler tun! Allen Beteiligten ist klar, dass Rom Geld überweisen wird. Neben den 6 Milliarden aus Rom sollen laut Falciai 2 Milliarden Euro von institutionellen Anlegern zugeschossen werden. Das ist gut möglich, wenn diese Investoren wissen, dass der Staat auch wirklich seine 6 Milliarden zuschießt. Dann weiß man als Privatinvestor ja, dass der Staat den Laden de facto bis in alle Ewigkeit am Leben erhalten wird. Da steigt man gerne ein in ein Boot, das nicht mehr untergehen kann.

Letztlich wäre es eine Verstaatlichung der Bank, bei der man als privater Teil-Investor mit an Bord gehen kann. Jetzt geht es nur noch darum, mit welchem Schachzug Brüssel und Rom die aktuellsten EU-Regeln umgehen können. Wie kann man die Bank retten, ohne dass vorher die Kleinsparer als Aktionäre und Gläubiger bluten müssen? Womöglich wird es auf die bereits angedachte Erstattung hinauslaufen. Kleinsparer verlieren offiziell Geld bei der Bank, welches der Staat ihnen dann später in einer separaten Überweisung erstattet. Das könnte ein Weg sein, den Brüssel vielleicht zähneknirschend akzeptiert.

So viel dann zu den tollen neuen EU-Regeln, die beim ersten anwendbaren Fall gleich umgangen werden. Solche Regeln sind nichts wert – dann sollte man besser gleich ganz auf sowas verzichten, das wäre wenigstens ehrlicher und transparenter! Ach ja, wie man auch in Deutschland nur zu gut weiß: Ist der Steuerzahler erst mal im Boot, sind Folgekosten nicht ausgeschlossen!

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    columbo

    19. Januar 2017 12:58 at 12:58

    Danke für den Tipp, in Monte dei Paschi zu investieren.

  2. Avatar

    gerd

    19. Januar 2017 13:35 at 13:35

    „So viel dann zu den tollen neuen EU-Regeln, die beim ersten anwendbaren Fall gleich umgangen werden. Solche Regeln sind nichts wert – dann sollte man besser gleich ganz auf sowas verzichten,“

    Den zweiten Satz möchte ich böswillig variieren:
    So etwas wie die EU ist nichts wert – dann sollte man besser….

  3. Avatar

    asyoulike

    19. Januar 2017 13:40 at 13:40

    Moin, moin,

    alles bleibt wie es ist, solange die unfähigen Eliten und „Würdenträger“ im Amt bleiben. Freiwillig werden sie ihre Ämter nicht verlassen. Diese Kernproblematik gilt m.E. nicht nur für Italien, sondern auch für die BRD. Da wird der Steuerzahler noch massiv bluten, Widerstand zwecklos. Also bleibt dem Steuerzahler-Michel nur das Warten auf den 8. Mai, bis diese Geldvernichtungssysteme weiße Fahnen aushängen und die Oberen ausgewechselt werden. Es sind einfach gesagt nicht funktionierende Geschäftsmodelle, wie unsere Landesbanken auch. Zuschüsse, hier ein paar Milliarden, dort ein paar Milliarden und immer wieder Zuschüsse. Die Realwirtschaft braucht keine Nonnenmachers und Co., sondern Fachleute. Also, warten wir noch ein Weilchen, dann kommt der Mann mit dem Hackebeilchen.

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Tesla, Zoom, Salesforce

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Aktienrückkäufe: Warum ich nicht begeistert bin – Werbung

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Lieber Börsianer,

die langjährige Flutung der Finanzmärkte mit dem billigen Geld der Notenbanken hat mittlerweile zu einigen kuriosen Begleiterscheinungen geführt. Weil Geld nichts mehr kostet, verschulden sich einige Unternehmen bis über beide Ohren. Doch statt in Zukunftstechnologien zu investieren, kaufen sie lieber eigene Aktien zurück – Kurspflege nennt man das. Angeblich geschieht das zum Wohle der Anleger, denn durch die Aktienrückkäufe steigen in der Regel auch die Kurse.

Allerdings ist bei hochverschuldeten Unternehmen Vorsicht geboten. Denn bereits ein geringer Zinsanstieg stellt diese Unternehmen vor arge Probleme. Freilich sind nicht alle Aktienrückkäufe schlecht. Wenn sich das Unternehmen die Kurspflege leisten kann und damit Geld an die Aktionäre zurück gibt, ist das oft besser, als das Geld möglicherweise zu Negativzinsen im Unternehmen zu belassen. Doch vor Übertreibungen müssen Sie sich schützen.

Das Spielcasino ist eröffnet

In den USA sind mittlerweile nicht mehr Privatanleger, Pensionsfonds und Vermögensverwalter die größten Aktienkäufer, sondern die Unternehmen selbst. Das freie Spiel von Angebot und Nachfrage wird damit außer Kraft gesetzt. In den vergangenen zehn Jahren gaben die 500 Unternehmen des S&P 500 die gigantische Summe von fünf Billionen Dollar für eigene Aktien aus. Das entspricht in etwa dem Bruttoinlandsprodukt von Japan, der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt.

90% der Unternehmen haben dafür mehr als die Hälfte ihrer Gewinne investiert. Das Geld fließt also nicht mehr in Fabriken, Maschinen, Produkte und Jobs sondern wird für die eigene Kurspflege eingesetzt. Die Big Player erhalten damit den Status Quo und überlassen die Entwicklung neuer Technologien den Start-Ups und der Konkurrenz aus Fernost.

Nicht unbedenklich ist dabei, dass vor allem in den USA ein Teil der Vorstandsvergütung an die Entwicklung des Aktienkurses geknüpft ist. Die Manager tun sich also vor allem selbst etwas Gutes, statt an die langfristige Konkurrenzfähigkeit Ihres Unternehmens zu denken. Wenn Aktien in solch riesigem Umfang zurückgekauft werden, dann handelt es sich um einen ernsten Eingriff in die Preisbildung der betreffenden Aktien.

Apple schlägt besonders gerne zu

Der größte Käufer eigener Aktien ist ausgerechnet Apple. Jetzt könnte man einwenden, dass Apple auch Milliardengewinne erzielt und sich deshalb die Rückkäufe leisten kann. Das ist prinzipiell richtig. Doch selbst Apple übertreibt mittlerweile. Im vergangenen Jahr wurden Anteile im Wert von 72 Milliarden Dollar zurückgekauft. Der freie Cashflow lag deutlich darunter. Selbst die Gewinnmaschine Apple nimmt also mittlerweile Fremdkapital auf, um Aktienrückkäufe zu finanzieren. Das wurde sogar von offizieller…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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IHS Markit-Kauf für 44 Milliarden Dollar – wie man gigantisch wächst ohne neue Schulden

Claudio Kummerfeld

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New York Downtown bei Nacht

In der Branche für Finanzdaten, Börsendaten und ökonomischen Analysedaten nimmt die Konzentration auf wenige große Anbieter immer mehr zu. Es gibt Bloomberg, Reuters, große Börsenanbieter wie die Deutsche Börse oder Euronext, und es gibt gerade den Versuch der London Stock Exchange den Datenanbieter Refinitiv für 27 Milliarden Euro zu übernehmen. Jetzt legt S&P Global (gehört zur Standard & Poors-Gruppe) nach und kauft den Datenanbieter IHS Markit. Und das für satte 44 Milliarden Dollar.

IHS Markit war Ende letzter Woche an der Börse noch 37 Milliarden Dollar wert. S&P Global lag bei 82 Milliarden Dollar. Wie schafft man es so viel Geld auszugeben, mal eben 44 Milliarden Dollar? Nun, in diesem Fall ist das gar kein Problem. Man „kauft“ per Aktientausch. Ein richtiger Kauf ist es dann gar nicht. Man fusioniert, und der „Käufer“ erhält an der neuen Firma die Aktienmehrheit. Oder besser gesagt, die bisherigen Aktionäre des größeren Fusionspartners halten dann später auch die Mehrheit am neuen Unternehmen.

So kommt es, dass die bisherigen Aktionäre von S&P Global an der neuen Firma 67,75 Prozent der Anteile halten werden, und die bisherigen Aktionäre von IHS Markit 32,25 Prozent. So haben alle was davon, und die Firma hat keine gestiegene Verschuldung durch diese Transaktion. So können große Konzerne schnell weiter wachsen, ohne sich zu verschulden.

Ganz anders lief es vor vier Jahren bei Bayer, wir erinnern uns alle mit Grausen an die Zeit danach. Die Leverkusener kauften Monsanto für 66 Milliarden Dollar in Cash. Dafür musste man damals eine Brückenfinanzierung über 57 Milliarden US-Dollar aufnehmen, also Kredite. So brockt man sich jede Menge Probleme ein, wenn man seine bisherige Aktionärsstruktur beibehalten will.

Will man extern kräftig zukaufen, muss man sich dann wie Bayer massiv verschulden. Um die Last zu reduzieren, muss man dann brutal einsparen, einzelne Sparten verkaufen usw. Gerade große Konzerne mit stark steigenden Aktienkursen können sich über den Weg des Kaufs mit eigenen Aktien (Fusion) andere Unternehmen einfach und bequem einverleiben. Dann werden die Aktionäre der bisherigen Konkurrenzfirma einfach zu Miteigentümern des eigenen Unternehmens gemacht. Und zack, der Konzern wächst kräftig, ohne dabei neue Schulden machen zu müssen. Natürlich hat der einzelne Altaktionär nach der Transaktion weniger Eigentum am Konzern. Aber dafür ist der Konzern an sich ja auch spürbar gewachsen, wodurch eine Kompensation stattfindet. Langfristig können über diese Methode die ganz großen Konglomerate entstehen.

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