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Tech-Schulden und KI-Blase Morgan Stanley setzt auf KI-Finanzierung – ein gefährliches Spiel?

Morgan Stanley setzt auf KI-Finanzierung – ein gefährliches Spiel?
Fotograf: Simon Dawson/Bloomberg

Die Euphorie rund um Künstliche Intelligenz treibt Investitionen, Bewertungen und Finanzierungen auf neue Rekordstände – und schürt zugleich die Angst vor einer KI-Blase. Mitten in diesem Spannungsfeld positioniert sich Morgan Stanley als zentrale Bank für die Finanzierung des globalen KI-Ausbaus. Während Investoren zunehmend Risiken abwägen, nutzt das Institut den Boom geschickt, um Marktanteile zu gewinnen und sich als unverzichtbarer Partner der Tech-Industrie zu etablieren – doch begibt sich die Bank damit auf gefährliches Territorium?

Morgan Stanley setzt auf KI-Finanzierung

In den vergangenen Monaten hat die Sorge vor einer möglichen KI-Blase an den Finanzmärkten deutlich zugenommen. Zweifel an der langfristigen Profitabilität enormer Investitionen in Rechenzentren, Chips und Energieversorgung haben Investoren nervös gemacht. Doch während die Debatte über eine KI-Blase immer lauter wurde, hat kaum eine Wall-Street-Bank so stark von dem Boom profitiert wie Morgan Stanley. Laut einem Bericht von Bloomberg hat sich das Institut still, aber konsequent als führender Finanzierer der globalen KI-Infrastruktur etabliert – und damit seine Position im hart umkämpften Markt für Fremdkapital deutlich ausgebaut.

Seit Oktober hat Morgan Stanley laut von Bloomberg zusammengestellten Daten Anleihetransaktionen im Volumen von rund 65 Milliarden Dollar für Rechenzentren und andere KI-Investitionen begleitet oder mitgeführt – mehr als jede andere große US-Bank. Das Spektrum reicht dabei von hochkomplexen Finanzierungsstrukturen für Tech-Giganten bis hin zu Hochzinsanleihen für vergleichsweise unbekannte Krypto-Miner wie TeraWulf oder Cipher. Besonders auffällig ist dabei der Innovationsgrad der Transaktionen, mit denen Morgan Stanley Investoren trotz wachsender Skepsis überzeugt hat.

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Der strategische Fokus auf den Anleihemarkt zahlt sich aus. Im Segment der US-Investment-Grade-Anleihen ist Morgan Stanley in diesem Jahr – ohne selbst geführte Deals – auf Rang drei vorgerückt, nach Platz vier im Vorjahr. Der Marktanteil stieg um rund zwei Prozentpunkte. Für die Bank ist das ein klarer Beleg dafür, dass der Ausbau der Debt-Capital-Markets-Aktivitäten greift, gerade in einem Umfeld, in dem sich viele Unternehmen wegen der KI-Blase verstärkt Gedanken über ihre Kapitalstruktur machen.

Nach Einschätzung der Strategen von Morgan Stanley werden die großen Cloud-Anbieter bis 2028 rund drei Billionen Dollar investieren, um den KI-Boom zu ermöglichen. Ein erheblicher Teil dieser gewaltigen Infrastrukturprogramme wird fremdfinanziert. Genau hier setzt die Bank an. Gleichzeitig mehren sich jedoch die Warnsignale: Einige Investoren sehen ihre Kapazitätsgrenzen erreicht, um die wachsende Flut an Schuldtiteln bis 2026 aufzunehmen – ein klassisches Symptom einer möglichen KI-Blase.

Innovative Strukturen im Kreditmarkt

Ein Meilenstein war die im Oktober strukturierte Finanzierung für Meta Platforms. Morgan Stanley arrangierte mehr als 27 Milliarden Dollar Schulden für eine Zweckgesellschaft, mit der Meta sein Hyperion-Rechenzentrum in Louisiana außerhalb der eigenen Bilanz finanzieren konnte. Damit blieben die Kreditratings des Konzerns unangetastet. Auch bei den Anleiheemissionen von TeraWulf und Cipher gelang der Bank ein Coup: Durch eine neuartige finanzielle Absicherung von Google konnte Morgan Stanley Milliardenaufträge für Bonds sichern, die ansonsten kaum auf Interesse gestoßen wären.

„Innovation hat sich in den vergangenen 20 Jahren stark auf den Aktienmarkt konzentriert“, sagte Evan Damast, globaler Co-Leiter der Kapitalmärkte bei Morgan Stanley, in einem Interview. „Dieses Pendel hat sich in den letzten zehn Jahren verschoben, sodass das Ausmaß an Innovation und Kreativität in den Kreditmärkten das der Aktienmärkte deutlich übertroffen hat.“ Genau diese Verschiebung nutzt die Bank gezielt aus.

Parallel dazu war Morgan Stanley gemeinsam mit Citigroup Konsortialführer bei Metas 30-Milliarden-Dollar-Anleihe, die auf rekordhohe Nachfrage stieß. Auch bei Emissionen von Alphabet und Amazon spielte die Bank eine wichtige Rolle – alles Unternehmen, die Milliarden in KI-Infrastruktur investieren und damit zugleich die Diskussion über eine KI-Blase anheizen.

Um sich frühzeitig zu positionieren, lud Co-Präsident Dan Simkowitz bereits im vergangenen Sommer führende Energieunternehmen, Tech-Konzerne und alternative Vermögensverwalter zu einem Treffen namens „Power Palooza“ nach Menlo Park ein. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie KI künftig mit Energie versorgt und finanziert werden kann. Zudem hat Morgan Stanley sein globales Energieteam mit der Strom- und Versorgungsgruppe zusammengelegt, um die Betreuung dieser Kundengruppe zu intensivieren.

Wachsende Risiken, starke Beziehungen

Auch vom Boom im Private-Credit-Markt profitiert die Bank. Bei der Hyperion-Finanzierung setzte Morgan Stanley auf einen Bieterprozess, den Blue Owl Capital gemeinsam mit Pimco für sich entschied. Gleichzeitig prüfte die Bank alternative private Kreditlösungen, bevor Google als Absicherungspartner bei TeraWulf eingebunden wurde.

Dennoch nehmen die Risiken zu. Die Kosten für Kreditausfallversicherungen auf Oracle-Anleihen erreichten jüngst den höchsten Stand seit 2009 – ein deutliches Zeichen für die Angst vor einer KI-Blase. Oracle meldete zudem stark steigende Ausgaben für Rechenzentren, woraufhin die Aktie um fast 50 % von ihrem Rekordhoch einbrach. Auch Morgan Stanley ist wachsam und erwägt laut Bloomberg, Teile seines Engagements im Rechenzentrumsbereich zu reduzieren.

Ungeachtet dessen stärkt die Welle an Transaktionen den Ruf der Bank als erste Adresse für die Tech-Branche. Morgan Stanley führt in diesem Jahr die Rangliste für Tech-IPOs an und pflegt enge Beziehungen zu Schwergewichten wie Elon Musk, dessen KI-Unternehmen xAI die Bank im Juni bei einer Fremdkapitalaufnahme beriet. „Wir betreuen viele dieser Kunden seit ihrer Gründung“, sagte Anish Shah, Leiter des globalen Anleihegeschäfts bei Morgan Stanley. „Heute sind es Mega-Cap-Hyperscaler. Diese Beziehungen sind extrem tief.“

FMW/Bloomberg



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2 Kommentare

  1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Klar haben die Bullen Angst vor dem Crash ….ausgelöst… durch die Zinsen der FED….weil’s schon zweimal in der jüngeren Vergangenheit passierte, 2000 bei 6,25 Prozent Leitzins….und 07 bei 5,25 Prozent Leitzins der FED…

    Folglich fürchtet man höhere Zinsen ..wie der Teufel das Weihwasser…

    Ich bin überzeugt, hätten wir die Zinsen… zumindest aus 07….dann hätten die Märkte ein Problem….

    Ich glaube jedenfalls nicht …das die Blase dann noch lange Bestand hätte…

    1. …ich glaube nicht das die Bullen Angst vor dem Crash haben…die haben die letzten Jahre gut verdient…sitzen mit einem gewissen Anteil an Cash da, einem großen Anteil an Buchgewinnen (die heutzutage ja mit einem Klick in echte Gewinne umgewandelt werden können ohne den Anruf bei der Sparkasse, wie vielleicht vor 20 Jahren noch) und warten auf den lang ersehnten Crash, um mit den Gewinnen der letzten Jahre dann wieder voll einzusteigen…

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