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Nach blamabler Offenlegung von Musk-Brief an Mitarbeiter: Tesla-Aktie unbeeindruckt

Die Firma verbrennt Cash! Und darin scheint Tesla-Chef Elon Musk wohl auch ein hauptsächliches "Imageproblem" für Tesla ausgemacht zu haben. Es scheint sich einfach nicht gut zu...

FMW-Redaktion

Geht es einer Firma besonders gut, wenn der Chef die Mitarbeiter in einem Brief anbettelt, doch bitte mehr zu tun und zu gucken, wo man noch Kosten sparen kann? Nicht wirklich, oder? So geschehen vor Kurzem bei dem angeblichen Glanzlicht Tesla, das wir schon mehrmals kritisch in unseren Artikeln begleitet haben. Die Firma verbrennt Cash! Und darin scheint Tesla-Chef Elon Musk wohl auch ein hauptsächliches „Imageproblem“ für Tesla ausgemacht zu haben. Es scheint sich einfach nicht gut zu machen in der Öffentlichkeit als Geldverbrenner dazustehen, wenn man bei Investoren demnächst erneut frisches Geld zum Verfeuern einwerben will.

So wurde am Wochenende ein Brief von Musk an seine Belegschaft öffentlich, in der er schreibt die einfache Realität sei, dass man in einer besseren Position sei potenzielle Investoren von sich zu überzeugen, wenn die Headlines (in der Presse) nicht ständig benennen würden, das Tesla erneut Geld verliere. Besser wären da laut Musk Schlagzeilen wie „Tesla trotz allen Erwartungen und erreicht Profitabilität.“ Wie peinlich, wenn sowas an die Öffentlichkeit kommt. Und es geht noch weiter.

So schrieb Musk auch es wäre großartig, wenn Tesla im laufenden Quartal doch bitte wenigstens einen kleinen positiven Cash Flow vorzeigen könne. Auch schreib er die Mitarbeiter müssten jetzt jegliche Kosten senken, die nicht absolut notwendig seien, und das mindestens für die nächsten vier Wochen. Soll das vielleicht heißen die Liquidität der Firma ist gerade jetzt extrem angespannt, und in vier Wochen will man von Investoren frisches Geld einholen? Musk schreibt auch die Mitarbeiter müssen jetzt dafür sorgen, dass Tesla jetzt so viele Autos ausliefern müsse wie irgend möglich. Man müsse die Erwartungen von 80.000 Auslieferungen in 2016 erfüllen.

Hat da jemand etwa ernsthafte Drohungen von wichtigen Investoren erhalten? Musk, verdammt noch mal, halte endlich mal Deine Versprechen? Im letzten Quartal jedenfalls steigerte Tesla seinen Verlust um 96% auf 293 Millionen Dollar – man setze diese Summen bitte in Relation zu diesen mickrigen Verkaufsstückzahlen! Man hat 2015 gerade mal 50.658 Autos verkauft, will aber in 2018 schon 500.000 Stück absetzen. Die wahre Sensation rund um diesen Brief ist aber die Reaktion der Börsianer.

Die Veröffentlichung der Mail durch verschiedene US-Medien war am Wochenende, und Montag war in den USA die Börse geschlossen. Gestern also am ersten Handelstag nach der für Elon Musk blamablen Veröffentlichung regte sich in der Aktie nichts. Sie stieg sogar noch von Schluss Freitag 197 auf 202 Dollar gestern Abend! Für fast jedes andere Unternehmen wäre so eine Veröffentlichung ein Schock – Anleger würden regelrecht in Panik verfallen in Angst um die Finanzkraft der Firma, und der Kurs würde einbrechen – vielleicht um 5, 10 oder 20% – hängt jeweils von der einzelnen Aktie ab.

Aber mal wieder zeigt sich: Die Tesla-Aktie fällt nicht. Wie kann das sein? Es muss trotz einer enorm hohen Short-Quote einen Kern an Musk-hörigen Anlegern geben, die ihm treu ergeben sind. Natürlich kann sich in ein paar Jahren ja auch wirklich herausstellen, dass Elon Musk im Recht war, dass die Umsätze und Gewinne explodieren – dann lagen wir Kleingläubigen mit unseren Bedenken eben falsch. Aber nach allem was man derzeit sieht, verbrennt die Firma nun mal ständig in gigantischem Ausmaß Cash, und zeigt keine Anzeichen einer Besserung.



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6 Kommentare

  1. Was ist daran peinlich? Ich kenne keine Firma, in der man nicht ständig zum Sparen aufgefordert wird.

    Benjamin

  2. heute gelesen :
    „Vergleich von VW mit den US-Gerichten beinhaltet die Zahlungen von 2,4 Mrd Euro in einen Umweltfonds und von 1,8 Mrd Euro für die Förderung von Null-Emissions-Fahrzeugen.

    Kommentar: Die verdienten Mitarbeiter des Umweltfonds und Tesla danken.“

  3. Ich frage mich, ob die Aktie womöglich gar nicht weit fallen kann. Meldungen hin oder her. Verlust ja oder doch.

    Der harte Kern der Aktionäre verkauft evtl. nicht, weil immer mit einer Übernahme oder großen Beteiligung gerechnet werden kann. Ab einer gewissen Falltiefe?
    Von Daimler, Google, Appel oder ähnlich?
    Um an das Know How in der Batterietechnik zu gelangen.

    Und auf der anderen Seite bleibt dennoch die Aussicht auf einen Kursanstieg, wenn alles gut geht – weil die Mitarbeiter nun mal endlich das Sparen anfangen.

  4. Wahrscheinlich ist die Aktionärsstruktur bei Tesla einfach nicht so wie bei anderen Unternehmen. Üblicherweise investiert man in anderen Firmen um einen Gewinn zu erzielen. Bei Tesla investieren aber viele, weil sie einfach an das Konzept Elektroauto glauben. Eventuell auch überzeugt sind (oder wurden), dass die etablierten Autohersteller so groß für einen flexiblen Umschwung sind. Und Musk selbst überzeugt wohl viele mit seinen Reden und Visionen.

    Das Ganze ist dann eher eine Förderung, nicht eine Investition die unbedingt Gewinn abwerfen muss. Kann man machen (investieren), muss man aber nicht. Ich sehe es mir lieber nur an.

  5. Warum redet ihr immer von Cash verbrennen? Warum sieht niemand dass Tesla riesige Investitionen zu stemmen hat um im 2018 die angestrebten 500’000 Elektroautos (nicht Verpennerautos) ausliefern zu können?

    Was ist peinlich an diesem Mail an seine Mitarbeiter? Von mir aus gesehen ist dies ehrlich und es ist ja wohl logisch, dass ein positiver Cash Flow die Investoren freundlicher stimmt!

    Solche Kommentare lassen den Eindruck erwecken, dass da jemand Short investiert ist und es einfach nicht richtig abwärts geht.

    Ich glaube jedenfalls an Tesla und freue mich auf das Model 3?

  6. Wer die Potentiale nicht sieht und Investitionen nicht vom Cash Verbrennen unterscheiden kann, der kann mir nur leid tun. Das Model 3 ist das schon vor 10 Jahren angekündigte Ziel. Die bisherigen Modelle sind nur Wegmarken dorthin. Wie soll man denn sonst eine Neue Firma hoch ziehen, die 500.000 Autos herstellt? Das Tesla schon 400 Millionen alleine durch Vorreservierungen erhalten hat sollte dem ein oder anderen einen Denkanstoß geben.

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