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Nach Coronakrise ist vor Coronakrise: Großveranstaltungsverbot und Mundschutz

Es ist jetzt nach den Träumereien der letzten Wochen endlich Zeit für mehr Realismus. Nach der Coronakrise ist leider vor der Coronakrise!

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Trotz Coronakrise sind sich Wirtschaftsforschungsinstitute, Analysten und auch Politker einig: es werde eine deutliche Erholung der Konjunktur geben. Aber kommt diese Erholung wirklich, wenn der Konsum sich nicht erholt?

Die Bundesregierung hat heute offenkundig beschlossen, dass erstens alle Großveranstaltungen bsi mindestens Ende Oktober abgesagt werden, und zweitens dass der Mundschutz beim Einkauf weiter verpflichtend bleibt.

Nach der Coronakrise ist vor der Coronakrise

Der private Konsum macht ca. die Hälfte des deutschen BIPs aus, Tendenz in den letzten Jahren steigend. Eines scheint klar:  solange der Munschutz beim Einkauf verpflichtend bleibt, macht Einkaufen nicht wirklich Spaß: man versucht meist, möglichst schnell wieder aus dem Laden zu kommen, um endlich wieder frei atmen zu können (so geht es zumindest dem Autor). Damit entfällt der früher für die Einzelhändler so lukrative Shopping-bummel weitgehend. Was bedeutet das für den Konsum? Die Einzelhändler erwirtschafteten in Deutschland vor der Coronakrise ca. 550 Milliarden Euro pro Jahr – nicht mitgerechnet sind dabei der Fahrzeughandel, Brennstoffhandel, Tankstellen und Apotheken. Es ist davon auszugehen, dass die Umsätze im ganzen Jahr 2020 deutlich niedriger sein werden – und gerade im Einzelhandel dürfte es viele Insolvenzen geben (die derzeit nur aufgeschoben werden durch die Ausserkraftsetzung der Insolvenzordnung).

Das heute beschlossene Verbot von Großveranstaltungen heißt auch: keine Musik-Konzerte (oder wenn dann nur mit minimalem Publikum) mehr bis mindestens Ende Oktober. Die Musikveranstaltungs-Branche erwitschaftete vor der Coronakrise immerhin fünf Milliarden Euro – hier hängen jede Menge Jobs dran. Das gilt auch für die Messe-Branche.

Man könnte die Reihe der betroffenen Branchen beliebig fortsetzen (etwa der Bereich Sport, besoders die Fußball-Bundesliga) – Bereiche wie die Gastronomie sind derzeit wieder in aller Munde, da viele Betriebe nach Wiedereröffnung wieder schliessen, weil die Kunden schlicht nicht zahlreich genug erscheinen, um rentabel wirtschaften zu können.

Damit werden viele Millionen Menschen weiter arbeitslos bleiben – und so vom Staat praktisch langfristig finanziert werden müssen. Das Geld dafür druckt die Notenbank, der Staat verteilt es an die Opfer der Coronakrise, so die Logik. Aber die Arbeitslosen werden weniger konsumieren, Verschuldete (etwa diejenigen, die sich kurz vor der Coronakrise ein Haus oder eine Wohnung gekauft haben) müssen sich ent-schulden.

Wie soll da eine nachhaltige Erholung der Wirtschaft stattfinden – gar die viel beschworene, aber gleichwohl extrem unrealistische V-Erholung? Die Hoffnung, dass die Coronakrise bald überwunden sein wird, weil das Virus eben dann bei höheren Temperaturen verschwinden würde, sind jedenfalls in sich zusammen gefallen. Wenn Großveranstaltungen bis Ende Oktober verboten bleiben, die Atemmasken weiter aufgesetzt werden müssen, wird es keine nachhaltige Erholung des Konsums geben können. Und ohne Erholung des Konsums keine Erholung der Wirtschaft, simple as it is!

Ist es wahrscheinlich, dass dann ab 1.November Großveranstaltungen wieder durchgeführt werden dürfen und die Pflicht erlischt, beim Einkauf Atemmasken zu tragen? Sehr unwahrscheinlich. Mindestens bis Frühjahr 2021 dürften jene Regelungen in Kraft bleiben, die die Wirtschaft auf Jahre nach unten ziehen werden. Geld drucken hilft da nur sehr bedingt – und nicht auf Dauer. Das „V“ gibt es also nur in der Bilanz der Notenbanken – nicht aber in der Realwirtschaft!

Es ist jetzt nach den Träumereien der letzten Wochen endlich Zeit für mehr Realismus. Nach der Coronakrise ist leider vor der Coronakrise..

Die Coronakrise ist eine Dauer-Krise

14 Kommentare

14 Comments

  1. Avatar

    Dumpwater

    17. Juni 2020 12:20 at 12:20

    Ihre Worte in Gottes Ohr, lieber Herr Fugmann.

  2. Avatar

    Hesterbär

    17. Juni 2020 13:36 at 13:36

    Absolut richtig, Herr Fugmann. Es kann keine andere Interpretation geben, denn sie spiegelt die Realität wider. Wirtschaftsforschungsinstitute sind mit der Politik gleichgeschaltet und verkünden wie die Staatsmedien, was verkündet werden soll, nämlich Optimismus und Schönfärberei. Das kann man natürlich als Lügen verurteilen, denn es sind Lügen. Würde man allerdings Ihre Wahrheiten von offizieller Seite öffentlich verkünden, würde das Desaster noch größer werden. Das Motto muss also sein: Wenn es ernst wird, muss man lügen.

  3. Avatar

    franko33

    17. Juni 2020 14:37 at 14:37

    Danke für Ihre realistische Einschätzung !

    Die C-Maßnahmen gibt es ja mittlerweile schon eine gefühlte Ewigkeit.
    Wenn man Nachrichten schaut oder vielleicht noch andere GEZ Medien.Fühlbare 95%
    ständige Nachrichten darüber.Brasilien soundsoviel Tote,Chile,jetzt natürlich Indien.
    China drückt immer mehr die Meldungen über eine zweite Welle.
    Nun gut – es scheint mindestens bis zur US Wahl soweit zu gehen und man kann sich sicherlich fragen ohne „Verschwörungstheoretiker“ zu sein – Gott bewahre,hier in Deutschland und weltweit gibt es immer wieder die zwei Lager…..
    Ich verwehre mich dagegen Totenzahlen zu verniedlichen.Dennoch – wir leben in dieser Welt
    und jede Sekunde ,die wir gelebt haben,ist unwiderruflich vorbei.Wollen wir in ständiger
    Angst leben,oder vielleicht doch selbstbestimmt ? Für mich keine Frage,denn wiviel Mrd
    Bakterien haben wir in unserem Körper.Wenn man in den Tropen lebt, muß man mit der Gefahr
    von Gelbfieber,Cholera,Malaria und vieles mehr leben.Gebe ich mir deswegen die Kugel oder
    verstecke mich Zu Hause ? Schon bei 50cm Schnee weltweit scheint unsere Welt im Chaos zu versinken.Wir brauchen gesellschaftlich andere Modelle und müssen in den Realismus zurück,
    anderweitig entscheiden einige wenige über unsere Zukunft und sie freuen sich darüber.

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    Pessi- Mist

    17. Juni 2020 14:52 at 14:52

    Genau was Roubini sagt u.was jeder mit gesundem Menschenverstand auch erkennen müsste.Man kann sich schon fragen ob der Optimismus von oben angeordnet ist.Am Morgen regte ich mich auf ,als ein sonst
    geschätzter Journalist am Radio schon wieder die guten ( total falschen) Arbeitszahlen der USA positiv interpretierte..
    Nicht zu vergessen der Zeitlag, so muss für Veranstaltungen die vielleicht im Herbst stattfinden könnten , bereits jetzt entschieden werden. Das heisst viele Veranstaltungen werden wegen Unsicherheit abgesagt.
    Und nicht vergessen, schon vor Corona war gerade Rezession angesagt !
    Also Gleichung: Notenbankgeld minus ( Rezession + Corona ) = V- Erholung

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    Columbo

    17. Juni 2020 16:51 at 16:51

    Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und ein Anpassungsmeister, sonst hätte er nicht überlebt. So wie in Asien schon seit langem, werden auch wir uns mit den Masken anfreunden, die allerdings bei immer weniger Anlässen verpflichtend sind. In meiner Gegend beispielsweise kann man bis auf wenige Ausnahmen ohne Einschränkungen herumlaufen, das öffentliche Leben hat sich fast normalisiert und trotzdem gibt es keine Neuinfektionen mehr. In Österreich ist es noch besser. In DE wohl auch, denke ich.
    Derzeit besteht laut virologischem Konsens eine 0,4 prozentige Wahrscheinlichkeit, in Europa an Covid-19 zu erkranken. Da schaut‘s bei der Krebserkrankungsrate um einiges düsterer aus: Wenn man beispielsweise die Kolonkarzinomzahlen ansieht, wäre eine vorbeugende Darmspiegelung für die meisten von uns überlebenswichtiger, als das Maskentragen.
    Zugegeben, die Leute sind noch verunsichert und trauen sich nach diesem Lockdownschock erst langsam wieder heraus, aber der Mensch ist extrem anpassungsfähig und lernt schnell mit Gefahren umzugehen und mit ihnen zu leben.
    Nach Corona ist nicht vor Corona…Gefahr erkannt, Gefahr gebannt, was die Erkrankung betrifft.
    Ob und wie und wann wir uns von den wirtschaftlichen Folgen erholen, steht allerdings in den Sternen. Wenn es mit einem Knall endet, war aber nicht das Virus Schuld, sondern wir.

    • Avatar

      Columbo-Fan

      17. Juni 2020 17:29 at 17:29

      @Columbo. Super Analyse! Aber Optimismus wird immer kleiner geschrieben hier. Man sucht quasi nach bad news. Jeden Tag neue geopolitische Risiken, Gesundheitsrisiken und die Finanzapokalypse sowieso. Sie sind einer der letzten Realos hier.

    • Avatar

      Wirrologe Fan

      18. Juni 2020 14:58 at 14:58

      ‚Nach Corona ist nicht vor Corona…Gefahr erkannt, Gefahr gebannt, was die Erkrankung betrifft‘
      Columbo weiß es natürlich wieder einmal besser als alle Fachleute. Die Gefahr ist noch überhaupt nicht gebannt, wie sich in vielen Ländern zeigt. Wirrologe liegt richtig mit seiner Einschätzung: Columbos Ansichten sind weltfremd.

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    Columbo

    17. Juni 2020 18:06 at 18:06

    @Markus Fugmann

    Wir sollten unseren Brunello trinken, bevor die Grenzen wieder zugehen…☝️😋

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      17. Juni 2020 18:25 at 18:25

      @Columbo, sehr gerne! Nur wann und wo?

      Liebe Grüsse!

      • Avatar

        Columbo

        17. Juni 2020 18:32 at 18:32

        @Markus, ich denke nach!

        Liebe Grüße!

  7. Avatar

    Wirrologe

    17. Juni 2020 19:44 at 19:44

    @Columbo, da sie anscheinend in einem Gebiet wohnen wo die Leute stark vom Tourismus abhängig sind, können sie doch einmal die Gastwirte u.Ladenbesitzer fragen wie stark die Gewohnheitstiere zurückgekommen sind. Ihre Ansichten sind weltfremd u.unausstehlich, zum Glück haben sie mindestens einen Fan ,den Columbo Fan.

    • Avatar

      Columbo

      17. Juni 2020 23:00 at 23:00

      Sie kommen, täglich mehr und genießen die schöne Bergwelt.
      Und sie sind nicht so schlecht gelaunt und unhöflich wie Sie, Herr @Wirrologe.

      • Avatar

        F. Beyer

        18. Juni 2020 12:25 at 12:25

        Erst kam einer, dann 2 und heute kamen sogar 3 Touristen. Das sind Steigerungsraten von 100 und 50 Prozent. Wahnsinn! Der Tourismus boomt ohne Ende!

        • Avatar

          Faktist

          18. Juni 2020 14:25 at 14:25

          Die alten Römer würden sich im Grab umdrehen, wenn die wüssten was man mit deren Erfindung „Prozentrechnen“ heutzutage tut LOL

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Negativzinsen und Druckerpresse: Auswirkungen auf Menschen und Schrottunternehmen

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Negativzinsen helfen Schrottfirmen und schaden den Sparern

Die Druckerpressen von EZB, Federal Reserve und Co laufen auf Hochtouren. Und dank dem neuem US-Präsidenten Joe Biden (Vereidigung am 20. Januar) dürfte das Tempo an neu geschaffenem Geld und neuer Staatsverschuldung nochmal Fahrt aufnehmen. Auch die Eurozone steht dem mit der EZB in Nichts nach. Die Null- und Negativzinsen bleiben weiter dort wo sie sind, und das auf lange Zeit. Das haben die Notenbanker auf beiden Seiten des Atlantiks klar gemacht. Was passiert, wenn Negativzinsen und Druckerpresse auf Menschen und Schrottunternehmen treffen? Hier kurz und knapp zwei Beispiele.

Die Schrottunternehmen werden auch gerne als Zombieunternehmen bezeichnet. Dies sind Unternehmen, die zum Beispiel noch nicht mal genug Geld verdienen um ihre Zinslast auf Kredite bedienen zu können. Oder sie überleben nur noch dank Staatshilfen, aber nicht aus strukturell echten Einnahmen. Wer Schrott ist, muss am Kapitalmarkt für Schulden eine höhere Risikoprämie zahlen. Denn der potenzielle Käufer von Schrottanleihen will sich das höhere Risiko einer Nicht-Zurückzahlung der Anleihe natürlich honorieren lassen. Von daher notieren die Renditen von Junk Bonds (Anleihen begeben von Unternehmen mit zweifelhafter Bonität) immer deutlich höher als die von gut angesehenen Unternehmen.

Derzeit aber, wo die Notenbanken alles mit frisch gedrucktem Geld überschwemmen und wo die Negativzinsen alles runterdrücken, da profitieren auch die Zombieunternehmen von immer weiter fallenden Renditen für ihre Schulden. Wie der folgende zehn Jahre zurückreichende Chart zeigt, ist die durchschnittliche Rendite für Junk Bonds in den USA auf ein neues Rekordtief von 4,45 Prozent gesunken, mehr als zwei Prozentpunkte unter dem Zehnjahresdurchschnitt. Die Zombies freuen sich also über immer geringere Kosten für ihre Schulden.

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Der Spar-Michel zahlt die Zeche

Man erinnere sich noch zurück, als hier und da die aller erste Sparkasse oder Volksbank Negativzinsen für Kontoguthaben einführte. Was gab das für einen Aufschrei. Heute ist das Alltag. Und die Lawine rollt immer weiter. Die ganz frische Veröffentlichung des Portals Biallo zeigt, dass auch die Direktbanken immer stärker auf den Zug aufspringen. 240 Banken insgesamt kassieren mittlerweile Negativzinsen im Privatkundenbereich, bei Firmenkunden sind es 317 Geldhäuser. Beim sogenannten Verwahrentgelt gelten in der Regel bestimmte Freibeträge, die von 5.000 Euro bis zu Millionenbeträgen reichen. Elf Geldhäuser langen bereits ab dem ersten Euro zu. Die DKB folgt aktuell der ING und führt ab sofort einen Negativzins in Höhe von minus 0,5 Prozent ein – für Einlagen ab 100.000 Euro auf dem Tagesgeld- und Girokonto. Wie bei der ING sollen Bestandskunden erst mal nicht betroffen sein.

Damit dürfte die Negativzins-Welle, die derzeit auf Sparer zurollt, noch mal deutlich an Fahrt gewinnen. Denn laut jüngsten Recherchen von Biallo haben auch große Regionalbanken in Hamburg, München und Köln zuletzt einen Strafzins für private Einlagen eingeführt. Erst gar keine Negativzinsen, jetzt gibt es immer mehr, aber mit Freibeträgen. Da das Umfeld aus Null- und Negativzinsen noch jahrelang anhalten wird, und da die Banken margentechnisch unter immer größerem Druck stehen, darf man annehmen, dass diese Freibeträge in Zukunft stetig verringert werden, und dass auch immer öfter von Bestandskunden Negativzinsen kassiert werden, und nicht nur von Neukunden.

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US-Arbeitsmarktdaten im Detail: Extrem schwach! Der Amazon-Effekt in brutaler Klarheit

Claudio Kummerfeld

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am

USA Flagge und Adler

Die US-Arbeitsmarktdaten wurden um 14:30 Uhr veröffentlicht mit einem Zuwachs von 245.000 Stellen für November, was deutlich schlechter war als erwartet (Prognose 470.000). Bezüglich der Gesamtzahl von 245.000 neuen Stellen gab es einen Abbau von 99.000 Stellen beim Staat. Somit gibt es im November 344.000 neu geschaffene Stellen im Privatsektor. Im Verarbeitenden Gewerbe gab es insgesamt einen Zuwachs von nur 55.000 Stellen. Im Untersektor Bergbau lag die Veränderung bei +1.000. Auf dem Bau waren es +27.000 Stellen, und in der Industrie +27.000. Die folgende Grafik zeigt die gesamten Daten für das Verarbeitende Gewerbe im November.

Zum Vergrößern bitte die Grafiken anklicken.

Grafik zeigt US-Arbeitsmarktdaten für November im Detail

Verbleibt bei den neu geschaffenen Stellen im November noch ein Plus von 289.000 Stellen im US-Dienstleistungssektor. Ein sehr schwacher Wert nach +783.000 im Oktober. Der Einzelhandel baute 34.700 Stellen ab. Das ist dramatisch, wo der Sektor doch als einer der Jobmaschinen gilt. Elektronikgeschäfte bauten netto 11.300 Stellen ab, Sport- und Buchgeschäfte 12.100 Stellen, und Kaufhäuser sowie große Supercenter (Walmart etc) verloren netto 20.800 Stellen. Gleichzeitig explodieren die Neueinstellungen bei Amazon und Co (also vor allem Amazon). Alleine im November wurden netto 81.900 neue Kurierfahrer eingestellt, und 36.800 Mitarbeiter in Warenlagern.

Grafik zeigt Details zu Job-Änderungen im US-Einzelhandel

Der Sektor „Professional and Business Services“ konnte 60.000 Stellen hinzugewinnen (sehr schwach), wobei hier alleine fast 70.000 neue Jobs bei Zeitarbeit und Hilfsarbeit entstanden. Andere Teilsegmente in dem Bereich bauten also eher Stellen ab. Der Bereich „Pflege und Bildung“ ist mit nur +54.000 Stellen auch sehr schwach dabei. Wobei der Bereich Bildung 5.700 Stellen abgebaut hat. Die Pflege schuf 59.600 neue Stellen. Der mit Abstand größte Einzelposten, wenn es um das schnelle Schaffen neuer Jobs in den USA geht, ist in der Regel der Bereich „Freizeit und Bewirtung“, also Restaurants, Freizeitparks etc.  Hier ist die Schaffung neuer Stellen im November extrem schwach ausgefallen mit gerade mal +31.000. Innerhalb dieses Segments wurden bei Restaurants und Bars sogar 17.400 Stellen abgebaut. Die zweite Corona-Welle lässt grüßen.

Grafik zeigt Details zu verschiedenen US-Jobdaten

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Coronavirus: Herdenimmunität, ein Geduldsweg, vor allem in Deutschland

Wolfgang Müller

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Die Impfung gegen das Coronavirus nimmt immer mehr Gestalt an, nicht nur in China, in Russland, in der Türkei, ab Montag in Großbritannien, aber bald auch in Deutschland. Endlich die Plage loswerden, immun werden, so die berechtigte Hoffnung Vieler. Eines aber spricht gegen eine rasche Herdenimmunität, auch in Deutschland – die Bereitschaft zur Impfung.

Coronavirus: Aktuelle und künftig Immunisierte

Betrachtet man sich die aktuellen Infektionszahlen, so erkennt man große Unterschiede bei den offiziell registrierten Infizierten mit dem Coronavirus. In den USA ist bereits jeder 23. Bewohner positiv auf Covid-19 getestet worden, in Frankreich jeder 29., in Spanien jeder 27., in Belgien und Tschechien jeder 20. – und in Deutschland? Jeder 76. Einwohner, bei einer Dunkelziffer von vielleicht Faktor drei bis vier, nach Einschätzungen von Virologen. Bleiben also noch über 78 Millionen, die es geschafft haben, sich vor dem Coronavirus zu schützen. Aber was ist mit den USA, wo selbst der Leiter der nationalen Seuchenschutzbehörde von einer Dunkelziffer mit unglaublichem Faktor 10 sprach? Wenn dies zuträfe, hätten schon unglaublich viele Amerikaner die Sache bereits überstanden. Worüber das deutsche Gesundheitswesen eigentlich sehr stolz sein kann, bringt aus jetziger Sicht einen zusätzlichen Nachteil bei der Herdenimmunität.

Die derzeitige Abneigung der Bundesbürger gegen die Impfung

Auch wenn es bereits einen gewaltigen Aufbau für die über 400 Impfzentren in Deutschland gibt, von denen kürzlich die Rede war und die ab 15. Dezember funktionsfähig sein sollen, wird das Thema Massenimpfung eine große Aufgabe werden. Es leben bereits über 83 Millionen Menschen in diesem Lande und bis die so oft zitierte 60 Prozent-Rate erreicht ist, könnte es doch eine Zeit dauern. Zumal mit der Entwicklung der Impfstoffe die Zahl der Impfwilligen sogar abgenommen hat. Eine repräsentative Umfrage hat ergeben, dass derzeit nur 53 Prozent der Bundesbürger zu einer Impfung gegen das Coronavirus bereit sind.

Man bräuchte aber selbst bei einem 100-prozentigen Schutz 60 Prozent der Bevölkerung, die bei der Impfung mitmachen. Bei der bisher verkündeten Wirksamkeit von 95 Prozent sogar noch einige Prozent mehr.

Sicherlich gibt es viele Skeptiker, die sich berechtigt Sorgen um die Nebenwirkungen machen, die man derzeit bei der geringen Probandenzahl gewiss noch nicht ausschließen kann. Die Anzahl sollte aber abnehmen, wenn die Impfungen gut funktionieren. Ein paar Sonderfälle aber, in den Medien verbreitet, schon könnte die Bereitschaft abnehmen. Aber es gibt auch die radikalen Impfgegner, auch Gentechnikgegner, die bis zu einer Herdenimmunität immer noch eine Gefahr darstellen, als mögliche Spreader des Coronavirus.

Die Impfung ist ein gewaltiger Schritt – aber kein Wundermittel, welches in kurzer Zeit die Normalität versprechen kann. Man weiß heute noch nicht, wie lange ein Schutz wirksam sein wird und ob man als Geimpfter nicht doch noch als Virenspreader in Frage kommt. Es wird bei aller Freude über die Impfung noch einiges an Geduld brauchen, denn es werden bestimmt in kurzer Zeit Meldungen entstehen, die contra Impfung verwendet werden können. Zum Beispiel von Menschen, die plötzlich nach der Impfung schwer erkranken, weil sie vor der Impfung noch keine Symptome verspürt haben. Das allgemeine Gesundheitsrisiko bleibt, ebenso das „Fake News-Risiko“ in den sozialen Medien.

Die kommende natürliche Spaltung der Gesellschaft

Es ist sicherlich nicht an der Zeit, um sich allzu viel Gedanken über ein mögliches Zukunftsproblem im Zusammenhang mit der Bewältigung der Corona-Krise zu machen. Aber die Fragestellungen könnten schneller kommen, als man jetzt glaubt. Was passiert mit den Millionen, die es bald geben wird, die geimpft sind und immunisiert: sollen diese weiter Maske tragen und die vielen Sonderregeln beachten? Wird anfangs sicherlich aus Solidarität funktionieren, aber es werden ja täglich mehr. Gar nicht zu reden von den vielen Branchen, die von dem Zusammentreffen vieler Menschen profitieren, wie Tourismus, Kultur, Festveranstalter, diese werden sicherlich die Rückkehr zur Normalität fordern. Es werden sich Gruppen bilden, aber was passiert mit den Verweigerern einer Impfung?

Viele Fragen, nicht nur für den Ethikrat.

Fazit

Die letzten Monate haben gezeigt, wie lange es dauern würde, bis eine natürliche Herdenimmunisierung dem Coronavirus den Garaus machen könnte. Vor allem in Deutschland. Selbst bei 10.000 kontrollierten Fällen pro Tag (3,6 Mio/Jahr) wären es viele Jahre, bis man eine Herdenimmunität erreicht hätte. Ein Kollaps nicht nur für die Wirtschaft und viele Branchen, sondern auch eine unerträgliche Lage für die Menschen und dem Leben in ständiger Angst.

Es geht nicht um die Jugend – in Deutschland gibt es bereits über 21 Millionen Rentner und viele Risikogruppen unterhalb dieser Altersgruppe. Klar gibt es die berechtigten Bedenken über Nebenwirkungen, aber bei einer Impfquote von gut 50 Prozent würde man in Deutschland noch sehr lange mit SARS-CoV-2 leben müssen. Ohne wirksamen Impfstoff gegen das Coronavirus hätte aber gerade Deutschland ein längeres Problem. Es sollte sich eigentlich jeder über den medizinischen Fortschritt freuen, auf die Wirksamkeit der Impfung hoffen und sich auf eine baldige Rückkehr zu sozialen Gewohnheiten des Miteinanders innerlich einstellen. Es dürfte allerdings noch ein gerüttelt Maß an Geduld erfordern.

Über das Coronavirus und Herdenimmunität

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