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Nach dem Brexit: was kommt jetzt? Einschätzungen der „Dickfische“

Nachdem die meisten kalt erwischt wurden von dem Votum der Briten, lohnt ein Blick auf die Einschätzungen der großen Player am Markt, also der „Dickfische“, die gewissermaßen Meinungs-bildend sind…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Nun ist der GAU passiert – ohne dass man von einem „Schwarzen Schwan“ sprechen könnte, also von einem Ereignis, das alle völlig unvorbereitet trifft (so wie einst die Einwanderer in Australien, die auf schwarze Schwäne trafen, deren Existenz in Europa als unmöglich galt – der Begriff stammt bekanntlich von Nassim Taleb). Nachdem die meisten kalt erwischt wurden von dem Votum der Briten, lohnt ein Blick auf die Einschätzungen der großen Player am Markt, also der „Dickfische“, die gewissermaßen Meinungs-bildend sind.

Blicken wir zuerst auf die Citigroup, deren Expertise vor allem am Devisnmarkt als führend gilt – auch weil die Citi einige Querdenker in ihren Reihen hat, die sich jenseits des Einheitsbreis bewegen:

In einer heute vorgelegten Analyse geht die Citi davon aus, dass viele Kommentare von Analysten nach dem Brexit „übertrieben“ seien. Was am Freitag nach Bekanntwerden des Ergebnisses am Markt passierte, sei im Grunde ein normaler Prozeß der Preisfindung („consistent with a normal process of price discovery“), angesichts eines erhöhten Risikos für ein verringertes Wachstum, höhere Inflation (?) und eine Verschlechterung der „Kredit-Metrik“ (sprich der gestiegenen Wahrscheinlichkeit von Zahlungsausfällen etc.). Man erwarte nun keine weiteren ökonomische oder politischen Schocks, sehe auch kein „financial disaster“. Gleichwohl gebe es nun ein erhöhtes Risiko für ein schottisches Unabhängigkeits-Votum.

Man erwarte nun, dass die Bank of England die Zinsen um 25 Basispunkte senken werde, dazu werde die Notenbank ihr QE-Programm wieder aufnehmen. Auch die EZB werde noch einmal die Zinsen senken, aber man halte an der Auffassung fest, dass die Fed im September die Zinsen anheben werde. Insgesamt sei es bislang kaum möglich, die ökonomischen Konsequenzen des Brexit abzuschätzen – das werde erst möglich sein, wenn der neue britische Ministerpräsident eingesetzt werde.

Ähnlich beschwichtigend auch PIMCO, der Vermögensverwalter der Allianz. Der Brexit werde einen relativ kleinen Einfluß auf das globale Wachstum und die Entwicklung der Inflation haben, selbst wenn UK in eine Rezession verfalle. Auch PIMCO erwartet eine baldige Zinssenkung durch die Bank of England inklusive neuem QE und sieht eine Chance von über 50%, dass auch die EZB noch einmal die Zinsen senkt. Eine Zinsanhebung durch die Fed im Juli sei nun komplett vom Tisch („completely off the table“), September sehr unwahrscheinlich und selbst Dezember als Termin einer Anhebung sei zunehmend in Frage gestellt. Die Bank of Japan dagegen werde ihre ultralaxe Geldpolitik bei ihrer nächsten Sitzung am 29.Juli noch ausweiten.

Investoren müssten nun, so PIMCO, eine höhere Chance für eine Stagflation in den nächsten drei bis fünf Jahren einkalkulieren. Man erwarte weitere Anstiege des US-Dollar, was Dollar-Schuldner in den Emerging Markets in Schwierigkeiten bringe und die Rohstoffpreise unter Druck bringe – was dann wiederum das globale Wachstum beeinträchtige. Hinzu komme, dass der starke Dollar China zu einer weiteren größeren Abwertung seiner Währung veranlassen werde, sodass dann sich Sorgen um das globale Wachstum sowie die Furcht vor Deflation dann verstärken würden.

Insgesamt habt man bei diesen beiden Einschätzungen den Eindruck, dass es darum geht, jedes Anzeichen von Panik zu vermeiden. Je konkreter jedoch die vermutlichen Folgewirkungen des Brexit dann analysiert werden, umso mehr besteht eigentlich ein Grund für die Panik, die man eigentlich herunterspielen möchte. Offenkundig fürchtet man Schlimmes, will das aber so deutlich nicht formulieren und sagt daher, im Grunde sei die erste Reaktion des Marktes normal. Die Dickfische, so sieht es aus, haben Angst!

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Corona belastet die Aktienmärkte

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Die Verschärfung der Coronakrise belastet heute die Aktienmärkte.

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Volkswagen meldet 10 Milliarden Euro Gewinn – dazu noch ein interessanter Vergleich

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Basierend auf vorläufigen Zahlen erwartet man für das Geschäftsjahr 2020 ein operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen (Dieselthematik) von rund 10 Milliarden Euro, dazu einen ausgewiesenen Netto-Cash-flow im Automobilgeschäft von rund 6 Milliarden Euro. Die gesamten finanziellen Kennzahlen für das Geschäftsjahr 2020 sowie der Ausblick wird Februar veröffentlicht. Die Volkswagen-Aktie reagiert positiv mit einem Kurssprung von 158,60 Euro heute Vormittag auf aktuell 169,28 Euro.

Interessant zum Thema Autohersteller ist folgende Grafik. Sie zeigt den gigantischen Börsenwert von Tesla (links) in Relation zu den anderen großen Autobauern, die natürlich weitaus größere Mengen produzieren. Tesla hat derzeit mehr Börsenwert als die folgenden acht größten Autobauer zusammen. Sind das noch gesunde Dimensionen bei Tesla? Da muss Elon Musk noch ganz schön viele Autos verkaufen, um mit realen Umsätzen zur Börsenbewertung aufzuschließen.

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Immer mehr zusätzliche Luft für die Aktienblase, Branchenrotation dank Biden

Claudio Kummerfeld

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Derzeit gibt es immer mehr zusätzliche Luft zum weiteren Aufblähen der globalen Aktienblase, so ein Experte im folgenden Gespräch mit Manuel Koch. Notenbanken und Stimulus-Maßnahmen würden die Blase weiter befeuern. Dabei würden sich die Börsenbewertungen immer mehr von der realwirtschaftlichen Wirklichkeit entfernen. Deswegen sollten die Anleger Bestände gegen Verluste absichern. Auch interessant sind die Aussagen über eine Branchenrotation bei US-Aktien. Dank des neuen US-Präsidenten Joe Biden würden Branchen wie Pharma und alternative Energien profitieren, dafür könnte zum Beispiel die Ölindustrie verlieren.

Im Video auch besprochen werden zwei Handelsideen der trading house-Börsenakademie. Bei Netflix könne man market kaufen, und bei Microsoft könne man über das Vehikel einer Stop-Buy-Order auf steigende Kurse setzen.

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