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Devisen

Nach dem Brexit: Wird wohl nix mit dem Steuerparadies – dafür kommt der Geist Thatchers zurück

Die Hoffnungen der britischen Politik zum Steuerparadies zu werden, sind unrealistisch. Realistisch ist dagegen die „Wiederauferstehung“ des Geistes von Thatcher..

Markus Fugmann

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Von Markus Fugmann

Heute kamen mit den Einkaufsmanagerindizes aus Großbritannien die ersten Konjunkturdaten, die etwas aus der Zeit nach dem Brexit aussagen – und sie waren vernichtend (siehe dazu unseren Bericht). Und nun überbieten sich die Erwartungen seitens der Bankanalysten, was die Bank of England schon im August nun tun müsse: mindestens eine Zinsenkung von 0,25%, vielleicht um 0,5%, plus QE, wenn nicht im August, dann bald danach. Allein das aber wird nicht helfen, die Stimmung in der Wirtschaft ist im Keller, vor allem beim Dienstleistungssektor, der seit der Deindustrialsierung unter Thatcher dominiert.

Margaret_Thatcher
Die Wiederkehr der Margret Thatcher
Foto: Margaret Thatcher Foundation, (CC BY-SA 3.0)

Die entscheidende Frage aber ist: welches Konzept hat nun die britische Politik? Und da lautet die Antwort: keines. Beziehungsweise: utopische Konzepte. So glaubt man allen Ernstes in der Downing Street, dass man den EU-Binnenmarkt behalten könne. Heute hat sich Theresa May mit Frankreichs Hollande getroffen, und dessen Botschaft war unmißverständlich: kein unbeschränkter Zugang zum EU-Binnenmarkt und damit eine frei Wirtschaft, ohne freie Bewegung von Menschen. Von dieser Linie wird die EU nicht abweichen – und das ist für UK wohl nicht akzeptabel.

Dazu dann auch der Freund jenseits des Teichs: US-Außenminister Kerry hat den Briten klar gemacht, dass es auch mit den USA keine Vorgespräche über ein Handelsabkommen geben wird, ohne dass die Briten Artikel 50 des Lissabonner Vertrags aktiviert hätten. Dumm gelaufen.

Aber man glaubt noch ein Ass im Ärmel zu haben: wir machen, so die Überlegung, Großbritannien einfach zu einem Steuerparadies, und alles wird wieder schick. Cameron hat das in seinen letzten Amtstagen noch vorgeschlagen (Senkung der Unternehmenssteuer von 20% auf 15%), May hat das bisher nicht aufgenommen. Aber so einfach wird das nicht werden mit dem Steuerparadies. Erstens, weil die EU derzeit Länder wie Irland, die mittels niedrigster Unternehmenssteuern vor allem US-Konzerne anlocken wollen, inzwischen sanktionieren. Und wenn UK vorprescht und die Unternehmenssteuern senkt, wird das von der EU nicht wirklich als gutes Signal verstanden in Sachen Zugang zum Binnenmark für die Briten.

Aber selbst wenn das Problem mit der EU wegen Unternehmenssteuern nicht wäre: eine Analyse der OECD legt nahe, dass eine Poltiik niedrigster Unternehmenssteuern vor allem Effekte hat in eher kleinen Ländern mit nicht sehr stark ausgeprägter eigener Wirtschaftsstruktur: in diesen Ländern würden die geringeren Steuereinnahmen durch höhere Investitionen aus dem Ausland überkompensiert. Aber das gilt eben nicht für UK, das bei ohenhin eintrübender Konjunktur – was weniger Steuereinnahmne bedeutet – eben auch weniger Geld von den Unternehmen bekommen würde. Und bis dann die Effekte von niedrigeren Steuern eintreten, bis also ausländische Firmen die Entscheidung treffen, sich in UK anzusiedeln, würde Zeit vergehen. Ohne freien Zugang zum EU-Binnenmarkt aber würden sich das die ausländischen Firmen wohl zweimal überlegen.

Viel wahrscheinlicher ist daher folgender Weg für die Briten: sie werden sich als Vorreiter der Anti-Regulierung positonieren. Das gilt für den Finanzsektor, das gilt für den Arbeitsmarkt – und für Umwelt-Regularien der EU. Und damit hätte dann Thatcher posthum ihre totalen Triumpf: Gesellschaften existieren nicht, nur Individuen – das war die Überzeugung der Eisernen Lady. Und dazu bekommen die Briten dann auch noch mehr Umweltverschmutzung. Habt ihr, liebe Briten, euch das mit dem Brexit vorher so wirklich mal überlegt?

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    Marcus

    22. Juli 2016 18:01 at 18:01

    Ohne den Zugang zum EU-Binnenmarkt ist Großbritannien bzw. wenn nur England übrig bleibt, ökonomisch tot. Da nutzt auch keine Unternehmenssteuer von 15 % irgendetwas! Das ist die Ausgangslage die aber in Downing Street 10 noch nicht so richtig angekommen ist.

    Großbritannien ist von ausländischen Kapital und ausländischen Konzernen abhängig, das wird sich in Zukunft nur um so deutlicher zeigen. GB hat ja selbst nichts vorzuweisen außer die Finanzbranche und eine marode Stahlindustrie. Mit viel gutem Willen vielleicht noch Jaguar-LandRover.

    • Avatar

      sabine

      23. Juli 2016 21:45 at 21:45

      So ein Quatsch.
      a) Wer ist denn ökonomisch tot? Eher die EU. In Asien gibts noch Wachstum, auch wenn es sich verlangsamt.
      b) Wann hatten wir in der EU das letzte Mal Wachstum? Echtes? Nicht diese verlogenen Statistiken. Mittlerweile können es sich alle Regierungen leisten, die Statistik-Tricks zu veröffentlichen. Ist den Lügen-Medien sowieso egal. Wer nicht aktiv Arbeit sucht, ist nicht arbeitslos. Das sind aber auch alle die, die nicht sofort jeden Minijob oder 8€-Job, der 50km von zuhaus entfernt ist, annehmen! (eigene Erfahrung. Und es sind die, die einen kleinen „Kurs“ (Excel,Powerpoint, englisch…) machen, auch nicht mehr arbeitslos. Obwohl sie es noch sind.
      c) Brexit-England wird sich erholen und mit dem ehemal. Commonwealth-Ländern Geld verdienen. Ihr Anti-Brexit-Prediger werdet’s schon sehen.

      • Avatar

        Matthias

        25. Juli 2016 11:12 at 11:12

        Ökonomisch tot ist natürlich deutlich übertrieben. Es werden aber wohl sehr schwierige Jahre oder ein Jahrzehnt folgen. Das hängt von dem letztendlichen Brexit Verhandlungsergebnissen ab.

        Warum und vor allem womit wird England denn mit den Commonwealth Ländern Geld verdienen? Übrigens ist „ehemalig“ nicht richtig, das Commonwealth of Nations gibt es noch. Ich sehe allerdings nicht wirklich, warum da plötzlich großes Wachstum herkommen soll.
        Der Brexit bedeutet Unsicherheit für Unternehmen. Dann wird schlicht nur minimal investiert weil erst einmal das Ergebnis abgewartet wird. Das wird deutliche Spuren in der Wirtschaft und dadurch bei den Steuereinnahmen hinterlassen.

  2. Avatar

    Steven

    24. Juli 2016 10:31 at 10:31

    Ach ja … Riskiert die EU wirklich 60mio Briten als Absatzmarkt zu verlieren ?
    Wohl eher nicht !!

    Man kann dem David nicht vorwerfen dumm zu sein bur weil er gegen goliath antritt !

  3. Avatar

    Jörg

    25. Juli 2016 10:39 at 10:39

    Es ist schade, daß hier nicht der Finger auf die Wunde gelegt wird:
    Nicht die Tatsache, daß Großbritannien jetzt nicht mehr Mitglied der EU ist, ist das Problem, sondern allein der Liberalismus (auch: „Neoliberalismus“ genannt).

    Beispiel: Die EWG („Europäische Wirtschaftsgemeinschaft“ – zunächst aus Frankreich, BRD, BeNeLux, Italien bestehend) war ein mächtiger transnationaler europäischer Wirtschaftsverband. Aber etliche europ. Länder gehörten nicht dazu – z. B. Schweden. Schweden war also vom EWG-Markt ausgeschlossen (bzw. seine Expotprodukte in die EWG wurden mit hoher Importsteuern belegt) und hatte nur seinen eigenen Markt. Dieser schwedische „Markt“ war – von der Einwohnerzahl her – etwa so groß wie Bayern. Trotzdem hatte das Schweden der 1950er, 1960er und 1970er (Olof Palme) Jahre das höchste(!) Pro-Kopf-Bruttosozialprodukt IN GANZ EUROPA!
    Dies lag daran, das Schweden damals eine „Merkantilistische Staatswirtschaft“ hatte: Z. B. hohe Steuern – insbes. hohe Unternehmenssteuern, hoher Verteilungsgrad des Bruttosozialprodukts unter den Bürgern (näheres zum Merkantilismus hier: http://www.imagenetz.de/f40e13f7c/Welche-Staatswirtschaft_2.3.pdf.html ).
    GB hat mit mehr als 50 Millionen Bürgern geradezu traumhaft gute Voraussetzungen im Vergleich mit dem damals winzigen schwedischen Markt.

    Die von Herrn Fugmann hier vertreten These, daß ein Land, daß keinem Wirtschaft- oder Zollverbund angehört, notwendig wirtschaftlich in den Abgrund stürzen muß, ist einfach unsinnig.
    Übrigens: Auch das Wirtschaftswunder-Japan der Nachkriegszeit war merkantilistisch – und gehörte keinem Wirtschafts-/Zollverbund an. Erst als Japan liberalistisch geworden war kam es zur platzenden Spekulationsblase (um 1990 herum) und zur bis heute anhaltenden wirtschaftlichen Stagnation bzw. zum wirtschaftlichen Niedergang.
    Übrigens auch das „Wirtschaftswunder“ der Nachkriegs-BRD ist nur mit seiner damals (weitestgehend) merkantilistischen Staatswirtschaft erklärbar. Übrigens: Auch das zuvor jahrhundertelang in äußerster Armut daniederliegende China ist – sogar trotz der ungünstigen komm. Planwirtschaft! – wirtschaftlich ganz allein auf die Füße gekommen! Übrigens: Auch Taiwan, das ‚zweite China‘, hat seit dem 2. Weltkrieg einen atemberaubenden Wohlstandszuwachs erlebt – ganz ohne EU oder NAFTA oder TTIP oder ähnlichem!

    Natürlich muß man bezweifeln, ob Großbritannien sich aus der Zangengriff der liberalistischen Ideologen – die alle wichtigen Positionen in Staat, Privatwirtschaft, Medien und auch an den Universitäten und Instituten besetzt halten – befreien und auf Merkantilismus umschwenken kann. Das wäre so ähnlich, als wenn Gorbatschow die Sowjetunion nicht hätte einfach aufgeben wollen, sondern lediglich von kommunistischer Planwirtschaft (die dem Liberalismus enorm ähnelt – auch der Liberalismus ist allein eine „Planwirtschaft“!) auf Merkantilismus hätte umschwenken wollen: Gorbatschow wäre vermutlich ermordet worden oder er hätte einen Schauprozeß mit anschließender Hinrichtung verpaßt bekommen)!

    Hinzukommt, daß Großbritannien gar nicht ‚allein‘ bleiben muß (wie Schweden, Japan seinerzeit oder wie die VR China, Taiwan), sondern, daß Großbritannien auch eine „EWG“ (oder, wie Preußen, eine Art „Norddeutscher Zollverein“) begründen kann. Island übrigens hat London gerade so einen Vorschlag gemacht! Und dann wären in Europa da noch Norwegen, die Schweiz usw.. Gerade für Großbritannien läge auch eine Wiederbelebung des „Commonwealth“ nahe, wobei diesmal der Name „Commonwealth“ (= „allgemeiner(!) Wohlstand“) tatsächlich einmal ernst zu nehmen wäre – und nicht mehr für ein brutal-ausbeuterisches Kolonialsystem stände.

  4. Avatar

    Jörg

    25. Juli 2016 11:34 at 11:34

    Wieso wirtd mein Kommentar vorn vor knapp einer Stunde nicht freigeschaltet??

  5. Avatar

    Jörg

    25. Juli 2016 12:01 at 12:01

    Warum erscheinen meine beiden Kommentare von vor über eine Stunde her nicht ?!!

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Anleihen

Woher die aktuelle Euro-Stärke kommt – ein Analyst gibt Hinweise

Claudio Kummerfeld

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am

Das Euro-Symbol

Der Euro steigt seit genau zwei Tagen gegen den US-Dollar spürbar an von 1,1700 auf aktuell 1,1865. Dafür könnte es einen interessanten Grund geben. Man schaue auf den gestrigen Tag. Quasi unbemerkt von der breiten medialen Öffentlichkeit hat die EU ihre erste eigene Anleihetranche am freien Anleihemarkt platziert. Laut Berichten (siehe beispielsweise Bondguide) sei die Attraktivität dieses Angebots an EU-Anleihen schwer zu übersehen gewesen. Denn Moody’s habe die EU-Anleihen mit „Aaa“ bewertet. Und der Emissionspreis sei so festgesetzt worden, dass die Emission vom Markt gut aufgenommen wurde. Eine Nachfrage von 233 Milliarden Euro traf auf gerade mal 17 Milliarden Euro Angebot! Das zeigt, wie groß die Nachfrage der Institutionellen nach den Anleihen der EU war. Und wo soll da noch das Risiko sein, wenn Brüssel selbst die Anleihen ausgibt, und nicht ein Einzelstaat?

EU-Anleihen als Grund für aktuell steigenden Euro?

Eben dieser Drang in ein neues Anleihevehikel, nämlich eine zentrale Emission von EU-Anleihen, könnte bei den großen global agierenden Investoren (Fonds, Versicherungen, Pensionskassen etc) einen verstärkten Drang in den Euro verursachen. Der Deutsche Bank-Analyst George Saravelos hat ganz aktuell einige sehr interessante Aussagen zum Euro veröffentlicht mit der Headline „Someone likes Europe“, also übersetzt „Irgendwer mag Europa“. Über das große Auftragsbuch im Vorfeld der Emission sei ausführlich berichtet worden, aber weniger über die große Nachfrage seitens der Notenbanken, so seine Aussage. Nahezu 40 Prozent der gestrigen zehnjährigen Emission der EU wurden laut George Saravelos von den Notenbanken aufgenommen, was fast doppelt so viel sei wie die durchschnittliche Inanspruchnahme bei früheren europäischen Emissionen.

Warum das wichtig sei? Erstens seien Notenbanken in der Regel nicht abgesicherte Investoren, so dass eine starke Nachfrage von dieser Seite nach den neuen EU-Anleihen eine direkte Nachfrage für den Euro gegenüber dem US-Dollar bedeute, so George Saravelos. Zweitens sei die hohe Nachfrage von Notenbanken für diese neuen EU-Anleihen ein Vertrauensvotum für den Euro als Reservewährung, insbesondere in einer Zeit, in der die dominierende Rolle des Dollars in Frage gestellt werde.

Aber George Saravelos sagt auch, dass dieses aktuelle Ereignis nicht als alleiniger Grund für die aktuelle Euro-Stärke gesehen werden soll. Es solle auch in den Kontext größerer struktureller Verschiebungen gestellt werden. Es gehe um einen extrem starken negativen Policy-Mix für den US-Dollar. Die großes US-Haushaltsdefizite, eine sehr lockere Geldpolitik der Fed und sich verschlechternde Außenhandelskonten der USA. Schon vor den Wahlen in den USA verschlechtern sich diese Trends, so George Saravelos. Schauen wir an dieser Stelle mal auf den Chart. Er zeigt Euro gegen US-Dollar im Verlauf der letzten 30 Tage. Ist das neue „Aufnahmevehikel“ der EU (meine Wortkreation) für internationale Investorengelder aktuell ein zusätzlicher Impuls, der den Euro-Anstieg befeuert? Gut möglich.

Chart zeigt Kursverlauf von Euro gegen US-Dollar

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Devisen

Aktuell: Pfund sieht kein Brexit-Problem, US-Dollar und Goldpreis in Bewegung

Claudio Kummerfeld

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am

Die aktuelle Lage bei Goldpreis, US-Dollar sowie im britischen Pfund sind Thema in diesem Artikel. Der Devisenmarkt reagiert tief entspannt auf die Ereignisse rund um den Brexit. Die Verhandlungen zwischen EU und UK sollen diese Woche weitergehen, aber die letzte Brexit-Deadline zur Klärung von Problem rückt unaufhaltsam näher. Und dann hört man heute, dass die britische Regierung an 200.000 Unternehmen Briefe verschickt, wonach diese Vorbereitungen für einen harten Brexit treffen sollten. Und zack, das britische Pfund rauscht ab in den Keller?

Nein, das Pfund steigt sogar leicht! Gibt es nicht? Doch, heute geschieht es genau so. Am Freitag hatten wir noch vor der großen Ungewissheit und dem Risiko gewarnt, übers Wochenende im Pfund engagiert zu sein. Die Trader sagen mit dem Kursverlauf heute: Leute, ganz entspannt, es wird noch einen Deal geben. Was für ein Optimismus! Pfund gegen US-Dollar hat seit Freitag Abend gut 80 Pips zugelegt auf aktuell 1,3018. Euro gegen Pfund hat verloren von 0,9066 auf aktuell 0,9048.

US-Dollar und Goldpreis spielen ihr Spiel

Der US-Dollar verliert schon seit heute früh. Die steigende Hoffnung auf eine Einigung für einen neuen Billionen-Stimulus in den USA schürt natürlich Hoffnung für eine bessere globale Konjunktur. Damit ist der „große sichere Hafen“ namens US-Dollar als Fluchtwährung weniger gefragt. So verliert der Dollar-Index (Währungskorb) seit heute früh von 93,75 auf aktuell 93,23 Indexpunkte.

Tja, und der Goldpreis? Die ständigen seit Tagen anhaltenden Versuche, deutlich über 1.900 Dollar zu laufen, scheiterten immer wieder. Erst heute Vormittag berichteten wir. Ein schwacher US-Dollar bedeutet in der Regel einen stärkeren Goldpreis. Und so kletterte er heute auch von 1.900 auf 1.918 Dollar in der Spitze um 14 Uhr. Aber bis jetzt kommt der Goldpreis wieder zurück auf 1.909 Dollar. Mal wieder scheint der Anlauf nach oben zu scheitern. Im Chart sehen wir seit Freitag früh den US-Dollar-Index in blau gegen den Goldpreis in rot-grün.

Chart zeigt Goldpreis-Verlauf gegen US-Dollar

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Devisen

Große Pfund-Wette übers Wochenende, US-Dollar und der Goldpreis

Claudio Kummerfeld

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Symbole für Pfund Euro, Yen und US-Dollar

Über das bevorstehende Wochenende hinweg wird womöglich eine große Pfund-Wette laufen. Die läuft folgendermaßen. Entweder das Pfund wird nächste Woche weiter deutlich fallen, oder es passiert gar nichts. Denn heute Mittag hat der britische Premier Boris Johnson mit einem harten Brexit gedroht. Die EU bewege sich nicht und habe nie ernsthaft verhandelt, so Johnson (hier mehr dazu). Daraufhin war das britische Pfund gegen den US-Dollar und gegen den Euro seit 12:50 Uhr gefallen.

Und die EU-Kommission hat geantwortet. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen twitterte, dass man weiterhin an einem Deal arbeite, aber nicht zu jeden Preis (sie will wohl nicht als erpressbar in der Öffentlichkeit da stehen). Wie bereits geplant, werde das Verhandlerteam der EU nächste Woche nach London aufbrechen, so ihr kurzer Text. Also: Entweder die Drohung von Boris Johnson sollte lediglich seine eigene Verhandlungsposition verbessern (auf dicke Hose machen), oder es kommt nächste Woche zu einer Konfrontation, die sich nicht mehr lösen lässt. Das wäre wahrscheinlich für das britische Pfund ein ziemlich schlechtes Signal. Den ersten Vorgeschmack gab es vorhin. Euro gegen Pfund steigt von 0,9047 auf 0,9090. Pfund gegen US-Dollar fällt von 1,2957 auf 1,2920. Das waren noch keine Riesen-Bewegungen, aber der Devisenmarkt hat negativ auf die Johnson-Aussagen reagiert. Wer jetzt noch vorm Wochenende eine Pfund-Position öffnet, geht ein großes Risiko ein. Denn man weiß nicht, wie sich die politische Lage übers Wochenende entwickelt.

US-Dollar

Der US-Dollar stand vorhin unter der Fuchtel von US-Konjunkturdaten. Um 14:30 Uhr wurden die Einzelhandelsumsätze deutlich besser gemeldet als erwartet. Dann um 15:15 Uhr folgten Daten zur US-Industrieproduktion, die schlechter gemeldet wurden als erwartet. Und vorhin um 16 Uhr dann der dritte Akt heute Nachmittag. Daten der Universität von Michigan zeigen ein etwas besser als erwartetes Vertrauen der US-Verbraucher. Der US-Dollar in Form des Dollar-Index (Währungskorb) hat sich durch diese drei Daten bis jetzt nur minimal geändert mit einem Anstieg von 93,56 auf 93,63 Indexpunkten.

Goldpreis

Der Goldpreis hat seit 14 Uhr von 1.913 auf jetzt 1.905 Dollar verloren. Wir erinnern an unsere Berichterstattungen der letzten Tage. Immer wieder gab es Anläufe im Goldpreis über die Marke von 1.900 Dollar, sogar deutlich stärker als heute – und immer wieder fiel der Goldpreis unter diese runde Marke. Gold ist seit Tagen nicht stabil und zeigt keinen nachhaltigen Aufwärtsmove. Hauptsächlich schuld ist der US-Dollar, der sich seit Montag im Aufwärtstrend befindet, und Gold auf dem Weg nach oben blockiert. Im Chart sehen wir seit Wochenanfang den Goldpreis in rot-grün gegen den Dollar-Index in blau.

Chart zeigt Goldpreis gegen US-Dollar im Kursverlauf

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