Devisen

Nach dem Rekordtief – warum sich die türkische Lira aktuell erholt

Türkische Lira Geldscheine

Die türkische Lira ist seit Wochen ständig am Fallen. Fast täglich sieht man neue Rekordtiefs. Gestern dann gab es erneut eine dramatische Abwertung in der türkischen Währung. Jetzt sehen wir eine Erholung – dies hat einen spezifischen Grund. Freitag Abend noch bei 9,59, kostete 1 US-Dollar gestern früh 9,83 türkische Lira – ein absolutes Rekordtief! Bis heute früh ist der Wechselkurs wieder auf 9,51 zurückgekommen. Was ist passiert? Schauen wir uns die Faktenlage an.

Türkische Lira erst unter Druck durch Zinssenkungen

In den letzten fünf Wochen hat die türkische Zentralbank zwei Mal den Leitzins gesenkt, von 19 Prozent auf letztlich 16 Prozent. Das ist ein Debakel, denn die Inflation liegt bei 19,58 Prozent. Eigentlich müsste der Leitzins der Inflationsrate entsprechen oder noch höher liegen, um die massive Teuerung zu bekämpfen. Aber in der Türkei geschieht das Gegenteil. Dies hat die türkische Lira in den letzten Wochen deutlich geschwächt. Noch Anfang September zahlte man „nur“ 8,30 Lira für 1 US-Dollar, jetzt wie gesagt 9,51.

Am letzten Wochenende eskalierte die Lage rund um die türkische Lira weiter, weil Präsident Erdogan offen sagte, dass diverse westliche Botschafter in der Türkei unerwünscht seien. Es ging dabei um deren Äußerungen über die ihrer Meinung nach ungerechtfertigte Inhaftierung des Menschenrechtsaktivisten Kavala. Erdogan verbat sich quasi die Einmischung in innere Angelegenheiten der Türkei durch ausländische Botschafter. Die verbale Lage eskalierte.

Erdogan eskaliert die Lage – jetzt die Entspannung

Dann gestern Abend kam die Entspannung der diplomatischen Krise. Eigentlich stand die Ausweisung westlicher Botschafter aus der Türkei unmittelbar bevor. Aber Präsident Erdogan erklärte nach einer Kabinettssitzung, er begrüße es, dass die westlichen Botschafter sich nun doch an die diplomatischen Gepflogenheiten halten wollen. Bis zuletzt war offen, ob der türkische Außenminister Erdogans Anordnung, die zehn westlichen Botschafter zu unerwünschten Personen zu erklären, auch wirklich umsetzt.

Aber, so Erdogan, man gehe nun davon aus, dass diese Botschafter künftig vorsichtiger auftreten werden, und dass sie die Souveränität der Türkei, ihre Gesetze und die Ordnung anderer Länder respektieren und sich nicht in innere Angelegenheiten einmischen werden. Von einer Ausweisung der Botschafter war keine Rede mehr, und damit was das Problem offenbar vom Tisch. Die türkische Lira konnte sich dann auch entsprechend etwas aus ihrer Abwertungsspirale befreien und wie bereits erwähnt aufwerten. Dies kann man für den Moment als kleine Erleichterung ansehen, aber nicht als große Kehrtwende für die türkische Währung.

Nächste Zinsentscheidung im November

Nach der Zinsentscheidung ist vor der Zinsentscheidung – so kann man es lapidar ausdrücken. Während der Devisenmarkt nach der letzten Entscheidung der türkischen Zentralbank vom 21. Oktober die Lira weiter auf Talfahrt schickte, so kann man nun nicht davon ausgehen, dass es zu keinen weiteren Abwertungen mehr kommen kann. Denn die nächste offizielle Zinsentscheidung der Zentralbank ist auf den 18. November festgesetzt. Nach 300 Basispunkten Zinssenkung binnen vier Wochen steht nun die Frage an, ob die Zentralbank den Leitzins erneut senken wird. Dies wäre für die türkische Lira wohl ein erneuter Nackenschlag. Eine wichtige Rolle dabei spielt die Inflation.

Seit Monaten steigen die Verbraucherpreise in der Türkei immer weiter an. Im September erreichte die Inflationsrate ein Niveau von 19,58 Prozent. Steigt dieser Wert für Oktober weiter an oder bleibt auf diesem hohen Niveau? Genauer wissen wir es, wenn das türkische Statistikamt die offiziellen Inflationsdaten für Oktober am 3. November verkündet. Präsident Erdogan sagte dieses Jahr bereits, dass der Leitzins auf unter 10 Prozent fallen soll. Bis jetzt haben die Notenbanker ihm einen Teil seines Wunsches erfüllt mit 16 Prozent nach vormals 19 Prozent. Senken sie weiter ab, trotz hoher oder womöglich noch weiter steigender Inflation? Wie gesagt, für die türkische Lira wäre das alles andere als gut.

Chart zeigt Kursverlauf von US-Dollar gegen türkische Lira seit dem Jahr 2017 TradingView Chart zeigt Kursverlauf von US-Dollar gegen die türkische Lira seit dem Jahr 2017.



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

2 Kommentare

  1. Es ist ein Jammer wie dieser Staatslenker sein Land verhökert !
    Die Türken selbst – wie auch alle anderen der 98% der Weltbevölkerung – verstehen nämlich nicht den Zusammenhang zwischen Inflation und Zinsen. Erdogan hat in der Türkei viel geleistet, daher ist er dort auch so beliebt und hat seinen Platz im Geschichtsbuch sicher – leider zulasten der unteren Bevölkerungsschichten. Da die Türkei wirtschaftlich alles andere als ein Schwachmatenstaat ist verstehe ich nicht warum er nicht schon längst auf die Bremse tritt !?!? Also konkret, die Zinsen langsam und behutsam anheben und das Land dorthin führen wo es gemäß seiner Wirtschaftsstärke hingehört !
    Aber er weiß genau weiß wie das Zins und Inflationsspiel funktioniert, was ebend min. 98% aller anderen nicht wissen, nur daher kann er sein „ich bin der Größte“ Spiel im Inland fortsetzen und den bösen Un- oder Andersgläubigen die Schuld geben. Das wird kein gutes Ende nehmen. Aber gut bis zum Level von Argentinien oder Venezuela ist ja noch viel Luft, mal sehen ob die Türken nicht schon vorher auf den Straßen stehen und meckern !

    1. der erdogan ist ein cleverer fuchs.
      seit gefühlt 20 jahren verlangt er niedrige zinsen. zwei herren haben sogar auf ihn gehört, unzwar draghi und powell :))
      sein eigener notenbankchef endlich auch.

      zum beispiel:
      2013 war der kurs eurtry bei ca. 2,50,
      wer zu der zeit ne wohnung zb. für 100 k lira erworben hat erzielt heute einen kp von 400 k bis 500 k. edelmetalle wie gold silber usw genauso.
      die menschen haben einfach numeral mehr reichtum.
      er stärkt den bausektor mit niedrigen zinsen und den konsum.
      ach und das beste ist. wer im jahr 2013 eine baufi über 100 k aufgenommen hat lacht doch seit einigen jahren über die monatliche kreditrate.

      die löhne steigen ja auch mit der inflation weiter.

      die verlierer sind doch die ausländischen anleger, fonds und dergleichen.
      weiterhin verlierer sind die reichen die gerne autos aus aller länder gerne fahren wollen. autos die in der türkei ihre produktionsstätte haben sind für viele leistbar.
      es ist paradox was der erdo macht aber es funktioniert.
      den ärmsten und unteren bevölkerungsgruppe geht es unter konservativer führung immer besser als unter linken behaupte ich mal. er ist ein volksvertreter und nicht ein schickeriavertreter.

      vg md

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage