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Nach den Sparkassen jetzt noch schnell der Bankenverband mit seiner EZB-Prognose (lesenswert)

FMW-Redaktion

Nachdem gestern der Sparkassen-Dachverband seine Einschätzung und Kritik veröffentlichte, legt heute der Bundesverband Deutscher Banken nach mit seiner EZB-Prognose und konkreter Kritik an ihrer aktuellen Politik. Erstellt durch Volkswirte deutscher Banken, kommt die Analyse des Verbandes zu folgendem Schluss für morgen:

„Ungeachtet der stark ausgeprägten Skepsis gegenüber dem aktuellen Kurs der Geldpolitik, gehen wir fest davon aus, dass die EZB auf ihrer morgigen Ratssitzung zusätzliche geldpolitische Maßnahmen beschließen wird. Wir sehen die EZB als Gefangene ihrer eigenen Politik und erwarten eine weitere Senkung des Zinses für die Einlagefazilität sowie eine Ausweitung des Anleihekaufprogramms. Und hier bahnt sich bereits das erste Dilemma der aktuellen EZB-Politik an: In dem Maße, wie die aktuelle Geldpolitik der EZB, trotz einer stetigen Ausweitung ihres Expansionsgrads, immer weniger positive Wirkungen entfaltet, verliert die Notenbank an Glaubwürdigkeit.“

Ähnlich wie der Sparkassen-Verband gestern sieht auch der Bankenverband das starre Festhalten der EZB an ihrer Zielmarke von 2% Inflation als sehr problematisch. Das Klammern an diesem Ziel nütze nichts bei diesem stetig schwachen Ölpreis. Interessant sind auch die Schlussfolgerungen im dritten Absatz:

„Als Argument für eine weitere Verstärkung der extrem expansiven Geldpolitik wird häufig angeführt, dass sich die Inflationserwartungen aus der Verankerung gelöst hätten, die beim mittelfristigen Inflationsziel der EZB von „unter, aber nahe bei 2 %“ liegen sollte. Auch dieses Argument kann nicht überzeugen. Wir halten den verwendeten Indikator für die Inflationserwartung für wenig aussagekräftig, da er sehr stark mit der kurzfristigen Entwicklung der Ölpreise korreliert ist.

Unabhängig davon wird das mittelfristige Inflationsziel der EZB unserer Meinung nach zu eng interpretiert. In der gängigen Wahrnehmung ist es praktisch ein Punktziel von 1,9 %. Ein so enges Ziel ist sachlich aber nicht gerechtfertigt und bei einer Zielgröße, die die Geldpolitik nur indirekt und mit langen Wirkungsverzögerungen beeinflussen kann auch nicht zweckmäßig.

Die Chefvolkswirte der privaten Banken plädieren nun nicht für eine Änderung der mittelfristigen Zielgröße der EZB – schon gar nicht in der gegenwärtigen Situation. Wir sind aber der Meinung, dass die EZB seit geraumer Zeit die Zielgröße und ihre geldpolitischen Maßnahmen entschieden zu „mechanistisch“ anwendet. Dadurch entsteht eine Art „Alarmismus“, der sich sogar selbst verstärken kann. Nach unserer Auffassung gehört es zu einer situationsgerechten Auslegung, dass die EZB stärker die konkreten Ursachen für die aktuelle Preisentwicklung analysiert und bei der Kommunikation mit den Marktakteuren auch auf Sonderfaktoren und die langen Wirkungsverzögerungen der Geldpolitik hinweist.“

Was die Volkswirte des Bankenverbandes hier sagen, ist sehr beachtenswert und könnte nicht besser auf den Punkt gebracht werden:

„Das erste Themenfeld ist noch einmal die Geldpolitik der EZB. Wir hatten ja schon darauf hingewiesen, dass eine weitere geldpolitische Lockerung keine erkennbaren zusätzlichen konjunkturellen Impulse auslösen wird. Die Misere der Währungsunion hat ihre Ursache nämlich nicht auf der Nachfrageseite, sondern auf der Angebotsseite der Wirtschaft. Die Arbeits- und Produktmärkte sind überreguliert und der längerfristige Wachstumstrend ist entschieden zu flach. Auch die äußerst geringe Dynamik bei der Kreditentwicklung im Euro-Raum ist weder ein Zins- noch ein Liquiditätsproblem. Ursachen sind vor allem die geringe Investitionsneigung sowie die zweifelhafte Bonität mancher Kreditkunden in den südlichen Ländern der Währungsunion.

Einen erkennbaren Effekt wird die geldpolitische Lockerung der EZB allerdings auf den Euro-Kurs haben. Doch auch hier lohnt es sich, genauer hinzuschauen: Den unmittelbaren Abwertungseffekten werden Gegenreaktionen durch die Geldpolitik in anderen Ländern gegenüber stehen. Beispielsweise könnte die von den Chefvolkswirten prognostizierte Zinspause der US-Notenbank länger andauern als ohne einen weiteren Zinsschritt der EZB. Außerdem würde der Abwertungsdruck in den Schwellenländern zunehmen und die Unsicherheit an den Finanzmärkten erhöhen. Letztlich sehen wir die Gefahr eines durch die Geldpolitik verschleierten Abwertungswettlaufs, der keine Gewinner haben wird.“

Auch weist der Bankenverband darauf hin, dass die Negativzinsen der EZB mehr als schädlich für die Banken sind. Aufgrund des Wettbewerbsdrucks zwischen den Banken sei es kaum möglich Negativzinsen letztlich an die Kunden weiterzureichen. Das bedeutet was? Sinkende Margen, Filialschließungen, Entlassungen uvm!? Auch wird vom Verband erwähnt, dass die EZB durch ihre Negativzinsen in eine Art Interessenkonflikt gerate (da stimmen wir zu). Denn einerseits beeinflusse sie die Banken über die Negativzinsen, andererseits habe sie als Bankenaufsichtsorgan darauf zu achten, dass die Banken solide arbeiten. Durch kleinere Zinsmargen könnten Banken in der Realität sogar gezwungen sein die Kreditzinsen für ihre Kunden raufzusetzen um ihre Kosten zu decken – das wäre genau das Gegenteil von dem, was die EZB mit ihrer Politik erreichen wolle, so der Verband. In Dänemark und der Schweiz könne man diese Entwicklung schon beobachten.

Unser Fazit: Immer mehr Medienvertreter benennen den Irrsinn der aktuellen EZB-Politik – die Sparer zahlen den Preis für die EZB-Politik, und Banken wie auch Sparkassen bescheinigen der EZB gestern und heute ebenfalls eine engstirnige und falsche Haltung. Wie mag die Haltung der EZB-Ratsmitglieder dazu sein? Alle um uns herum haben Unrecht? Nur wir oben im Turm sehen die Realität?



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