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Nach Elphi und BER das nächste „Milliardengrab“? Bitte nur inhaltich sinnvolle Kritik an Politikern! Aktuelles Beispiel aus Hamburg

Nach dem immer noch laufenden BER-Desaster und dem abgeschlossenen Desaster bei der Elbphilharmonie, die seit Januar begonnen hat durch einen gigantischen Strom von Touristen nun...

FMW-Redaktion

Nach dem immer noch laufenden BER-Desaster und dem abgeschlossenen Desaster bei der Elbphilharmonie, die seit Januar begonnen hat durch einen gigantischen Strom von Touristen nun „zurückzuzahlen“, ist es relativ leicht bei neuen Großprojekten in Deutschland kräftig draufzuhauen auf unsere ach so intelligenten Politiker. Da macht es sich aktuell umso leichter gleich richtig draufzuhauen, wenn erneut Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz dieser Politiker ist.

Denn wo gerade eben die Elphie abgehakt ist, kam er gestern um die Ecke mit dem Entwurf für den sogenannten „Elbtower“, einem 200 Meter hohen Turm am Ende der Hafencity, der gegenüber ankommenden Besuchern, die über die Elbbrücken in die Hamburger City fahren, als eine Art Leuchtturmprojekt glänzen soll. So hat es gestern auch Olaf Scholz in extrem schmalzigen Worten beschrieben. Da ist einem „natürlich“ sofort klar: Hamburg wird erneut gigantische Summen verbrennen, das kann doch nicht wahr sein!? Richtig? Falsch!

Wie berechtigterweise üblich, kommt es immer schnell zu Shitstorms und massiver Kritik wegen dem erneuten Verprassen von Steuergeldern etc. Aber hier ist diese Kritik wirklich fehl am Platz. Denn wer genauer nachliest, wird entdecken, dass dieses Projekt komplett in private Hände gegeben werden soll. Grundstück, Planung, Bau, Betrieb, sämtliche Kosten. Ein von A-Z privates Projekt ohne 1 Cent Risiko für den Steuerzahler. Man will es in Kürze auf einer großen Immobilienmesse potenziellen Investoren vorstellen. Olaf Scholz betonte gestern genau wegen dieser Angst vor Steuergeld-Verschwendung, dass es ihm wichtig sei zu betonen, dass es ein rein privates Projekt sei, dass man als Stadt lediglich mit der Idee und dem zur Planung bereitgestellten Grundstück anschieben wolle (sinngemäß zusammengefasst).

Es sei ihm wichtig, dass man später mal über ihn sage, dass er das gut gemacht habe, so Scholz. Ein ausschließlich privater Investor solle ab Mitte März für das Projekt gesucht werden. Durch gut durchdachte Verträge soll ein Baustillstand beim privaten Investor verhindert werden. Egal wie und was auch passiert: An den Worten wird sich Scholz messen lassen müssen. Kein Steuergeld, kein Baustillstand. Mal gucken ob es wirklich so kommt. Aber basierend auf den gestern verkündeten Inhalten wieder von der nächsten großen Steuerverschwendung zu sprechen, ist schlichtweg falsch und polemisch!

Zitat aus der offiziellen Mitteilung:

Im nächsten Schritt wird die HafenCity Hamburg GmbH die Weichen für die Grundstücksauslobung, die Suche nach einem geeigneten privaten Bauherren und dem Architekturentwurf stellen. Nach dem öffentlichen Auftakt in Hamburg wird das Projekt „Elbtower“ auf der Immobilienmesse MIPIM vom 14. bis 17. März in Cannes erstmals international vorgestellt. Gesucht wird ein Bauherr oder ein Realisierungsteam, das die besondere Herausforderung einer vertikal gemischten Struktur eines Hochhauses sowie eines ästhetisch gelungenen, nachhaltigen Gebäudes entwickeln und realisieren kann sowie entsprechende (internationale) Referenzprojekte vorweisen kann. Nach einer viermonatigen Ausschreibungs-phase schließt sich ein mehrmonatiges Verhandlungsverfahren mit maximal zwei Bewerbern an. Die letztendliche Entscheidung über den Bauherren und das Konzept sowie über das Architekturbüro und den Architekturentwurf wird – bei einem Projekt dieser Größenordnung und Tragweite für die Stadt – die Hamburgische Bürgerschaft haben.

Letztlich soll der Elbtower „nur“ ein ganz normales privatwirtschaftlich finanziertes und gebautes Hochhaus werden. Warum also diese Aufregung? Gibt es etwa bei jedem neuen Hochhaus in Frankfurt auch jedes Mal Kritik durch Presse und Öffentlichkeit am Frankfurter Bürgermeister, weil er „mal wieder“ Steuern verschwendet? Nein, denn dort ist allen klar, dass private Investoren die Gebäude hochziehen, komplett in deren Eigenverantwortung. So soll es hier auch geschehen. Vielleicht war es schlecht kommuniziert, dass Hamburg dazu extra eine Pressekonferenz mit Bürgermeister und Oberbaudirektor abhält. Aber es ist nun mal ein Gebäude an einer exponierten Stelle. Also, man sollte doch bitte die Aufregung und die Schelte zurückfahren. Man hat ja die nächsten Jahre noch Zeit sich (zu Recht) über ständig neue Kosten beim BER und Stuttgart 21 aufzuregen.

Wie die folgenden Tweets zeigen, wird sogar von namhaften Pressevertretern irrtümlich vom „Neuen Milliardengrab“ und einem „teuren Prestigeprojekt“ gesprochen. Damit wird zumindest oberflächlich auf den ersten Blick der Eindruck erweckt, als ginge hier der Steuerzahler erneut ein Risiko ein. Man kann so ein Projekt kritisieren, aber warum eigentlich, wenn das Risiko alleine bei private Investoren liegt? Werden hier nicht (in welcher Form auch immer) neue Arbeitsplätze geschaffen? Ein Tweeter kritisierte den eh schon vorhandenen Leerstand an Büros in Hamburg. Gegenfrage: Wenn der Elbtower für deutlich mehr Büroleerstand sorgen sollte, passiert was? Die Mietpreise für Gewerbetreibende sinken, weil gegenüber der zu geringen Nachfrage plötzlich noch mal deutlich mehr Angebot hinzukommt.


So soll der Elbtower grob gedacht aussehen. Bild: Hamburg.de/HafenCity GmbH



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2 Kommentare

  1. ich finde das Hamburg solch einen Prachtbau verdient hat. wir haben viel so wenig solcher imposanten Skylines in Deutschland. Bis auf die vierkantigen skylines, welche du in keinen namhaften Städten der Welt siehst, stehen bei uns. Also keine Hinkucker. Irgendwie sind wir so wie soll ich sagen – schlicht und einfach – aber Hauptsache sehr teuer gebaut. Also in sachen Bauprojekte.

  2. wenn es wirklich bei einer „steuerfreien“ Finanzierung bleibt, ist ein solches Vorhaben durchaus sinnvoll. Irritierend aber ist schon, wie ausgerechnet die
    Stadt für einwandfreie Vertragssituation sorgen will, wo sie doch eher als Garant für das Gegenteil bewiesen hat. Auch scheint es, wie in altrömischen Zeiten, dass Spitzenpolitiker in „Ihrer“ Ära, stets auch zu Monumentalbauten tendieren, damit ihr Name auf ewig mit dem Projekt verbunden bleibt.
    Anmassend .

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