Indizes

Szenario für eine globale Neuausrichtung Nach Ukraine- und Iran-Krieg: Rüstung OUT – Materials, Rohstoffe, Industrie IN

Was kommt nach dem Krieg in Ukraine und Iran? Wiederaufbau, globale Umorientierung und Neuaufstellung. Ein Blick auf Aktien-Segmente.

Börse in Madrid. Foto: Ana Maria Arevalo Gosen/Bloomberg

Heute sehen wir ein Tagesminus in der Rheinmetall-Aktie von 5,56 %. Der Grund dafür: Anzeichen für ein Ende im Ukraine-Krieg. Logisch: Kein Krieg mehr, das bedeutet weniger Drang zur Aufrüstung in Europa. Natürlich dürfte man europaweit weiterhin aufrüsten. Aber die Tendenz zu einer dramatischen Ausweitung der Aufrüstung dürfte an Schwung verlieren. Auch der Iran-Krieg wird ein Ende finden. Was kommt danach? Meine Meinung: Eine große globale Anpassung, oder man kann es auch Neuausrichtung nennen. Große Volkswirtschaften mit viel Energiehunger werden sich neu aufstellen, was Branchen wie Materials, Rohstoffe, Industrie etc jahrelang beflügeln könnte.


Werbung

Nach Ende von Ukraine- und Iran-Krieg – globale Neuausrichtung

Abnehmer von Öl und Gas dürften (zum Beispiel China) Pipelinegas aus Russland beziehen wollen. Auf der arabischen Halbinsel könnten Produzenten in großem Umfang neue Pipelines legen, um zukünftig nicht mehr von der Straße von Hormus abhängig zu sein. Südkorea, Indien und viele andere Länder dürften auch den Bereich der Erneuerbaren Energien massiv ausbauen. Bisher wenig beachtete Produzenten von Öl und Gas (Südamerika, Afrika) dürften als neue Anbieter in den Weltmarkt eintreten. Abgesehen davon dürfte der globale Drang nach wichtigen Ressourcen im großem „KI-Game“ an Fahrt aufnehmen. Der Westen will von China-Lieferungen unabhängiger werden. All das dürfte dafür sorgen, dass nicht nur Rohstoffe als Anlageklasse gut laufen könnten. Meine Einschätzung: Aktiensegmente wie Industrie, Baustoffe, Infrastruktur, Rohstoffkonzerne könnten einen jahrelangen Aufschwung erleben.

Natürlich muss auch die Ukraine nach Kriegsende aufgebaut werden, was einen Boom bei Bau und Infrastruktur auslösen dürfte. Amerikanische und europäische Konzerne dürften Schlange stehen, um auf Kosten europäischer Steuerzahler in der Ukraine neu aufzubauen! Für entsprechende Aktien-ETF könnte dies ein guter Ansatz sein. Aber eines ist klar: Es gab schon oft Ansätze für ein Kriegsende in der Ukraine, die sich dann schnell wieder in Luft auflösten. Aber irgendwann kommt das Kriegsende und damit auch der Wiederaufbau.

Rohstoffe, Grundstoffe, Wiederaufbau


Werbung



Es sollte sich von selbst verstehen, dass meine Aussagen in diesem Artikel keine Anlageberatung darstellen! Nachfolgend ein Blick auf die Performance von einzelnen Segmenten: Ein Rüstungs-ETF für Europa erzielte in den letzten zwölf Monaten einen Zuwachs von 33 % hin. Ein globaler Materials ETF (Grundstoffe) legte um 43 % zu. Ein ETF für weltweite Metall-Produzenten (Erschließung, Abbau, Verarbeitung von Grundstoffen) konnte sogar 148 % zulegen. Es ist gut möglich, dass Grundstoffe und deren Erschließung und Verarbeitung vor einem größerem Aufschwung stehen, während beim Sektor Rüstung schon so viel vorab eingepreist wurde, dass nicht mehr viel Luft nach oben vorhanden ist. Rheinmetall und Co müssen die übervollen Auftragsbücher nun erstmal abarbeiten, um die hohen KGV-Erwartungen zu rechtfertigen. Die negative Sichtweise für den Bereich Rüstung sieht man heute gut mit dem deutlichen Tagesminus bei Rheinmetall, weil ein Kriegsende in der Ukraine plötzlich in Aussicht gestellt wird.

ETF für Rüstung im Vergleich zu Materials und Metals Producers

Rüstungsaktien brechen ein – Ukraine-Hoffnungen

Europäische Verteidigungsaktien brachen am Freitag ein, nachdem ein hochrangiger ukrainischer Beamter Fortschritte bei einem Friedensabkommen mit Russland signalisiert hatte, während Bauunternehmen aufgrund der Erwartung legten, dass ein Waffenstillstand einen Wiederaufbauboom nach dem Krieg auslösen könnte. So berichtet es Bloomberg News. Ein Korb von Verteidigungsaktien der Goldman Sachs Group gab um bis zu 5,1 % nach, nachdem Kyrylo Budanov, ein enger Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, erklärt hatte, dass eine Lösung des Krieges möglicherweise nicht lange auf sich warten lassen werde. Rheinmetall, Hensoldt und Leonardo, deren Aktien in den letzten Jahren aufgrund steigender EU-Verteidigungsausgaben stark gestiegen waren, verloren mehr als 7 %.

„Der Ausverkauf ist größtenteils stimmungsgetrieben“, sagte Jens-Peter Rieck von MWB Research. „Was der Markt (hoffentlich) endlich zu hinterfragen beginnt, ist, ob die Regierungen ihre Ausgaben auf diesem hohen Niveau halten werden“, sagte er. Der Verteidigungssektor ist seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Februar 2022, der den blutigsten Konflikt in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg auslöste, um etwa 500 % gestiegen. Der Aufschwung wurde durch erhöhte europäische Ausgaben für Verteidigung und Aufrüstung angetrieben, und diese Gewinne haben sich in diesem Jahr größtenteils gehalten, trotz überzogener Aktienbewertungen, da der Krieg im Nahen Osten globale geopolitische Turbulenzen schürte.

Gespräche zur Beendigung des Krieges in der Ukraine haben öffentlich kaum Ergebnisse gebracht, und Budanovs optimistische Einschätzung in einem Interview mit Bloomberg am 4. April scheint zumindest von einigen russischen Beamten nicht geteilt zu werden. Die Marktteilnehmer bleiben vorsichtig. „Ohne einer potenziell positiven Entwicklung den Wind aus den Segeln nehmen zu wollen – ähnliche Aussagen wurden bereits zuvor getroffen“, sagte Alessandro Pozzi, Analyst bei Mediobanca SpA.

Selbst wenn es zu einem Ende der Feindseligkeiten käme, sei es unwahrscheinlich, dass sich der Kurs der Verteidigungsausgaben wesentlich ändern würde, fügte Pozzi hinzu. „Es wird erwartet, dass die Ukraine und die europäischen Länder ihre militärischen Fähigkeiten weiter stärken, um einer potenziellen zukünftigen Aggression Russlands entgegenzuwirken“, sagte er.

Aktien mit „Friedensbezug“ steigen spürbar

Ukrainische und europäische Staatsanleiher Euro erhielten durch Budanovs Äußerungen Auftrieb, während Aktien von Unternehmen, die von einem Waffenstillstand in der Ukraine profitieren könnten, ebenfalls zulegten. Ein Aktienkorb der UBS AG stieg um bis zu 3,4 % auf den höchsten Stand seit Februar, angeführt von zweistelligen Gewinnen bei Wizz Air Holdings – einer Billigfluggesellschaft, die vor allem in Mittel- und Osteuropa tätig ist – und Ferrexpo, einem ukrainischen Exporteur von Eisenerzpellets. Bau- und Zementaktien legten angesichts der Aussicht auf den Wiederaufbau der Ukraine zu, wobei Buzzi, Heidelberg Materials und Holcim alle um mehr als 5 % stiegen. Unter anderen Aktien stieg die Coca-Cola HBC AG um bis zu 4,4 %. Der Getränkeabfüller erzielte 2025 laut Daten von Bloomberg rund 14 % seines Umsatzes in Russland.

Risikohinweis: Der Handel mit Wertpapieren und Finanzinstrumenten kann Ihr Kapital erheblichen Risiken aussetzen, unter Umständen auch über das eingesetzte Kapital hinaus. Trading ist nicht für jeden geeignet. Vergangene Performance ist keine Garantie für zukünftige Performance. Die hier gezeigten Analysen stellen keine Anlageberatung dar und sind daher auch keine Empfehlung zum Kauf bzw. zum Verkauf eines Wertpapiers, eines Terminkontraktes oder eines sonstigen Finanzinstrumentes. Die bereitgestellten Analysen sind ausschließlich zur Information bestimmt und können ein individuelles Beratungsgespräch nicht ersetzen. Eine Haftung für mittelbare und unmittelbare Folgen aus diesen Vorschlägen ist somit ausgeschlossen.

FMW/Bloomberg



Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

1 Kommentar

  1. Die Pipelines auf der arabischen Halbinsel hätte man als Alternativen für Norfälle auch schon vor Jahrzehnten bauen können. Irgendwie sieht man immer dieses Überraschungsmuster. Es ist aber wohl reine Bequemlichkeit. Oder es ist der Oberschicht egal weil sie ja gut an Krisen verhindern. Das ist die einzige Erklärung, die mir logisch erscheint um zu verstehen warum der Stammtisch oder der Durchschnittsbürger schon lange weiss was Experten nicht sehen.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung


Meist gelesen 7 Tage

Die mobile Version verlassen
Place this code at the end of your tag:
Place this code at the end of your tag:
Capital.com CFD Handels App
Kostenfrei
Jetzt handeln Jetzt handeln

76% der Kleinanlegerkonten verlieren Geld.