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Nach US-Lagerbeständen: Ölpreis verharrt auf tiefem Niveau, und das nicht nur wegen den Rohöl-Daten

Die Lager für Rohöl leeren sich also nach wie vor viel zu langsam, als dass die Mengenreduzierung der OPEC etwas bringen würde. Aber das ist noch nicht alles...

FMW-Redaktion

Wir berichteten gestern Nachmittag bereits darüber. Die Öl-Lagerbestände (Rohöl) in den USA gingen zwar um 1,7 Millionen Barrels zurück. Die Erwartungen lagen aber bei um die -3 Mio. Und die offensichtlich immer unzuverlässiger werdenden vorlaufenden API-Daten hatten Dienstag Abend sogar ein Plus vorausgesagt. Tja, das war schon eine Enttäuschung. Die Lager für Rohöl leeren sich also nach wie vor viel zu langsam, als dass die Mengenreduzierung der OPEC etwas bringen würde.

Aber das ist noch nicht alles. Der Ölpreis fiel gestern nach den Daten zügig von 46,05 auf 44,52 Dollar (WTI). Auf diesem Niveau verharrte der Preis bis jetzt, und steht aktuell bei 44,68 Dollar. Aber warum dieser drastische Absturz, der sich am Morgen danach als nachhaltig erweist? Mehr als die Daten für das Rohöl haben offensichtlich viele Termin-Trader die Daten geschockt, die ebenfalls für die Benzin-Lagerbestände veröffentlicht wurden.

Sie stiegen sogar um 2,1 Millionen Barrels, obwohl ein kleines Minus erwartet wurde. Allgemein schockiert, dass dies der zweite Anstieg ist nach einem Plus von 3,3 Millionen Barrels letztes Woche, wo die Erwartungen auch ganz anders aussahen. Sieht man aktuell Analystenkommentare, dann kann man die Stimmungslage so zusammenfassen: Man ist überrascht, dass offensichtlich die Nachfrage der Amerikaner nach Benzin derzeit zum Beginn der „Driving Season“ nicht so stark ist wie sonst üblich.

Folgerichtig ist, dass das produzierte, aber nicht nachgefragte Benzin in die Lagerbestände wandert, bis es irgendwann nachgefragt wird. Daher steigen die Lagerbestände für Benzin nun seit zwei Wochen überraschenderweise an. Das wird über den Rückstau-Effekt womöglich bald auch die Lagerbestände bei Rohöl steigen lassen, so unsere Vermutung. Diese Vermutung können wir natürlich nicht mit Fakten untermauern, sondern diese Schlussfolgerung lediglich aus den Benzindaten ziehen. Eine Garantie können wir dafür natürlich nicht übernehmen!

Nachdem die OPEC erst diese Woche kräftig steigende Fördermengen veröffentlichte aufgrund der von den Kürzungen ausgenommenen Mitglieder Libyen und Nigeria, haben die USA gestern für die letzte Woche eine Fördermengen-Steigerung von 12.000 Barrels pro Tag veröffentlicht. Nicht viel, aber das ist auch lediglich die Veränderung auf Wochenbasis. Einmal mehr scheint sich zu zeigen, dass die nicht staatlich organisierten Fracker in den USA nicht logisch zu greifen sind nach dem Motto „Preise stark runter, dann drosseln sie ihre Produktion“.

Jeder Fracker kocht sein eigenes Süppchen, und außerdem hat die Industrie die Produktionskosten immer weiter gesenkt, so dass viele Fracker auch unter 50 Dollar Gewinn machen können. Das Problem der Überproduktion geht wohl erst weg, wenn die OPEC sich entscheiden würde die Menge ihrer Kürzungen drastisch auszuweiten!


Der WTI-Ölpreis seit 5. Juni.



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2 Kommentare

  1. Kürzungen drastisch ausweiten? Ich denke, das wird eh nicht kommen, aber würde das den US-Frackern nicht in die Hände spielen? Je höher der Ölpreis durch die Angebotsverknappung wieder steigt – wenn er es denn tut – umso mehr verdienen doch auch die Fracker und haben Ansporn, noch mehr Öl zu fördern. Auf längere Sicht kann das doch keine Lösung für die OPEC sein.

  2. Kürzungen drastisch ausweiten? Ich denke, das wird eh nicht kommen, aber würde das den US-Frackern nicht in die Hände spielen? Je höher der Ölpreis durch die Angebotsverknappung wieder steigt – wenn er es denn tut – umso mehr verdienen doch auch die Fracker und haben Ansporn, noch mehr Öl zu fördern. Auf längere Sicht kann das doch keine Lösung für die OPEC sein.

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