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Nahrungsmittel: Über Inflation, Marktmacht – und leere Regale

Die Zeiten billiger Nahrungsmittel dürften absehbar vorbei sein!

Nahrungsmittel - über Marktmacht

Die Probleme der Lieferketten treffen derzeit verstärkt auch Teile der Landwirtschaft und daraus resultierend auch die für uns alle so wichtige Nahrungsmittel-Produktion. Wir sehen dies in der Verzerrung der Märkte: In der Regel werden die Produkte bei Mangel exorbitant teuer, was aber nicht immer so sein muss. Es kann auch in die andere Richtung gehen, wie z.B. im Fleischsektor. Durch das Nadelöhr Schlachthöfe kam es in vielen Ländern während der Coronakrise vor den Schlachthöfen zu einem Stau an Schlachtvieh, aber „hinter“ den Schlachthöfen kam keine Ware mehr an.

Warum? Wie in England geschehen konnten Schweine coronabedingt nicht geschlachtet werden und stauten sich dann bei den Landwirten. Daher fiel der Preis für Schweine, da die Tiere nicht vermarktet werden konnten – während gleichzeitig in den Geschäften das Fleisch knapp und teuer wurde.

Derzeit jedenfalls zeichnen sich Engpässe in vielen Bereichen ab: Rindfleisch ist teuer wie selten zuvor, Butter, Milch und anderen Produkte ziehen im Preis an.

Nahrungsmittel und die Marktmacht der großen Player

Die Produzenten der Nahrungsmittel versuchen derzeit, ihre gestiegenen Kosten an den Handel weiter zu geben, der Handel dann an den Konsumenten, so jedenfalls die Idee des Marktes. Nun muss man wissen, dass aufgrund der Struktur insbesondere im deutschen Lebensmittelhandel die Masse der Produkte faktisch nur von vier großen Konzernen vermarktet werden: die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland), Rewe, Aldi und Edeka.

Das hat natürlich großen Einfluss auf die Verhandlungspositionen der jeweiligen Partner. Die deutschen Produzenten der Nahrungsmittel – also vor allem Landwirte und landwirtschaftliche Großbetriebe – können hiervon ein Lied singen. Da die Nahrungsmittel häufig aufgrund massiv gestiegener Düngerpreise, gestiegener Futterpreise etc. nur noch zu deutlich höheren Kosten produziert werden können, versuchen die Nahrungsmittel-Erzeuger ihre gestiegenen Kosten an die großen Player im Lebensmittel-Handel weiter zu geben. Lidl, Aldi und Co aber weigern sich häufig, höhere Preise zu bezahlen  – und drohen daher den Lebensmittel-Erzeugern, ihre Produkte schlicht nicht mehr zu kaufen.

Nahrungsmittel: Engpässe und die Marktmacht von Lidl, Aldi und Co

Die Nahrungsmittel-Lieferanten wiederum – selbst wenn es große Konzerne sind –  sind dabei oft in einer schwierigen Situation: Ihre Verhandlungsposition verändert sich meist nur dann positiv, wenn es übergeordnet zu Engpässen an Nahrungsmitteln kommt. Das ist jetzt in vielen Sektoren der Fall.

Nehmen wir z.B. die Situation, wie sie sich im Moment bei Früchten wie Himbeeren und Brombeeren darstellt. Das sind kleine Märkte und deshalb etwas überschaubarer. Im Moment ist der Himbeerpreis für Industrieware mehr als doppelt so hoch wie in vorherigen Jahren. Weltweit ist die Ware so knapp wie nie. Aufgrund ihrer Marktmacht sind die großen deutschen Handelskonzerne (Lidl, Aldi und Co) aber starke Preisanstiege eher nicht gewohnt. Forderungen der Produzenten, die für ihre Produkte (Himbeer- oder Brombeerfruchtaufstriche, Säfte etc.) wegen gestiegener Rohstoffkosten oder auch anderer Produktionskosten höhere Preise verlangen, versucht man daher seitens der Handelskonzerne schlicht zu ignorieren. Das geht freilich nur so lange gut so lange, wie der Nahrungsmittel-Produzent keine Alternativen hat.

Um beim Beispiel Himbeeren zu bleiben: wenn dann ein großer Abnehmer z.B. aus den USA auf der Suche nach europäischen Fruchtverarbeitern ist, die ihm fehlende Ware liefern können und der auch bereit ist den geforderten Preis dafür zu zahlen, dann kann das dazu führen, dass sich die deutschen Handels-Konzerne mit ihrer Haltung aus dem Markt schießen. Sprich: Produkte in deutschen Supermärkten werden knapp, es drohen leere Regale!

England wiederum hat gezeigt, dass leere Regale auch nicht wirklich gut sind für den Handel. Wie auch immer es ausgeht: die Märkte ändern sich im Moment sehr schnell und es stellt sich die Frage, ob wirklich nur die EZB hinter der Kurve ist – oder nicht vielmehr auch die Politik realitätsfern agiert mit teils ideologischen geprägten Vorgaben für Nahrungsmittel-Produzenten!

Eines aber sollte klar sein: die Zeiten, in denen es in Deutschland als selbsverständlich galt, dass Nahrungsmittel günstig sind, dürften absehbar vorbei sein. Auch das ist ein Zeichen für eine dauerhafte Inflation!



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8 Kommentare

  1. Wenn die am Weltmarkt möglichen Preise in Deutschland nicht mehr bezahlt werden, dann gehen die Lebensmittel in andere Länder. Siehe Babynahrung seit Jahren nach China.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  2. Egal wie hoch die Marktmacht ist: Auf Dauer liefert niemand unter Gestehungskosten. Und wenn nur noch ein Produzent übrig geblieben ist, kehrt sich die „Marktmacht“ ganz schnell um. Nennt man dann Monopol.

  3. Fleisch ist laut Agenda 2030 auf dem absteigenden Ast, besser Würmer essen ;)
    Das mit den Beeren kann ich bestätigen, kaufe gerne TK-Blaubeeren. Erst 2,49€ jetzt 3,29€ -> +32%

  4. Umdenken?
    LEBENSMITTEL, Der Name sagt es aus.
    MITTEL FÜRS LEBEN.
    Bedeutungslos bis jetzt.
    Der Preis soll die Bedeutung fürs LEBEN widerspiegeln.
    Der Coca Cola Aktienkurs, spiegelt sich durch mehr Mitmenschen, und dickere Oberschenkel,bzw. ÜBERGEWICHTIGE wieder.
    Lachen Sie nur.

  5. Wenn Himbeeren und Rindfleisch teurer werden, ist das zu verkraften. Selbst wenn im Sinne von fairen Sozialstandards die Tafel Schokolade morgen 5 Euro kostet, ist dagegen eigentlich nichts einzuwenden.
    Dass sich aber auch Grundnahrungsmittel wie Brot und Obst drastisch verteuern, ist gerade aus gesellschaftspolitischer Sicht abzulehnen.

  6. Von mir aus können Fleisch, Alk oder legal Highs sonstwas kosten, nicht meine Welt. Wo ich aber
    zickich werde, ist die Tüte gemischte Plätzchen. Ein Produkt bisher bei jedem Discounter für 99 Cent.
    Neuerdings hat man die Mischung um die paar Waffeln in der Mischung reduziert, den Preis aber auf
    1,29 € angehoben. Ich leide an Dyskalkulie, ich vermute, es ist deutlich teurer, oder?

    1. Hallo Manuhiri,
      dann warten Sie erst einmal ab, wie sich die Preise entwickeln werden, wenn wegen dem fehlenden Kunstdünger (aus Erdgas) die Ernten schlechter ausfallen

      Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  7. Ich kann den Artikel nur bestätigen. Am europäischen Schweinesektor läuft eine historische Berreinigung. Die Produzenten sind wegen stark gestiegerner Kosten, Auflagen und Änderung der Lieferströme sehr stark unter Druck. Derzeit steht ein dickes Minus in den Büchern. Aber dann wird sich das Blatt wenden. Aufgrund der zu erwarteten Preissteigerungen bei Getreide, muss sich der Preis für tierische Produkte auf alle Fälle verdoppeln!

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