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Trügerische Ruhe an den Börsen Nasdaq 100: Diese drei Warnsignale erinnern an die Dotcom-Blase

Nasdaq 100: Dotcom-Warnsignale
Nasdaq MarketSite in New York. Foto: Bloomberg

Der KI-Boom treibt den Nasdaq 100 und den S&P 500 seit Monaten von Rekord zu Rekord. Doch unter der Oberfläche mehren sich die Warnsignale. Besonders auffällig: Während die Kurse weiter steigen, nimmt auch die Volatilität spürbar zu – ein Muster, das in dieser Form zuletzt nach dem Platzen der Dotcom-Blase zu beobachten war. Ist das nur eine Begleiterscheinung der starken KI-Rally oder der Beginn einer fragileren Marktphase?

Warnsignal 1: Die KI-Rally wird immer nervöser

Eigentlich gelten steigende Aktienmärkte und sinkende Volatilität als typisch für einen gesunden Bullenmarkt. Aktuell ist jedoch das Gegenteil zu beobachten, wie Bloomberg berichtet. Obwohl der Nasdaq 100 zuletzt neue Rekorde erreichte, werden die Kursschwankungen immer heftiger. Allein zuletzt legte der Index sechs Handelstage in Folge Bewegungen von mehr als einem Prozent nach oben oder unten hin. Die realisierte 30-Tage-Volatilität stieg damit auf den höchsten Stand seit den Turbulenzen nach den US-Zollankündigungen vor einem Jahr.

Dass Aktien in einer Hausse gleichzeitig immer stärkere Ausschläge zeigen, gilt unter Marktstrategen als Warnsignal. Es deutet darauf hin, dass Käufer und Verkäufer zunehmend aggressiver um die Preisfindung ringen. Nach außen wirken die Indizes stabil und die Rally intakt – unter der Oberfläche nimmt jedoch die Nervosität deutlich zu.

Warnsignal 2: Die Volatilität bei Tech steigt

Noch deutlicher wird die Entwicklung am Optionsmarkt. Der Cboe NDX Volatility Index, der die erwarteten Kursschwankungen des Nasdaq 100 misst, ist im Verhältnis zum bekannten VIX für den S&P 500 auf den höchsten Stand seit 2002 gestiegen.

Nasdaq 100, S&P 500: Volatilität sendet Warnsignal für Aktienmärkte
Nasdaq 100: Erwartete Volatilität gegenüber dem VIX erreicht 25-Jahres-Hoch

Das bedeutet: Während der breite Aktienmarkt vergleichsweise ruhig erscheint, rechnen Anleger bei Technologie- und KI-Aktien mit deutlich größeren Kursschwankungen. Gerade diese Divergenz macht viele Strategen aufmerksam. Denn sie zeigt, dass sich die Nervosität fast ausschließlich auf den Bereich konzentriert, der die Rally an den Aktienmärkten in den vergangenen Monaten getragen hat.

Warnsignal 3: Der KI-Trade wird immer voller

Hinzu kommt ein weiteres Warnsignal. Nach Daten von Bloomberg bewegen sich die Aktien im Nasdaq 100 inzwischen deutlich stärker im Gleichschritt als die Werte im S&P 500. Für Strategen der UBS ist das ein Hinweis darauf, dass sich immer mehr Investoren auf denselben KI-Trade konzentrieren.

Gleichzeitig haben zahlreiche institutionelle Anleger ihre Aktienquoten zuletzt weiter erhöht. Genau darin könnte das Risiko liegen. Wenn bereits ein Großteil der professionellen Investoren investiert ist, stehen bei einer Korrektur deutlich weniger Käufer bereit, um fallende Aktienkurse aufzufangen. Die Rally wird dadurch anfälliger für stärkere Rückschläge.

Was jetzt zusätzlich Öl ins Feuer gießt

Weitere Dynamik könnte ausgerechnet von den größten Gewinnern der KI-Rally ausgehen. Die Aufnahme von SpaceX in den Nasdaq 100 sorgt für umfangreiche Umschichtungen. Gleichzeitig verstärken gehebelte ETFs auf Technologie- und Halbleiteraktien die täglichen Kursbewegungen zusätzlich. Hinzu kommt, dass laut RBC Capital erste institutionelle Anleger bereits Gewinne im KI-Sektor mitnehmen und verstärkt in defensivere Branchen wie Gesundheitswesen, Banken oder Basiskonsumgüter umschichten.

Noch sind diese Warnsignale kein unmittelbares Verkaufssignal. Historisch zeigt sich jedoch, dass steigende Volatilität während einer laufenden Hausse häufig ein frühes Zeichen dafür ist, dass die Marktstruktur fragiler wird. Anders als in einer stabilen Aufwärtsbewegung nimmt die Unsicherheit bereits zu, obwohl die Kurse noch steigen. Genau dieses Muster war auch in früheren späten Marktphasen zu beobachten.

Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass die KI-Rally unmittelbar endet oder sich die Dotcom-Blase wiederholt. Es zeigt jedoch, dass Anleger die Rally an den Aktienmärkten nicht mehr als Selbstläufer betrachten sollten. Solange weiterhin Kapital in KI-Aktien fließt, kann der Aufwärtstrend durchaus anhalten. Doch je stärker die Nervosität unter der Oberfläche zunimmt, desto heftiger könnten die Kursreaktionen ausfallen, sobald die Stimmung dreht. Genau deshalb verdienen die aktuellen Warnsignale im Nasdaq 100 und S&P 500 besondere Aufmerksamkeit.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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1 Kommentar

  1. Da ist noch anzumerken, die USA haben seit 2022 die Zinsen angehoben und auf hohen Niveau gelassen und nur sehr langsam gesenkt. Erste Auswirkungen sieht man schon seit 2025 in vielen Bereichen. Der amerikanische Immobilienmarkt stagniert, Bitcoin hat im Oktober 2025 sein Top gemacht und ist seitdem im Bärenmarkt, Gold hat im Januar 2026 sein Top gemacht und ist seitdem im Bärenmarkt. Und im S&P 500 nimmt die Marktbreite seit Jahresbeginn stetig ab. Das spricht ganz klar für abnehmende Liquidität. Deshalb die Flucht der Kleinanleger in immer weniger Assets und Aktien. SpaceX und Alphabet dürften so viel Liquidität absaugen, dass der Markt spätestens im Herbst kippt.

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