Der Nasdaq 100 steht erneut im Spannungsfeld zwischen KI-Rallye und steigender Inflation. Überraschend hohe US-Verbraucherpreise hatten die Aktienmärkte und vor allem Technologiewerte zunächst belastet, doch Anleger setzen weiterhin auf die enormen Wachstumschancen rund um künstliche Intelligenz und Halbleiter. Nun rücken die US-Erzeugerpreise in den Fokus – und könnten zur nächsten Richtungsentscheidung für den NASDAQ 100 werden.
Nasdaq 100 zwischen KI und Inflation
Der Nasdaq 100 zeigt sich auch nach den jüngsten Inflationsdaten aus den USA weiterhin erstaunlich robust. Nachdem die US-Verbraucherpreise (CPI) gestern höher als erwartet ausgefallen waren, gerieten insbesondere Technologie- und KI-Aktien zunächst deutlich unter Druck. Zeitweise verlor der technologielastige Index rund zwei Prozent, ehe ein Großteil der Verluste im weiteren Handelsverlauf wieder aufgeholt wurde. Am Mittwoch setzen die Futures auf den Nasdaq 100 ihre Erholung fort und nähern sich erneut dem jüngst markierten Rekordhoch.
Die Inflationsdaten sorgten vor allem deshalb für Nervosität, weil sie erneut Zweifel an schnellen Zinssenkungen der US-Notenbank Fed aufkommen ließen. Die Teuerungsrate in den USA stieg im April auf 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während auch die Kerninflation leicht über den Erwartungen lag. Damit gewinnt das sogenannte „Higher for Longer“-Szenario wieder an Bedeutung – also die Aussicht auf länger anhaltend hohe Fed-Zinsen.
Laut einem Bericht von Bloomberg stehen deshalb nun die US-Erzeugerpreise (PPI) im Fokus, die am heutigen Mittwoch veröffentlicht werden. Analysten erwarten für April im Konsens einen Anstieg auf 4,9 % im Jahresvergleich, nach 4 % im März. Anleger befürchten, dass sich der Inflationsdruck zunehmend entlang der Lieferketten ausbreitet und die Produzentenpreise den jüngsten Aufwärtstrend bei den Verbraucherpreisen weiter untermauern könnten. Die PPI-Daten gelten als eine Art Frühindikator oder „Pipeline-Inflation“, da steigende Produktionskosten häufig zeitversetzt an Verbraucher weitergegeben werden.
Trotz der makroökonomischen Belastungsfaktoren bleibt die Stimmung im Technologiesektor bemerkenswert stabil. Anleger setzen weiterhin auf die langfristigen Wachstumsperspektiven rund um künstliche Intelligenz. Besonders Halbleiterwerte stehen erneut im Fokus. Nvidia legte im vorbörslichen US-Handel um 2,5 % zu, nachdem Unternehmenschef Jensen Huang doch noch gemeinsam mit US-Präsident Donald Trump nach China gereist war.
Kim Forrest, Chief Investment Officer bei Bokeh Capital Partners, sieht den Ausverkauf vom Dienstag lediglich als kurze Verschnaufpause der zuvor rasant gestiegenen Chip-Aktien — und nicht als nachhaltigen Schock infolge des überraschend hohen Inflationsberichts.
KI-Fantasie dominiert die Aktienmärkte
Auch international zeigen sich Technologiewerte widerstandsfähig. Neben steigenden Nasdaq-100-Futures erreichte ein wichtiger chinesischer Technologieindex ein neues Rekordhoch, während der südkoreanische Kospi zulegen konnte. Anleger hoffen weiterhin darauf, dass der KI-Boom auch in einem schwierigen Zinsumfeld hohe Gewinnsteigerungen ermöglichen wird.
Dabei rücken zunehmend geopolitische Risiken in den Hintergrund. Obwohl die Lage rund um die Straße von Hormus angespannt bleibt und der Ölpreis zuletzt deutlich gestiegen war, dominieren derzeit wieder KI-Fantasie und Gewinnerwartungen das Marktgeschehen. Die Marktteilnehmer setzen zudem darauf, dass das Treffen zwischen Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping neue Fortschritte bei Handelsabkommen und insbesondere im Halbleitersektor bringen könnte.
Marija Veitmane, Leiterin der Aktienanalyse bei State Street Global Markets, betonte in diesem Zusammenhang: „Der beste Ort zum Verstecken wären Unternehmen mit stärkeren Gewinnen und Margen sowie gut planbaren Erträgen. Alle Wege führen zu Technologieaktien.“ Gerade große Tech-Konzerne profitieren derzeit von massiven Investitionen in Rechenzentren, KI-Infrastruktur und Hochleistungs-Chips.

Inflation belastet KI-Rallye
Gleichzeitig bleibt das Risiko steigender Inflation bestehen und ein entscheidender Belastungsfaktor für die laufende KI-Rallye. Höhere Energiepreise wirken zunehmend auf die Verbraucherpreise durch und treiben die Renditen am Anleihemarkt nach oben. Genau deshalb dürften die heutigen PPI-Daten eine entscheidende Rolle spielen. Sollten die Produzentenpreise ebenfalls stärker steigen, könnte dies die Sorge vor anhaltendem Preisdruck weiter verschärfen und neue Belastungen für Wachstums- und Technologieaktien auslösen.
Auch Joachim Klement, Chefstratege bei Panmure Liberum, sieht darin ein Risiko für die Geldpolitik der Fed. „Die Inflation in den USA steigt derzeit so schnell, dass selbst mögliche Befürworter von Zinssenkungen bei der Fed bald kaum noch Argumente dafür haben könnten“, erklärte der Marktexperte.
Fallen die Erzeugerpreise hingegen moderater aus, dürfte dies die Hoffnung stärken, dass die jüngsten Verbraucherpreisdaten lediglich ein kurzfristiger Ausreißer waren. In diesem Fall könnte der Nasdaq 100 seine Rekordjagd fortsetzen – getragen von der ungebrochenen Dynamik rund um den KI-Boom.
FMW/Bloomberg
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